Leben braucht Mut

Wir glauben oft, der Menge zu folgen ist das Leben.
Aber nein, das Leben finden wir auf unbegangenen Wegen.
Dort wo nicht viele gehen, ist auch nichts zertrampelt.
Wir atmen den Wind
und lassen uns nicht die Darmwinde der anderen
als warmen Lufthauch verkaufen.
Wir hören den Gesang der Vögel
nicht den Lobgesang der Menge an ihre Populisten.
Wir spüren den Boden unter unseren Schritten, lassen uns von ihm erden
anstatt im Stechschritts des Zeitgeistes über Tote zu marschieren.

Leben braucht Mut.
Dem eigenen Weg zu folgen und nicht den Wegweisern der Macht.

 

© evelyne w.

 

So geht das mit dem ALLE-Lieben

Und wieder geht es um die Frage: Wie kann ich denn jemanden lieben, der ein grindiges Arschloch ist, oder womöglich mich sogar bedroht oder schlägt?
Da funktioniert doch das ALLE-lieben absolut nicht.
Es kann doch nicht Liebe sein, wenn ich das alles dann verdränge, oder den Typen liebevoll behandle, obwohl er mich verletzt.

Genau das ist der Punkt. So stimmt es eben nicht.

Die Liebe ist unteilbar. Aber sie hat verschiedene Auftretungsmerkmale. Es gibt die Selbstliebe, die Nächstenliebe, die Mutterliebe, die Kinderliebe, die Frauenliebe, die Männerliebe und natürlich die allumfassende Liebe zum Leben.

Die Liebe ist immer in uns. Wie wir sie abrufen, ist eine Entscheidung unseres Willens (Entscheidungsfreiheit!).

Vor allem, müssen wir lernen, sie von Objekten – also auch Personen – zu trennen! Sie ist allumfassend! Sie umfasst die ganze Schöpfung und auch ihren Schöpfer.
Den Unterschied macht die liebevolle Kommunikation. Mit welcher Liebe ich einem anderen gegenüberstehe.

Wenn ich meinen Geliebten auf mich zukommen seh, dann werde ich ein warmes Gefühl im Bauch bekommen und ich werde auf ihn zulaufen, ihn umarmen und küssen.

Wenn ich einen Aggressor auf mich zukommen seh, dann werde ich ein Grummeln im Bauch haben und muss meine Selbstliebe einschalten, um nach einer Möglichkeit zu suchen, um mich zu schützen.
Wichtig ist, dass die Liebe Oberhand bekommt. Nicht die Angst und nicht der Hass.

Wenn ich nun tatsächlich nicht ausweichen konnte und verletzt werde, dann ist es weiterhin vorrangig, dass ich die Selbstliebe pflege und natürlich die Liebe zu meinem Leben! Das heißt, Ja zu meinem Leben zu sagen, und versuchen, weiterzugehen – auch wenn es vielleicht nur ein Auf-allen-Vieren-kriechen ist – und nicht im Hass stecken zu bleiben.

Der prominenteste Vertreter dieses Prinzips ist Viktor E. Frankl, der mit seinem Buch „Trotzdem Ja zum Leben sagen“, wohl eines der wichtigsten Bücher geschrieben hat.

frankl - trotzdem ja zum leben sagen

 

Darin beschreibt er seinen Weg, der ihn aus der ersten Hälfte seines bis dahin wohlverlaufenden Lebens ins Konzentrationslager führte. Und der danach in der zweiten Hälfte seines Lebens „trotzem Ja zum Leben“ sagte.
Auch als Arzt war er kein Privilegierter im Lager. Er sah sich lediglich als Privilegierten, weil er sein Leben behalten durfte. Das war Glücksache, wie er schrieb.

Er hatte bis dahin bereits seine Thesen entwickeln können und er konnte sie dann aktiv anwenden! Natürlich nicht indem er sich hinsetze und meditierte oder große Vorträge hielt. Er musste genauso barfuß in der Kälte herumlaufen und war täglich mit der Brutalität im Lager konfrontiert. Er litt dort genauso wie alle anderen, doch er konnte sich am Sinn seines Lebens festhalten. Er lebte, also musste er versuchen, das Beste daraus zu machen. Weil er sich sonst seinem persönlichen Tod aussetzte.

