Die Jungen, die Alten und die dazwischen

Dass in unserer Welt nicht alles so läuft, wie es laufen sollte, ist wohl allgemein bekannt.

Doch es sind äußerst gefährliche Phänomene, die von vielen Leuten aufgrund ihrer Wohlstandssucht noch immer nicht wahrgenommen werden:

Die Welt wird ausgebeutet, die Menschen werden ausgebeutet und beides scheint nur mehr Beute für einige Jahre zu ergeben. Dann wird etliches erschöpft sein, anderes unwiederbringlich vernichtet, und werden die Reste der Menschheit deshalb zerstörerischen Krankheiten, der bitteren Armut und totaler Unterdrückung ausgesetzt sein.

 

Wen interessierts? Man hat das Gefühl: Niemanden!

Es wird weiter Raubbau betrieben, der Tanz um das goldene Kalb der Wirtschaft befeuert, und die Rufer in der Wüste in dieselbe geschickt.

 

Und doch! Es gibt Gruppen, die es interessiert! Die aufstehen und sagen: So nicht!

Es sind die Jungen und die Alten.

Ist euch das schon einmal aufgefallen?

 

fridays for future

 

Kinder und Jugendliche gehen auf die Straße und demonstrieren für Einhalt in der Verwrackung unserer Erde. Sie wurden von anderen Kindern und Jugendlichen darauf aufmerksam gemacht, dass ihre Zukunft in Gefahr ist. Und da Kinder bekanntlich oft in ihrer Logik und geradlinigen Denkungsweise unterschätzt werden, waren und sind die Erwachsenen davon überrascht.

Nein, noch vielmehr, sie gehen gegen diese Kinder vor. Unsere aufgehetzte, vom Konsum gesteuerte Gesellschaft macht sie zu hassenswerten Gestalten, die aufs Grausigste abgewertet und zutiefst in ihren Persönlichkeiten angegriffen angreifen.

Dabei fordern sie nur, dass das umgesetzt wird, was die Erwachsenen ja eigentlich fordern.

Doch bei denen scheint nur der Gipfeltourismus zu blühen. Die PolitikerInnen und KapazunderInnen reisen von einem Gipfel zum anderen. Verblasen dabei nicht nur heiße Luft, sondern verbrauchen dabei Unmengen an Kraftstoffen und müssen sich bei dieser verantwortungsvollen Tätigkeit natürlich an erstklassigen Banketten laben. Mit wieder von irgendwoher eingeflogenen Lebensmitteln und teuer importierten Wässern.

Ergebnisse?

ja natürlich. Von nahezu 200 Staaten, die ein Klimaschutzabkommen unterzeichnet haben, setzen nicht einmal 10 % es auch wirklich um.

Weiter reisen und diskutieren ist angesagt. Ansonsten passiert  – NIX!

 

fridays for future

 

Und nun stehen da Kinder, die keineswegs zu irgendetwas Bösem auffordern, sondern nur dazu, dass all die Lippenbekenntnisse für reinere Luft und sauberes Wasser, für verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen usw. endlich eingehalten (!) werden. Dass endlich DARAN und DAFÜR gearbeitet wird. Wissenschaftliche Grundlagen wurden ja schon längst erarbeitet und so gut wie niemand, der sich einigermaßen zivilisiert nennt, wird die Notwendigkeit in Abrede stellen. 

Und die Kinder? Werden deshalb angegriffen!

Sie werden als blauäugige unterbelichtete Närrchen hingestellt, die keine Ahnung von … ja genau, von WIRTSCHAFT haben, die nicht wissen, dass es Arbeitsplätze braucht, damit ihre Eltern ihnen Handys und sonstiges Hightech-Glumpert kaufen können.

Die dafür angegriffen werden, dass sie es verwenden! Dass sie Burgers essen oder aus Plastikflaschen trinken.

Es ist zu obskur.

 

Diese Kinder und Jugendlichen haben dies alles nicht geschaffen! Sollten nur das, was ihnen umgehängt wurde, nun nicht benützen. Sollten Lösungen aus dem Ärmel schütteln.

Doch sie sensibiliseren einander nun dafür, nach Lösungen zu suchen, wie sie aus den vorgefertigten und zerstörerischen Prozessen, die ihre Eltern angeleiert haben, aussteigen können. Und fordern „nur“ von den Altvorderen, sich ihren Anliegen anzuschließen und entsprechende Weichen zu stellen, dass ihre Zukunft auch eine Zukunft hat.

 

march for future

 

 

Und dann am anderen Ende:
Die Omas gegen rechts! Flankiert von vielen Opas.

