Gedankengänge

Denken ist meine Lieblingsbeschäftigung. Ich liebe es zu beobachten. Das Innen, das Außen. Zusammenhänge herzustellen. Wirkung zu durchschauen. Das Zusammenspiel der Wirkung auf mich zu ergründen. Schlüsse zu ziehen. Mich zu erkennen. Die Auseinandersetzung mit dem, was mir widerfährt. Dann Zusammenhänge zu verstehen. Und wieder: im Innen und im Außen.
Mich einerseits dem Gefühl hingeben zu können, es aber andererseits auch im Denken nachvollziehen zu können.

Spüren ist die Grundlage meines Lebens, meine Leidenschaft.
Denken ist eine andere Qualität. Die Qualität der Aktion, des Erfassenkönnes.

Gefühl ist keine Beschäftigung. Gefühl ist in uns vorhanden. Man braucht es nur anzunehmen. Es ist auch nicht zu verändern. Es ist einfach da. Und es kommt nur darauf an, was man davon zulässt.

Gedanken sind erzeugt. Man kann sie formen. Man kann sie durch Lernen erweitern, durch Fantasien beflügeln. Und man kann sie auch für sich behalten.

Schreiberlinge, wie ich, tun das allerdings selten füdilü

 

angstmache

der mut des einzelnen versinkt im seichten sumpf der schulterschließer. wer keine lobby findet wird zum freiwild auf den fährten demonstrierter macht. die ihr gebalze in zerbrochene spiegel wirft. doch hinter scheuklappen aus angst glänzen keine losungen. fällt ein kaleidoskop der disziplin aus prismen der entmutigung. pflichttreue zwerge klopfen parolen gegen jene, deren blick geschärft auf das fällt, was sich vor ihnen tut. das recht der freien meinung krepiert am heer der meinungslosen.

 

 

die neue normalität

normalität.
was ist schon normalität.

meine normalität
ist seit vielen jahren
getragen von ruhe
– auch stille
liebevoller verbundenheit
– auch im alleinsein

ich genieße mein zuhause
in dem mein mitbewohner frieden heißt
wo aus dieser zweisamkeit
gedanken und gefühle wachsen
die mich und andere wärmen

der blick aus dem fenster
zeigt mir natur
im kleid der jahreszeiten.

auch im jetzt
hat sich mein leben nicht verändert
und doch …

 

trete ich aus dem haus. ist die normalität eine andere. als früher. chaos. sorgen. existenzangst. wachsen aus dem boden der gesellschaft. hinter masken. verbreitet sich der argwohn. berührungslosigkeit. vollzieht trennungen. aggression. stürmt um die ecken. verbeißt sich in die kehlen der kritik. blutleer liegt der mut auf den straßen. die henker der wahrheit übernehmen das kommando. trampeln die rufer der menschlichkeit nieder.

 

ich fühle mich
als würde ich auf dem zauberberg leben
stehe fassungslos an seinem fuß
und schreie in die welt

WAS
bitte WAS
ist diese normalität?

 

 

75 Jahre

Am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg ermordet. Hier ein Auszug aus meinem Spürbericht von meinem Rundgang durch die KZ-Gedenkstätte.
Wichtiger denn je erscheint es mir heute, an die Zeit zu erinnern, wo der Bevölkerung die freie Meinungsäußerung genommen wurde und das Leben einiger mehr wert war, als das anderer.

 

lesung flossenbuerg

 

Aus meiner Kindheit

kindheit

 

Vor ca. 70 Jahren lebte ich mit meiner Mutter in einer winzigen Einraumwohnung. Sie konnte nur wenig arbeiten, weil es keine Betreuung für mich gab, die finanzielle Unterstützung reichte oft nicht einmal bis zur Mitte des Monats. Mein Radius war extrem eingeschränkt. Ich musste die meiste Zeit in dieser winzigen Wohnung verbringen. Manchmal (auch schon im Vorschulalter) halbe Tage ganz allein und wenn meine Mutter da war, war es auch nicht so, dass sie viel Zeit dafür aufbringen konnte, um mir Ausgang und Bewegung zu verschaffen.

