Weshalb es MIR nicht wurst ist II.

Zu Teil I.

 

II.

Ich denke in diesen Tagen oft: Ich bin eine der ganz wenigen, die sich nicht von einem Bart von der Situation ablenken lässt, in die uns dieser gebracht hat.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Song-Contest ja eindeutig zu meinen AUS-Knopf-Programmen gehört.

Deshalb wurde mein Interesse erst durch die Berichterstattung der Nebenschauplätze geweckt.
Und da entdeckte ich mir absolut vertraute Situationen.
Weil ähnliches Verhalten mir oft das Leben schwer macht.
Denn auch ich werde hin und wieder gemobbt.

Mir geht es im kleinen oft so, wie Conchita im großen.
Wenn ich mich mit meiner Meinung exponiere, weht immer wieder starker Gegenwind. Und oft wird er im persönlichen aufgemischt.

Ich habe erst vor kurzem damit zu kämpfen gehabt, dass SchreibkollegInnen meinten, es wäre unangebracht, in meinem Alter meine Haare noch so rot zu färben.
Und ich bräuchte mich nicht zu wundern, wenn ich immer wieder anecken würde (es ging um meine Texte!), wenn ich mich doch dadurch dauernd so aggressiv in den Mittelpunkt rücken würde. Denn damit strahle ich angeblich eindeutig Aggressivität aus. Und zwar eine, die meinem Alter nicht mehr angemessen zu sein scheint.

Ich spinne also wieder aus.
Toleranz in üblichen Aussagen:
Natürlich habe ich nichts gegen Homosexuelle, mir doch egal, was die zu Hause machen. Aber in der Öffentlichkeit …Und wenn sie sich nicht „normal“ verhalten, dann brauchen sie sich nicht zu wundern.
Aha.

Lintschi denkt also darüber nach, was das für sie bedeutet:
Natürlich hat niemand etwas gegen alte Weiber, die sich die Haare rot färben, aber bitte nicht in der Öffentlichkeit. Wenn sie aus dem Haus gehen, dann bitte Grauhaarperücke aufsetzen. Sonst brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn man sie von der Gehsteigkante stößt, wenn sie doch so aggressiv auftreten.

Das scheint Euch an den Haaren herbeigezogen? Na dann denkt noch einmal in Ruhe darüber nach …

Ich selber werde nie nachvollziehen können, was Menschen dazu treibt, andere zu mobben oder zu verfolgen.
Ich denke, es geht immer um Angst.

Ich muss gestehen, ich steige in diesbezüglichen Diskussionen auch oft aus. Denke mir, man kann die Welt nicht umdrehen. Also drehe ich lieber mich um und gehe weg.
Aber dann kommt so ein zartes Dingelchen und stellt sich vor Millionen hin und zeigt so viel Mut und Konsequenz, dass mir die Spucke wegbleibt.
Und ich wünsche mir: Ich wäre gern so mutig!
Ich verschanze mich hinter meiner Tastatur und oft hinter meinem Tagebuch, in das ich all das dann nur für mich schreibe, damit ich mich nicht dauernd mit Anderen konfrontieren muss …

Und deshalb bin ich froh, dass es solche Typen gibt, mit denen man (auch ich!!!) dann zumindest mitlaufen kann. Und den Negativ-Mitläufern wenigstens auf diese Weise etwas entgegensetzen kann.

Und noch etwas. Ich verstehe schon das nicht:
Mir persönlich wäre der Wurst-Bart absolut wurst gewesen.
Ob ein/e Künstler/in einen bunten Federhut auf hat oder einen Bart im Gesicht … Andere sind seltsam gewandet oder geschminkt oder tragen Masken. Ich habe noch nie bei einem Künstler nach seiner sexuellen Orientierung gefragt. Übrigens auch nicht bei Menschen, die sonst meinen Weg kreuzen. Die geht mich doch absolut nix an, oder?