 

omas gegen rechts

 

Die wissen ganz genau, was es heißt, wenn der Rechtsradikalismus um sich greift. Wenn Hass gesät und die Gesellschaft auseinandergetrieben wird. Sie haben das schon einmal erlebt.

Die wissen darüber hinaus aber auch, was es heißt, aus dem Nichts etwas aufzubauen. Das haben sie nach dem Krieg nämlich gemacht. Die hart für eine Wohlstandsgesellschaft gearbeitet haben.

Wie es aber nun aussieht, anscheinend dafür, dass ihre Nachkommen das alles wieder zerstören. Und zwar nachhaltiger als es der Krieg konnte.

Mag sein, weil sie selber zu wenig Zeit hatten, um ihre Kinder beizeiten auf die Gefahren hinzuweisen, die zuviel vom Guten beinhalten (wie man schon bei Watzlawick nachlesen konnte). Weil sie ja aufbauen wollten, um ihren Kindern und Enkeln eine bessere Welt bieten zu können.

 

Und jetzt? Stehen die EnkelInnen und die Omas/Opas gemeinsam auf, um dem bösen Spiel des Zauberlehrlings Einhalt gebieten zu wollen. Diesem Spiel, das schon lang keines mehr ist und das von den Generationen zwischen jung und alt irgendwie in eine falsche Richtung gelenkt wird. Wo es eben nichts mehr aufzubauen gibt, und die Erhaltung des Vorhandenen anscheinend zu wenig kreative Strahlkraft als Aufgabe für die derzeitigen Machthaber – und auch ihrer Wähler – hat.

Hören wir doch endlich auf die noch nicht durch Lobbys verseuchten Forderungen der jungen Menschen!

Hören wir doch endlich auf die Erfahrungen der Altvorderen!

Die „Weisheiten“ der Generationen dazwischen haben uns an einen Punkt gebracht, der sich für den eigenen Nachwuchs mehr als rächen wird. Und wenn es so rasant weitergeht, auch noch für deren Eltern, die in ihrer Kurzsichtigkeit und Fokussiertheit auf Konsum gerade dabei sind, die Welt aus ihren Angeln zu heben.

 

Gestern haben sie miteinander demonstriert. Die Jungen und die Alten.

 

Also, Eltern der Kinder und Kinder der Omas, vielleicht denkt ihr endlich einmal darüber nach, dass ihr das Verbindungsglied zwischen den Generationen seid und dafür Verantwortung trägt, was ihr euren Kindern (für die ihr angeblichnur das Beste wollt) und Eltern (die für euch etwas aufgebaut haben, das sich zu erhalten lohnt!), aber auch euch selbst antut.

Die Zeit dafür ist höchst reif!

 

opas for future

 

Kinder an die Macht

Es ist wie immer.
Anstatt sich dafür zu interessieren, was denn mit den fridays for future bezweckt werden soll, wird das Augenmerk darauf gelegt, wer von wem „instrumentiert“ ist, was Greta Thurnberg isst, wie sie reist, oder was die Kinder und Jugendlichen denn davon verstehen und selber umsetzen.

 

fridays for future

 

 

Eines ist klar:

DASS da viele jetzt auf den Zug aufspringen. Aber vor allem die ewigen Kritikaster und Sich-in-den-Vordergrund-Dränger, die als Einzige den total Durchblick haben.

Ich verstehe nicht, warum man nicht einfach akzeptieren kann, dass sich Kinder und Jugendliche für ihre Zukunft einsetzen. Egal, ob sie genau verstehen, was jetzt läuft oder nicht.

Dass es mit unserem Umweltverhalten so nicht weitergehen kann, sollte uns allen klar sein! Das ist ihre Botschaft. Wieso müssten sie jetzt Wissenschafter sein, um dies bis ins Detail belegen zu können? Wieso müssten sie jetzt die von ihren Altvorderen anerzogenen Muster mit einem einzigen Schnitt, samit ihren Handys abwerfen?

Die haben das alles nicht erfunden. Sie wurden in ein Konsummodell hineinkonditioniert, das ihnen mit Sicherheit in allen Einzelheiten nicht klar sein KANN.

Einerseits wird den Jugendlichen vorgeworfen, dass sie sich um nichts kümmern, andererseits, wenn sie es tun, dass sie das falsche tun. Nämlich nicht das, was die Erwachsenen von ihnen wollen. Und dann gelten sie als instrumentiert. Dabei sind es die Erwachsenen, die instrumentiert sind!
Was sich am besten daran zeigt, dass sie sich nicht damit beschäftigen, was die Jungen aufzeigen, sondern damit, wie sie ihre Aktion nieder machen können, um sich selbst zu überhöhen.

