Leben braucht Mut

Wir glauben oft, der Menge zu folgen ist das Leben.
Aber nein, das Leben finden wir auf unbegangenen Wegen.
Dort wo nicht viele gehen, ist auch nichts zertrampelt.
Wir atmen den Wind
und lassen uns nicht die Darmwinde der anderen
als warmen Lufthauch verkaufen.
Wir hören den Gesang der Vögel
nicht den Lobgesang der Menge an ihre Populisten.
Wir spüren den Boden unter unseren Schritten, lassen uns von ihm erden
anstatt im Stechschritts des Zeitgeistes über Tote zu marschieren.

Leben braucht Mut.
Dem eigenen Weg zu folgen und nicht den Wegweisern der Macht.

 

© evelyne w.

 

Die Freiheit des Menschen III

freiheit 3

 

Ich glaube, dass ein großes Missverständnis rund um die Freiheit besteht. Immer wieder werde ich mit diesen konfrontiert.

Die Freiheit wird mit verschiedensten Komponenten gekoppelt oder an sie.

Das geht aber nicht. Freiheit ist Freiheit und sonst nix. In dem Augenblick, wo sie an etwas gebunden wird, ist es keine Freiheit mehr. Das ist doch logisch, oder?

Ich sprach in meinen ersten beiden Beiträgen von der Freiheit des Menschen!

Nicht von der Freiheit des Menschenwesens. Ich glaube dort entstehen diese Missverständnisse.

Der Mensch ist ein Gemeinschaftswesen und als solches selbstverständlich von seiner Gemeinschaft abhängig! Wie ich geschrieben habe: ein Mensch allein ist nicht überlebensfähig. Ja, er könnte nicht einmal geboren werden!

Deshalb ist es selbstverständlich vonnöten, dass er sich den Bedingungen der Gemeinschaft aussetzt, wenn er auf dieser Erde verweilen und leben will. Aber dann – hat er die Möglichkeit sich frei zu entscheiden! Was er mit diesen Bedingungen macht. ER entscheidet! Was er annimmt, was er übernimmt, was er mit dem Angenommenen tut. Was er ablehnt und was er damit tut.

Ein Mensch kann sich voll in Abhängigkeit seiner Gemeinschaft begeben und dennoch frei sein!

Er kann sämtliche Annehmlichkeiten annehmen, wie ein von anderen gebautes Haus, ein von jemandem geliefertes warmes Bett, oder seine Morgendusche, die er sicher auch nicht selbst angefertigt hat. Er kann in Flugzeuge steigen, oder auf Autobahnen fahren. Er kann das Angebot von Ärzten und Spitälern annehmen, von weither importiertes Gemüse oder Obst essen, oder sich von der Großmutter einen warmen Schal für den Winter stricken lassen.

Zu all dem entscheidet er sich selbst! Es ist eine Entscheidung seines freien Willens.  Vornehmlich selbstverständlich beim erwachsenen Menschen.

Aber auch Babys treffen bereits ihre eigenen Entscheidungen. Leider werden diese von den Erwachsenen dann konditioniert. Und oft ergibt das eben leider eine enorme Ambivalenz, die dazu führt, dass diese Erwachsenen vieles nicht mehr so erkennen können, wie es ihrem Wesen eigentlich entspricht.

Wie z.B. die persönliche Freiheit. Die wird als erstes aberzogen.

Doch als Erwachsener hat man immer die Möglichkeit, sich auf den Weg der Freiheit zu begeben. Natürlich muss man ihn suchen, ihn erkennen und das könnte mühsam sein.

Für viele erscheint es einfacher, irgendjemandem zu folgen: Eltern, Wissenschaftern, Ärzten, Politikern, Idolen, Parolen.

Viele beugen sich freudig einer Mehrheit, doch was viele meinen, muss noch lange nicht richtig sein. Und führt oft in Unmenschlichkeit, Krankheit oder Tod. Oder zu Hass, wie wir derzeit sehr gut erkennen können.

Und Hass ist mit Freiheit absolut nicht kompatibel.

