Die Schreibtischtäter II. – Die Aufrüttler

 
Die Aufrüttler
 

Menschen verdrängen das Böse das von Anderen ausgeht, und sie nicht unmittelbar selbst betrifft, oft so lange, bis es absolut nicht mehr geht. Sie wollen es nicht erkennen, weil es ihre Ängste schürt und ihre Ruhe stört. Weil es sie zu eigenverantwortlichen Handlungen auffordern müsste. Und deshalb verteidigen sie ihre Position mit Rationalisierungen und stellen sich gegen den Aufdecker.

Allerdings – psychologische Erklärungen konnte ich mir früher auch schon geben. Aber bisher habe ich noch nie unmittelbar erlebt, wie so etwas in der Realität abläuft.

Meine persönliche Einstellung liegt erklärtermaßen darin, dass nur die Verbreitung von Frieden auch tatsächlich Frieden bringt.
Die Verbreitung von Gräueltaten unter dem Vorwand „aufrütteln zu wollen“, kann meines Erachtens nach nicht zum Frieden beitragen.
Selbstverständlich muss darüber informiert werden. Verbreitung von Information ist äußerst wichtig.
Aber auch hier – was daraus gemacht wird, ist wesentlich dafür, in welche Richtung diese Infos treiben.

Die Aufforderung Täter zu hetzen, zu quälen, zu ermorden zeugt niemals von friedlicher Gesinnung! Egal, welches Mäntelchen man sich dafür umhängen möchte.
Aus einem Rachefeldzug kann niemals eine Friedensdemo werden!
Mit der Darstellung von brutalisierten oder missbrauchten Opfern kann niemals deren Würde wiederhergestellt werden! Im Gegenteil … man nimmt sie ihnen immer aufs Neue.

Wer meinen Flossenbürg-Bericht kennt (man muss ihn nicht kaufen, man kann ihn auch hier auf meinem Blog lesen und sich Teile daraus im Video vorlesen lassen), der kennt auch meine Vorgabe, wie man aus tragischen Erlebnis-Situationen, in friedvolle Richtungen einschwenken kann.

Immer-Wieder-Aufrührungen der Geschehnisse unter Zuhilfenahme von vor Grauen strotzenden Bildern und Berichten schrecken niemanden der so etwas tun will, von weiteren solcher Handlungen ab! Und sie rütteln auch nicht die Konsumenten dieser Werke auf, genauer hinzusehen, wo die Grundlagen in Wahrheit zu suchen sind. Sie bedienen lediglich den Voyeurismus, bedienen eine Klientel, die sich an der Hilflosigkeit von Opfern aufgeilt.
Darüber habe ich schon in meinem Artikel Von der Dummheit der Menschen“ geschrieben.

Und sie verhetzen an sich friedfertige Menschen, treiben sie in eine Ecke ihrer Angst, in der sie in einen Kreislauf der Gewalttätigkeit eingebunden werden und sich deshalb nie mehr daraus befreien können.
Doch Machtgeile, Böse oder auch „nur“ Zyniker setzen genau dort ihre Hebel an.

An und für sich wären solche Typen leicht erkenn- oder durchschaubar. Sollte man meinen.
Kein Mensch, der wahren Frieden anstrebt, würde diesen jemals mit Brutalität oder Erbarmungslosigkeit zu erreichen versuchen. Ist ja wohl auch ein Widerspruch in sich. Oder?

Leider musste ich wieder einmal feststellen, dass schreibende Menschen, die sich ja so gern zur Denker-Elite zählen, das häufig nur als Lippenbekenntnis so sehen wie ich und sich ebenfalls oft als Ausgelieferte ihrer eingangs von mir beschriebenen Ängste demaskieren. Obwohl sie so gerne ihre Überlegenheit über das Fußvolk der Nichtdenkenden demonstrieren wollen.

Von der Pflicht zum Aufrütteln wird dann gesprochen. Von Kunst, die diese Pflicht angeblich hat. Und unter diesem Deckmantel wird Hass in die Welt geschleudert.
Werden Anprangerungen und Verfolgungen gerechtfertig. Wird für Selbstjustiz plädiert und Verständnis für Übergriffe gezeigt. Wird die Todesstrafe nicht nur gut geheißen, sondern sogar als zu milde eingestuft und dgl. mehr.
Und der Einwand, dass all das auch Unschuldige treffen könnte, wird mit dem Argument abgeschmettert, dass wohl der Eine oder Andere für eine Hundertschaft schon mal geopfert werden könne.