Ich finde es wesentlich fataler, dass die ganzen Verpöbelungsdummies sich dafür instrumentieren lassen, um unreflektiert hinter ihren rechten Vorbildern nachzurennen. Als wenn nun die nächste Generation sich dafür instrumentieren lässt, die Verantwortlichen dazu aufzufordern, sich um die Thematik des Klimawandels zu kümmern, der ihre Zukunft weitgehendst gefährdet. Und der von diesen herbeigeführt wurde, nicht zu vergessen!

SIE sollten jetzt Lösungen anbieten? SIE sollten jetzt den totalen Durchblick haben? Wieso? Es reicht, mit offenen Augen in die Welt zu sehen, um zu erkennen, was läuft. Auch für Kinder.

Manche Zusammenhänge können sie halt noch nicht herstellen. Wie sollten sie auch, bei diesen Erwachsenenvorbildern? Aber dass sie eine lebbare Zukunft wollen, das können sie sehr wohl wissen.

Und warum sollten sie nun einfach still in ihren Schulen sitzen, weiteren Konsumblödsinn lernen, und stumm zusehen, wie ihnen die Erwachsenen die Welt ruinieren?

Warum sollen sie nun ihren Protest wohlgeordnet und im stillen Kämmerlein praktizieren? Damit man sie nicht sieht und hört.

Nein, genau so gehörts. Dort wo’s wehtut, ohne jemandem anderen wehzutun. Am äußeren Erscheinungsbild kratzen, dass angeblich eh alles in Ordnung ist …

Aber es ist wie immer. Anstatt das Augenmerk darauf zu legen, was Sache ist und die Jugend zu unterstützen, ihre Meinungen und Ideen umzusetzen, oder zumindest diskutieren zu können, werden sie behandelt, als wären SIE diejenigen, die die Welt in diesen Zustand gebracht haben und noch bringen. Dabei wäre der einzige richtige Weg, MIT ihnen daran zu arbeiten, ihre Zukunft zu sichern.
Es jetzt endlich zu beginnen. Dann könnten sie auch von uns wieder lernen.

Ich bin ein sehr interessierter Mensch, aber ehrlich, ICH durchblicke die Klimapolitik auch nicht. Aber was interessieren mich die vermeintlichen Hintergründe? Der sichtbare Vordergrund ist brisant genug.
DAMIT sollte man sich beschäftigen.
Dass es Trittbrettfahrer gibt, ist klar. Die Erwachsenen sind sooo gescheit, aber manipulierbar bis ins Klopapier. Aber von den jungen Leuten verlangen sie Differenziertheit.

Es braucht keine Differenziertheit!
Es braucht die klare Aussage unserer Jugend: Wir wollen eine Änderung, um unsere Zukunft noch erleben und dann auch selbst gestalten zu können!

Danke an diese Jugend! Sie gibt Hoffnung. Nicht diese ganzen Gipfeltager, die Millionen dafür ausgeben, um an ihren fruchtlosen Gipfeln teilnehmen zu können, sich dort nur an Banketts vollfressen und niedersaufen, während sie anderen das Wasser abgraben und sie in den sicheren Tod schicken.

 

 

Für Leben oder Tod?

Also ehrlich, mir geht diese ewige Nazikeule echt auf den Socken. Ich hab Verständnis dafür, wenn viele Leute sagen, was geht das mich an, das ist so lang her und bei den meisten war es sogar vor ihrer Geburt. Es ist auch wirklich unerheblich, finde ich. Denn – das IST VERGANGENHEIT!

Es geht um unsere GEGENWART, um die ZUKUNFT unserer Kinder.

Es ist wichtig, dass man den Lauf der Geschichte kennt, ein entsprechender Geschichtsunterricht ist höchst angebracht. Denn selbstverständlich kann man aus Erfahrung lernen.

Aber diese ewige Schwingerei ist einfach kontraproduktiv. Weil so viele Leute sich nicht in dieser Rolle sehen wollen und einfach drüberlesen, wenn schon wieder in diese Kerbe geschlagen wird.

Viel wesentlicher wäre es, die Menschen zu fragen, was für sie ihr Menschsein ausmacht? Wofür sie sich in ihrem Leben entscheiden: für Liebe oder Hass, für Miteinander oder Gegeneinander, für Humanität oder Verrohung, für Unterstützung oder Ausbeutung, für Unterdrückung oder Freiheit, für Hilfe oder Neid und Gier, für Mut oder Feigheit.