Im gesamten gesehen ist Conchita Wurst für mich eine ästhetische Erscheinung.
Wenn ich an die ganzen abgefuckten Drogenabhängigen denke, die da oft auf einer Bühne herumkollern. Oder eben diese polnischen Hausfrauenbusenwunder …

Ich denke, wenn er die wirklichen Geschlechtsmerkmale in den Vordergrund gerückt hätte …
Wie das ja oft bei Travestiekünstlern (und nicht nur bei diesen) der Fall ist. Riesige Busen, aufgepolsterte Pöpsche, oder er hätte sich ja statt dem Bart auch einen Dildo umhängen, oder ein Suspensorium das Abendkleid ausbuchten lassen können. DAS wäre schlimm gewesen …

Aber ein Bart?
Ich kämpfe jeden Morgen mit meinem!

lintschi bye

(Ende der Wurst-Wurst)

 

 

2w1758auch hier und heute noch einmal, liebe freunde …
schreiben und denken kann ich ja blind. lesen ist im augenblick noch das größere problem. nur, dass ihr euch über eventuell seltsam anmutende antwortrituale dann nicht wundert …
ps: aber es geht mir gut! und alles läuft „normal“ – ach nein, das wort ist bei mir im augenblick grad nicht so positiv besetzt sagen wir also lieber doch exakter: absolut komplikationslos …

 

 

8 thoughts to “Weshalb es MIR nicht wurst ist II.”

  1. So haarscharf auf den Punkt gebracht, ohne um den Bart herumzustreichen… dafür ein dickes „Daumenhoch“ liebe lintschi und bleib und schreib weiter so kritisch, „aggresiv“ und emphatisch, wie ich dich kennenlernen durfte…. in mir hast du einen ganz großen fan…busserl…

  2. Ich habe mit großem Interesse gelesen was du geschrieben hast und du hast es sehr Treffend formuliert.Warum muss soll der Mensch so aussehen wie es andere von ihm erwarten.Ist es nicht egal wie man aussieht.Warumwird man nicht so angenommen wie man ist?Jeder soll doch so sein wie er möchte.Nicht wie die anderen möchten.Danke für deine tollen Gedanken und deine klasse Text.Mach weiter so und bleib Bitte so wie du bist.
    Liebe Grüße Marion

    1. liebe marion,

      herzlich willkommen hier!
      und vielen dank für den schönen kommentar.

      ja, ich bleibe sicher, wie ich bin (und hab mit 90 wahrscheinlich auch noch meine roten haare 😉 )
      ich bin zu alt dafür, dass ich mich wieder zurückentwickle und umdrehen lasse.

      alles liebe!
      lintschi

  3. ha, lintschi, daumen sowas von hoch!
    herrlich, so wahr, dein beitrag.
    sprichst mir aus der seele.
    und bleib bloß so, wie du bist!
    kritisch, ehrlich – und rothaarig! 😉
    mit lieben grüßen
    diana

    1. danke liebe diana,

      ich habe jahrzehnte – und eine krankheit – gebraucht, um mich aus der gefangenschaft der allgemeinen meinung zu befreien.
      aber jetzt geht es – auch schon wieder jahrzehnte – ganz gut …

      und deshalb werde ich mich wohl nicht so leicht wieder in die krankmachende gedankenwelt zurückziehen lassen. zurückgehen liegt nicht in meinem lebensplan …

      sonne von hier
      für dich

  4. Zitat von diana:
    ha, lintschi, daumen sowas von hoch!
    herrlich, so wahr, dein beitrag.
    sprichst mir aus der seele.
    und bleib bloß so, wie du bist!
    kritisch, ehrlich – und rothaarig! 😉
    mit lieben grüßen
    Zitat Ende

    ABSOLUT! Danke auch für den anderen Beitrag dazu. Du schreibst gewiss vielen Menschen aus der Seele.Sicher auch vielen, denen es zwar nicht wurscht ist, aber doch lieber in Stille verharren.

    Liebe Grüße
    Fini

    1. libe fini,

      dass du da mit mir auf einer linie liegst, war mir klar.
      aber ich danke dir sehr dafür, dass du das hier auch noch kundtust, obwohl du derzeit so wenig im netz machen kannst …

      ganz viel liebes zu dir!
      deine lintschi

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