Viktor Frankl lebte danach noch mehr als 50 Jahre – er wurde 92 Jahre alt -, entwickelte seine Thesen weiter und wurde ein hoch angesehener Wissenschafter.
Das wäre nicht möglich gewesen, hätte er sich dem Hass und der Angst vor seinen Peinigern verschrieben.
Er hielt nach dem Weg Ausschau, den er WEITER gehen konnte.



Die Aggressoren und Machthaber dieser Welt muss ich dann in die Gemeinschaftsliebe abschieben.
Ich liebe mein Leben, sie sind ein Bestandteil dieses Lebens und ich muss dann Ja zu ihnen sagen. Nicht zu dem, was sie tun!

Da ist auch ein großer Irrglaube drinnen, dass man als Liebender alles gut heißen muss, was ein Anderer tut. Das führt uns doch auch direkt in die von uns gelebten Beziehungen, wo das oft ein Krisenfaktor ist. Wenn du mich liebst, dann muss alles gut an mir sein.

Das stimmt, aber auf eine andere Art als eingefordert.
Man muss auch ein Arschloch lieben können, aber man muss sich nicht von ihm anscheißen lassen.

Erstens geht das gegen die Selbstliebe, ist also keine. Und zweitens ist auch die produktive Arbeit, die ein Bestandteil der Liebe ist, davon geknebelt. Produktive Arbeit im Umgang mit Anderen bedeutet aufzuzeigen und andere Perspektiven anzubieten. Ist der Partner dafür taub, dann ist liebend loszulassen. Aus Gründen der Selbstliebe, gar nicht so sehr aus Liebe zum Partner. Diese bleibt durch die intakte Selbstliebe dann ebenfalls intakt. Aber selbstverständlich kann man diesen Vorgang mit „liebend loslassen“ auch umdrehen.

In der Praxis heißt das, meinen Mann zu lieben, wie er ist, mit all seinen Fehlerchen und eventuellen Mängeln, aber dort, wo sie sich gegen mich richten, meine Selbstliebe einzuschalten, und zu sagen: So nicht! Man merkt sofort, da geht die Liebe nicht flöten.

Konflikte austragen zu können, ist also produktive Arbeit und gehört deshalb zur Liebe.

Bei Leuten, mit denen ich nicht im direkten Kontakt stehe, wie das bei den meisten Politikern und Machthabern dieser Welt der Fall ist, habe ich nur die Möglichkeit, sie liebend loszulassen und sie in meiner Lebensliebe an irgendwelchen Außenflügeln unterzubringen. Aber diese Möglichkeit ist eine ganz, ganz wichtige und wird von uns leider viel zu oft als unmöglich angesehen. Dies führt dann in Angst und Hass und nicht in die Liebe.

 

Was heißt denn bitte ALLE lieben?

Wenn Gesprächspartner das Prinzip des „ALLE liebens“ als Theorie auch oft anerkennen können, so macht es vielen dann am meisten Kopfzerbrechen, wie das Prinzip der Liebe auf den Alltag anzuwenden ist.
Jeder hat doch Menschen oder Tiere oder auch die Natur, die er „mehr“ oder „besonders“ liebt.
Und schon gar nicht ist es oft erklärlich, wie man eben einen Trump oder einen Erdogan lieben soll.

alle lieben


Das ist nichts anderes als ein festgefahrenes Denkmuster!
Das uns leider die Sicht auf die Liebe sehr verstellt.

Auf der einen Seite verwechseln viele Menschen Liebe mit etwas anderem, mit Trieben, Reizen oder Inutuitionen. Auf der anderen Seite spielen Besitzdenken, oder verschobene Verantwortungsbereiche, die uns oft über das Kollektive Unbewusste antrainiert werden, eine sehr große Rolle. Viele wollen über die Liebe ihre Defizite füllen.