Und die zentrale Frage an den Menschen muss lauten:
Wofür bin ich? Wofür bist du? Für Leben oder Tod?

All diese Menschen, die in dieser Zeit so gegen Andere arbeiten, würden die meisten der Fragen mit dem positiven beantworten! Allerdings mit dem kleinen Zusatz ABER. Doch dort würde es unweigerlich in das nächste Gegensatzpaar führen, und irgendwann gäbe es keine Ausrede mehr.

Und vielleicht würde dann so Mancher erkennen, wie er sich selber in die Tasche lügt, wie er selber glaubt, dass er eh nur das Beste will und dabei vollkommen konträr zu seinen Vorstellungen und Wünschen denkt und agiert.

Aber mit dem ewigen Vorhalten der Taten der Vergangenheit, wird er sich immer aus der Zuweisung einer Gesamtschuld herauswinden wollen. Zu Recht! Es gibt keine kollektive Schuld!

Jeder trägt die Verantwortung für sich selbst und deshalb wäre es gut, wenn er sich die Fragen nach seiner Menschlichkeit beantworten würde, bevor er sich ebenfalls kollektiven Schuldzuweisungen anschließt.

Aus diesem Grund wäre es viel zielführender, sich und anderen immer wieder diese Fragen zu stellen, anstatt Antworten aus der Vergangenheit auf die Gegenwart projizieren zu wollen. Dadurch wird lediglich die persönliche Identifikation untergraben, weil es zur Hauptauseinandersetzung wird, die Anschuldigungen abzuwehren.
Auf diese Weise wird dem Populismus Tür und Tor geöffnet.

 

 

PS: Mein Blog heißt ja filosofium – oder die Wichtigkeit des Seins. Und deshalb gibt es hier nicht nur Lyrik …

 

Gespräch unter Freundinnen VI

Eigentlich dachte ich bisher, mein Freundeskreis sei doch mit mir eher gleichdenkend, was menschliche Belange angeht. Und ich hab das auch richtig gefunden, dass sich in meinem direkten Umfeld keine menschenverachtenden Leute befanden. Es gehörte für mich zu meiner Authentizität. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich Menschen „mögen“ könnte, die das blau/braune Gedankengut vertreten. Ich gehe viel vom Spüren aus und die Leute, die ich kenne, die sich dieser Richtung verschrieben haben, spüren sich ja auch tatsächlich ganz anders an, als meine Freunde und engen Bekannten.

Es gibt zwei, drei Männer von Freundinnen, die dem Sozialstaat skeptisch gegenüberstehen und auch schon manchmal in Diskussionen ziemlich unreflektiert darüber aushauen. Aber alles was ich dazu dachte war, dass ICH so einen Mann wohl nicht aushalten würde, aber meine Freundinnen waren davon nicht nicht betroffen und meine Freundschaft sowieso nicht.

In den letzten Tagen wurde ich zweimal überrascht. Sehr gute Freundinnen von mir outeten sich als Basti-Fans und dadurch natürlich auch als seine Wählerinnen. Ich verstand die Welt nicht mehr.

Und immer, wenn ich etwas nicht verstehe, und es mir überdies enormes Unbehagen bereitet … schreibe ich. Ich muss meine Gedanken sortieren, muss überprüfen, wo ICH vielleicht etwas (an Basti) übersehen habe.
Erfreulicherweise geht’s wenigstens nicht um den Bumsti. Also natürlich dann in weiterer Folge auch, aber den und die FPÖ mag wirklich in meinem engen Umfeld niemand. Nicht einmal die oben erwähnten Männer.

Diese beiden Freundinnen leben in sehr angenehmen Verhältnissen. Eine ist Pensionistin, und hat einen sehr begüterten Lebenspartner, die andere ist Teilzeitsekretärin mit Kindern, die vom Sozialsystem einige Förderungen erfahren. Sie leben in eigenen Häusern, haben mehrere Autos, es gibt schöne Urlaube …

Natürlich fragte ich nach Argumenten. Und es kristallisierte sich ein eigenartiges Phänomen heraus.
 
Es muss etwas verändert werden!
 