Sie führte im Austausch für ein paar Lebensmittel Näharbeiten für Nachbarn durch, und um ins Grüne zu gelangen, benötigte man nicht nur Zeit, sondern auch Geld für Fahrscheine und dies war nicht vorhanden. Denn wir wohnten in einem hohen Mietshaus in einer dicht besiedelten Gegend und auch Parks gab es keine. Das Haus hatte zwar einen Hofgarten, aber der war lediglich dem Hausbesitzer vorbehalten.

Ich saß also in der Wohnung, sollte brav sein und keine Bedürfnisse äußern, damit meine Mama in Ruhe arbeiten konnte und auch – sowas spürt man als Kind -, dass sie kein schlechtes Gewissen bekam.

So flüchtete ich in meine Fantasiewelt.
Obwohl wir nur wenig und ganz einseitig zu essen hatten, wurde ich ein dickes Kind.

An meiner Umwelt nahm ich keinen Anteil. Kommunikation war für mich mit Maßregelung und Verstärkung meiner Minderwertigkeit und daraus resultierender Unwichtigkeit verbunden, deshalb versuchte ich, ihr weitgehendst aus dem Wege zu gehen.

Die Zukunft wirkte bedrohlich, meine Mutter war nicht ganz gesund und zu einer Großmutter durfte ich aus familiären Gründen nicht und die andere war zu weit weg. Wobei mich die Bedrohlichkeit der Zukunft nicht beschäftigte, weil ich ja gar nicht wusste, was Zukunft überhaupt ist und nicht darüber nachdachte. Aber die Bedrohlichkeit, die war stark spürbar.

Als ich in die Schule kam war ich die klassische Außenseiterin. Unfähig zur Kommunikation oder zu spielen, bis heute kann ich Spielen aber auch schon gar nichts abgewinnen; mein Enkel kann ein Lied davon singen. Die meisten Kinder damals waren schüchtern und unsicher, also ging niemand auf mich zu. Und ich blieb stumm, auch trotzig, ich wollte mit niemandem Kontakt haben, weil der durch meine Unsicherheit immer schmerzlich für mich verlief. Sport war eine Tortur für mich. Ich war es nicht gewöhnt mich zu bewegen, und konnte keine Freude dafür aufbringen.

Ich brauchte 40 Jahre, eine schwere Krankheit und mehrere Therapien, um mich aus den Fängen des Musters zu befreien, das mir die damalige Isolation und das Unterdrücken meiner Bedürfnisse eingebracht hatte.

Heute bin ich ein gesunder und glücklicher Mensch, aber ich kenne viele meiner ZeitgenossInnen, die sich aus diesen Strukturen nicht befreien konnten. Denn es war ja kein Einzelschicksal, das ich durchlief, nach dem Krieg ging es den meisten Kindern so. Diese verbringen nun ihr Leben in Abhängigkeit, Krankheit, Depression und mangelnder Empathie und denken, das wäre richtig, weil eben das Leben.

Warum ich das schreibe? Ich glaube das erklärt sich von selbst. Aber für jene, die das nicht erkennen wollen, erkläre ich es gern:

Ich möchte unbedingt darauf aufmerksam machen, dass es keineswegs richtig sein kann, eine ganze Generation zu brechen, ihre psychische und auch teilweise physische Ausrichtung in eine Richtung zu leiten, die ihnen ein solches Muster für ihr weiteres Leben vorgibt: In einer Gesellschaft zu leben, die sich nicht um sie, ihr Wohlbefinden und gesundes Aufwachsen schert, und dass ihre Bedürfnisse das Unwichtigste auf der Welt sind.