Das ist selbstverständlich okay, aber die Liebe ist kein Kuhhandel.
Sie ist in der Grundausstattung des Menschen angelegt, um ihn zu dem zu machen, was er ist: zu einem Menschen. Niemand sonst kann bewusst lieben! Die Betonung und auch der Unterschied liegen in der bewussten Entscheidung zur Liebe.
Denn an sich ist Liebe natürlich in allem. In der gesamten Schöpfung Gottes.
Alles, was sich in einen gebenden Prozess einbringt.

Und nun kommen wir zu dem Prinzip, das für die Anwendung zum „Alle und alles lieben“ wesentlich ist.

Liebe ist unteilbar. Sie ist eine Einstellung zum Leben und zum Selbst.
Die Liebe erfüllt uns.
Wenn wir nun jemanden hassen, dann tritt der Hass an ihre Stelle. Wenn wir Angst haben, tritt die Angst an ihre Stelle.

Es heißt keineswegs, dass wir deshalb unkritisch sein müssen. Dass wir alles erdulden müssen.
Die Liebe braucht offene Augen!
Wenn mich jemand bedroht oder verletzt, dann ist es wichtig mir Schutz zu geben – also Selbstliebe – und nicht die Liebe durch Angst oder Hass zu ersetzen.

Wenn ich Gefühle und Reaktionen annehme, wie z.B. Angst, Trauer, oder auch Wut, dann schließt das die Liebe noch nicht aus! Es kommt darauf an, wie ich damit umgehe. Ob ich sie gegen die Liebe, gegen Andere, oder auch mich selbst richte.

Liebe lebt in der Entscheidung zur Liebe! Ohne diese Entscheidung können wir nicht lieben.
Und sind dann Einflüssen von außen fast hilflos ausgesetzt.

Wenn man sich zur Liebe entscheidet, ist man nie hilflos!

Liebe ist ein agierender Prozess des Wollens! Kein reagierender Prozess, der durch Ereignisse bestimmt wird.

 

Die Kunst des Liebens

Die Erklärungen, die Fromm liefert, sind immer hilfreich für mich. Das habe ich schon oft erlebt. Wenn ich besser verstehe, was mit den Menschen los ist, dann verliere ich kurioserweise Angst, anstatt sie weiter aufzubauen.

Aber wirklich helfen kann mir dann nur die „Kunst des Liebens“!

Es geht um Individuation. Umso mehr wir uns als Individuum erkennen, desto mehr erleben wir uns abgetrennt von der Gemeinschaft.
Wir sind aber abhängig von ihr und müssen auch die Verantwortung für sie übernehmen – für die Menschheit, mit der wir untrennbar verbunden sind. Deshalb lenken wir in unserer Angst unser Augenmerk auf sie.

Um der Angst entgegenzuwirken, müssen wir aber das Verbindende suchen. Und das geht nur von uns aus!

Nur wir selbst können uns über die Liebe und die produktive Arbeit mit der Gesellschaft sinnbringend und erfüllend verbinden.

Die Kunst des Liebens ist, die Liebe nicht auf einzelne Personen zu zentrieren. Denn man kann nicht einzelne lieben und andere Menschen, Tiere, die Natur oder Gott nicht.
Entweder man kann lieben oder nicht.

Wenn wir nun Trump oder Erdogan nicht lieben können, dann geht es lediglich um diese Perspektive.
Sie sind Menschen mit furchtbaren Mängeln, die müssen wir nicht goutieren oder sanktionieren, aber es schadet uns selbst, wenn wir dadurch die Liebe nicht mehr als das erkennen und praktizieren, was sie ist. Und sie deshalb nicht mehr spüren. Der Anklage, dem Hass und der Angst zu viel Raum geben.

Wir dürfen nicht in den Fehler verfallen, von der Menschheit zu ERWARTEN, dass SIE uns die Liebe gibt.
WIR müssen UNS und IHR die Liebe GEBEN.

Und sofort ist alles anders.

Einer der wichtigsten Sätze war für mich der folgende. Ich habe ihn zwar zuerst auf die Anderen bezogen, auf die Ereignisse, die in der Welt ablaufen, wo die Leute, unter dem Mäntelchen der Liebe zu ihren Nächsten, soviel Leid anrichten.
Aber als ich ihn endlich auf mich bezog, war sofort wieder alles klar.
ALLE Menschen sind zu lieben. ALLE, nicht einzelne!
Dann stimmt die Richtung. Immer!