Deshalb ist es so wichtig, die individuelle Freiheit zu erkennen. Sie ist die einzige perfekte Freiheit! Denn in der Abhängigkeit von der Gemeinschaft gibt es sie nicht, wie vorher angeführt.

Aber jeder Mensch hat in jedem Augenblick seines Lebens die Freiheit, seinen nächsten Schritt zu wählen. Ob er jemandem folgt oder nicht. Und wem er folgt, ist dabei von großer Bedeutung, wie man wohl nun leicht erkennen kann.

Doch Vorsicht, auch Opposition ist keine Freiheit. Das Gegenteil ist immer an den Ausgangspunkt gebunden. Doch auch das kollektive Unbewusste tut hier sein verhängnisvolles Werk.

Wo liegt also die Freiheit des Menschen in seiner Gemeinschaft?

Im WOLLEN, ein Mensch zu sein! In der Entscheidung zur Menschlichkeit.

Da kann man alles selbst spüren, was man zum Leben braucht und muss niemandem folgen, sondern kann sich immer und überall für sich und sein Menschsein entscheiden. Und alle Einflüsse von außen verlieren ihre Macht!

 

Die Freiheit des Menschen I

Die Freiheit des Menschen II

Die Freiheit des Menschen II

 

Nehmen wir nun einmal das gängigste Beispiel für unerkannte Unfreiheit in unseren Gesellschaftsformen: Die Gesundheit – und als erstes Unterbeispiel:

 

Der Ernährungszwang

Es gibt wohl so gut wie niemanden mehr in unserer Gesellschaft, der wirklich so isst, wie er es tatsächlich selber will.

 

 

Rund um die Ernährung wurde ein derartiger Zwangsballon aufgeblasen, dem sich die meisten höchst freiwillig unterordnen. Und im selben Augenblick ihre Freiheit vollkommen untergraben.

Denn das besonders traurige daran: Diese Menschen werden sich in nichts und nirgends frei fühlen können!

Die Freiheit ist unteilbar! Es ist so, dass man sich vielleicht zeitweise eben nicht frei fühlen kann – und es dann auch tatsächlich nicht ist. Aber es gibt keine Möglichkeit, in einem Bereich nicht frei zu sein und in anderen doch. Dann hat man nur das Wesen der Freiheit nicht verstanden.

Wenn man sich sogenannten wissenschaftlichen Egebnissen unterwirft, und sich dadurch unter Zwang und Disziplin setzen lässt, steigt die Unlogik, die Freiheit betreffend, doch sofort aus den Zeilen. Man unterwirft sich einer Macht, die von außen auf einen einwirkt und die leider, bei genauem Hinsehen klar erkennbar, dem Marketing des Konsumszwangs entspringt.

Diese dauernde Regelung unseres Essverhaltens durch täglich abgeänderte „wissenschaftliche Erkenntnisse“ zielt doch auf nichts anderes ab, als uns in Abhängigkeiten zu halten. Unsere eigene gesunde Wahrnehmung als unzureichend hinzustellen und uns deshalb vorgefertigte Programme und Erfahrungswerte vorzusetzen.

Aber bitte warum vertrauen wir denn nicht unseren eigenen Erfahrungswerten? Jeder Mensch hat diese Möglichkeit!

Über dieses Warum könnte man nun natürlich meterlange Abhandlungen schreiben. Menschen in Abhängigkeit zu bringen und halten, bringt natürlich sehr viel Macht und sehr viel Geld.

Mir geht es aber derzeit mehr darum, einfach die Unfreiheit aufzuzeigen. In Bereichen, wo sie als selbstverständlich angenommen und nicht einmal mehr erkannt wird.

Ich möchte euch bitten, euch eine ganz einfache Frage ehrlich zu beantworten: Fühlt ihr euch frei, zu essen, wann ihr wollt und was ihr wollt?

Macht einmal den Versuch, aufzustehen, tief einzuatmen, den Rücken durchzustrecken und laut zu sagen:

Ich esse wann ich will, ich esse was ich will und ich hab Freude daran.

Was löst das in euch aus?