Psychische Krankheiten sind die Folge und auch die körperliche Auswirkung wird noch in Jahrzehnten unser Gesundheitssystem belasten.

Darüberhinaus werden sie über Isolation dazu erzogen, sich mit Selbstverständlichkeit der Masse anzuschließen, weil ihre persönliche Unsicherheit ihr ganzes Leben nach Führung verlangen wird.
Und dies ist sehr gefährlich für eine demokratische Gesellschaft!

Also bitte, wo sind unsere Kinderschutzprogramme in dieser Krisensituation?
Derzeit kann ich leider nur den Fokus auf einen einzigen Aspekt erkennen.

 

Nabelschau

Immer wieder schreibe ich gerne darüber, wie sehr ich meine Spaziergänge liebe. Sie beflügeln meine Gedanken, meine Gefühle, und manchmal gelingt es mir, etwas davon in Worten auszudrücken.

Ich gehe bei der Tür hinaus und stehe mitten im Weinland. Ein kurzer, flacher Anstieg führt mich auf das Plateau der Parndorfer Platte, wo es scheinbar unbegrenzt Wege kreuz und quer durch das Weinbaugebiet gibt.

Viele Leute sehen eine Eintönigkeit in dieser Landschaft. Ich sehe sie nicht. Jeder Tag, jede Jahres- und Tageszeit, jedes Wetter bringt andere Stimmungen und Farben.

Es laufen Rehe, Hasen, Fasane, Rebhühner über meinen Weg. Raben und Krähen stolzieren krächzend umher, Vögel zwitschern und steigen in Schwärmen auf. Über brachliegenden Flächen kreisen Bussarde oder stehen manchmal nur ganz still. Zitronenfalter flattern, auch die Hummeln sind schon fleißig.

Winzige Blümchen breiten Teppiche zwischen die Rieden, die man nur sieht, wenn man ganz nah ist. Bäume werden zu grüßenden Kameraden.

Ich bin umgeben von Leben, von Wachstum.
Die Weite weitet mich. Keine Enge der Gedanken, keine Enge der Gefühle.

Ich spüre den Atem der Welt und atme und atme. Schreie meine Liebe in die Welt. Auch meine Wut. Erzähle dem Wind von meinen Sorgen. Bade meine Seligkeit in Licht und Sonne.

Die Einflüsterungen der Gesellschaft weichen den Einflüsterungen der Natur. In mir pulst Freude, keine Angst. In mir blüht Dankbarkeit, keine Verzagtheit. In mir wächst die Kraft des Lebens, nicht die Furcht vor dem Tod.

Meine Gefühle tragen mich zu den Menschen, umarmen sie, liebkosen Kinder und sprechen Mut und Hoffnung ins Universum.

Dann nehme ich den kurzen, flachen Abstieg zu meinem Zuhause und diese Fülle in meinen Alltag mit.
Ich nehme mir die Freiheit zu denken, auch kritisch und voller Zweifel. Ich brauche keine Abkehr von der Wahrheit, und auch nicht von der Menschheit. Kein gekühltes Mütchen.

Mein kleines Leben ist nicht der Nabel der Welt. Aber meiner.

 

Ich bin nicht hilflos

Des öfteren bereits wurde ich in den letzten Tagen auf meine Abhandlungen über Hilf- und Machtlosigkeit angesprochen.
„Na, was machst jetzt mit deiner Theorie? Jetzt fühlst dich aber schon auch hilflos, oder?“
Meine Antwort:
Nein! Ich fühle mich auch jetzt nicht hilflos und da ich keine Macht ausüben will, ist die Machtlosigkeit eigentlich gewollt.

Wenn ich Macht ausüben wollte, dann wäre es selbstverständlich, um Frieden in der Welt und Gesundheit für die Menschen zu etablieren. Aber ehrlich, diese Macht ist utopisch, und mit dem Streben danach werde ich mit Sicherheit nicht meine Energie vergeuden.
Auch nicht, wenn es als Aussage dann so schön klingt, wie man oft in diesen wunderbaren Spruchbildern lesen kann, die dann von einem sensiblen, mitfühlenden Gemüt zeugen sollen.

