lintschis filosofium

oder – die wichtigkeit des seins

Gespräch unter Freundinnen VI

Eigentlich dachte ich bisher, mein Freundeskreis sei doch mit mir eher gleichdenkend, was menschliche Belange angeht. Und ich hab das auch richtig gefunden, dass sich in meinem direkten Umfeld keine menschenverachtenden Leute befanden. Es gehörte für mich zu meiner Authentizität. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich Menschen „mögen“ könnte, die das blau/braune Gedankengut vertreten. Ich gehe viel vom Spüren aus und die Leute, die ich kenne, die sich dieser Richtung verschrieben haben, spüren sich ja auch tatsächlich ganz anders an, als meine Freunde und engen Bekannten.

Es gibt zwei, drei Männer von Freundinnen, die dem Sozialstaat skeptisch gegenüberstehen und auch schon manchmal in Diskussionen ziemlich unreflektiert darüber aushauen. Aber alles was ich dazu dachte war, dass ICH so einen Mann wohl nicht aushalten würde, aber meine Freundinnen waren davon nicht nicht betroffen und meine Freundschaft sowieso nicht.

In den letzten Tagen wurde ich zweimal überrascht. Sehr gute Freundinnen von mir outeten sich als Basti-Fans und dadurch natürlich auch als seine Wählerinnen. Ich verstand die Welt nicht mehr.

Und immer, wenn ich etwas nicht verstehe, und es mir überdies enormes Unbehagen bereitet … schreibe ich. Ich muss meine Gedanken sortieren, muss überprüfen, wo ICH vielleicht etwas (an Basti) übersehen habe.
Erfreulicherweise geht’s wenigstens nicht um den Bumsti. Also natürlich dann in weiterer Folge auch, aber den und die FPÖ mag wirklich in meinem engen Umfeld niemand. Nicht einmal die oben erwähnten Männer.

Diese beiden Freundinnen leben in sehr angenehmen Verhältnissen. Eine ist Pensionistin, und hat einen sehr begüterten Lebenspartner, die andere ist Teilzeitsekretärin mit Kindern, die vom Sozialsystem einige Förderungen erfahren. Sie leben in eigenen Häusern, haben mehrere Autos, es gibt schöne Urlaube …

Natürlich fragte ich nach Argumenten. Und es kristallisierte sich ein eigenartiges Phänomen heraus.
 
Es muss etwas verändert werden!
 
Aha. Und was?
Ich interessiere mich nicht für Politik, aber so geht’s nicht weiter.
Ja, aber was? Dir geht’s doch gut.
Mir schon, aber es gibt sehr viele Leute, denen es nicht so gut geht.
Und für die muss sich was verändern?
Ja.
Und was wird der Basti tun, dass es denen besser geht?
Er wird das System verändern.
Aber wir haben ein gutes System, ein demokratisches, ein Sozialsystem … also für Leute, die Unterstützung brauchen.
Ja, das wird er ja auch nicht verändern.
Also was wird er verändern?
Die Politik halt. Ich interessiere mich ja nicht dafür, aber da muss einiges verändert werden.
Und der Kern hätt das nicht gemacht?
Nein, der hätte nur wieder Unsummen für irgendwelche Sozialleistungen oder Förderungen an irgendwelche Leute ausgegeben.
Und das ist nicht sozial?
Schon, aber so geht’s nicht weiter. Das können wir uns nicht leisten. Es müssen die gefördert werden, die der Wirtschaft etwas bringen, nicht die, die sie was kosten.
Dafür braucht man doch kein Sozialsystem. Das wird immer kosten.
Schon. Aber es muss verändert werden.
Er hat Arbeitsplätze gefördert. Basti hat die Förderung zurückgenommen.
Weil wir sie uns nicht leisten können.
Wer genau jetzt nicht? Du? Ich?
Der Staat! Der geht so bankrott.
Was soll also gefördert werden?
No ja, das was der Staat braucht.
Also nicht die sozialen Belange, nicht die Kultur und Bildung.
O ja natürlich, das braucht der Staat ja auch.
Aber die will er doch kürzen.
Nein, die nicht.
Aber er hat ja schon begonnen.
Na, jetzt lass ihn doch einmal arbeiten.
Aber er kürzt bereits die Sozialleistungen. Er setzt eine große Gruppe unserer Bevölkerung größerer Armut aus.
Das gilt ja nur für die Ausländer.
Wie bitte? Seit wann bist du gegen Ausländer?
Natürlich bin ich nicht gegen Ausländer, aber so geht das auch nicht, dass wir alles für irgendwelche Leute zahlen, wir haben selber genug Arme.
Ja, aber denen nimmt er ja jetzt was weg.
Ich kenn mich da nicht so aus, aber es muss einfach was verändert werden. Lass ihn doch arbeiten.
Und da darf es Bauernopfer geben?
Nein, natürlich nicht. Aber allen kann man eben nicht helfen.
Wem wird aber jetzt geholfen?
Na, dem Staat.
Aha, und wer ist der Staat?
Na wir.
Und wie wird dir jetzt geholfen?
Mir braucht keiner helfen. Ich bin davon ja nicht betroffen.
Also weshalb bist du dann dafür?
Weil etwas verändert werden muss.

 

Fazit: Wahlwerbung offensichtlich geglückt …

 

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