Nun frage ich mich – und jetzt auch meine Leser:
Kann man auf diese Weise wirklich aufrütteln? Und wenn ja – möchte jemand hier zu Ende denken, wozu damit aufgerüttelt wird?

Wurde schon jemals durch die Darstellung brutaler Szenen ein Mord oder eine Vergewaltigung verhindert?
Wurde schon jemals durch das Zeigen von Leichenbergen oder verstümmelter Kriegsopfer ein Krieg verhindert?
Wurde schon jemals durch die Ermordung von Tätern die Flut der Gewalt eingedämmt?

Glaubt das wirklich irgendjemand da draußen?

© evelyne w.

 

Die Schreibtischtäter III. – Das künstlerische Grauen

 

Das künstlerische Grauen
 
Also frage ich mich: Was wollen Autoren, die Geschichten, Romane oder Drehbücher schreiben, in denen Brutalität und Grauen im Mittelpunkt stehen? Was wollen Künstler, die solche Filme drehen?

Eine Antwort könnte sein: Sie wollen unterhalten!
Eine weitere: Sie wollen etwas aufzeigen (Nur weil es schon Diskussionen hier gab: für mich ist „aufzeigen“ etwas anderes als „aufrütteln“. Ist eine persönliche Wortwahl, aber ich möchte es gerne unterschieden wissen)
Eine dritte: Sie wollen zu Entlastung beitragen. Zu ihrer eigenen und auch zu der Anderer.

Und ja, da bin ich voll auf der Seite dieser Kunstschaffenden.
Leider ist der Mensch so angelegt, dass er höchst dunkle Seiten in sich trägt. Mit denen er nur umzugehen lernen kann, wenn er sich mit ihnen konfrontiert. Wenn er Möglichkeiten findet, diese auf eine Art und Weise zu entlasten, dass niemand dabei zu Schaden kommt. Also er selbst nicht und auch kein Anderer. Jede Therapie zielt darauf ab. Jedes Märchen soll diesem Effekt dienen.
Ich finde deshalb auch nicht, dass solche Werke an sich zur Gewalt aufrufen. Oder Indizien für den „bösen“ Charakter des Autors sind.

Aber es muss klar sein, dass es sich um ein Werk handelt! Auch wenn reale Szenen beschrieben werden. Dass es Geschichten, Gedichte, Bücher, Filme sind … in denen etwas dargestellt wird.

Wenn sich diese Autoren allerdings als Aufrüttler des Universums damit selber darstellen und deshalb darin Botschaften unterbringen, die dazu aufrufen, Andere zu verfolgen, egal aus welch immer gearteten Gründen, sie als Freiwild anzusehen oder zu Tode zu hetzen, dann hört sich für mich der unterhaltende Lernprozess schlagartig auf.

Nun könnte man glauben, dass dies eh auch logisch ist und dass dies doch jeder sofort durchschaut.
Aber dem ist leider absolut nicht so.
Wie habe ich schon geschrieben: die Angst vor dem Bösen lässt die Menschen das Böse nicht erkennen!

In der Darstellung von Gewalt gibt es viele Schlupfwinkel für Manipulierer.
Weil es eben eine große Kunst ist, Gewalt zur Unterhaltung und für Lernzwecke richtig aufzubereiten. Und es aber viel mehr kleine selbstgerechte Möchtegern-Schreiberlinge gibt als Autoren großer künstlerischer Unterhaltung.

Das erkennt man oft erst dann, wenn Autoren in dieser Form zu ihren Werken Stellung nehmen.
Deshalb ist es wichtig, auf Indizien zu achten, um sich selbst die richtige Meinung bilden zu können, was man von einem Werk zu halten hat.

Und deshalb ist die Antwort „sie wollen aufrütteln“ immer mit großer Vorsicht zu behandeln.
Denn man kann auf diese Art nicht aufrütteln, wie im vorigen Kapitel bereits beschrieben.
Man kann nicht einmal aufzeigen.
Da gibt es nichts Neues dran und wenn jemand die Morde der Naziherrschaft leugnen will, dann leugnet er sie nach dem x-millionsten Schreckensfoto immer noch.
Und wenn jemand die Schreie der Nachbarkinder nicht hören will, dann hört er sie nach dem noch so detaillierten Bericht einer Vergewaltigung, mit anschließendem Aufruf zur Täterhatz, auch nicht.

