{"id":1170,"date":"2012-03-19T11:42:37","date_gmt":"2012-03-19T10:42:37","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=1170"},"modified":"2012-03-19T11:42:37","modified_gmt":"2012-03-19T10:42:37","slug":"der-einsame-weg-volkstheater-wien-18-3-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=1170","title":{"rendered":"Der einsame Weg &#8211; Wiener Volkstheater, 18.3.2012"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<br \/>\n<font size=\"3\"><strong>Der einsame Weg<\/strong> von Arthur Schnitzler<\/font><\/p>\n<p><font size=\"3\"><strong>Inhalt:<\/strong><br \/>\nRund um das Geschwisterpaar Felix und Johanna, beide Anfang zwanzig, entrollt sich eine Geschichte, die eigentlich vor deren Geburt spielte.<br \/>\nDrei K\u00fcnstlerfreunde, trafen damals die Entscheidungen, die ihren Lebensweg bestimmten.<br \/>\nEin Maler, der als gro\u00dfe Hoffnung galt, diese aber dann leider nicht erf\u00fcllen konnte, ein nun einigerma\u00dfen erfolgreicher Dichter und den dritten f\u00fchrte sein Weg in die Beamtenprofessur und zu Familie. Er ist auch der Vater der beiden jungen Leute.<\/p>\n<p>Bis zu diesem Zeitpunkt geht jeder seinen Weg. Und es geht auch alles recht gut.<br \/>\nDoch nun ist die Mutter des Geschwisterpaares todkrank. Die Frau und Tochter des Dichters sind vor einiger Zeit mysteri\u00f6s verstorben, er selbst wird von Todesahnungen heimgesucht und will sich auf den Weg zu Ausgrabungen nach Asien machen.  Und der rastlose Maler kehrt von wechselnden Wirkungsst\u00e4tten wieder zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Gabriele bespricht sich mit ihrem Arzt, ob sie ihren Sohn vor ihrem Tod noch informieren soll, dass er der leibliche Sohn Julians, des Malers, ist. Dieser r\u00e4t ab, weil mit diesem Gest\u00e4ndnis nur Unruhe in das Leben all dieser Menschen kommen w\u00fcrde. <\/p>\n<p>Doch Julian wei\u00df, dass Felix sein Sohn ist und da ihn seine damals gew\u00e4hlte Freiheit auch in Einsamkeit getrieben hat, und die Malerei keinen wirksamen Ersatz bietet, kl\u00e4rt er Felix nach dem Tod Gabrieles \u00fcber die damaligen Vorg\u00e4nge auf.<br \/>\nDer Sohn will von ihm nichts wissen. Die Sympathie die der junge Mann vorher dem K\u00fcnstler entgegenbrachte, schl\u00e4gt in Abscheu um. Um dieser ganzen Situation zu entrinnen, will er sich mit von Sala auf den Weg nach Asien machen.<br \/>\nBevor es dazu kommt, trifft den Professor ein neuer Schicksalsschlag. Die labile Johanna, die sich auf eine Aff\u00e4re mit Stephan von Sala eingelassen hat, verkraftet im Bewusstsein seines nahenden Todes dessen Heiratsantrag und die Aufforderung, mit ihm zu reisen, nicht und ist pl\u00f6tzlich verschwunden.<br \/>\nFelix will daraufhin nicht nach Asien reisen, was der Professor aber nicht zul\u00e4sst, weil er ein solches Opfer seines Sohnes nicht annehmen will.<br \/>\nJulian muss erkennen, dass er in seinem Sohn zwar nun einen nicht wieder gutzumachenden Zwiespalt durch das Wissen um die wahre Vaterschaft erzeugt hat und dem jungen Mann das Bild seiner Mutter verdunkelte, aber auch, dass er dadurch f\u00fcr sich nichts gewonnen hat, weil dieser sich dem einsamen Familienvater viel n\u00e4her verbunden f\u00fchlt.<br \/>\nVon Sala folgt Johanna, als er sie findet.<\/p>\n<p>Vom <strong>Inhalt<\/strong> her fand ich das St\u00fcck sehr aussagekr\u00e4ftig. Die Einsamkeit der Lebenswege kommt gut heraus. Auch wie Menschen ohne R\u00fccksicht darauf, ob sie andere damit verletzen, ihre Ziele verfolgen, der Einsamkeit entfliehen zu wollen. Die mangelnde Verantwortung f\u00fcr eigene Taten in das M\u00e4ntelchen der Wahrheitsbringung h\u00fcllen.<br \/>\nDie Sprache Schnitzlers gef\u00e4llt mir von Haus aus gut. Die Dialoge finde ich sehr interessant.