 

kunbst des liebens

 

Geliebter Fromm

Nach (viel zu) langer Zeit habe ich wieder einmal meinen Fromm hervorgezogen. Irgendwie schien mir die Welt derzeit so angstmachend. Ich wusste, es war dringend nötig, mich einem Perspektivenwechsel zu unterziehen. Und Fromm hilft mir immer.
Er hat mir schon einmal das Leben gerettet. Vor mehr als 30 Jahren! Mit seiner „Kunst des Liebens“ und „Haben oder Sein“.

Und wieder war es faszinierend. Ich, die ich schon längere Zeit nicht sehr konzentriert lesen konnte, also eher in den Trivialbereich auswanderte, habe die ersten Kapitel von „Die Furcht vor der Freiheit“ verschlungen. Und zwar sinnerfassend! Dabei ist der Text so unsympathisch wahnsinnig klein gedruckt. Nicht einmal das konnte mich irritieren.

Der Mann ist und bleibt für mich der Größte. Der mir die Welt erklären kann in einer Art, dass ich verstehe, was abläuft. Der es dadurch schafft, mich nicht selber ebenfalls im Hass (halt gegen die Hasser) aufzufressen, sondern das Menschliche auch in all seinen fatalen Schwächen erkennen und verstehen zu können.

Ich spürte, wie bei jedem Absatz ein Knoten in mir platzte und ich mich der Freiheit zuwandte, anstatt mich in der Anklage zu verzetteln und als Opfer eines unentrinnbaren Untergangs zu sehen. Und vor allem zu fühlen.

Im Augenblick bin ich einfach nur dankbar, dass ich mich wieder Wesentlicherem zuwenden kann, als in Angst und Schrecken zu versinken, oder dem Grauen Tür und Tor in mich zu öffnen.
Nein, es gibt auch eine andere Seite des Menschseins und jeder ist dazu aufgerufen, sich selbst zu entscheiden, wie er mit seiner Grundausstattung umgeht.

Wir sind wohl ein unauflöslicher Bestandteil der Menschheit und müssen die Verantwortung für sie mittragen, ob wir wollen oder nicht, aber wir sind auch Individualwesen, die sich lediglich in physiologischen Bereichen gleichen und deshalb die Möglichkeit für psychisch hygienische Freiheit in sich tragen. Diese zu wählen, obliegt einzig uns selbst.

Kleine Kostproben gefällig? Bitte sehr.

 

zitat aus furcht vor der freiheit

zitat aus furcht vor der freiheit

zitat aus furcht vor der freiheit

zitat aus furcht vor der freiheit

erich fromm

 

herbstblick

herbstblick

 

die zeit ist meine freundin.
bleibt mir auch von tag zu tag weniger
so gibt sie mir doch von tag zu tag immer mehr.
sie nimmt mir die verschwendung und schenkt mir das verschwenderische.
ich habe keine zeit mehr für den tanz der eitelkeiten und den stillstand auf dem berg des hasses, die mir die endlosgaukler in den schritt werfen wollen.
die tangowiege ist meine bewegung, geschmiegt an dich.
ich habe keine zeit mehr für neidgenossen und ausgrenzer, flachgeister und parolentrinker.
doch habe ich vielmehr zeit für menschen, deren licht ich nicht mehr unter ihren scheffel stelle. für menschen, die in die weisheit meiner seele lachen. für worte die uns berauschen, weil sie die liebe von unseren lippen tropfen.
die sinnlichkeit des herbstes legt mir nahe, die intensität der reife zu ernten.
es sind nicht die überschriften, die mir das leben zeigen, wie es ist.
die wege laufen durch die alleen der menschlichkeit, dort blühen inhalte, die gemeinschaft bilden, wächst die freude an der welt.
keine zeit ist zu wenig, um sie zu gehen.
denn sie gibt immer. und ihre freundschaft macht das leben lebenswert.