Deshalb erkennt man an dieser Antwort sofort die Überheblichkeit dieser selbsternannten Elite-Denker, die sich als die Einzigen ansehen, die sich mit solchen Situationen auseinandersetzen und den Durchblick haben.

Doch man kann noch etwas erkennen, wenn man aufmerksam bleibt.

Ich spezialisiere mich nun auf das Holocaust-Thema, es steht allerdings hier für alle Bereiche der Gewaltanwendung. Lässt sich aber daran am besten transparent machen.

Wer in eine Gedenkausstellung geht, und dort die Bilder und Dokumente des Grauens anschaut, der zeigt sich zunächst fassungslos. Und denkt und sagt: Wie konnten „Menschen“ nur so etwas tun. Oder: So etwas darf nie wieder passieren.
Doch dann geht er hinaus und fordert seine Mitmenschen auf, diese Täter nicht nur zu suchen und ihrer Bestrafung zuzuführen, die Gesellschaft also vor ihnen zu beschützen, sondern sie zu jagen, sie zu malträtieren, sie zu foltern, sie zu erschlagen, weil alles andere viel zu human für sie ist. Und um diese Forderung zu untermauern, verwendet er immer wieder Bilder der Opfer.

Wieder muss ich fragen:
Wie unterscheiden sich diese Menschen nun von den damaligen Tätern?
Wenn sie mit einseitiger Propaganda Feindbilder schaffen und die Gemeinschaft dazu auffordern, diese brutalst zu behandeln und zu ermorden. Am besten mit kurzem Prozess. Oder ohne, weil eh alles klar ist.

Das Einzige, das sie unterscheidet ist, dass sie Schreibtischtäter sind, und sicher zu feig , selber Hand anzulegen. Sondern von ihrem Schreibtisch aus die Mittel der Verhetzung und Aufhussung wählen.
Aber – wie lange? Doch sicher nur so lange, bis sie eine Mehrheit zusammengerottet haben, die ihre Ansinnen unterstützt.
Dann legen sie auch in der Realität (wieder) los.

© evelyne w.

 

Die Schreibtischtäter IV. – Im Namen der Gerechtigkeit

Alle grausamen Menschen
tarnen sich als gerecht.

Tennessee Williams

IV. Im Namen der Gerechtigkeit
 

Dass es auf der Welt niemals Gerechtigkeit geben kann, ist wohl auch eine Tatsache, gegen die anzukämpfen einfach vergeudete Energie ist. Weil Menschen lediglich zur Selbstgerechtigkeit fähig sind und diese keine allgemeingültige Gerechtigkeit erzeugen kann. Nicht einmal Gott ist gerecht, wie ja von allen Religionsgegnern zur Genüge proklamiert wird.
Und warum? Weil Gerechtigkeit im Auge des Betrachters liegt.

Deshalb kann man auch hier gleich erkennen, dass da irgendetwas nicht stimmen kann, wenn unter diesem Deckmantel Sanktionen gefordert werden. Dass da nur jemand seine eigene Gerechtigkeit durchsetzen will.

Ich möchte diesen Autoren nun keineswegs pauschal unterstellen, dass sie grundsätzliche Aufwiegler sind. Leider ist es auch so, dass viele vor lauter Gerechtigkeitseifer gar nicht erkennen, dass sie Gift und Galle in die Welt sprühen, sich als Rächer der Schwachen und Geschundenen wähnen und dabei nichts anderes machen, als Schulterschließer zu suchen, um ihrer eigenen Angst nicht ausgeliefert zu sein.
Und der Großteil – ist sowieso schlichtweg zu dumm, um aus eigenem Antrieb gefährlich sein zu können. Zu dumm, um andere Perspektiven einbeziehen zu können.

Das ändert jedoch nichts daran, dass sie keine Friedensstifter sind, als die sie sich gerne selbst darstellen, sondern Menschen, die das Böse in der Welt vermehren.
Und dort liegt ihre enorme Gefährlichkeit.

© evelyne w.

 

Die Schreibtischtäter V. – Widerstand

Der wichtigste Widerstand ist
der Widerstand der Gedanken

evelyne w.

V. Widerstand
 

Den Schreibtischtäter haben wir nun einigermaßen enttarnt.
Man könnte ihn nun getrost seinem Schicksal überlassen. Er könnte schreiben, bis seine Finger wund wären und nichts würde geschehen.

