{"id":1054,"date":"2012-02-18T12:57:00","date_gmt":"2012-02-18T11:57:00","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=1054"},"modified":"2012-02-18T12:57:00","modified_gmt":"2012-02-18T11:57:00","slug":"vom-langen-leben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=1054","title":{"rendered":"Vom langen Leben"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p><font size=\"3\"><strong>Vom langen Leben <\/strong><\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich mache ich mir auch abseits von lyrischen oder Prosatexten Gedanken \u00fcber die Demenz. <\/p>\n<p>Lang leben wollen wir alle, aber nicht alt werden!<\/p>\n<p>Es ist noch nicht so lange her, da zog sich die Demenz noch nicht in so gro\u00dfem Aufkommen durch unsere Gesellschaft. Die Menschen wurden einerseits nicht so alt und andererseits waren auch die gesellschaftlichen Strukturen ganz andere. Alte Menschen lebten viel mehr in ihrem Familienverbund. Von dieser Position aus wurde die Demenz nicht so offenkundig. Und vielleicht gingen die Angeh\u00f6rigen damals mit ihr auch geduldiger, bzw. selbstverst\u00e4ndlicher um. Die Individualit\u00e4t des Einzelnen hatte noch einen gr\u00f6\u00dferen Stellenwert in der zwischenmenschlichen Kommunikation.<\/p>\n<p>Ich habe schon seinerzeit in meinem Buch <a href=\"http:\/\/www.evelyne-weissenbach.at\/liebesphaenomen.htm\" target=\"_blank\">&#8222;Lerne.Selbst.Lieben&#8220;<\/a> die verh\u00e4ngnisvollen Zusammenh\u00e4nge der propagierten Ewige-Jugend-Gesellschaft aufgezeigt. Wir Menschen in der westlichen Welt werden als Wirtschaftsfaktor be- und gehandelt. Und haben deshalb ganz andere spezifische Probleme als z.B. die Menschen in der Dritten Welt.<br \/>\nDer Werbeslogan &#8222;Geht\u2019s der Wirtschaft gut, geht\u2019s uns allen gut&#8220; ist bezeichnend f\u00fcr die Richtung aus der unsere Individualit\u00e4t \u00fcber das kollektive Unbewusste gesteuert wird. <\/p>\n<p>Demente Menschen sind kein Wirtschaftsfaktor. Man kann ihnen nichts mehr verkaufen!<br \/>\nDeshalb werden sie zu einer besonderen Randgruppe. Zu einer, die in der \u00d6ffentlichkeit keinerlei Rolle mehr spielt. Es gibt keine Werbung, keine Filme, keine Lobby, sie leben jenseits der Scheinwerfer und haben deshalb in der \u00f6ffentlichen Meinung ebenfalls keinen &#8222;Wertfaktor&#8220;.<\/p>\n<p>Das gr\u00f6\u00dfte Gesch\u00e4ft ist mit der Angst zu machen!<br \/>\nMenschen in Angst zu halten, dass sie nicht dazu geh\u00f6ren (wozu auch immer) ist die wirksamste Methode, sie zu Konsum zu n\u00f6tigen.<br \/>\nUnd am besten eignet sich etwas, das im Prinzip nicht erreicht werden kann. Ewige Jugend z.B.<br \/>\nDiese ist ein unersch\u00f6pflicher Born f\u00fcr Konsumzwang.<\/p>\n<p>S\u00e4mtlichem Anflug von Alterserscheinungen werden riesige Gesch\u00e4ftszweige gegen\u00fcbergestellt.<br \/>\nEin unendliches Ersatzteillager an K\u00f6rperersatz- oder Aufmotzteilen versucht dem Menschen vorzut\u00e4uschen, dass er sich vom Alterungsvorgang freikaufen kann.<\/p>\n<p>Nun kann man aber den Alterungsprozessen des K\u00f6rpers sozusagen mechanisch noch einiges entgegensetzen. Gegen die geistigen alterungsad\u00e4quaten Verfallserscheinungen jedoch gibt es keine Ersatzteile. Obwohl die gigantische Pharmaindustrie uns auch hier in den Konsumzwang gaukelt.