 

Nach der Wahl

nach der wahl

 

Ich sags wies ist, ich habe derzeit ein Problem mit meinen Mitmenschen. Genauer gesagt, mit meinen Mitleuten …

Es geht mir nicht um Schwarz oder Rot, Blau oder Grün und wie sich die Protagonisten im Wahlkampf verhalten haben. Ich bin weder sehr leicht manipulierbar, noch bin ich eine eingeschworene Rote, Grüne, Pinke, Jetztige. Schon gar keine Sympathiewählerin. Mir ist egal, ob der Bub so herzig, die Frau so dünn ist, und einer zu viel oder zu wenig trinkt, solange er trotzdem noch weiß, was er tut und sagt.

Ich achte darauf, was die Leute tatsächlich vorhaben, wie sie über menschliche Belange sprechen. Da kann man viel erkennen! Und nichts anderes ist von größerer Wichtigkeit.
Überall gibt es natürlich einiges, das mir nicht gefallen hat oder gefällt.

Aber manche sagten es ganz deutlich und einige davon haben es ja sogar schon gezeigt, dass die Menschen für sie nur „Masse“ sind in ihrem Spiel um Masse und Macht.

Mir geht es darum, dass es doch Parteien und ihre Vordermänner gibt, die eindeutig und offenkundig gegen die Menschlichkeit verstoßen, gegen gemeinschaftliche Standards, oder offensichtlich korrumpierbar sind und dies bereits belegt wurde. Dass sie überwiesenermaßen (unterstellen tut mans ja allen PolitikerInnen) lügen, bis sich die Balken biegen. Sich selber und ihren Gefolgsleuten die Taschen vollstopfen, mit dem ihnen von den WählerInnen anvertrauten Geld sehr sorglos umgehen und es in obskure Projekte investieren, die nur einer bestimmten Bevölkerungsschicht zugute kommen. Denen, die Hilfe durch den Staat brauchen, diese verweigern und sie aus der Gesellschaft hinaus- und in die Armut hineindrängen wollen, Hass säen, die Gesellschaft entzweien.

Und dann komme ich drauf, dass in meinem Bekanntenkreis sich einige genau dafür entschieden haben, obwohl ich in Gesprächen mit ihnen glaubte, dass sie offene, hilfsbereite, redliche Menschen sind. Die sich sogar an Aktionen mit mir beteiligten und Projekte unterstützten, die diesen Programmen zuwiderlaufen.

Ich kanns nicht verstehen und bin von so manchem/r zutiefst enttäuscht und ich gebs zu, ich kann schlecht damit umgehen. Für mich ist die Welt nicht mehr wie vor der Wahl!

Ich akzeptiere, dass ich in einer Demokratie lebe, ich akzeptiere, dass es unterschiedliche Meinungen gibt, aber ICH ganz persönlich habe ein Problem damit, dass es so viele Leute gibt, die nicht mehr wissen, was gut oder böse ist. Die Eitelkeit nicht von Empathie unterscheiden können und um ein goldenes Kalb tanzen, das sie selber – so gar nicht gülden – permanent anscheißt.

Die ihr eigenes kleines Mütchen kühlen und ihre eigenen kleinen Lebchen über die Gemeinschaft stellen, andere dafür in den Dreck stoßen, damit sie auf ihrer Wolke der Selbstsicht als liebende Menschen weiterschweben können.
Ich lasse Euch gern weiterschweben, ich glaube nicht, dass ich dazu berufen bin, irgendjemanden zu bekehren oder ihm die Maske vom Gesicht zu reißen, aber ich muss mit meinen Problemen umgehen, wie ich glaube, dass es für mich gut ist.

Ich ertrage es an sich schon nur sehr schlecht, dass Unanständigkeit und Menschenverachtung den größten Platz in unserer Gesellschaft zu haben scheint, aber dass diese sich nun sogar in mein direktes Umfeld einschleichen, das schlägt mir eindeutig aufs Gemüt.

Wenn ich also in Zukunft zu und mit dem einen oder anderen meine Kontakte ausdünne, dann ist das meinem Wohlbefinden geschuldet.