Aha. Und was?
Ich interessiere mich nicht für Politik, aber so geht’s nicht weiter.
Ja, aber was? Dir geht’s doch gut.
Mir schon, aber es gibt sehr viele Leute, denen es nicht so gut geht.
Und für die muss sich was verändern?
Ja.
Und was wird der Basti tun, dass es denen besser geht?
Er wird das System verändern.
Aber wir haben ein gutes System, ein demokratisches, ein Sozialsystem … also für Leute, die Unterstützung brauchen.
Ja, das wird er ja auch nicht verändern.
Also was wird er verändern?
Die Politik halt. Ich interessiere mich ja nicht dafür, aber da muss einiges verändert werden.
Und der Kern hätt das nicht gemacht?
Nein, der hätte nur wieder Unsummen für irgendwelche Sozialleistungen oder Förderungen an irgendwelche Leute ausgegeben.
Und das ist nicht sozial?
Schon, aber so geht’s nicht weiter. Das können wir uns nicht leisten. Es müssen die gefördert werden, die der Wirtschaft etwas bringen, nicht die, die sie was kosten.
Dafür braucht man doch kein Sozialsystem. Das wird immer kosten.
Schon. Aber es muss verändert werden.
Er hat Arbeitsplätze gefördert. Basti hat die Förderung zurückgenommen.
Weil wir sie uns nicht leisten können.
Wer genau jetzt nicht? Du? Ich?
Der Staat! Der geht so bankrott.
Was soll also gefördert werden?
No ja, das was der Staat braucht.
Also nicht die sozialen Belange, nicht die Kultur und Bildung.
O ja natürlich, das braucht der Staat ja auch.
Aber die will er doch kürzen.
Nein, die nicht.
Aber er hat ja schon begonnen.
Na, jetzt lass ihn doch einmal arbeiten.
Aber er kürzt bereits die Sozialleistungen. Er setzt eine große Gruppe unserer Bevölkerung größerer Armut aus.
Das gilt ja nur für die Ausländer.
Wie bitte? Seit wann bist du gegen Ausländer?
Natürlich bin ich nicht gegen Ausländer, aber so geht das auch nicht, dass wir alles für irgendwelche Leute zahlen, wir haben selber genug Arme.
Ja, aber denen nimmt er ja jetzt was weg.
Ich kenn mich da nicht so aus, aber es muss einfach was verändert werden. Lass ihn doch arbeiten.
Und da darf es Bauernopfer geben?
Nein, natürlich nicht. Aber allen kann man eben nicht helfen.
Wem wird aber jetzt geholfen?
Na, dem Staat.
Aha, und wer ist der Staat?
Na wir.
Und wie wird dir jetzt geholfen?
Mir braucht keiner helfen. Ich bin davon ja nicht betroffen.
Also weshalb bist du dann dafür?
Weil etwas verändert werden muss.

 

Fazit: Wahlwerbung offensichtlich geglückt …

 

Vorherdenker statt Vordenker gesucht

Oft werde ich gefragt, warum ich mich „politisch“ so exponiere, da ichs doch eigentlich mit Politik gar nicht habe. Mich an sich nicht dafür interessiere. Also auch gar nicht mitreden könnte.

Nun, das ist leicht gesagt.

Ich richte mich nicht daran aus, was die Politiker so von sich geben. Was sie versprechen und dann halten oder nicht.
Ich richte mich danach aus, WIE sie es sagen. Welche Haltung sie Menschen gegenüber einnehmen, welche Sprache sie sprechen und nehme auch das Gesamtbild ihrer Erscheinungen her, also nicht Aussehen, sondern Körperhaltung, Gestik, Mimik. Aber das erst an letzter Stelle. Erst wenn es darum geht, ob ich ihnen ihre Aussagen bezüglich Menschenbehandlung abnehme oder nicht.
Denn es haben ja auch schon welche mit Kreide in der Stimme gesprochen.

Aber bei uns ist das gar nicht mehr nötig. Hier wird alles ausgesprochen. Die ganze furchtbare Menschenverachtung, der Hass auf Andersdenkende, Andershandelnde, AndersLEBENDE.

Und es wird in der Sprache ausgesprochen, die bei den Leuten mit der – wie es mein Mann ausdrückt – schlanken Intelligenz ankommt. Nämlich mit kleinem, aber reißerischem Wortschatz. Mit einem Deutsch, das gar nicht mehr Deutsch ist, sondern sich halt dem Bildungsniveau einer gewünschten Wählerschaft angleicht, von denen „verstanden“ wird. Einer Wählerschaft, die sich bisher nicht vertreten fand, weil sich Politiker oft in einer Sprache ausgedrückt haben, die ein Mindestmaß an Bildung erforderte. Oder tatsächlich Politisches von sich gaben.
Die Demaskierung, die dadurch auftritt, ist für mich klar ersichtlich, und daran richte ich mich aus. Mehr brauchts gar nicht.
Ich weiß genau, wem ich mich anschließen will und wem nicht.