Nein, nicht ich, bitte!

Eigentlich ist es eher so, dass meine damalige ja-nur-Theorie nun auch in der Praxis Bestätigung erfährt.

Was war mein Ausgangpunkt, als es um die Abstraktheit der Hilflosigkeit ging?
Das grundsätzliche Ja zum Leben, zu meinem und zum Lebendingen an sich.
Ereignisse sind davon nicht betroffen. Die Ereignisse bestimmen nicht meine Einstellung, meinen Zugang zum Leben.
Sie bilden den Rahmen. Der Rahmen wiederum stellt Herausforderungen an mich. Die ich dann einzig mit meinen eigenen Entscheidungen bewältige.

Wie schon auch seinerzeit geschrieben, sind meine Entscheidungen nicht so zu fällen, dass sie nur mein eigenes Wohl im Blickpunkt haben, sondern sie müssen mein Wohl und das Wohl der Gemeinschaft auf einer Achse bedienen.

Nun gibt es derzeit Vorgaben für die Allgemeinheit, deren Richtigkeit ich in keinem Fall verifizieren kann. Deshalb ist es für mich logisch, mich den gemeinschaftlichen Forderungen anzuschließen, weil ich eben nicht entscheiden kann, ob sie richtig oder falsch sind.
Experten gibt es für eh alles (wie Günther Paal so schön sagt) und deshalb für alle Richtungen. Denen ist also nicht zu vertrauen.

Zu vertrauen ist mir und meinem eigenen Wollen. Dieses wird nach meinem Ansatz, und deshalb auch nach meiner Einstellung, davon bestimmt, nicht nur mir sondern auch der Gemeinschaft nicht zu schaden. Also bleibt doch eindeutig nur eine einzige Entscheidungsmöglichkeit übrig.
Ich trage die Entscheidung für die Allgemeinheit mit.

Meine Gedanken sind frei und sie bringen einiges an Zweifel und Kritik mit sich. Für mich ist das, was passiert, nicht wirklich denkfähig. Ich kann an dem Virus, mit dem sich Millionen anstecken, die dann leichte Beschwerden haben, das aber für eine bestimmte Gruppe, nämlich für die „Alten und Kranken“ tödliche Auswirkungen haben kann, nichts Ungewöhnliches erkennen. Das ist sogar bei Erkältungen so.

Dass sich irgendein Staatschef nun auf einmal für die Alten und Kranken einsetzt, und dafür sogar die Wirtschaft, das goldene Kalb, schlachtet, ist allerdings absolut absurd für mich. Das haben die alle miteinander bisher nicht einmal nur ansatzweise getan. Also muss was anderes dahinterstehen. Was auch immer. Ich werde mich nicht in Verschwörungstheorien ergehen.

Denn wie ich schrieb:
Zum Unterschied von ich glaube, es besser zu wissen, folge ich meinem Wissen, dass ich es eben NICHT weiß.

 

nicht hilflos

 

Da es mir logisch erscheint, dass in der Distanzhaltung der größte Schutz für mich liegt – ich bin auch nicht an anderen Infektionen interessiert -, ist es ein Leichtes für mich, den entsprechenden Anordnungen zu folgen und die dadurch entstehenden Beschwerlichkeiten mitzutragen.

Über sonstige Gründe zum Auseinanderdividieren der Gesellschaft möchte ich aber lieber nicht nachdenken. Weil sie eben aufgrund meines „Nichtbesserwissens“ in Verschwörungstheorien münden würden. Doch die Auswirkungen zeigen sich ja bereits.