Doch ich begann meine Abhandlung ja mit den Worten:

Wie konnte das passieren?
Wie konnte ein kleiner, seltsamer, offensichtlich psychisch verformter Mann die Welt in sein krankes Denken ziehen und sie in diesen furchtbaren Abgrund stürzen

Ja, wir haben den Schreibtischtäter entlarvt.
Aber leider werden seine Leser meinen Bericht nicht lesen.

Und leider kommt nun der Teil meiner Erfahrung, der mich fassungslos machte.

Ich musste miterleben, wie Leser sich mit solchen Ergüssen plötzlich solidarisch zeigten. Und dies in einem Atemzug mit der Verkündung, gegen Gewaltverherrlichung zu sein, mit Brutalitäten nichts am Hut zu haben und den Rechtsradikalismus zu verurteilen.

Weil das verhängnisvolle Phänomen auftrat, das ich schon beschrieben habe. Die Menschen sehen nur eine Seite der Medaille. Und zwar jene, die ihnen Unterstützung in ihren Ängsten bietet.

Um welche Ängste geht es nun hier überhaupt?

Die größte Angst hat der Mensch vor seiner eigenen Grausamkeit, die ja in jedem Menschen vorhanden ist, wie schon vorher geschrieben. Sie kann ihm nämlich den größten persönlichen Schaden zufügen. Nicht die Bösartigkeit Anderer sondern die eigene!
Ich könnte hier nun neuerlich eine Abhandlung über die Achse Selbstliebe/Liebe einfügen, aus der diese Angst vor der eigenen Bösartigkeit genährt wird, möchte aber das Thema nicht noch weiter verbreitern. Wen eine genauere Erklärung zu diesem Punkt interessiert, der findet sie in meinem Buch „Lerne.Selbst.Lieben“.

Hierher stelle ich deshalb diese Aussage nur als Faktum.

Die eigene Gewaltbereitschaft, von der das Unterbewusstsein jedes Menschen weiß, dass sie immer ihm selbst schadet, erzeugt eine Angst, die er auf Bewusstseinsebene auf reale Ängste umlegt.
Und zwar auf diese, die ihm als existentiell im Blickpunkt liegen. Also z. B. jene vor der Arbeitslosigkeit, vor dem damit einhergehenden Verlust von Lebensqualität, weitergehend zu Armut, Hunger und Not. Oder vor der Schutzlosigkeit des Einzelnen, was DIE Urangst des Menschen ist. Weil er ein Herdenwesen ist, das sich seiner Abgetrenntheit von der Herde bewusst ist. Deshalb die große Angst des Menschen, dass er sich durch Bösartigkeit von der Herde selbst abtrennt.
Über diese Angst kann man logischerweise die allermeisten Menschen manipulieren.

Deshalb lesen Menschen oft – wie Querleser – nur die Punkte, die sich darauf beziehen, diese Ängste in irgendeiner Form in den Griff zu kriegen.
Was bedeutet, dass sie nur das Böse wahrnehmen, das auf Andere hinweist.
Ein sicher sehr bekanntes Muster, dass der Mensch um von sich abzulenken, auf Andere weist.

Also achtet er nur darauf, dass ihm jemand den Arbeitsplatz streitig macht, oder seine Kinder bedroht und dgl.
Aber nicht darauf, dass jemand ihn auffordert, zum Täter zu werden. Denn das würde ja bedeuten, dass er seine eigene Grausamkeit akzeptieren und sich dafür verantwortlich zeigen müsste, indem er zustimmt oder nicht. Dazu kommt, dass er sich in der Menge Gleichgesinnter ein trügerisches Sicherheitsgefühl aufbaut.

Und hier schließt sich der Kreis.
Wenn nun ein Schreibtischtäter auf einen nicht aufgeklärten Leser trifft, dann kann er ihn wunderbar manipulieren.

Und das musste ich miterleben. Und zwar in einer Form, die zeigte, wie sich innerhalb kürzester Zeit diese Manipulation zu einer Welle verdichtete und Andersdenkende und aufklärend Argumentierende persönlich verhöhnt und denunziert wurden (die Bezeichnung „Welle“ ist nicht von ungefähr gewählt, lehnt sich mit Absicht an den gleichnamigen Film an, der eine solche Dynamik in einem Experiment aufzeigte).
Was mich daran ganz besonders betroffen gemacht hat war, dass es sich nicht, wie man vielleicht annehmen könnte, um ungebildete Leser handelte, sondern um ein Publikum, das sich ebenfalls zur denkenden Elite zählte. Nämlich weitere Autoren.