Leuten, die Anderen etwas wegnehmen wollen, egal ob den „eigenen Leuten“ oder Fremden, die Andere ausgrenzen wollen, sie pauschal abstempeln und vorverurteilen, die zur Verfolgung von Menschengruppen aufrufen. Die natürlich auch von den entsprechenden Politikern repräsentiert werden.
Oder Menschen, die Frieden und Zusammenhalt im Auge behalten, oder zumindest ihren Wunsch dazu ausdrücken, die übergeordnete Zusammenhänge erkennen können, die etwas für Bildung und Kultur übrig haben, wozu auch die Sprachkultur gehört.
Somit auch nicht Politikern, die uns auf der ganzen Welt als unterbelichtete, blöd vor sich hin brabbelnde Wesen dastehen lassen, die keine Ahnung haben, was sie denn so eigentlich von sich geben. Das im Nachhinein erst kompliziert aufklären müssen, und es doch gar nicht können, weil es eben niemals unbeabsichtigt ist.
Die sind nämlich keineswegs naiv und ungebildet, sondern sie wollen nur diese Klientel erreichen, die keine andere Sprache annimmt. Weil sie nur mit denen stark werden können.

Ich möchte mich Menschen anschließen, mit denen ich mich weiterentwickeln kann, die dafür etwas vorgeben, auch wenn nicht alles für mich zutreffen muss. Etwas das sich lohnt, es weiter zu entwickeln. Neid lohnt sich nicht! Hass lohnt sich nicht! Die bringen keine Entwicklung, sondern Rückschritt. Rückschritt, von dem man aus der Geschichte erfahren könnte, wohin er führt, wenn man ein Mindestmaß an Bildung in sein Leben einbindet und sich aufmerksam umsieht. Diskutiert, statt streitet.
Aber für Diskussion braucht man Menschen, die ein bisschen Sprachkultur haben und nicht einfach nur unsensibel in die Welt grölen.

Nein, solchen Leute möchte ICH mich nicht anschließen, und darum ist es für mich sehr einfach, mich „politisch“ zu exponieren, obwohl ich mich für Politik gar nicht interessiere.

 

Familienweihnachten

 

familienweihnachten

Und nun ist er vorbei, der Hl. Abend. Und wie jedes Jahr habe ich ihn auf höchst angenehme Weise verbracht. Es ist DER Familienabend bei uns. Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander, aber wir treffen einander während des Jahres nur selten und wenn, dann meistens nicht alle miteinander, sondern einmal mit denen, einmal mit den anderen.

Deshalb ist der Weihnachtsabend für mich immer etwas ganz Besonderes. Auch diesmal war alles festlich geschmückt, es gab kleine, aber liebevolle Geschenke und der diesjährige Gastgeber zauberte ein Menü der Sonderklasse. Ein für mich sehr emotionaler Abend!

Und immer wieder dachte ich: wie gut geht es mir doch, wie groß ist doch die Gnade, nicht nur ein kuscheliges Zuhause zu haben, sondern auch meine Familie um mich haben zu können und mit ihnen harmonisch und ohne Not feiern zu können.

Heute sind meine Gedanken dazu nicht ganz so harmonisch. Denn mir fallen all die Buberln ein, die dafür sorgen wollen, dass es Menschen, denen es nicht so gut geht, noch schlechter gehen wird. Nicht mir wird es vermutlich schlechter gehen, sondern Menschen, die erst gar nicht in den Dunstkreis dieser Gnade kommen, die keine Familie um sich scharen können und für die das Notwendigste schon hinter einer unüberbrückbaren Hürde liegt.

Mir fällt meine Lesung bei der Pannonischen Tafel ein und wie dort fieberhaft daran gearbeitet wird, abzumildern, was die Politik mit ihrem Machtgehabe und die Gesellschaft in ihrer Genusssucht anrichtetn

Leute, die dafür sind, dass man Anderen etwas wegnimmt, ohne daraus überhaupt nur selber einen Vorteil ziehen zu können. Ich meine, es ist auch nicht sehr menschlich für mich, anderen etwas wegzunehmen, dass es einem selber besser geht. Aber es überhaupt einzig deshalb zu tun, um Anderen zu schaden, das ist so grindig, dass ich keine Worte dafür finde. Wie nieder eine Gesinnung sein und wie sie sich wie eine Seuche ausbreiten kann.

Und es beschert mir immenses Unbehagen. Denn die Politiker handeln im Auftrag des „Volkes“. Es sind meine Mitbürger und auch Nachbarn, die sie und dieses System der Unmenschlichkeit gewählt haben. Sie sind rund um mich und grinsen hinter ihren Weihnachtsmannbärten mit hämischen Fratzen.
Ich denke an die Verschwendungsparade in der Vorweihnachtszeit, an diese Unmengen von Energie, die vergeudet wurden, an die Berge von Lebensmitteln, Verpackungen und wohl auch unsinnigen Geschenken, die heute die Mistkübel übergehen lassen.

