74 Jahre

Heute ist internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. An diesem Tag gibt es von mir diesmal kein Gedicht, keinen Aufsatz, und auch kein Foto oder Bild. Obwohl es natürlich in unserem Haushalt sehr viel davon gibt. Immerhin hat mein Mann einen Zyklus „Shoa“ gemalt. Und ich habe schon sehr viel darüber geschrieben.

 

Ich habe aber etwas anderes ausgewählt.
2011 habe ich mich ausführlich mit dem Umgang des Gedenkens auseinandergesetzt. Unterstützung für meine Idee bekam ich bei einem Rundgang durch die Gedenkstätte Flossenbürg. Ich habe diese in ein Booklet verpackt und glaube, sie unterscheidet sich in vielem von dem, was man sonst zur angeblichen Aufarbeitung vorgesetzt bekommt.


Mein Weg ist ein anderer:
Nicht Gedenken in Grauen, sondern Gedenken in Liebe.

Und es gibt eine Lesung, die ich euch heute gerne zu Gemüte führen möchte. Es wäre schön, wenn ein paar von euch sich ein bisschen Zeit für meine Gedanken nehmen würden.
Denn

Gedenken
ist Auftrag.

An uns selbst.
Für uns selbst.

 

lesung flossenbuerg

geflügelte worte

spann meine flügel
in die weite
meiner gedanken

die tatsachen liegen tief
unter mir werfen schatten
dunkle flecken über die türme
der träume

auf die wege der hoffnung
treten mit kreisenden armen
die hüter der worte

um meine gedanken
zu spannen weit
wie flügel

 

 

© evelyne w.