{"id":10,"date":"2011-06-20T19:08:33","date_gmt":"2011-06-20T17:08:33","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=10"},"modified":"2011-06-20T19:08:33","modified_gmt":"2011-06-20T17:08:33","slug":"die-wichtigkeit-des-seins","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=10","title":{"rendered":"Die Wichtigkeit des Seins"},"content":{"rendered":"<p><font size=\"3\">Ich glaube, dass wir Menschen dazu neigen, unseren Mittelpunkt zu verschieben. Wir richten unsere Wichtigkeit nicht nach uns aus, sondern nach der Wichtigkeit, die wir f\u00fcr andere haben m\u00f6chten. Das kann nicht gut gehen. Das ist ein Prinzip, das in sich schon zum Scheitern verurteilt ist. Ich m\u00f6chte gar nicht auf die Gr\u00fcnde eingehen, warum das so ist, dass Erziehung und Kollektivit\u00e4t uns dahin dr\u00e4ngen. Ich m\u00f6chte mich mehr mit der Gratwanderung der Wichtigkeit des Seins besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Die Wichtigkeit des Seins kann f\u00fcr mich lediglich aus der Selbstliebe erwachsen. Sie kann, wie der Prozess des Liebens an sich, nicht von au\u00dfen gebracht werden.<br \/>\nMenschen, die ihre Wichtigkeit an ihren Erfolgen ablesen wollen, geben ihre Wichtigkeit aus der Hand.<\/p>\n<p>Im Leben eines Menschen hat die Kommunikation einen unentbehrlichen Stellenwert. Gesundes interaktives Verhalten ist ein Grundbed\u00fcrfnis f\u00fcr die Seele des Menschen. Doch genau dort liegen die Stolpersteine und Fu\u00dfangeln. Wir Menschen glauben, Interaktion funktioniert am besten, wenn wir uns an den Reaktionen der anderen orientieren. Doch das kann so nicht sein. Ein Mensch, der sich an anderen ausrichtet, befindet sich logischerweise nicht in seinem Mittelpunkt, sondern wankt wie ein Schilfrohr im Wind zwischen den erwarteten Anforderungen der anderen hin und her.<br \/>\nUnd auch die Wichtigkeit seines Seins hat dadurch kein gefestigtes Standbein.<\/p>\n<p>\u00dcberlegen wir wieder einmal prinzipiell.<br \/>\nWelcher Mensch kann ohne uns nicht existieren? Das sind doch eindeutig nur wir selber. Also haben wir f\u00fcr uns Priorit\u00e4t.<br \/>\nOhne welchen Menschen k\u00f6nnen wir nicht existieren? Auch hier: unsere Existenz ist nur von unserem eigenen Dasein abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4t dieser Existenz mag von anderen Menschen mitbestimmt werden, jedoch ist mit Sicherheit auf den kleinen Zusatz &#8222;mit&#8220; zu achten. So schmerzhaft Verluste sein m\u00f6gen, der Mensch ist daf\u00fcr ausger\u00fcstet, sie zu \u00fcberleben! Auch logisch: w\u00e4re unsere Existenz an die Existenz bestimmter Personen gebunden, g\u00e4be es schon lange keine Menschen mehr, weil bei jedem Todesfall ganze Menschenketten aufh\u00f6ren m\u00fcssten, zu existieren.<\/p>\n<p>Was k\u00f6nnen wir daraus f\u00fcr uns ableiten?<br \/>\nDass unsere Existenz von uns selber sorgf\u00e4ltigst gepflegt werden muss.<br \/>\nWenn wir aber nun davon ausgehen, dass zu dieser sorgf\u00e4ltigen Pflege geh\u00f6rt, dass uns andere die F\u00fc\u00dfe k\u00fcssen, dann kann dieses Prinzip auch wieder nicht funktionieren. Denn diese m\u00fcssen ja ebenfalls vorrangig ihre eigene Existenz pflegen.<\/p>\n<p>Erzieht uns dieses Prinzip nun zu Egoisten? Ja, das tut es! Und das ist gut so. Denn Egoismus ist eine gesunde Einstellung zum eigenen Sein und die Grundlage f\u00fcr die Wichtigkeit des Seins.