Weiberherbst

 
Zärtlich getragen vom Nebel
Der sich weich um mich schmiegt
Tief atmend den Duft des Herbstes
Der in der satten Luft liegt
Schwebt mein Herz durch die farbige Pracht
Die mein Leben so herrlich reich macht

Es sind die Farben der glücklichen Stille
Die in mir leuchten in einer Fülle
Die Gott in meine Ewigkeit senkt
Weil Er mir wieder den Herbst schenkt

Sanftes Nieseln streichelt mich
Und küsst wie frischer Morgentau
Alle meine Sinne wach
Und ich erkenne im Herbst die Frau

Der Jahreszeiten einziges Weib
Die strahlende Schönheit
In deren Leib
Der Herd des Lebens ewig wärmt

Der Frühling
Der Jüngling der sonnig ausschwärmt
Der sorglos aufbricht und überall sät

Der Sommer
Der lachend einhergeht
Mit heißem Atem und spendender Kraft
Alles wachsen lässt aus seinem Saft

Der in schwülen Nächten von Freiheit erzählt
Und vieles verspricht was er dann nicht hält

Der Winter
Ein eiskalter Soldat
Mit klirrenden Waffen in prachtvollem Staat
Tötet
Was sich nicht schützt vor ihm
Lässt viele zitternd vor ihm fliehen

Doch jetzt der Herbst
Der nach innen ruft
Mit prächtigen Farben und sinnlichem Duft
Mit weichen Konturen im milden Licht
Mit feuchten Lippen im üppigen Gesicht
Der Ernten gibt und sich daran freut

Der Jahreszeiten Weiblichkeit

Und groß ist mein Glück
So von Weib zu Weib
Denn auch ich fühl‘ den Herbst
In meinem Leib

© evelyne w.

aus:

 

Ich bin aus einem ganzen Stück
Best of Tagebuchgedichte

152 Seiten
Broschiert mit Klappen

 

 

 

 

 

november

 
wenn dicke nebel
wie kalter schweiß
dein antlitz netzen

im grau
dein sommerlachen
sich selbst erstickt

deine hände
steif und klamm
ins dunkle greifen

will ich dich betten
auf die blüten
meiner haut

deine hände wärmen
an der hitze
meiner brüste

und mit ernteduft
aus meinem munde
deinen atem nähren

fürchte
weder schatten
noch kälte
bunt und warm
ist der november

unserer liebe

© evelyne w.

 

Konkrete Poesie zum Thema Herbst im Burgenland

 
Ich bin durch eine Freundin auf einen sehr interessanten Lyriker gestoßen,
auf Eugen Gomringer. Diesen führt man als „Vater der Konkreten Poesie“.
Ich finde diese Wortspielereien, die aber keineswegs willkürlich gestaltet werden, sondern einer bestimmten Ordnung oder/und einem Versmaß folgen müssen, absolut spannend.

Und eine dieser Formen habe ich nun für zwei Gedichte für meinen Herbst im Burgenland angewendet. Wahrscheinlich einigermaßen unzulänglich, aber weil ich es einfach unglaublich inspirierend fand.

golden
gold
gold und rot

rot
rot und violett

violett
violett und rot

gold und rot und violett und
sturm im glas
*)
 
 
 
schilf
schilf
schilf und wellen

wellen
wellen und winde

winde
winde und schilf

schilf und wellen und winde und
abflug der störche

© evelyne w.

*) für meine deutschen leser/innen: federweißer nennt man in österreich sturm