<\/p>\n<p>Es ist den meisten Menschen klar, dass im Alter die Haare grau werden, dass man die Z\u00e4hne verliert, dass die Haut Falten bekommt und die Muskeln schlaffer werden. Dass auch manche Organe nicht mehr so klaglos arbeiten, sich die k\u00f6rperlichen Bed\u00fcrfnisse \u00e4ndern.<br \/>\nDoch dass die geistige Leistung ebenfalls einem Alterungsprozess ausgesetzt ist und sich auch die geistigen Bed\u00fcrfnisse \u00e4ndern, das wollen Viele nicht wahrnehmen. Es wird versucht, die nat\u00fcrliche Alterung bereits in eine Krankheit umzuwandeln.<\/p>\n<p>Alter wird von uns heute sofort gleichgestellt mit Krankheit und\/oder Demenz.<br \/>\nUnd beides passt nat\u00fcrlich in kein Zeitgeistkleid.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich ist es noch ein gewaltiger Unterschied von der altersbedingten Vergesslichkeit zur Demenzerkrankung.<br \/>\nAber durch diese krampfhaften Verschleierungsversuche der eher harmlosen Alterserscheinung gelangen wir dynamisch in den Sog, mit der Demenz nicht umgehen zu k\u00f6nnen. Weil wir nie lernen, uns auf altersentsprechende Situationen einzulassen, ihre positiven Seiten f\u00fcr uns zu entdecken.<\/p>\n<p>Der Fortschritt brachte uns auch eine durchschnittlich l\u00e4ngere Lebenszeit.<br \/>\nDer Alterungsprozess bekommt deshalb auch andere Dimensionen. Wir k\u00f6nnen uns wohl l\u00e4nger an Jahren &#8222;jung&#8220; erhalten, aber auch die Jahre des Alters haben sich vermehrt. Deshalb treten die altersbedingten Erscheinungen selbstverst\u00e4ndlich auch langfristiger auf und sind durch die zunehmende Zahl l\u00e4nger lebender Menschen vermehrt pr\u00e4sent.<\/p>\n<p>Und unser Gemeinschaftsleben hat sich ebenfalls enorm gewandelt. Bei uns ist es heute fast nicht mehr m\u00f6glich, die Familien \u00fcber Generationen zusammen zu halten.<br \/>\nWir leben in einer ganz anderen Gesellschaftsstruktur. Kleine Familienzellen in Zwei- oder Dreizimmerwohnungen. Frauen und M\u00e4nner berufst\u00e4tig. Oder kosmopolitsch aufgeteilt.<\/p>\n<p>Bei uns ist es wichtig, dass es Pflegeeinrichtungen gibt.<br \/>\nWeil man einige Personen eines Haushalt oft nicht unbeaufsichtigt lassen kann. Seien es Kinder, aber oft auch die alten Menschen.<\/p>\n<p>Es w\u00e4re ja auch besser, wenn die Kinder im Familienverbund aufw\u00fcchsen und nicht im Kindergarten und in der Ganztagsschule erzogen w\u00fcrden.<br \/>\nAber heute gibt es schon ein Pflichtkindergartenalter! Weil die Kinder in den Wirtschaftsprozess eingegliedert werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Also kommen die Kinder aus dem Haus und die Alten auch. <\/p>\n<p>Aber f\u00fcr die Kinder gibt es Programme &#8211; denn die haben &#8222;Wert&#8220; -, f\u00fcr die demenzkranken Alten nicht. Die Alten sind nur als &#8222;graue Panther&#8220; etwas wert, weil da sind sie ein Wirtschaftsfaktor, da kann man ihnen Jugendwahn verkaufen.<\/p>\n<p>Aber &#8211; was will man einem demenzkranken alten Menschen verkaufen?<\/p>\n<p>Ihn erreicht keine Werbung, kein Meinungsbilder, kein Zeitgeistfl\u00fcsterer.<br \/>\nEigentlich ein paradiesischer Zustand &#8230; <\/font><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Vom langen Leben Selbstverst\u00e4ndlich mache ich mir auch abseits von lyrischen oder Prosatexten Gedanken \u00fcber die Demenz. Lang leben wollen wir alle, aber nicht alt werden! 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