Ihr müsst das nicht mir beantworten. Aber für euch im stillen Kämmerlein könnte es euch viel bringen. Auf jeden Fall würde es euch den ersten Schritt in die Freiheit zeigen und sie wohl auch für diesen Augenblick fühlen lassen. Und dann gibt es die freie Entscheidung: Wie sieht mein nächster Schritt aus? Wieder in Abhängigkeit, oder weiter auf dem Weg in die Freiheit?

Gedanken über . . . Die Bewegung der Masse(n)

Immer wieder werde ich als naiv bezeichnet, weil „mein“ System nicht praktikabel sei. Da es so viele böse andere Menschen gibt und man GEGEN jene auftreten muss, weil sie sonst die Übermacht bekämen.

Und ich denke immer wieder, ist es nicht vielmehr naiv, zu glauben, als Einzelner könnte man die Allgemeinheit verändern? Auch als Gruppe ist die Menschheit in ihrer Gesamtheit nicht zu verändern.
Veränderung geschieht!
Sie geschieht aufgrund des Verhaltens der Masse(n).

Wenn die Masse nun einfach nur GEGEN etwas ist, dann geschieht logischerweise gar nichts. Weil sich die Masse nicht vom Fleck rührt, sondern es immer nur ein Hin und Her zwischen Befürwortern und Gegnern gibt.
Wenn nun aber viele Menschen anderes beFÜRworten und ihre Energie nicht GEGEN vorhandenes einsetzen, dann kann die Bewegung der Masse eine andere Richtung nehmen.

Deshalb nützt es auch nichts, gegen diese oder jene Regierung zu schimpfen. Der einzige probate Weg, auch tatsächlich Veränderung herbeizuführen, wäre die Meinungsbildung des Einzelnen zu schärfen auf die richtige Richtung, in der Veränderung geschieht.

Unsere Politiker sind nicht in der Lage, ein Umdenken herbeizuführen. Wie auch? Erstens wäre es komplett unpopulär und zweitens haben sie ja selbst nie ein anderes Prinzip gelernt, als mit der Masse mitzuschwenken.

Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient, hat vor einigen hundert Jahren schon mal wer gesagt.

Das klingt selbstverständlich unglaublich hart im Anblick von so viel Diktatur und Gewalt.
Aber es ist trotzdem genau so. Es ist das System der Masse, die sich in eine bestimmte Richtung bewegt und zwar in jene, wo die Mehrheit hingeht.

Wir neigen leider dazu, alles zu sehr auf den Augenblick zu reduzieren. Auf Augenblickslösungen. Doch die gibt es für eine Masse nicht! Weil jedes Teilchen in eine andere Richtung zieht. Es können also nur langfristige Prozesse in Angriff genommen werden. Und dafür fehlt den meisten die Perspektive.
Absolut verständlich, muss ich dazu sagen.
Wenn ich in Angst und Schrecken lebe, schaue ich auch eher darauf, wie ich meine Kinder ernähre und durchkomme und nicht darauf, wohin ich eine Masse eventuell in 100 Jahren bringen kann!

Deshalb werden die Massen auch so gerne in Angst und Schrecken versetzt und gehalten. Weil es die Macht bringt!

Doch das Prinzip wäre ein ganz anderes. Nämlich von innen nach außen! Von klein nach groß.

Und dieses Prinzip nimmt im Einzelnen den Anfang.
Auch der einzelne Mensch sollte sich selbst nach diesem Prinzip ausrichten. Zuerst für Frieden und Ruhe in sich selbst sorgen, für psychische Hygiene, z.B.
Deshalb kann man als Einzelner auch so viel davon profitieren, wenn man die Verantwortung dort übernimmt, wo man zuständig ist, nämlich für sich selbst.

In der Masse wird die Verantwortung abgegeben. Das liegt leider in der Natur der Masse, weil ja Einzelverantwortung keine Rolle spielt.

Das kann man gut beobachten. Ich schreibe hier zwei Beispiele, die nicht unter Gefahr für den „Unbeteiligten“ ablaufen. Denn die Gefahr bringt die Menschen ja noch einmal in eine andere Richtung. Sie hat ja auch die Tendenz zum Selbstschutz und damit verbunden das Weglaufen als Bestandteil.

