lintschis filosofium

oder – die wichtigkeit des seins

morgenduft

 

ich liebe den duft
von möglichkeiten
jeden morgen

der mit dem atem
der freude
auf den neuen tag
in meine sinne steigt

und mir die welt
öffnet

 

© evelyne w.

 

schmerznah

 
will nah mir sein
mich spüren
ertragen

mich bewegen
ohne angst

vom schmerz mir
nicht die freiheit
engen lassen

jahrzehntelange
starre aufzubrechen
kann sehr weh tun

doch
die belohnung ist

leben.

 

© evelyne w.

 

new wave

 
auf der welle meines lebens
liege ich

manchmal ganz hoch oben
greife nach der sonne
und trinke die gischt der freude

manchmal ganz tief unten
umspült vom schlamm des grundes
und trinke vom vertrauen in den sog

der mich nach oben ziehen wird

 

© evelyne w.

 

ich schwinge

 
in der schwingung meines ichs
will ich schwimmen
im strome der erkenntnis.
vom morgen zum abend. durch die nacht. hin
zum erwachen

in der schwingung meines ichs
will ich tanzen
durch die pforte der beschränkung.
von mir zu dir. mit dir. hinein
ins uns.

in der schwingung meines ichs
lasse ich mich fallen
weil ich weiß
dass du mich auffängst.
in deinem ich. in meinem du.
in unserem wir.

 

© evelyne w.

 

es neigt der herbst sein haupt

 
es neigt der herbst
sein haupt zu mir

sein lächeln
erzählt von wilden blumen
der erinnerung
und mahnt
zum festen schuhwerk

die zeit des barfuß
tanzens auf den wiesen
ist vorbei

© evelyne w.

 

verdienst

verdiene glück
indem du deinem tag
liebe schenkst

sie auf die wege streust
wo menschen
auf dem eise fallen können

das jene in die welt frieren
für die der hass
den tag bestimmt

 

© evelyne w.

 

 

Silvester-Resümee

feuerwerk

Was für ein Jahr!
Wie oft
War es doch wunderbar!

Ich habe geliebt
Ich habe gelacht
Hab Spaß gehabt
Und auch gemacht
Ich habe gehofft
Ich habe geträumt
Und ich hab
Einiges nicht versäumt

Was für ein Jahr!
Wie oft
War ich doch undankbar!

Ich habe gefordert
Ich habe gezankt
Hab Unsinn gemacht
Unsinniges verlangt
Ich habe gehadert
Ich habe gestritten
Und ich hab
Manchen Zweifel geritten

Was für ein Jahr!
Und doch
Es war wunderbar!

Ich hab’ nichts bereut
In vielem Sinn gefunden
Es gab glückliche
Und auch traurige Stunden
Hab’ aus Liebe gelitten
Doch auch aus Liebe gebebt

Und weiß am Ende des Jahres:
Ich habe gelebt!

© evelyne w.

 

spätwein

 
tage
fließen aus dem krug
der mein leben ist

tiefrot und süß
der wein
aus später ernte

der zum genießen
einlädt im kreise
von vertrauten

und nicht mehr
glas um glas
voll fusel
mich leeren lässt

auf den partys
einsamer eitelkeit

© evelyne w.

 

lintschi liest

 

 

selbstschutz

 
selbstschutz

späh in dein inneres
das licht zu hüten
das deine wege hellt
wenn andere
danach trachten
es zu löschen

umfang dein herz
dir wärme zu bewahren
die dich auch dann durchpulst
wenn andere
mit kalten händen
es zu erfrieren drohen

schütze dein knie
mit einer decke
aus selbstschutz
damit du es nicht beugst
vor all den luftblasen
die sich als worte tarnen

 

© evelyne w.

 

 

winterschlussverkauf

 
im ausverkauf der freundschaft
stehe ich da mit leeren händen
wie billig doch oft worte sind
und im gedränge um das goldene kalb
verlieren werte ihre gültigkeit

freund muss man sein
sage ich immer
freunde zu haben
ist nicht der freundschaft sinn

da wird nichts eingekauft
und nichts verscherbelt
um keinen glanz
und keinen preis der welt

und meine hände bleiben frei
um freundschaft unbezahlbares
zu schenken

 

© evelyne w.

 

 

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