In der Umarmung des Alters VIII.

 

Gewinnbringend

Und dann denke ich nach.
Ich trete aus meiner persönlichen Erfahrung heraus. Und schaue mich um.
Jugend bis ins hohe Alter wird propagiert. Propagiert? Nein, gefordert!
Nur so scheint Alter lebenswert.

Das genaue Gegenteil ist der Fall. Doch die Vorzüge des Alters werden versteckt. Sie bringen keinen Gewinn. Für die Wirtschaft.

Ist Jugend wirklich nur ein straffer Körper? Hat Jugend nur in diesem Platz?
In einem welken Körper ist sehr viel Platz für Jugend.
In jeder Falte bietet sich Raum für Interesse und Spontaneität. In jeder Runzel ist eine Sammelstelle für Zärtlichkeit und Wärme. Jede Dioptrie mehr schafft Möglichkeit zum schärferen Hinsehen. Und jede Rüsche um den Mund verliert sich beim oftmaligen Lachen.

Ein schlaffer Geist macht alt. Kein schlaffer Körper!
Ein enger Blick. Ein starrer Mund. Eine leere Hand.

Viel zu oft treffe ich Menschen, jünger an Jahren, die älter sind als ich.
Gewinnbringer. Für die Wirtschaft. Nicht für sich selbst.

 

2 thoughts to “In der Umarmung des Alters VIII.”

  1. Ein sehr treffender Text Lintschi und ich stimme Dir voll zu.
    Die Wirtschaft rechnet jedoch voraus, denn was sie den älteren Menschen dann nicht mehr abgewinnen kann, das holt sie sich jetzt von dem „neu erschaffenen sogenannten gepflegten Mann“. Die große Masse zieht mit, denn es gehört ja bereits zum „gepflegt sein“ dazu. (inkl. Botox)
    In der Hast nach der ewigen äußeren Jugend vernachlässigen sie jedoch dabei völlig den Geist. Wie Du in Deinem Gedicht schreibst:
    Ein schlaffer Geist macht alt. Kein schlaffer Körper!
    Hab lieben Dank für diesen Text.
    Lg
    Fini

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