Wenn einer in einer leeren Straße an einem Haus vorbeigeht, wo aus einem Fenster plötzlich Flammen dringen, dann wird er die Feuerwehr verständigen.
Wenn in dieser Straße viele Menschen unterwegs sind, werden die meisten annehmen, dass es ein anderer schon gemacht hat.

Im ersten Fall muss der Einzelne die Verantwortung für sein Verhalten übernehmen. Wenn er davonläuft oder nur gaffend stehen bleibt, und es verbrennen da drinnen Menschen, wird er es sich in seinem Leben nie mehr schönreden können, dass er die Hilfeleistung unterlassen hat. Es war sonst niemand da.
Im zweiten Fall kann er sich das sehr wohl schönreden, weil er ja davon ausgegangen ist, dass eh …

Deshalb verstecken sich so viele gerne in der Masse. Weil sie dann sagen können, das hab ich nicht gewusst, was andere Bestandteile der Masse gemacht haben oder auch nicht.

Aber Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen, bringt dem Einzelnen den größtmöglichen Sinn seines Lebens! Für sich selbst verantwortungsvoll zu agieren, heißt allerdings auch, Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen. Für die Gemeinschaft, in der ich mich befinde. Und ich kann immer selbst entscheiden, ob ich mich in der Gemeinschaft mit Gegnern oder Befürwortern befinden möchte. Ob ich mich in der Masse verstecken und in ihr untergehen will oder ob ich eine Schwungmasse ankurbeln will.

Deshalb kann man für sich selbst dabei so viel profitieren, wenn man die eigene Masse in eine aktiv-positive Schwungbewegung lenkt und die allgemeine Masse eigentlich nur „nebenbei“ dadurch auf eine andere Schiene bringt.
Wir in unseren Lebensgebieten und -situationen hätten bzw. haben die Möglichkeit dazu.
Aber sie wird zu wenig genützt …

Und deshalb haben wir diese Regierungen. Und deshalb sind die Rechten im Vormarsch. Und wird dadurch Terror geschürt und unsere Länder befinden sich im unbewussten Kriegszustand! Mit dem eigenen Volk.

 

© evelyne w.

 

Weshalb es MIR nicht wurst ist II.

Zu Teil I.

 

II.

Ich denke in diesen Tagen oft: Ich bin eine der ganz wenigen, die sich nicht von einem Bart von der Situation ablenken lässt, in die uns dieser gebracht hat.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Song-Contest ja eindeutig zu meinen AUS-Knopf-Programmen gehört.

Deshalb wurde mein Interesse erst durch die Berichterstattung der Nebenschauplätze geweckt.
Und da entdeckte ich mir absolut vertraute Situationen.
Weil ähnliches Verhalten mir oft das Leben schwer macht.
Denn auch ich werde hin und wieder gemobbt.

Mir geht es im kleinen oft so, wie Conchita im großen.
Wenn ich mich mit meiner Meinung exponiere, weht immer wieder starker Gegenwind. Und oft wird er im persönlichen aufgemischt.

Ich habe erst vor kurzem damit zu kämpfen gehabt, dass SchreibkollegInnen meinten, es wäre unangebracht, in meinem Alter meine Haare noch so rot zu färben.
Und ich bräuchte mich nicht zu wundern, wenn ich immer wieder anecken würde (es ging um meine Texte!), wenn ich mich doch dadurch dauernd so aggressiv in den Mittelpunkt rücken würde. Denn damit strahle ich angeblich eindeutig Aggressivität aus. Und zwar eine, die meinem Alter nicht mehr angemessen zu sein scheint.

Ich spinne also wieder aus.
Toleranz in üblichen Aussagen:
Natürlich habe ich nichts gegen Homosexuelle, mir doch egal, was die zu Hause machen. Aber in der Öffentlichkeit …Und wenn sie sich nicht „normal“ verhalten, dann brauchen sie sich nicht zu wundern.
Aha.