 

Die Jungen, die Alten und die dazwischen

Dass in unserer Welt nicht alles so läuft, wie es laufen sollte, ist wohl allgemein bekannt.

Doch es sind äußerst gefährliche Phänomene, die von vielen Leuten aufgrund ihrer Wohlstandssucht noch immer nicht wahrgenommen werden:

Die Welt wird ausgebeutet, die Menschen werden ausgebeutet und beides scheint nur mehr Beute für einige Jahre zu ergeben. Dann wird etliches erschöpft sein, anderes unwiederbringlich vernichtet, und werden die Reste der Menschheit deshalb zerstörerischen Krankheiten, der bitteren Armut und totaler Unterdrückung ausgesetzt sein.

 

Wen interessierts? Man hat das Gefühl: Niemanden!

Es wird weiter Raubbau betrieben, der Tanz um das goldene Kalb der Wirtschaft befeuert, und die Rufer in der Wüste in dieselbe geschickt.

 

Und doch! Es gibt Gruppen, die es interessiert! Die aufstehen und sagen: So nicht!

Es sind die Jungen und die Alten.

Ist euch das schon einmal aufgefallen?

 

fridays for future

 

Kinder und Jugendliche gehen auf die Straße und demonstrieren für Einhalt in der Verwrackung unserer Erde. Sie wurden von anderen Kindern und Jugendlichen darauf aufmerksam gemacht, dass ihre Zukunft in Gefahr ist. Und da Kinder bekanntlich oft in ihrer Logik und geradlinigen Denkungsweise unterschätzt werden, waren und sind die Erwachsenen davon überrascht.

Nein, noch vielmehr, sie gehen gegen diese Kinder vor. Unsere aufgehetzte, vom Konsum gesteuerte Gesellschaft macht sie zu hassenswerten Gestalten, die aufs Grausigste abgewertet und zutiefst in ihren Persönlichkeiten angegriffen angreifen.

Dabei fordern sie nur, dass das umgesetzt wird, was die Erwachsenen ja eigentlich fordern.

Doch bei denen scheint nur der Gipfeltourismus zu blühen. Die PolitikerInnen und KapazunderInnen reisen von einem Gipfel zum anderen. Verblasen dabei nicht nur heiße Luft, sondern verbrauchen dabei Unmengen an Kraftstoffen und müssen sich bei dieser verantwortungsvollen Tätigkeit natürlich an erstklassigen Banketten laben. Mit wieder von irgendwoher eingeflogenen Lebensmitteln und teuer importierten Wässern.

Ergebnisse?

ja natürlich. Von nahezu 200 Staaten, die ein Klimaschutzabkommen unterzeichnet haben, setzen nicht einmal 10 % es auch wirklich um.

Weiter reisen und diskutieren ist angesagt. Ansonsten passiert  – NIX!

 

fridays for future

 

Und nun stehen da Kinder, die keineswegs zu irgendetwas Bösem auffordern, sondern nur dazu, dass all die Lippenbekenntnisse für reinere Luft und sauberes Wasser, für verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen usw. endlich eingehalten (!) werden. Dass endlich DARAN und DAFÜR gearbeitet wird. Wissenschaftliche Grundlagen wurden ja schon längst erarbeitet und so gut wie niemand, der sich einigermaßen zivilisiert nennt, wird die Notwendigkeit in Abrede stellen. 

Und die Kinder? Werden deshalb angegriffen!

Sie werden als blauäugige unterbelichtete Närrchen hingestellt, die keine Ahnung von … ja genau, von WIRTSCHAFT haben, die nicht wissen, dass es Arbeitsplätze braucht, damit ihre Eltern ihnen Handys und sonstiges Hightech-Glumpert kaufen können.

Die dafür angegriffen werden, dass sie es verwenden! Dass sie Burgers essen oder aus Plastikflaschen trinken.

Es ist zu obskur.

 

Diese Kinder und Jugendlichen haben dies alles nicht geschaffen! Sollten nur das, was ihnen umgehängt wurde, nun nicht benützen. Sollten Lösungen aus dem Ärmel schütteln.