<\/p>\n<p>Doch der Abend war f\u00fcr mich eine Entt\u00e4uschung, beinahe auf der ganzen Linie.<\/p>\n<p><strong>Inszenierung:<\/strong><br \/>\nIch habe es schon \u00f6fter gesagt &#8211; ich habe ein schlichtes Gem\u00fct. Ich bin eine Theaterliebhaberin des alten Schlages. Ich kann mit dem modernen Regietheater nichts anfangen. Mit der Transferierung eines Stoffes in die Gegenwart.<br \/>\nIch finde, das ist das Tolle an einem Theaterst\u00fcck, dass es in einer anderen Epoche geschrieben sein kann, und dennoch heute G\u00fcltigkeit hat. Doch daf\u00fcr lasse ich mich wesentlich lieber auf den Autor ein, als auf den Regisseur, der mir seine Version nun unterjubeln m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Hier in dieser Inszenierung von <a href=\"http:\/\/www.rz.shuttle.de\/rn\/Alexander_Nerlich\/\" target=\"blank\" rel=\"noopener\">Alexander Nerlich<\/a> ist das f\u00fcr mich wieder genauso geschehen.<\/p>\n<p>Gut, ich bin Wienerin und Schnitzler verbindet unsereine gerne mit Wiener Lautmalerei. Die fehlt hier nat\u00fcrlich total. Das harte Deutsch-Deutsch nimmt dem Text eindeutig die Zwischent\u00f6ne.<br \/>\nGenauso finde ich auch immer den Kontrast so besonders prickelnd, zwischen den vordergr\u00fcndig steifen, mond\u00e4n-kultivierten schnitzlerischen Figuren und den hintergr\u00fcndigen Abgr\u00fcnden.<br \/>\nNichts davon wird hier mehr Raum gegeben. Hier braucht man kein Feingef\u00fchl, um hinter die Fassaden schauen zu k\u00f6nnen, hier wird einem mit dem Holzhammer, mit Neon und einem Liebhaber im Gazefummel eine Kasperliade der Einsamkeit vorgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Wie ich schon weiter vorne schrieb &#8211; das liegt mit Sicherheit an mir. Ich habe eine andere Auffassung von gutem Theater.<br \/>\nAber ich w\u00fcrde gerne einmal schl\u00fcssig erkl\u00e4rt bekommen, was man damit ausdr\u00fccken will, wenn man einen wei\u00dfen B\u00fchnenraum mit senkrechten Neonst\u00e4ben ausstattet. Oder vom Schn\u00fcrboden undefinierbare riesige Fl\u00e4chen herabseilt, auf die einzelne Worte geschrieben werden. Oder warum man einen Garten darstellt, indem man eine Frau in ein durchsichtiges Plastikzelt mit einem Kaktus setzt. Die seltsamen Gewandungen und nackten Oberk\u00f6rper (Gott sei Dank nur) der m\u00e4nnlichen Darsteller sorgen auch nicht gerade f\u00fcr Verw\u00f6hnung der Augen der Zuseher.<br \/>\nOder warum in einem Schnitzler-St\u00fcck pl\u00f6tzlich einer der Darsteller auf der Elektrogitarre einen Beatles-Song interpretieren muss &#8230; <\/p>\n<p>Und diese Qu\u00e4lerei dauert sage und schreibe 2 Stunden 45 Minuten. Dass von der Pause mindestens ein Viertel der Zuschauer nicht mehr zur\u00fcck gekommen ist, hat mich pers\u00f6nlich nicht verwundert.<\/p>\n<p>Das Tolle an einem Schnitzler-St\u00fcck sind f\u00fcr mich Sprache und Dialog. Dadurch arbeitet er die Unterschwelligkeit der Handlung heraus.  Bei einem Schau-St\u00fcck h\u00e4tte es das ja nicht gebraucht! Da ginge das alles viel schneller. Und vor allem lenkt das alles ja vom Text ab. Und das finde ich als eine R\u00fccksichtslosigkeit dem alten Schnitzler gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Nun gut, also hier gab&#8217;s f\u00fcr mich keinen Blumentopf zu holen.<br \/>\nWarum <i>ich<\/i> nach der Pause dennoch wieder zur\u00fcckkehrte, will ich aber auch nicht verschweigen.<\/p>\n<p><strong>Ensemble:<\/strong><br \/>\nAllen voran &#8211; <a href=\"http:\/\/www.volkstheater.at\/home\/ensemble\/schauspieler\/10\/G\u00fcnter+Franzmeier\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">G\u00fcnther Franzmeiers<\/a> wegen, in der Rolle des Julian. Ich bin seit Jahren ein Fan von ihm und auch hier hat er mich nicht entt\u00e4uscht. Dieser Mann ist zwar nicht sch\u00f6n anzusehen, aber gut anzusehen ist er f\u00fcr mich noch in jeder Rolle gewesen.