Lintschi denkt also darüber nach, was das für sie bedeutet:
Natürlich hat niemand etwas gegen alte Weiber, die sich die Haare rot färben, aber bitte nicht in der Öffentlichkeit. Wenn sie aus dem Haus gehen, dann bitte Grauhaarperücke aufsetzen. Sonst brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn man sie von der Gehsteigkante stößt, wenn sie doch so aggressiv auftreten.

Das scheint Euch an den Haaren herbeigezogen? Na dann denkt noch einmal in Ruhe darüber nach …

Ich selber werde nie nachvollziehen können, was Menschen dazu treibt, andere zu mobben oder zu verfolgen.
Ich denke, es geht immer um Angst.

Ich muss gestehen, ich steige in diesbezüglichen Diskussionen auch oft aus. Denke mir, man kann die Welt nicht umdrehen. Also drehe ich lieber mich um und gehe weg.
Aber dann kommt so ein zartes Dingelchen und stellt sich vor Millionen hin und zeigt so viel Mut und Konsequenz, dass mir die Spucke wegbleibt.
Und ich wünsche mir: Ich wäre gern so mutig!
Ich verschanze mich hinter meiner Tastatur und oft hinter meinem Tagebuch, in das ich all das dann nur für mich schreibe, damit ich mich nicht dauernd mit Anderen konfrontieren muss …

Und deshalb bin ich froh, dass es solche Typen gibt, mit denen man (auch ich!!!) dann zumindest mitlaufen kann. Und den Negativ-Mitläufern wenigstens auf diese Weise etwas entgegensetzen kann.

Und noch etwas. Ich verstehe schon das nicht:
Mir persönlich wäre der Wurst-Bart absolut wurst gewesen.
Ob ein/e Künstler/in einen bunten Federhut auf hat oder einen Bart im Gesicht … Andere sind seltsam gewandet oder geschminkt oder tragen Masken. Ich habe noch nie bei einem Künstler nach seiner sexuellen Orientierung gefragt. Übrigens auch nicht bei Menschen, die sonst meinen Weg kreuzen. Die geht mich doch absolut nix an, oder?

Im gesamten gesehen ist Conchita Wurst für mich eine ästhetische Erscheinung.
Wenn ich an die ganzen abgefuckten Drogenabhängigen denke, die da oft auf einer Bühne herumkollern. Oder eben diese polnischen Hausfrauenbusenwunder …

Ich denke, wenn er die wirklichen Geschlechtsmerkmale in den Vordergrund gerückt hätte …
Wie das ja oft bei Travestiekünstlern (und nicht nur bei diesen) der Fall ist. Riesige Busen, aufgepolsterte Pöpsche, oder er hätte sich ja statt dem Bart auch einen Dildo umhängen, oder ein Suspensorium das Abendkleid ausbuchten lassen können. DAS wäre schlimm gewesen …

Aber ein Bart?
Ich kämpfe jeden Morgen mit meinem!

lintschi bye

(Ende der Wurst-Wurst)

 

 

2w1758auch hier und heute noch einmal, liebe freunde …
schreiben und denken kann ich ja blind. lesen ist im augenblick noch das größere problem. nur, dass ihr euch über eventuell seltsam anmutende antwortrituale dann nicht wundert …
ps: aber es geht mir gut! und alles läuft „normal“ – ach nein, das wort ist bei mir im augenblick grad nicht so positiv besetzt sagen wir also lieber doch exakter: absolut komplikationslos …

 

 

weshalb es MIR nicht wurst ist

 
Nein, für mich ist es noch nicht vorbei.
Natürlich, wenn man sitzt und viel Zeit zum Nachdenken hat und eh schon von Haus aus dazu neigt …
Und da der Hype um die Person und um den ESC naturgemäß nicht das ist, was mich beschäftigt. Denn der ist bereits gelaufen. Da läuft jetzt nur mehr die Werbe- und Mäntelchen-in-den-Wind-häng-Maschinerie.