Den Rest können wir uns nun an den Fingern einer Hand abzählen. Wohin dies schneller führen kann, als jemand auch nur denken möchte.
Wenn Vordenker zu wenig nachdenken und sich der Masse anschließen, von der sie sich eigentlich distanzieren, bzw. über die sie sich erheben wollen.
Wenn Warner zu Feindbildern gemacht werden, um die trügerische Solidarität zu fördern.
Dann hat bald niemand mehr etwas GEGEN das Böse zu setzen.

Und hinterher wird man fragen:
Wie konnte das geschehen?

Die Antwort: Weil ALLE daran beteiligt waren, die dem Bösen keinen Widerstand boten.
Doch das Böse ist nicht nur in den Taten Anderer zu finden, sondern auch im eigenen Rachegefühl.
Es ist wichtig, damit rechtzeitig umgehen zu lernen, damit nie wieder ein kleiner, seltsamer, offensichtlich psychisch verformter Mann die Welt in sein krankes Denken ziehen und in einen furchtbaren Abgrund stürzen kann.

 

Und dies ist das Anliegen meiner kleinen Textserie:

Zu versuchen, auf dem Wege der Aufklärung dazu beizutragen, dass Leser aufmerksam werden, wenn es in Texten um Gewalt und Hass geht. Es reicht nie, zu sagen, das habe ich nicht gewusst …
Weil nicht nur Autoren Verantwortung haben, das Böse nicht in die Welt zu tragen, sondern auch Leser, es nicht in ihre Welt zu lassen, und auf diese Weise zu verbreiten.
Denn dann verliert es die Macht von allein.
Und das ist mit Sicherheit der friedlichste Weg den es gibt.

© evelyne w.

– Ende –

 

I’m too sexy for … Teil I

Sexy. Wenn ich das Wort schon höre …
Was bedeutet es? Und – was soll es?

Frauen kämpfen seit Jahrhunderten, davon wegzukommen, dass sie als reine Sexobjekte angesehen – und auch behandelt – werden. Und dann? Pimpen sie ihre Brüste, spritzen ihre Pobacken auf und tragen Kleiderfragmente, die mehr zeigen als verhüllen. Denn das ist angeblich sexy.

Und wenn ja?
Wo möchten diese Frauen hin?
Was möchten sie damit übermitteln?

Was ist erstrebenswert daran, wenn jeder Mann, der einen ansieht, nur an das Eine denken soll?
Und verbreiten diese Frauen nicht tatsächlich Aufforderungen?
Werden sie dann nach diesen Kriterien eingestuft, wie Männer diese Aufforderungen verstehen, dann gibt es Konflikte.
Aber wer versteht denn hier nicht richtig?

Männer sind von ihrer Natur aus so angelegt, dass sie die Arterhaltung in ihren Lenden tragen. Sind deshalb auch etwas stärker triebgerichtet als Frauen.
Frauen sind so angelegt, dass sie Männer anlocken „müssen“, um zur Arterhaltung beizutragen. Und Sex ist prinzipiell die Verbindung zum Zwecke der Arterhaltung.
Und das ist bei ziemlich allen Säugetieren so. Und mit Säugetieren hat der Mensch ja vieles gemein. Oft auch soziale Rituale.

Dort, wo der Mensch sich über das Tierhafte erhebt, dort muss die Liebe ins Spiel kommen.
Und die Liebe erhebt den Sex zu einer einzigartigen Symbiose. Hier finden Frau und Mann ihr Gegenstück, um sich zu einem Ganzen zu vereinen. Nicht nur auf körperlicher Ebene.
Und das ist für den Menschen sehr wichtig. Weil er über das Bewusstsein das Getrenntsein erfährt und als Urangst in sich trägt.

Aber da verlieren wir uns zu sehr in wissenschaftlichen oder filosofischen Betrachtungen.
Und doch. Wird nur auf einer dieser Ebenen Ganzheit erzielt, fehlt das Menschentypische.

Die Liebe zwischen Mann und Frau braucht keinen trieblichen Anreiz zur Vereinigung. Aber sie hat die wunderbare Möglichkeit, durch Erotik den Geschlechtsakt zum Liebesspiel aufzuwerten.