Doch sie sensibiliseren einander nun dafür, nach Lösungen zu suchen, wie sie aus den vorgefertigten und zerstörerischen Prozessen, die ihre Eltern angeleiert haben, aussteigen können. Und fordern „nur“ von den Altvorderen, sich ihren Anliegen anzuschließen und entsprechende Weichen zu stellen, dass ihre Zukunft auch eine Zukunft hat.

 

march for future

 

 

Und dann am anderen Ende:
Die Omas gegen rechts! Flankiert von vielen Opas.

 

omas gegen rechts

 

Die wissen ganz genau, was es heißt, wenn der Rechtsradikalismus um sich greift. Wenn Hass gesät und die Gesellschaft auseinandergetrieben wird. Sie haben das schon einmal erlebt.

Die wissen darüber hinaus aber auch, was es heißt, aus dem Nichts etwas aufzubauen. Das haben sie nach dem Krieg nämlich gemacht. Die hart für eine Wohlstandsgesellschaft gearbeitet haben.

Wie es aber nun aussieht, anscheinend dafür, dass ihre Nachkommen das alles wieder zerstören. Und zwar nachhaltiger als es der Krieg konnte.

Mag sein, weil sie selber zu wenig Zeit hatten, um ihre Kinder beizeiten auf die Gefahren hinzuweisen, die zuviel vom Guten beinhalten (wie man schon bei Watzlawick nachlesen konnte). Weil sie ja aufbauen wollten, um ihren Kindern und Enkeln eine bessere Welt bieten zu können.

 

Und jetzt? Stehen die EnkelInnen und die Omas/Opas gemeinsam auf, um dem bösen Spiel des Zauberlehrlings Einhalt gebieten zu wollen. Diesem Spiel, das schon lang keines mehr ist und das von den Generationen zwischen jung und alt irgendwie in eine falsche Richtung gelenkt wird. Wo es eben nichts mehr aufzubauen gibt, und die Erhaltung des Vorhandenen anscheinend zu wenig kreative Strahlkraft als Aufgabe für die derzeitigen Machthaber – und auch ihrer Wähler – hat.

Hören wir doch endlich auf die noch nicht durch Lobbys verseuchten Forderungen der jungen Menschen!

Hören wir doch endlich auf die Erfahrungen der Altvorderen!

Die „Weisheiten“ der Generationen dazwischen haben uns an einen Punkt gebracht, der sich für den eigenen Nachwuchs mehr als rächen wird. Und wenn es so rasant weitergeht, auch noch für deren Eltern, die in ihrer Kurzsichtigkeit und Fokussiertheit auf Konsum gerade dabei sind, die Welt aus ihren Angeln zu heben.

 

Gestern haben sie miteinander demonstriert. Die Jungen und die Alten.

 

Also, Eltern der Kinder und Kinder der Omas, vielleicht denkt ihr endlich einmal darüber nach, dass ihr das Verbindungsglied zwischen den Generationen seid und dafür Verantwortung trägt, was ihr euren Kindern (für die ihr angeblichnur das Beste wollt) und Eltern (die für euch etwas aufgebaut haben, das sich zu erhalten lohnt!), aber auch euch selbst antut.

Die Zeit dafür ist höchst reif!

 

opas for future

 

Kinder an die Macht

Es ist wie immer.
Anstatt sich dafür zu interessieren, was denn mit den fridays for future bezweckt werden soll, wird das Augenmerk darauf gelegt, wer von wem „instrumentiert“ ist, was Greta Thurnberg isst, wie sie reist, oder was die Kinder und Jugendlichen denn davon verstehen und selber umsetzen.

 

fridays for future

 

 

Eines ist klar:

DASS da viele jetzt auf den Zug aufspringen. Aber vor allem die ewigen Kritikaster und Sich-in-den-Vordergrund-Dränger, die als Einzige den total Durchblick haben.

Ich verstehe nicht, warum man nicht einfach akzeptieren kann, dass sich Kinder und Jugendliche für ihre Zukunft einsetzen. Egal, ob sie genau verstehen, was jetzt läuft oder nicht.