Aber mir geht es um das, was da alles transparent wurde.
Deshalb spinne ich an Umlegungen auf andere Bereiche, um selber vielleicht auch zu mehr Transparenz beitragen zu können. Auf Auswirkungen, die sich von der Person losgelöst, einfach durch umgelegte Situationen ergäben.

Es gibt zwei Bereiche, die mich daran beschäftigen.
Zum Einen das Umlegen des Geschehenen auf andere Menschengruppen.
Und zum Anderen das Umlegen auf meine eigenen Situationen.

Heute als erstes: das Umlegen auf andere Menschengruppen.

Ich spinne also aus, dass ein österreichischer Durchschnitts-, also „Normalo“-Typ dort gestanden wäre. Einer mit schwabbeligem Bierbauch und Trainings-Anzug, Einer, wie sie zu Massen abends mit der Bierflasche vor den Fernsehern lümmeln.
Oder eine schicke Yuppie-Tussi. An der wahrscheinlich noch viel weniger echt wäre, als an dem guten Tom.

In einem sehr ernsthaften Beitrag wurde einer dieser Typen gezeigt, die Conchita ihre Meinung geigten. Der sich schämte, dass Österreich (also er) durch sie vertreten würde. Er hatte wohl an die 120 kg, trug ein vorsintflutliches Buschhemd, ließ nicht nur seinen Bauch, sondern auch viel von schlechtem Benehmen heraushängen und die faschistischen Aussagen waren Programm.

Man kann in der Zwischenzeit auch gut erkennen, wer eindeutig am meisten wettert. Das sind die „normalen“ Typen, die sich in Scharen auf Fußballplätze oder ähnliche „ganze Männer“-Sport- oder sonstige Veranstaltungen treiben lassen, tätowiert bis an die Zähne und deren Sprachschatz auf Parolen reduziert ist. Diese schwingen sie nun auch hier und man erkennt sie am zweiten Wort schon an der mangelnden Grammatik oder Rechtschreibung …

Ich sags wies ist: Gerne gestehe ich diesen Leuten das Recht zu, zu leben, wie sie es gerne möchten, und meinetwegen auch in der Öffentlichkeit. Auch wenn sie immer wieder mein Auge oder meinen Geist beleidigen.
Aber bitte, wenn es denn schon sein müsste, dass ich wählen müsste, dann wäre ich doch auch lieber auf die Art normal wie der kleine Tom und nicht SO normal wie einer dieser Typen, oder dieser aufgespritzen Tussen …

Noch mehr beschäftigt mich aber, in die Richtung zu spinnen, dass jemand eine Gruppe von Kopftücher tragenden Muslim-Damen geschickt hätte. Oder eine Gruppe Sinti oder Roma.
Nun, da wäre wohl eine noch größere Hasswelle über Europa geschwappt.
Aber wenn ich dann weiter spinne, dass auch hier der Hass eine Absage erhalten hätte …
Dann macht das doch Hoffnung!

Vor allem kann man dann doch wirklich klar erkennen, wie der richtige Weg aus Hass und Krieg aussehen müsste. Genau so!

Es muss also Menschen geben, die nicht zu Ausgrenzung, Vergeltung und Rache auffordern, sondern welche, die sich für Akzeptanz einsetzen. Für die Freiheit des Einzelnen, zu sich selbst zu stehen. Und toll, wenn sie das unter Einbeziehung ihres eigenen persönlichen Mutes tun. Nicht auf dem Rücken Anderer.

Denen kann man dann folgen. Da muss man selber nicht einmal den kleinen Finger heben. Was den meisten bekanntermaßen ja schon zu viel ist. Verständlicherweise größtenteils aus Angst!

Doch dann kann man das Verhalten der Masse angstfrei akzeptieren. Muss die Ängstlichen nicht anprangern und diese müssen sich nicht hinter irgendeinem krausen Verhalten verstecken. Einfach, weil sie dem Positiven folgen.
Es IST und bleibt der einzige zielführende Weg.