<\/p>\n<p>Aber auch das sonstige Ensemble hat mich schauspielerisch absolut befriedigt.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.volkstheater.at\/home\/ensemble\/schauspieler\/8\/Erwin+Ebenbauer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erwin Ebenbauer<\/a> &#8211; in der Rolle des Professor Wegrat, auch einer meiner Lieblinge am Volkstheater. Seit Jahrzehnten Ensemblemitglied. Immer unspektakul\u00e4r besetzt und dabei stets verl\u00e4sslich solide und mit toller Sprache.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.volkstheater.at\/home\/ensemble\/schauspieler\/11\/Rainer+Frieb\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rainer Frieb<\/a> &#8211; einer der Grenzg\u00e4nger am Volkstheater ist in der Rolle des Arztes ein wenig unterbesetzt, aber ich freue mich immer, ihn zu sehen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nanettewaidmann.de\/aktuell.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nanette Waidmann<\/a> &#8211; bringt eine etwas verhuschte Johanna sehr gut her\u00fcber. Und sie bringt tolle Erotik in die Szenen mit <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.denispetkovic.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Denis Petkovic<\/a> &#8211; dem Stephan von Sala. Dieser ist zwar nicht schlecht gewesen, aber der war halt so gar nicht meins. Ist er doch einer von den eher h\u00e4rter sprechenden deutschen Schauspielern, die f\u00fcr mich mit Schnitzler so gar nicht gut zusammen passen. Aber daf\u00fcr kann er nichts. Er hat sich sicher nicht selbst besetzt.<\/p>\n<p>Alles in allem wusste ich, warum ich nach 20 Jahren mein Volkstheater-Abo k\u00fcndigte, als die neue \u00c4ra dort eingeleitet wurde. Mehrere solcher Vorstellungen im Jahr w\u00fcrde ich nicht durchhalten, auch nicht mit so tollen Schauspielern. Da les ich den Schnitzler lieber.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.volkstheater.at\/home\/repertoire\/1008\/Der+einsame+Weg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8211; Beschreibung der Auff\u00fchrung und kleines Video<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.volkstheater.at\/home\/presse\/fotos-2011-12\/149\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8211; Fotos<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/5380\/1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8211; Den gesamten Text gibt es bei Projekt Gutenberg<\/a><br \/>\n<\/font><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der einsame Weg von Arthur Schnitzler Inhalt: Rund um das Geschwisterpaar Felix und Johanna, beide Anfang zwanzig, entrollt sich eine Geschichte, die eigentlich vor deren Geburt spielte. Drei K\u00fcnstlerfreunde, trafen damals die Entscheidungen, die ihren Lebensweg bestimmten. Ein Maler, der als gro\u00dfe Hoffnung galt, diese aber dann leider nicht erf\u00fcllen konnte, ein nun einigerma\u00dfen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[25,23],"tags":[88,173,176,177,196,198,208],"class_list":["post-1170","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-theater","category-rezensionen","tag-franzmeier","tag-rezensionen-2","tag-schauspiel","tag-schnitzler","tag-theater-2","tag-theaterstuck","tag-volkstheater-wien"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p3ZwSb-iS","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1170","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1170"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1170\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1170"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1170"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1170"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}