Und denke daran, dass mir jemand einreden will, wir leben in einem so armen Land, das Menschen ausgrenzen muss, sie zur Not verdammen muss, sie zu Bettlern und Hassgestalten machen muss.

An all jene, die heute ihren Kater pflegen und mit der abgenagten Ganslkeule drohend herumfuchteln und mundfäulige Sprüche loslassen über „christliche Werte“, Heimatschutz, Traditionsbewahrung, oder solchen Schmarrn.

Nein, abgesehen davon, dass das keine christlichen Werte sind – Jesus wollte ganz was anderes von uns – das sind keine Traditionen, die ich bewahrt haben möchte! Und Heimatschutz betreibt man auf diese Art auch nicht. Denn genau so wird unsere Heimat untergehen!

Deshalb meine Weihnachtsbitte an euch: Verwendet euer Hirn zum Denken, euer Herz zum Fühlen und die Weihnacht dafür, um Einkehr zu halten und Umkehr einzuleiten.

Zu menschlichen Werten, zur Pflege unserer schönen Heimat und zur Linderung der Not Anderer. Denn nur das wird auch unsere eigene Not verhindern, niemals vergrößern!

Frohe Weihnachten!

 

 

Weihnachtslesungspodcast

 
Liebe Freunde!

Wie schon voriges Jahr, fällt in diesem Jahr die Lintschi-Weihnachtslesung ebenfalls aus.
Auch heuer werde ich keinen Weihnachtslesungspodcast betreiben.
Die Ereignisse der letzten Monate lassen in mir einfach keine Weihnachtsstimmung aufkommen. Und das Umfeld, das ich erlebe, wenn ich aus dem Haus gehe, trägt auch nicht dazu bei, mir dabei behilflich zu sein, mich in Stimmung dafür zu bringen.
Dieses furchtbar hysterische Getue geht mir ja schon seit Jahren auf den Keks, wie aufmerksame Begleiter wissen, aber heuer bekommt es zusätzlich einen höchst bitteren Geschmack des puren Hohns.

Dieser Überfluss der Unnötigkeiten, der zelebriert wird und Unmengen an Geld verschlingt, das derzeit tatsächlich wesentlich sinnvoller und weihnachtsentsprechender angelegt werden könnte.
Diese Weihnachts- und Christkindlmärkte an jeder Ecke – etwas das an sich schon vollkommen anachronistisch ist und mit Weihnachten absolut nichts zu tun hat – mit ihrem Kitschgeblühe, Alkoholgepöble und X-Mas-Rock-Gedröhne.
Die Vergeudung der elektrischen Energie für schauerliches Lichtergeschrei, wo gerade die Einsparung im Energiebereich von vielseitigster Effizienz und deshalb höchst angebracht wäre.
Der religiöse Hintergrund, der einerseits den meisten Leuten gar nicht mehr geläufig ist, aber andererseits genau von diesen eingefordert wird, indem sie auf Werte pochen, deren Ursprung sie gar nicht kennen und selber schon seit Jahrzehnten nicht danach leben.
Eine Forderung, die verschärfend und äußerst verhängnisvoll dafür verwendet wird, Religionen, die man noch weniger kennt, einfach abzulehnen und Menschen pauschalen Vorurteilen und enormer Hetze auszusetzen.

Ich gehe da nicht mit.
Ich will mich dieser Scheinheiligkeit nicht nur nicht anschließen, sondern ich möchte auch keine Texte liefern, die den falschen Leuten die Möglichkeit geben könnten, sich in Heuchelei und Selbstlüge einzugaukeln.

Ich habe jahrzehntelang versucht aufzuzeigen, was Weihnachtsfrieden ist und wie wir ihn erreichen können. Wie wir ihn in die Welt tragen können.
Und muss nun mitansehen, dass ich in der Epoche meines Lebens angelangt bin, wo viel mehr Hass in die Welt getragen wird, als Liebe.
Da gibt es diesen Rückzug in mich und Erreichung meines persönlichen Friedens, auf Art und Weise des Schreibens davon, nicht mehr. Es wäre Verdrängung des Leids, das ich rund um mich in diesen letzten Monaten erkennen muss.

Ich brauche meine Kraft, um bei mir bleiben und dadurch versuchen zu können, dieses Leid zu lindern. Und dabei helfen mir weder anklagende, noch scheinschöne Texte etwas.