Aber Normalo-Typen werden wohl nicht leicht als Galionsfiguren wahrgenommen. Das wissen wir doch von uns, die wir uns immer wieder als Prediger in der Wüste fühlen …

Dass die Geschmäcker unterschiedlich sind – ja, sein sollen! – das ist doch klar. Und das ist doch genau das, wofür diese Conchita eintritt. Und es kann doch auch niemand glauben, dass egal, wer immer gewonnen hätte, dieser Beitrag einhellig vom Publikum aufgenommen wäre worden.

Aber das Besondere daran ist ja nicht das Lied, ist nicht die Person, sondern ist das, was dadurch ausgelöst wurde. Ein solidarisches Bekenntnis von Millionen Menschen aus ganz Europa und darüber hinaus, zur persönlichen Freiheit. Trotz enorm starkem Gegenwind.

Den Shitstormern wurde die Scheiße ins eigene Gesicht zurückgeblasen. Sie haben sich selber angeschissen.
Denn alle anderen haben keine Scheiße gesprüht.

Ich verstehe gar nicht, wieso es Leute gibt, die glauben, nun müssten sich alle an der Kunstfigur Conchita orientieren. Nun würden Werte auf den Kopf gestellt. Nun müssten alle plötzlich schwul werden, um „normal“ zu sein. Das können doch nur Menschen glauben, die sich keine persönlichen Freiheiten erlauben und sich jeder vorgefertigten Richtung anschließen.

Genau das Gegenteil ist der Fall! Conchita tritt dafür auf, dass jeder die Freiheit besitzen sollte, so zu leben, wie es seinen Neigungen entspricht. Und da geht es nicht nur um sexuelle! Also dürfen selbstverständlich auch die Konservativen konservativ bleiben.
Aber verfolgen sollten weder die Freigeister, noch die Konservativen, irgendjemanden auf der Welt.
Wenn wir an die Missionare denken, wissen wir heute ganz genau, dass auch diese guten Leutchen, die derart angeblich hohe moralische Werte vertraten, nichts anderes wollten, als über Zwang Macht auszuüben und die Welt keineswegs verbesserten.

Freiheit heißt das Zauberwort! Nicht Zusammenrottung Gleichgesinnter.
Aber Freiheit macht Angst! Das ist ein bekanntes psychologisches Problem.

 

Fortsetzung – Teil II.

 

 

was MIR nicht wurst ist

 
Natürlich wird jetzt viel gejubelt. Beinahe jeder fühlt sich berufen, nun seine Solidarität zu bekunden. Und ja, auch ich mache das.
Sehr gerne!

Und doch denke ich immer wieder, eigentlich gehen alle Kommentare am Wesentlichen vorbei.
Für mich geht es hier nicht um einen Sieg für so schwammige Begriffe wie Toleranz, und auch nicht darum, diese Homosexuellen gegenüber schulterklopfend zu zelebrieren.

Für mich geht es schlichtweg um einen Sieg über den Hass!

Was hier im Vorfeld abgelaufen ist, diese Hetze, diese Häme, bis zu Mord- und (natürlich auch) Vergasungsaufrufen und was weiß ich … ist unbeschreiblich. Es wurde ja nur das Böse in die Welt geschwappt. Denn wie oft üblich, die Masse blieb schweigend. Und abwartend! Das darf man jetzt nicht vergessen.

Ich möchte gar nicht an die Möglichkeit denken, dass Conchita Wurst total abgesackt wäre.
Dann wäre sie nämlich Freiwild geworden. Und diese Masse an Kellerasseln, die aus ihren Löchern gekrochen wären, um sie zu jagen und weiter zu beschimpfen und zu bedrohen, da kriege ich im nachhinein noch Atemnot vor Angst.

Doch … 350 Millionen Menschen waren dabei, als dem Hass eine klare Absage erteilt wurde! Und sei es auch aus Protest- oder Mitläufergründen …

Dieser zierliche Mann, denn für mich ist und bleibt Conchita ein Mann, und zwar aus dem einzig wahren folgenden Grund – zeigte mehr Eier als die blitzblauäugigen Machos unserer Gesellschaft und waffenschwingenden Kraftprotze dieser Welt alle miteinander.
Denn Tom ist kein Dummer, das hat er in den wenigen Stunden nach seinem Sieg am allerdeutlichsten gezeigt. Er weiß genau, was er tut, er weiß, warum er es tut und er hat den Mut dafür, sich und das, was er vertritt unter Bedingungen zu vertreten, die fast keine Grauzonen bieten, die meistens entweder Liebe oder Hass hervorrufen.