Doch wen nun auch nur ein Hauch von Ahnung anweht, der wird sofort wissen: erotisch und sexy sind zwei verschiedene Paar Schuhe.

Also stell ich mir jeden Tag beim Anblick dessen, was uns als sexy vorgeführt wird, die gleiche Frage:
Was wollen diese Frauen?

© evelyne w.

 

Weiter zu Teil II

 

Nur der Ordnung halber möchte ich hier anmerken:
Selbstverständlich gilt das auch für Vereinigung gleichgeschlechtlicher Partner in Liebe. Aber ist es nicht so leicht zu erkennen, weil der Aspekt der Arterhaltung nicht in der vorgenannten Form erklärbar scheint. Das ändert aber nichts daran, dass Menschen in dieser Form als männlich und weiblich „angelegt“ sind.
Doch für die Liebe brauchen auch homoerotische Menschen keinen Sexismus, sondern wie das Wort schon in sich trägt, ist es die Erotik, die ihre Liebe verfeinert, nicht der Geschlechtsakt an sich.

I’m too sexy for … Teil II

Fortsetzung zu I’m too sexy for … Teil I

Was mich an diesem ganzen Sexy-Wahn so stört ist ja nicht, dass sich ein paar „Damen“ auf diesen Zug stürzen. Die gehen mich nichts an, die sollen machen was sie wollen. Wie ich irgendwo schon schrieb, wenn eine Frau sich gern als Wichsvorlage zur Verfügung stellen will, dann soll das ihre Freiheit sein, es auch tun zu können.

Das Traurige ist, dass dadurch die Frauensicht zweigeteilt wird.
Auf der einen Seite kämpfen Frauen um Gleichberechtigung, um Anerkennung ihrer Fähigkeiten, um FRAU-sein. Wollen dem Machismus weibliche Fähigkeiten entgegenstellen und nicht auf Weibchentum reduziert werden.
Und auf der anderen Seite werden diese Bemühungen von der eigenen Spezies zutiefst untergraben.

Und tragisch kann es auch werden. Weil ja Konflikte vorprogrammiert sind. Männer können dies schon ganz anders auffassen, als es die Frauen meinen.
Nicht dass nun jemand davon ableitet, dass ich Opfern Schuld zuspreche! Jeder erwachsene Mensch muss mit auftretenden Reizen umgehen können und trägt für seine eigenen Handlungen die Verantwortung!
Aber dass es zu umfassenden Missverständnissen kommen kann, erscheint mir logisch.

Und was das Faszinierende daran ist – es sind mit Sicherheit nicht nur die dummen Frauen, die sich dieses Mäntelchen umhängen. Oder eigentlich keins 😉

Kann man bei den Männern, die ihr Sexy-sein in den Vordergrund rücken, doch eher davon ausgehen, dass sie an anderer Stelle wohl ein wenig kurz geraten sind, so ist das bei Frauen absolut nicht der Fall.
Ich frage mich nur, wieso die Klugheit dieser Damen dann nicht so weit reicht, um die Diskrepanz ihrer Bemühungen zu erkennen und auch wie sehr sie der Fraulichkeit dadurch schaden.
Wie sehr sie sich dem Chauvinismus als Fraß vorwerfen.

Auch darf man ja wirklich getrost davon ausgehen, dass Frauen sich nicht für ihre Männer so „sexy“ aufplustern.
Die meisten Männer sehen ja nicht einmal, wenn Frauen ein neues Kleid oder eine neue Frisur haben. Doch glücklich jede Frau, die von ihrem Mann wahrgenommen wird, wie sie ist und dafür kein Aufputzmittel braucht.
Und welcher Mann möchte schon, dass seine Frau in jedem anderen sexuelle Wünsche erregt? Genau. Wieder einer der etwas Kurzgeratenen.
Solche möchten aber die meisten dieser Frauen gar nicht. Denn die wollen ja einen geistvollen und sensiblen und nicht einen, der sie als Besitz ansieht (der dann natürlich prunkvoll sein muss).

Gut, das ist ein bekanntes Phänomen, dass Frauen sich nicht für ihre Männer schön machen, sondern für andere Frauen. Also muss man auch hier davon ausgehen, dass es ein Amazonenkampf ist.
Und eines ist auch klar, dass diese gynozentrierte Kampagne von Männern gesteuert wird. Sich die Frauen nach wie vor über ihre Körper in die Machenschaften der Wirtschaftsbosse einbinden lassen.