Meine Gefühle sind frei und ich fühle mit den Menschen an die ich denke und trage sie in mir. Egal ob Alte oder Kranke, aber auch nach wie vor Flüchtlinge und alle, die leiden, mit und ohne Zutun anderer. Sie gehören zu mir, zu meinem Menschsein, sie machen mich zu „meinem Ganzen“.

Deshalb sehe ich auch darin eine Verpflichtung mein Leben anzunehmen, und angstfrei und mit Freude zu gestalten.
Weil ich die Möglichkeit dazu habe!

Ich sprach in diesen Tagen schon mehrmals von Gnade und Demut. Denn es gibt viele Menschen, die nicht die Möglichkeit vorfinden, in dieser Situation so dazustehen wie ich.
Und dennoch sind auch all diese Menschen, die es nun so viel schwerer haben als ich, keineswegs hilflos. Ihre Entscheidungen, wie sie mit den Bedingungen umgehen und ihr Leben weiter gestalten, bleiben trotzdem ihre eigenen.

Sie alle haben in meinen Gedanken und meinem Gefühl eine Heimat, aber ich kann ihnen nicht helfen. Das liegt in der Natur der Sache, nicht am Prinzip der Hilflosigkeit. Wir können nicht ALLEN helfen. Dem Menschen sind nun einmal Grenzen gesetzt. Er ist nicht Gott und nicht allmächtig und er tut gut daran, dies anzuerkennen.

Indem ich mein Leben annehme und so gut wie möglich gestalte, schaffe ich Raum und Kraft in mir, um die Anderen nicht aus mir hinausdrängen zu müssen, ihr Leid, ihre Sorgen usw.

Und es gibt mir auch freie Sicht und dadurch Möglichkeiten zu erkennen, die ich vielleicht umsetzen kann. Weil mein Blick nicht von Angst, Hilflosigkeit oder Ohnmacht, Verdrängung oder Abstumpfung getrübt wird.

Viele Menschen die ich kenne, fühlen sich zwar als Opfer der Maßnahmen, lassen sich aber gerne von den öffentlichen Vorgaben einlullen. Sie glauben, wenn sie diese brav umsetzen, wird die Welt oder die Situation sich als Lohn darstellen und alles wieder gut werden.
Sie folgen dem Gehorsam!
Und kaum tritt jemand aus diesem Muster heraus, wird Sanktion gefordert.

Der Ruf nach Strafen, Blockwartmentaliät und Naderei sind die Begleiter dieser ach so wohlmeinenden Mitbürger.

Wie man sofort sieht, wollen sie nur Verantwortung abgeben und folgen ihrer Angst – und in ihrer Angst einem Führer – und nicht der eigenen freien Entscheidung zum Wohle der Gemeinschaft. Was dann auch zu ihrem eigenen Wohle wäre.

Aber das kennen wir ja auch aus anderen Situationen sehr gut. Da hat sich nur das Erscheinungsbild geändert. Die Einstellung der Leute ist ja immer dieselbe. Diese Ansinnen richten sich nun halt gegen „unsere eigenen Leut“.

Was sich nicht geändert hat ist, dass wir nach wie vor eigene Entscheidungen treffen und deshalb keinerlei Hilflosigkeit auftritt.

Wer sich hilflos oder als Opfer fühlt, täte meiner Meinung nach gut daran, dies nicht auf die Gesellschaft abwälzen zu wollen. Es wäre weitaus gesünder, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, um erkennen zu können, warum man Verantwortung abgeben will. Das würde nämlich auch das Immunsystem stärken.

Kommt gut durch diese herausfordernde Zeit!

Auf der Suche nach der Freiheit
II. Machtlosigkeit
II.3 –Freiheit ist machtlos

Was ich bisher über die Machtausübung geschrieben habe, ist wohl den meisten ziemlich logisch erschienen. So gut wie niemand möchte sich erklärtermaßen irgendeiner Macht beugen. Allerdings haben viele die Ansicht, dass es nicht anders geht. Aber das stimmt so nicht, wie aufgezeigt.

