{"id":111,"date":"2011-06-30T17:37:35","date_gmt":"2011-06-30T15:37:35","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=111"},"modified":"2011-06-30T17:37:35","modified_gmt":"2011-06-30T15:37:35","slug":"flossenburg-2011-iv-die-kapelle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=111","title":{"rendered":"Flossenb\u00fcrg 2011 &#8211; IV. Die Kapelle"},"content":{"rendered":"<p><font size=\"3\">Nur wenige Schritte weiter befindet sich die Kapelle &#8222;Jesus im Kerker&#8220;. Sie wurde von \u00dcberlebenden nach dem Krieg zum christlichen Gedenken an die Gequ\u00e4lten und Ermordeten errichtet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"flossenbuerg\" src=\"http:\/\/i274.photobucket.com\/albums\/jj272\/lin_tschi\/blogs\/48056.jpg\" alt=\"flossenbuerg\" width=\"480\" height=\"360\" \/><\/p>\n<p>Die Kapelle befindet sich auf einem Areal, das sich bereits au\u00dferhalb des ehemaligen Lagerzauns befindet. Um das Martyrium der Arbeit im Steinbruch zu symbolisieren, wurde sie aus den Granitsteinen abgerissener Wacht\u00fcrme und Baracken gebaut. Dies wird ganz deutlich, weil sich unmittelbar daneben noch einer dieser kurios harmlos wirkenden Wacht\u00fcrme befindet.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"flossenbuerg\" src=\"http:\/\/i274.photobucket.com\/albums\/jj272\/lin_tschi\/blogs\/48057.jpg\" alt=\"flossenbuerg\" width=\"480\" height=\"360\" \/><\/p>\n<p>Wer mich kennt, wei\u00df, dass ich in Jesus meinen &#8222;g\u00f6ttlichen Gespr\u00e4chspartner&#8220; gefunden habe.<br \/>\nDeshalb war meine Spannung besonders gro\u00df, als ich nun durch das dunkle Tor der Kapelle trat.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"flossenbuerg\" src=\"http:\/\/i274.photobucket.com\/albums\/jj272\/lin_tschi\/blogs\/48066.jpg\" alt=\"flossenbuerg\" width=\"480\" height=\"360\" \/><\/p>\n<p>Das Innere lag im D\u00e4mmerlicht, das durch wenige bunte Glasfenster hereinkam.<br \/>\nUnter den Fenstern waren Gedenktafeln angebracht. Und auch die Fenster hatten Motive, die die Aufmerksamkeit auf die Opfer verschiedener ethischer Gruppen lenken sollten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"flossenbuerg\" src=\"http:\/\/i274.photobucket.com\/albums\/jj272\/lin_tschi\/blogs\/fenster1.jpg\" alt=\"flossenbuerg\" width=\"360\" height=\"360\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"flossenbuerg\" src=\"http:\/\/i274.photobucket.com\/albums\/jj272\/lin_tschi\/blogs\/fenster2.jpg\" alt=\"flossenbuerg\" width=\"360\" height=\"360\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"flossenbuerg\" src=\"http:\/\/i274.photobucket.com\/albums\/jj272\/lin_tschi\/blogs\/fenster3.jpg\" alt=\"flossenbuerg\" width=\"360\" height=\"360\" \/><\/p>\n<p>Mein Blick wurde aber selbstverst\u00e4ndlich von der Kreuzigungs-Gruppe angezogen, die sich an der Stirnwand der Kapelle befindet. Die Szene unter dem Kreuz war nicht die \u00fcbliche. Keine weinenden oder betenden Frauen lagerten vor dem Kreuz, sondern hier wurde ein Steinmetz gepr\u00fcgelt. Ein Kind klammerte sich verzweifelt an seine Mutter. Wie es schien, trug sie ihre Habseligkeiten auf der Schulter. Waren sie auf der Flucht? Oder schleppte die Frau auch Steine?<br \/>\nLangsam ging ich darauf zu, suchte das Gesicht des Herrn.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"flossenbuerg\" src=\"http:\/\/i274.photobucket.com\/albums\/jj272\/lin_tschi\/blogs\/48058f.jpg\" alt=\"flossenbuerg\" width=\"360\" height=\"360\" \/><\/p>\n<p>Herr, sagte ich, sie haben nichts gelernt. Du bist umsonst diesen brutalen Tod gestorben.<br \/>\nNein, antwortete Er, ich musste es zumindest versuchen. Und du wei\u00dft doch, es geht um die Auferstehung. Das ist das Besondere an meinem Tod, nicht die Qu\u00e4lerei durch die Menschen, die ihre Selbstverantwortung nicht kennen.<\/p>\n<p>Auferstehung!<br \/>\nGenau das war es. Das war die Antwort auf die Diskrepanz, die ich zu Beginn meines Rundganges gef\u00fchlt hatte. Einerseits auf schmerzvolle Bilder f\u00f6rmlich zu warten und andererseits keine schmerzlichen Eindr\u00fccke erf\u00fchlen zu k\u00f6nnen, weil die Lieblichkeit des Ortes in so starkem Kontrast zu dem stand, das ich mit Erinnerung und Gedenken, im Zusammenhang mit dieser furchtbaren Zeit, verband.