Ich bitte um Verständnis und wünsche euch einen besinnlichen Advent,
der von Menschenliebe getragen ist.
Und wie immer – Alles Liebe!

Eure Lintschi

advent

 

Fremde Nähe

 
Die Musikerin Mirjam Mikacs lud Autorinnen des Burgenlandes ein, für ihre neue CD  „Fremde Nähe – Stimmen zu Grenzen, Flucht und Krieg“ Texte beizusteuern. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich an diesem Projekt beteiligt sein darf.
Am 13. Oktober 2016 fand in der NN-Fabrik in Oslip die sehr berührende Präsentation statt.
 
filo1

Hier nun mein Beitragstext:
 
zufluchten

und dann kommt sie.
angst kriecht aus meinen zufluchten. krieg tritt in mein blickfeld. lächeln, wie geht das? zufriedenheit spüre ich als hohn. glück als naivität. freude erfriert an meinem gesicht.

und dann kommen sie.
aus den trümmern ihrer gegenwart. auf den nackten füßen der hoffnung. vorurteile fluten den menschenstrom. im schlamm der unbarmherzigkeit ertrinken ideale.

und dann sind sie da.
in den gehirnen hitzt die angst. die dürftigkeit der not lockt die notdurft der dummheit aus den ärschen des volkes. die unsicherheit bricht zacken aus der krone der menschlichkeit. wellen der unwissenheit stürzen als lüge und hatz über diffuse bedrohlichkeit. abwehr bläst zum angriff des pöbels. der überfluss regiert den wert.
mensch, wohin trägt dich die gier?

und dann sind sie da.
menschen erkennen menschen. nachbarn treten aus ihren schatten. springen über die zäune der feigheit in die pferche der ignoranz. reißen der oberflächlichkeit die masken vom gesicht. lichterketten zeigen den weg in eine kriegslose zukunft. schulter an schulter pflückt sich die blume der zuversicht leichter. hände öffnen sich zum geben. umarmungen legen sich um zitterndes erwachen. belohnung fällt aus augen. glück fällt aus gemeinsamkeit. angst kehrt sich zum mut.

und dann ist sie da.
leben ist entscheidung. nur dinge haben zwei seiten. eine lebenseinstellung ist kein ding. ich weiß mich zu entscheiden.

und dann bist du da.
du lächelst. wie geht’s? fragst du. und ich denke: mir geht es gut. aber wie geht es wohl dir? denn du kannst es mir nicht sagen. dein deutsch ist noch nicht gut genug dafür. doch du lächelst. mir freude ins gesicht.

 
© evelyne w.

lintschi liest

 

zufluchten

 
und dann kommt sie.
angst kriecht aus meinen zufluchten. krieg tritt in mein blickfeld. lächeln, wie geht das? zufriedenheit spüre ich als hohn. glück als naivität. freude erfriert an meinem gesicht.

 
und dann kommen sie.
aus den trümmern ihrer gegenwart. auf den nackten füßen der hoffnung. vorurteile fluten den menschenstrom. im schlamm der unbarmherzigkeit ertrinken ideale.

 
und dann sind sie da.
in den gehirnen hitzt die angst. die dürftigkeit der not lockt die notdurft der dummheit aus den ärschen des volkes. die unsicherheit bricht zacken aus der krone der menschlichkeit. wellen der unwissenheit stürzen als lüge und hatz über diffuse bedrohlichkeit. abwehr bläst zum angriff des pöbels. der überfluss regiert den wert.
mensch, wohin trägt dich die gier?

 
und dann sind sie da.
menschen erkennen menschen. nachbarn treten aus ihren schatten. springen über die zäune der feigheit in die pferche der ignoranz. reißen der oberflächlichkeit die masken vom gesicht. lichterketten zeigen den weg in eine kriegslose zukunft. schulter an schulter pflückt sich die blume der zuversicht leichter. hände öffnen sich zum geben. umarmungen legen sich um zitterndes erwachen. belohnung fällt aus augen. glück fällt aus gemeinsamkeit. angst kehrt sich zum mut.

 
und dann ist sie da.
leben ist entscheidung. nur dinge haben zwei seiten. eine lebenseinstellung ist kein ding. ich weiß mich zu entscheiden.

 
und dann bist du da.
du lächelst. wie geht’s? fragst du. und ich denke: mir geht es gut. aber wie geht es wohl dir? denn du kannst es mir nicht sagen. dein deutsch ist noch nicht gut genug dafür. doch du lächelst. mir freude ins gesicht.

 
© evelyne w.

lintschi liest