Dass es mit unserem Umweltverhalten so nicht weitergehen kann, sollte uns allen klar sein! Das ist ihre Botschaft. Wieso müssten sie jetzt Wissenschafter sein, um dies bis ins Detail belegen zu können? Wieso müssten sie jetzt die von ihren Altvorderen anerzogenen Muster mit einem einzigen Schnitt, samit ihren Handys abwerfen?

Die haben das alles nicht erfunden. Sie wurden in ein Konsummodell hineinkonditioniert, das ihnen mit Sicherheit in allen Einzelheiten nicht klar sein KANN.

Einerseits wird den Jugendlichen vorgeworfen, dass sie sich um nichts kümmern, andererseits, wenn sie es tun, dass sie das falsche tun. Nämlich nicht das, was die Erwachsenen von ihnen wollen. Und dann gelten sie als instrumentiert. Dabei sind es die Erwachsenen, die instrumentiert sind!
Was sich am besten daran zeigt, dass sie sich nicht damit beschäftigen, was die Jungen aufzeigen, sondern damit, wie sie ihre Aktion nieder machen können, um sich selbst zu überhöhen.

Ich finde es wesentlich fataler, dass die ganzen Verpöbelungsdummies sich dafür instrumentieren lassen, um unreflektiert hinter ihren rechten Vorbildern nachzurennen. Als wenn nun die nächste Generation sich dafür instrumentieren lässt, die Verantwortlichen dazu aufzufordern, sich um die Thematik des Klimawandels zu kümmern, der ihre Zukunft weitgehendst gefährdet. Und der von diesen herbeigeführt wurde, nicht zu vergessen!

SIE sollten jetzt Lösungen anbieten? SIE sollten jetzt den totalen Durchblick haben? Wieso? Es reicht, mit offenen Augen in die Welt zu sehen, um zu erkennen, was läuft. Auch für Kinder.

Manche Zusammenhänge können sie halt noch nicht herstellen. Wie sollten sie auch, bei diesen Erwachsenenvorbildern? Aber dass sie eine lebbare Zukunft wollen, das können sie sehr wohl wissen.

Und warum sollten sie nun einfach still in ihren Schulen sitzen, weiteren Konsumblödsinn lernen, und stumm zusehen, wie ihnen die Erwachsenen die Welt ruinieren?

Warum sollen sie nun ihren Protest wohlgeordnet und im stillen Kämmerlein praktizieren? Damit man sie nicht sieht und hört.

Nein, genau so gehörts. Dort wo’s wehtut, ohne jemandem anderen wehzutun. Am äußeren Erscheinungsbild kratzen, dass angeblich eh alles in Ordnung ist …

Aber es ist wie immer. Anstatt das Augenmerk darauf zu legen, was Sache ist und die Jugend zu unterstützen, ihre Meinungen und Ideen umzusetzen, oder zumindest diskutieren zu können, werden sie behandelt, als wären SIE diejenigen, die die Welt in diesen Zustand gebracht haben und noch bringen. Dabei wäre der einzige richtige Weg, MIT ihnen daran zu arbeiten, ihre Zukunft zu sichern.
Es jetzt endlich zu beginnen. Dann könnten sie auch von uns wieder lernen.

Ich bin ein sehr interessierter Mensch, aber ehrlich, ICH durchblicke die Klimapolitik auch nicht. Aber was interessieren mich die vermeintlichen Hintergründe? Der sichtbare Vordergrund ist brisant genug.
DAMIT sollte man sich beschäftigen.
Dass es Trittbrettfahrer gibt, ist klar. Die Erwachsenen sind sooo gescheit, aber manipulierbar bis ins Klopapier. Aber von den jungen Leuten verlangen sie Differenziertheit.

Es braucht keine Differenziertheit!
Es braucht die klare Aussage unserer Jugend: Wir wollen eine Änderung, um unsere Zukunft noch erleben und dann auch selbst gestalten zu können!

Danke an diese Jugend! Sie gibt Hoffnung. Nicht diese ganzen Gipfeltager, die Millionen dafür ausgeben, um an ihren fruchtlosen Gipfeln teilnehmen zu können, sich dort nur an Banketts vollfressen und niedersaufen, während sie anderen das Wasser abgraben und sie in den sicheren Tod schicken.