Deshalb denke ich, dass es daran liegt, dass die Frauen noch immer nicht ihre Freiheit gefunden haben. Sie möchten nun auf allen Ebenen demonstrieren, DASS sie frei sind.
Doch sexuelle Freiheit hat mit Zur-Schaustellung und Überbetonung von Geschlechtsmerkmalen absolut nichts zu tun.
Und ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten dieser Frauen nach wie vor ihre Probleme im Bett und mit ihren Männern haben. Mag allerdings sein, dass es heute andere sind, als früher …
Das ist nicht von mir, sondern eine alte psychologische Wahrheit.
Menschen möchten gerne mit dem „Gegenteil“ von ihren Mängeln ablenken. Und weisen in Wahrheit darauf hin. Oft sind das Hilferufe …

Denn eine wirklich freie Frau braucht solche Mätzchen absolut nicht. Eine Frau, die ihre Schönheit kennt und sich von ihrem Mann geliebt fühlt, die muss sich nicht „schön machen“.
Und ihre Erotik wird sie mit Sicherheit nur ihrem Mann geben wollen.

© evelyne w.

äußere schönheit

 
des menschen schönheit fällt als asche
aus den brieftaschen der skalpellierer
ein hintern und ein busen
ergibt noch lange keine frau

ein frauenleib ist schön
wenn er dem mann entgegen
blüht und nicht sich ihm entgegen
reckt zum austausch von besitz

das wesen einer frau
das keine eigenen grenzen zeigt
nicht spitzen, kanten, narben
wird sich verlieren als modell
in das die männer onanieren

© evelyne w.

 

Heute hat mich die Skulptur von Michael Hermann, wie sie im nächsten Beitrag „innere werte“ zu sehen ist,
zu diesem ganz anderen Text angeregt, als gestern.
Ist es nicht faszinierend, wie dieses Kunstwerk aus verschiedenen Perspektiven unterschiedlich inspiriert?
Danke Michael!

 

Erinnerung

 
Nur die Erinnerung gibt Unvergänglichkeit.
Wir sind die Schöpfer der Momente, die Beständigkeit erlangen.
Der Schmerz der Trennung ist kein Augenblick.
Die Trauer ist das Tal das wir durchschreiten, auf einem Weg
der zur Erinnerung sich weiten soll, an die Gelegenheiten
die wir gestalteten, um ihnen Ewigkeit zu geben.
Geschenk des Lebens, das wir selbst uns weihen
wenn wir der Freude und des Glücks gedenken
der Kostbarkeiten der Verbundenheit
die bei uns bleiben.

© evelyne w.

 

Gedanken über das Sterben

 
Der Tod ist ein Freund. Ein Freund der Liebe.
Einem Toten kann man reine Liebe schenken.

Im Leben wird die Liebe abgelenkt von Körperlichkeiten, von Stimmungen, die Kommunikation verlangt den Ausdruck der Liebe.

Nach dem Tod des geliebten Menschen bleibt nur die Nähe. Das reine Geben dessen, was man in sich findet. Das reine Nehmen dessen, was der Andere geben konnte und es dadurch noch immer kann.

Die Trauer bezieht sich auf den Verlust des realen Bezugs.
Menschen kann man nicht besitzen, also kann man sie auch nicht verlieren.
Auch die Liebe kann man nicht besitzen, also kann man auch sie nicht verlieren.

Traurigkeit ist ein warmes Gefühl, das Verbindung herstellt, zu dem, weshalb man traurig ist. Tränen spülen die Seele.
Die Traurigkeit bezieht sich meistens auf die Erinnerung an schöne Zeiten, glückliche Erlebnisse. Und das ist gut und das ist richtig. Und so soll es bleiben. Wenn man diese Traurigkeit annimmt, dann wandelt sie sich langsam und von allein in unüberschattete Liebe, die von Äußerlichkeiten nicht abhängig ist. Die Erinnerungen werden wieder glückhaft empfunden und stellen wieder Nähe her.

Manchmal bezieht sich der Verlustschmerz auf die Unwiederbringlichkeit der Möglichkeit, Verständigung herzustellen. Aber auch hier ist dieser Verlust im vorangegangen Leben angesiedelt und nicht der Tod ist dafür verantwortlich zu machen. Wer seine Belange rechtzeitig klärt, dem wird auch hier kein Verlust erwachsen.