Und die Mitläufer sind überall. Und in diesem Fall laufen sie nun mit dem „Guten“.
Aber sie wären wohl auch mit dem „Bösen“ gelaufen.
Wir kennen das aus der Geschichte nur allzu gut.

Die Bewunderer wären weiter schweigende Minderheit geblieben. Und ich muss gestehen, auch mir wäre ein Song-Contest und dessen Gewinner nicht einen Buchstaben Wert gewesen. Abgesehen davon, dass mich der ganze Song-Contest absolut nicht interessiert, und auch seine Teilnehmer nicht. Ich mich aber an sich nie zu Fernsehprogrammen äußern würde, weil es einfach einen AUS-Knopf am Gerät gibt.
Aber dort, wo sich Anhänger deklariert hätten, wären sie sofort ebenfalls zu Verfolgten geworden. Wie es die Anders“artigen“ eben nun einmal sind.
Denn es geht hier nicht nur um Homosexuelle!

Es geht um Menschen, „die an Frieden und Freiheit glauben“, um Menschen, die Anderen zugestehen, zu leben, wie sie es für sich richtig halten, und niemanden anderen dabei verletzen!

“ Wir sind unaufhaltbar“ sagte Conchita. Und das stimmt, wir WÄREN unaufhaltbar, wenn wir nur alle so starke Männer wären, wie die Frauen unserer Welt …

Nicht von ungefähr hat er sich wohl für seine Botschaft als Frau verkleidet.
Denn Tom Neuwirth will keine Frau sein. Er ist ein Mann, der gerne Kleider und High-Heels trägt, sich gerne schminkt und für Mode interessiert. Und der mit seiner Kunst leben will. Wie alle anderen Künstler.
Er selber sieht sich nicht als Ikone, als Berufener, die Welt zu retten. Er sieht sich als Mensch, der sich die Freiheit nimmt, so zu leben, wie er sich spürt. Und ich hoffe, er wird weiterhin genug Kraft haben, sich dem Druck derer, die ihn nun für ihre Zwecke einspannen wollen, widersetzen zu können.

Aber was ich bisher von ihm gehört habe, bin ich da sehr zuversichtlich.

Gehört … da dachte ich gerade … ja, das ist wohl der springende Punkt. Denn ich schaue ja aus bekannten Gründen derzeit eher mit geschlossenen Augen. Also HÖRE ich … und offensichtlich sieht man dann auch klarer … weil man sich nicht von einem Bart in einem hübschen Frauengesicht ablenken lässt.

Und noch einen Aspekt finde ich absolut erwähnenswert:
WIR wird diesmal nicht im Sinne von national(istisch)er Zusammengehörigkeit verwendet, sondern für völkerübergreifende Einstellung zu Frieden und Freiheit. Das gefällt mir besonders gut daran.

Conchita, du bist eine wunderbare Frau und Tom, du bist ein ganzer Kerl. Ich gratuliere dir dazu, dass du beides in dir vereinen kannst!

© evelyne w.

 

2w1758
bitte liebe freunde, nehmt es mir nicht übel, wenn ich im gegebenen fall nur minimal und höchstens einmal täglich kommentare beantworte. aber ich bin immer noch im minimal-computerprogramm.
wie sich in der zwischenzeit herumgesprochen hat, hatte ich eine augen-op.
ich hab erfahren müssen, dass wenn man eine halb“öffentliche“ person ist, man so etwas leider nicht mehr privat halten kann.
„freunde“ tragen so etwas dann gerne in welt …
kein beinbruch, aber ich bitte um verständnis, dass ich mir derzeit nur kurze computer-lese- und schreibzeit erlaube.
aber dieser beitrag war mir, der frau liebesforscherin, und hinterfragerin von „masse und macht“ wichtig …