<br \/>\nDoch d\u00fcrfen wir Egoismus nicht mit Egozentrik verwechseln.<br \/>\nEgozentrisch ist ebenso nicht in der Mitte, wie das Schwanken zwischen den Reaktionen!<\/p>\n<p>Aber was hei\u00dft egozentrisch?<\/p>\n<p>In unserem eigenen Bed\u00fcrfnispool spielt die Gemeinschaft eine gro\u00dfe Rolle. Wohl die zweitgr\u00f6\u00dfte, denn logischerweise gibt es ohne unsere eigene Existenz ja auch keine Gemeinschaft f\u00fcr uns. Aber ohne Gemeinschaft ist der Mensch nur ein Samenkorn in der W\u00fcste. Die Qualit\u00e4t der Existenz eines einzigen Menschen ohne jegliche Gemeinschaft ist absolut nullwertig. Auch f\u00fcr ihn selbst.<br \/>\nWas, wie schon oben erw\u00e4hnt bedeutet, der Mensch ben\u00f6tigt Interaktion. Und am besten liebevolle.<\/p>\n<p>Diese kann er aber nur pflegen, wenn er selbstliebend in seiner Mitte ruht und von dort ausgehend liebend agiert und reagiert.<\/p>\n<p>Wenn er nun diesen Ausgangspunkt verschiebt, indem er alles was von au\u00dfen kommt auf sich zentriert, anstatt seine Wichtigkeit f\u00fcr sich selbst in das Zentrum zu stellen und von dort weg zu agieren, dann ist er egozentrisch unterwegs. Und selbstverst\u00e4ndlich von Reaktionen abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, dass der Mensch um sich selbst etwas Gutes tun zu wollen, auch sorgf\u00e4ltig auf sein Umfeld achten muss, also auch darauf, dass es bei seinen Handlungen nicht nur ihm selbst, sondern auch den anderen gut geht. F\u00fcr seine Gemeinschaft handelt und nicht gegen sie. Das ist Egoismus!<\/p>\n<p>Und wir sehen sofort den Unterschied zur Egozentrik: Dort glaubt der Mensch, dass er nur sich selber etwas Gutes tun kann oder gar, dass andere es f\u00fcr ihn tun m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Geben und Nehmen ist die funktionelle Grundlage der Gemeinschaft. Aber was geben und was nehmen? Darauf kommt es an.<br \/>\nDort liegt der schmale Grat zwischen Egoismus und Egozentrik.<\/p>\n<p>Wir geben, wenn wir unsere Existenz wertfrei pr\u00e4sentieren. Wir nehmen, wenn wir das was andere geben, ebenso wertfrei akzeptieren.<br \/>\nAber wir geben dann nicht, wenn wir etwas hinausgeben, um Reaktion zu erhalten und wir nehmen nicht, wenn wir das, was andere geben, dahingehend sortieren, ob es unsere Wichtigkeit erh\u00f6ht.<\/p>\n<p>Klingt doch simpel. Ist es aber, wie wir alle wissen, leider nicht.<br \/>\nZu viel st\u00fcrmt auf den Menschen im Laufe seiner Entwicklung ein. Erziehung und kollektives Unbewusstes bringen ihn auf den Weg, der von Machtgef\u00fcgen und wirtschaftlichen Erw\u00e4gungen bestimmt ist.<\/p>\n<p>Die Wichtigkeit des Seins wird nicht mehr am moralischen Wert gemessen, sondern am \u00f6konomischen.<\/p>\n<p>Da dies die Mehrheit der Menschen so macht, bekommt dieses Prinzip einen gewisse Wahrheitsallmacht. Und wir Menschen geben uns selbst nicht mehr Wert als &#8230; ja, dem Schilf im Wind &#8230;<\/font><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich glaube, dass wir Menschen dazu neigen, unseren Mittelpunkt zu verschieben. Wir richten unsere Wichtigkeit nicht nach uns aus, sondern nach der Wichtigkeit, die wir f\u00fcr andere haben m\u00f6chten. Das kann nicht gut gehen. Das ist ein Prinzip, das in sich schon zum Scheitern verurteilt ist. 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