<\/p>\n<p>Man musste all diesen Opfern gegen\u00fcber die Liebe auferstehen lassen.<br \/>\nWie Christus haben sie gelitten, um uns etwas aufzuzeigen. Wer diese Botschaft nicht versteht, ist ein Verdammter. Auf ewig!<br \/>\nAus ihrem Leiden musste Frieden wachsen, um ihrem Leid den einzig m\u00f6glichen Sinn zu geben. Sie haben &#8211; wie Jesus! &#8211; daf\u00fcr gelitten, dass wir an ihrer Geschichte lernen k\u00f6nnen, wohin unmenschliches Verhalten f\u00fchrt.<br \/>\nNun ist es an der Zeit, in ihrem Gedenken Frieden zu leben. Ihn aus ihrem Grund wachsen zu lassen!<\/p>\n<p>Es war im wahrsten Sinne des Wortes Gras \u00fcber die Geschichte gewachsen. Und das war gut. Das hatte nichts mit Vergessen zu tun. Sondern mit Auferstehung.<\/p>\n<p>Immer weiteres Verharren in den grausamen Bildern w\u00fcrde den damaligen Opfern die Liebe entziehen, weil wir uns selbst dadurch zu Opfern machen, zu Opfern unentrinnbaren, weil immer wiederkehrenden Grauens. Angst und aufsteigende Hilflosigkeit r\u00fccken bei ihrem Anblick in den Vordergrund, lassen die N\u00e4he zu diesen Menschen nicht mehr zu. Wir distanzieren uns &#8211; wenn auch oft unbewusst.<br \/>\nMan kann das sehr leicht beobachten, wie schwer es den Menschen z. B. f\u00e4llt, Schwerkranke oder Behinderte anzusehen, sie zu ber\u00fchren &#8211; sie zu lieben<br \/>\nNicht Mitleid brauchen alle diese Menschen. Mit anderen zu leiden, bringt niemandem etwas. Und schon gar nicht aus der Distanz von Jahrzehnten. Mitgef\u00fchl ist wichtig. Das Aufnehmen ins Innere in Liebe, nicht in Angst und Abscheu.<\/p>\n<p>Auferstehung!<br \/>\nJesus zeigte es. Nach all der ihm angetanen Pein stand er auf, um uns den weiteren Weg aufzuzeigen.<br \/>\nUnd auch die Menschen in den Konzentrationslagern k\u00f6nnen wir heute in Liebe auferstehen lassen, damit sie uns den weiteren Weg zeigen. Wenn wir sie nicht dazu verdammen, auf immer und ewig f\u00fcr das Grauen in der Welt als Modelle dazustehen.<br \/>\nAuch sie w\u00fcrden wohl viel lieber als geliebte Erinnerung in unseren Herzen bleiben wollen, oder als Tr\u00e4ger, auf deren Schultern eine bessere Welt zustande kam.<\/p>\n<p>An diesem Ort wurde mir klar, dass den damaligen T\u00e4tern nicht auch heute noch die Macht einger\u00e4umt werden durfte, diesen Opfern sogar die liebende Erinnerung zu verwehren, und sie auch heute noch nur als ausgemergelte Gestalten durch die Weltgeschichte zu schicken, die Grauen und Schrecken verbreiten.<\/p>\n<p>Schicken wir sie lieber als jene Menschen in die Welt, auf deren R\u00fccken der Frieden wachsen soll und denen wir daf\u00fcr in dankbarer Liebe gedenken. Auf jeder gr\u00fcnen Wiese, an jedem Bl\u00fcmchen, an dem wir schnuppern k\u00f6nnen, weil sie f\u00fcr unseren Frieden gestorben sind.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" title=\"flossenbuerg\" src=\"http:\/\/i274.photobucket.com\/albums\/jj272\/lin_tschi\/blogs\/wiese.jpg\" alt=\"flossenbuerg\" width=\"480\" height=\"360\" \/> <\/font><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/2011\/07\/12\/flossenbuergg-2011\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>&lt;&lt;&lt; Teil I &#8211; Ankunft<\/strong><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/2011\/07\/08\/flossenburg-2011-der-appellplatz\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>&lt;&lt;&lt; Teil II &#8211; Der Appellplatz<\/strong><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/2011\/07\/02\/flossenburg-2011-gedenkstatten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>&lt;&lt;&lt; Teil III &#8211; Gedenkst\u00e4tten<\/strong><\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/2011\/06\/25\/flossenburg-2011-v-das-tal-des-todes\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Teil V &#8211; Das Tal des Todes &gt;&gt;&gt; <\/strong><\/a><\/p>\n<p>Ich bedanke mich ausdr\u00fccklich und herzlich bei <a href=\"http:\/\/www.fotocommunity.de\/pc\/pc\/pcat\/499690\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bernhard Ruehl<\/a>, der mir seine Fotos von den Kirchenfenstern zur Verf\u00fcgung stellte, da meine eigenen leider unbrauchbar waren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nur wenige Schritte weiter befindet sich die Kapelle &#8222;Jesus im Kerker&#8220;. 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