Doch der wesentliche Teil meiner Machtlosigkeits-Trilogie ist nun dieser letzte.
Denn für mich geht es ja um die Suche nach der Freiheit und auch darum, wie man sich bei Störfällen in der Befindlichkeit durch Einsichten selbst aus misslichen Stimmungslagen und Situationen befreien kann.

Es war aber wichtig, diese „Einleitungen“ zu schreiben, weil das Machtwesen an sich aufgedeckt werden musste. Sonst würde das Verbindungsglied fehlen.

Bisher haben wir uns also mit der Machtausübung anderer beschäftigt. Wie diese wirkt und vor allem auf uns einwirkt. Wir konnten aufdecken, wie wir besser aus Machtgefügen heraustreten können, die uns Beschwerden machen oder denen wir vermeintlich nicht freiwillig folgen.
Weiters, wo unsere wahre Positionierung im Leben sein sollte, und dass diese wesentlich mehr Sinn macht, als die von der Gesellschaft praktizierte.

Um frei werden zu können, bedarf es jedoch einer ganz besonderen Befreiung vom Machtstreben. Nämlich vom eigenen!

freiheit ist machtlos

 

Wir alle wollen Macht ausüben! Ja, ja, auch wir!

Wir bilden uns eine Meinung, ein Lebenskonzept, setzen uns Ziele für die Verbesserung unserer Lebensqualität – und offiziell auch für die der anderen. Und schwupps, schon wollen wir Verbündete dafür rekrutieren.

Wir sind nicht frei genug, uns zu vertrauen. Nicht unseren Wahrnehmungen, nicht unseren Entscheidungen, nicht unserem Geschmack, nicht unseren Ideen und Ansinnen, einfach nicht uns selbst.
Wir orientieren uns an den anderen, anstatt an uns selbst und möchten deshalb natürlich, dass die anderen, das was wir machen gutheißen und mittragen.

Würden wir uns an uns orientieren, könnten wir frei agieren. Schielen wir nach den anderen, ist die Freiheit futsch. Wir geben die Macht an sie ab, indem wir Macht über sie ausüben wollen, bzw. die Macht an uns reißen wollen.


Unser eigenes Machtstreben tritt mit gut ausgebildeter Familie auf.

Fast unerkannt ist die dicht verschleierte Tochter Erwartungshaltung!

Sie ist diejenige, die Kommunikation erschwert, Frust aufbaut, Streit und Hader erzeugt, auch Gewalt hervorrufen kann und die Menschen oft sehr unglücklich macht.

Wie man sofort erkennen kann, ist die Erwartungshaltung wieder etwas, wozu wir uns selbst entscheiden!

Ein paar Beispiele:

Wir wollen das Beste für unsere Kinder, eh klar, aber wir erwarten, dass sie das erkennen, annehmen und sich danach verhalten. Die Nachkommenden wollen aber oft ganz etwas anderes. Da wir nicht gelernt haben, auf die Bedürfnisse unserer Kinder einzugehen, sondern sie mit unseren Ideen zu erziehen versuchen, bringt uns diese Erwartungshaltung dann tiefe Konflikte.

Wir geben das Beste in unserem Job, und erwarten, dass der Chef das zumindest erkennt, uns vielleicht sogar lobt, befördert usw. Doch wir haben ein grindiges Arschloch als Chef und der meckert nur an uns herum. Da wir nicht gelernt haben, das was wir tun einfach einzubringen, den Typen zu durchschauen und loszulassen, werden wir mit Krampf in die Arbeit gehen und womöglich ein Magengeschwür aufbauen.