Der Umgang mit einem Demenzkranken ist eine gute Vorbereitung auf den Weggang.
Langsam kommt man auf die Spur, wo es nur Hinwendung zu dem Anderen gibt.
Weil er nur mehr sich selbst zurückgeben kann.
Der Verlust findet gemächlich statt, hinterlässt deshalb keine schmerzende Lücke.

Wer ohne den Anderen nicht leben zu können glaubt, der wünscht sich das sicher nicht mehr, wenn er erkennen muss, wie das Leben des Geliebten immer beschwerlicher wird und keine Hoffnung auf Besserung besteht.
Man kann zwar lange Zeit dennoch viel Qualität in der Gemeinsamkeit finden, aber wenn nur mehr das Leiden das Leben des Anderen bestimmt, kann man als Liebender diese Egozentrik nicht aufrecht erhalten.
Die Linderung und Akzeptanz stehen dann wohl im Vordergrund, doch die Wünsche können einfach nicht in die Richtung Verlängerung der Anwesenheit auf der Erde liegen, die dem eigenen Besitzanspruch entsprechen würden.

Interessant sind für mich auch die Erkenntnisse, wie Menschen mit dem Sterben umgehen.
Die meisten besetzen das Sterben des Anderen mit der eigenen Angst.
Die Hinwendung zum Anderen würde diese Angst aufheben. Aber bei Vielen ist die Angst zu groß.
Was kein Vorwurf ist! Sondern eine Erkenntnis.

Aussprüche wie „Ich gehe nicht hin, weil ich will ihn/sie so in Erinnerung behalten, wie …“ oder „Es hat ja keinen Sinn, er/sie kriegt ja nix mehr mit“, tun mir persönlich in der Seele weh.

Einen geliebten Menschen begleiten zu können, ist eine große Gnade. Die vieles von allein relativiert. Man sieht die Veränderung gar nicht, weil die liebende Schau sich auf anderes konzentriert. Man verlangt von dem Sterbenden nicht, dass er aussieht, wie man ihn erträgt. Man trägt mit ihm.
Und kann deshalb den Wunsch nach Erlösung aus aufrichtigem Herzen wünschen und nicht als Floskel in den Raum stellen, die einen selber noch ängstlicher macht.
Entspricht sie doch nur dem Wunsch, selber von dem Leiden erlöst zu werden, den Anblick des Anderen ertragen zu müssen.

Viele Menschen sagen, so oder so möchte ich nicht sterben, das ist menschenunwürdig. Diese Menschen können nicht erkennen, dass auch ein leidvolles Sterben zum persönlichen Weg gehört, der in die Akzeptanz einerseits des eigenen Lebens, wie auch andererseits des eines Anderen, fallen muss, und dass gerade der Mensch dafür ausgerüstet ist, damit liebevoll umzugehen.
Das ist absolut menschenwürdig!
Dieser Ausspruch wird einzig davon genährt, dass die große Einsamkeit die eigentliche Angst ist und sie streuen deshalb Floskeln, die sie selber beruhigen sollen. Es aber niemals können.
Denn in Wahrheit haben sie Angst vor dem, wie sie mit Sterben umgehen und fürchten sich davor, dass es ihnen genauso ergehen wird, sie bestenfalls in die Obhut pflegerischer Betreuung abgeschoben werden. Doch diese große Einsamkeit kommt daher, dass sie selber sie nicht überwinden können. Aber bereits im Leben, nicht erst im Sterben.

Manchmal trifft es mich auf dem falschen Fuß, wenn ich meinen Weg der Begleitung durch Krankheit, Demenz oder Sterben gehe und mir dann von Jemandem, der an der Tür stehen bleibt und sich dort in Tränen auflöst und wieder davonrennt, sagen lassen muss:
„Ich bewundere dich. Ich kann das nicht. Ich hab da zuviel Gefühl dafür, bin nicht so hart wie du …“

Aber nur manchmal, meistens bin ich glücklich, dass ich es anders gelernt habe. Gelernt habe, das Selbstmitleid so gut als möglich aus meinem Leben auszuschalten und es wirklich nur darauf zu reduzieren, wo es auch tatsächlich mich betrifft.
Und Trauer annehmen zu können, wie sie auch Trost gibt.

© evelyne w.