Beispiel aus einem Autorinnenleben gefällig?
Man schreibt ein tolles Manuskript und hängt viele Erwartungshaltungen daran. Verlagsveröffentlichung, Publikumserfolg, Pressejubel uvm.
Dann liegts zu Hause herum und keiner will es haben. Verlage antworten nicht einmal, Lesungsangebote werden ebenfalls einfach ignoriert. Die Medien? Die interessiert ganz was anderes. Das Publikum muss man sich mühsam zusammennetzwerken, usw.
Wenn man da nicht geschrieben hat, um sich selbst zu erkennen, zu unterhalten, seine grauen Zellen zu beschäftigen, na, dann können die Frustbeulen leicht bis in den Himmel wachsen.

Das alles sind Beispiele, wo wir Macht über andere ausüben wollen! Wir wollen sie auf unsere Seite ziehen, um von ihnen Bestätigung für unser Tun zu erhalten, oder dass sie sich dafür stark machen, unsere Projekte zu verwirklichen.

Wie wir schon gelesen haben, ist der Einfluss auf andere meistens sehr gering und diesen anzustreben äußerst energieraubend.

Also gibt es nur einen Weg in die Freiheit: Die Aufgabe der Erwartungshaltung.

Wir können in jeder Situation unseres Lebens die Perspektive ändern! Das ist unsere Entscheidung! Umso öfter wir das Machtstreben aus unseren Entscheidungen entfernen (egal ob das anderer oder das eigene), desto freier werden wir logischerweise werden.


Es gibt aber noch einen ganz besonderen Faktor: Die Machtausübung über uns selbst!

So hat das Machststreben z.B. noch eine wesentlich sympathischer erscheinende Tochter: Die Disziplin!

So gut wie jeder glaubt, Disziplin ist das Allheilmittel für den Ablauf des Lebens. Vergessen wird dabei jedoch, dass jeder Zwang, auch der den wir auf uns selbst ausüben, eben Zwang bleibt und sich mit Freiheit deshalb nicht verträgt.

Wir glauben, wenn wir uns der Freiheit ergeben, bricht das Chaos in unserem Leben aus. Wir wachsen wie die Rüben auf und es gibt keine Ordnung, und deshalb keinen Halt.
Das ist aber nur bei Menschen so, die in sich keinen Halt finden.

Jeder kennt den Spruch „Wenn du etwas wirklich willst, dann kannst du es auch erreichen“. Und die Idole, die wir bewundern, zeigen das höchst eindrucksvoll.
Doch niemand sieht, was in deren Leben alles auf der Strecke bleibt, weil sie sich nur einem Ziel verschrieben haben.

Im Außenbereich kann man den Prozess leicht erkennen. Wenn ein Politiker etwas erreichen will und sich diesem Ziel verschreibt, dann wird das wichtigste sein, andere zu beherrschen.
Wenn ein Sportler oder ein Künstler tolle Erfolge erzielen will, dann wird er viele Menschen brauchen, die ihn unterstützen. Nun würde sicher niemand sagen wollen, dass er diese beherrschen will. Und dennoch ist das Prinzip dasselbe. Er braucht diese Leute, also muss er sie auf seine Seite ziehen.

Ich will das jetzt nicht abwerten! Nein, wir sind eben keine Einzelwesen und wie wir bereits wissen, können sich alle zu ihrer Beteiligung frei entscheiden.

Doch das Machtgefüge wird transparent.

Mir geht es aber hier um eine noch einmal andere Ebene. Nämlich um die persönliche. Dort läuft das nämlich ganz genauso.

Wir wollen etwas erreichen, das nur uns betrifft. Abnehmen, fit sein, gesund sein oder werden usw.

Wir wollen aber Schokolade essen, oder auf dem Sofa lümmeln, oder sonstwas, das nach gängiger Meinung nicht zu dem gewünschten Ergebnis führen kann.
Wir lassen jetzt einmal die Unfreiheit durch die Manipulation der Werbung oder Gesellschaft beiseite. Die ist eh so weit klar. Die Motivation zu unseren Ansinnen zu beleuchten, wäre ein eigenes Thema und würde dieses nur verbreitern.

Wir steigen direkt in die vorgegebene Situation ein.

Was werden die meisten Leute machen, um an ihr vorgefasstes Ziel zu kommen?
Sie werden sich eine Diät, ein Fitnessprogramm, Therapien oder ähnliches suchen.
Und für diese dann die hochangesehene Machttochter Disziplin anwenden wollen.

Wie wir alle wissen, sind diese Aktionen äußerst selten von bleibenden Erfolgen gekrönt.

Es ist nun nicht so, dass es etwas Negatives ist, sich ein Ziel zu setzen. Nur der Weg dahin kann leicht nach hinten führen, wenn wir nicht erkennen, dass Ziele nicht nur auf einem vorgefassten – und womöglich noch von anderen vorgefertigten – Weg erreichbar sind und vor allem, dass sie sich während des Weges ändern können!

Auch hier ein Beispiel, und zwar ein ziemlich gängiges:

Ein Mensch ist Single und plant eine große Karriere. Er arbeitet konzentriert und diszipliniert fast ausschließlich darauf hin, weil er zu wissen glaubt, dass dies zum Erreichen seines Zieles notwendig ist.
Dann trifft er jemanden und verliebt sich. Oj oj oj oj, nun wird’s ein bissl stressig. Konzentration und Disziplin werden wahrscheinlich etwas löchrig werden.
Womöglich kommt auch noch ein Kind. Ach, noch einmal passt da was so absolut gar nicht zu seinem ersten Ziel.

Was wäre denn nun wohl der dem Menschsein entsprechendere Weg?

Der, den so viele gehen, und wo versucht wird, die anderen auf die Karriere einzuschwören, die Familienaktivitäten minimalst zu halten und die Verantwortung an den Partner oder sonstjemanden – Kindergarten, Schule usw. – zu übergeben?
Oder sein Ziel unterwegs zu ändern? Die Karriere an die Familie anzupassen, sie vielleicht nicht in ganz so lichten Höhen anzusetzen?

Wie wir schon gehört haben, sollen unsere persönlichen, wie auch unsere gemeinschaftlichen Ziele immer im Einklang mit uns, aber auch mit unserem Umfeld getroffen werden.

Das heißt, dass die Wege dorthin jeden Augenblick neu erarbeitet werden müssen, weil sich die Situation ja dauernd ändert. Sich also mit Disziplin auf nur einen Weg zu machen, lässt sofort die Starre in dem Ansinnen erkennen. Das Leben am Wegrand bleibt unbeachtet und wir können nicht rechtzeitig darauf reagieren, wenn etwas aus dem Ruder läuft! Und mit Starre wird man niemals frei, auch klar.


Und noch ein fast unerkanntes Töchterlein gibt es: Die Selbstermächtigung!

Wenn Leute sagen: „Ich will die Macht über mich behalten“, oder „nur ich habe die Macht über mich“, dann haben sie die Macht bereits abgegeben. Denn sie orientieren sich an dem Machtstreben anderer und setzen das eigene Machtstreben nur dagegen!

Doch In der Machtlosigkeit liegt die wahre Freiheit!

Das wars.
Für jetzt ist hier wieder einmal Schluss mit Hilf- und Machtlosigkeit
😉

 

 

Doch noch ein paar Worte zum Abschluss:

Mir haben all diese Erkenntnisse viel gebracht. Und ich habe mir das deshalb alles aufgeschrieben und in Zusammenhänge zueinander gebracht, damit ich mich immer wieder daran orientieren kann, wenn es grad wo bei mir hakt und ich mich unfrei oder nicht ganz in meinem Leben zu Hause fühle.

Es wäre schön für mich, wenn ich auch anderen damit Denkanstöße für ein freieres persönliches Leben geben könnte. Aber Macht will ich keine ausüben. Wer mir nicht folgen will oder kann, ist dennoch immer gern auf meinem Blog oder auch sonstwo gesehen!