{"id":1199,"date":"2012-04-06T11:48:35","date_gmt":"2012-04-06T09:48:35","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=1199"},"modified":"2012-04-06T11:48:35","modified_gmt":"2012-04-06T09:48:35","slug":"lumpazivagabundus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=1199","title":{"rendered":"Lumpazivagabundus &#8211; Theater in der Josefstadt &#8211; 5.4.2012"},"content":{"rendered":"<p><font size=\"3\"><strong>Lumpazivagabundus <\/strong> von Johann Nestroy <\/p>\n<p>Gibt es jemanden, der die Geschichte nicht kennt?<br \/>\nF\u00fcr diesen sei sie kurz erz\u00e4hlt.<br \/>\nIm Feenreich will Hilaris, der Sohn des Zauberers Mystifax Brillantine, die Tochter der Gl\u00fccksfee Fortuna heiraten. Doch diese befindet sich im Streit mit der Liebesfee Amorosa und schlie\u00dft deshalb eine Wette mit ihr ab.<br \/>\nDrei vagabundierende Handwerksgesellen, der Tischler Leim, der Schuster Knieriem und der Schneider Zwirn sollen dem b\u00f6sen Geist Lumpazivagabundus entrissen werden. Fortuna meint, nur ihr Geld k\u00f6nnte sie  befreien, Amorosa ist davon \u00fcberzeugt, dass dies nur die Liebe kann.<br \/>\nSollten mindestens zwei von den dreien Fortunas Gaben nicht halten k\u00f6nnen, hat sie die Wette verloren und muss ihre Einwillung zu der Hochzeit ihrer Tochter geben.<\/p>\n<p>Das liederliche Kleebatt gewinnt mit einem Gl\u00fcckslos 100.000 Taler und beschlie\u00dft daraufhin ein Treffen nach Jahresfrist.<\/p>\n<p>Zur <b>Inszenierung<\/b> von Georg Schmiedleitner. Wie vorher schon bef\u00fcrchtet, wieder das gleiche Trauerspiel wie vor ein paar Wochen im Volkstheater. Eine Auff\u00fchrung, die eher an ein Comic erinnert als an Nestroy: Schrille Bilder mit Sprechblasen. Kein Raum um dem tieferen Sinn der Geschichte \u00fcber Text und Darstellung auf die Spur zu kommen.<\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild selbst h\u00e4tte mich diesmal noch nicht so gest\u00f6rt, eine eher karge Darstellung des Universums mit dunklen W\u00e4nden und Sternen. Nicht sehr sch\u00f6n, aber zumindest nicht erdr\u00fcckend. Obwohl die Neonr\u00f6hren-Dekoration auch hier Einzug gehalten hat.<br \/>\nEcht st\u00f6rend &#8211; die laute Live-Musik im Hintergrund der B\u00fchne. Die an und f\u00fcr sich exzellenten Musiker der Sofa Surfers wurden teilweise so laut verheizt, dass ich mir die Ohren zuhalten musste.<br \/>\nUnd beinahe selbstverst\u00e4ndlich fehlten bei dieser Art von Musik die Couplets, die eigentlich ein wesentlicher Bestandteil jedes Nestroy-St\u00fcckes sind.<\/p>\n<p>Was mir pers\u00f6nlich in jedem Fall fehlte: die Spielfreude, die zu einem Nestroy f\u00fcr mich geh\u00f6rt. Hier wird &#8222;gearbeitet&#8220;. Mich wundert es nicht. Wenn ich Schauspieler w\u00e4re, k\u00f6nnte ich hier wohl auch keine Freude am Spiel finden.<\/p>\n<p><b>Ensemble:<\/b><\/p>\n<p>Jahrelang hatte ich ein Abo in diesem Theater. Und die Besetzungsliste bot mir im Vorfeld Wiedersehensfreude mit vielen klingenden Namen aus dieser Zeit. Allerdings waren die wunderbaren Schauspieler, die dieses Haus jahrzehntelang getragen hatten, nun in kleinen Nebenrollen besetzt.<br \/>\nDie junge Riege konnte mich nicht \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Knieriem, <a href=\"http:\/\/www.martinzauner.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Martin Zauner<\/a> blieb blass und konturlos. Ich konnte ihm den philosophischen S\u00e4ufer nicht abnehmen.<br \/>\nLeim, <a href=\"http:\/\/www.josefstadt.org\/Theater\/Ensemble\/Schauspieler\/Schuchter.html?type=Schauspieler\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rafael Schuchter<\/a>, steif bis hin zum holprigen Versuch seiner B\u00fchnensprache Dialektf\u00e4rbung zu geben.<br \/>\nEinzig <a href=\"http:\/\/www.josefstadt.org\/Theater\/Ensemble\/Schauspieler\/Teichtmeister.html?type=Schauspieler\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Florian Teichtmeister<\/a> ist einigerma\u00dfen \u00fcberzeugend in seiner Rolle als Zwirn.<br \/>\nAber wer, wie ich, vor einigen Jahren <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Karl_Markovics\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Karl Markovics<\/a> in dieser Rolle gesehen hat, ist wahrscheinlich bis an sein Lebensende sowieso f\u00fcr andere Zwirns verdorben &#8230;<\/p>\n<p>Die Granden der Josefstadt, Lotte Ledl, Marianne Nentwich, Marianne Chappuis, Gideon Singer und Alexander W\u00e4chter blieben ebenfalls weit hinter meinen Erwartungen zur\u00fcck, aber was sollten sie auch schon in ihren Rollen Tolles zeigen.<\/p>\n<p>Doch \u00fcberstrahlt und zum Erfolg gepusht wird diese Auff\u00fchrung von einer grandiosen <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Erni_Mangold\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Erni Mangold<\/a> als Lumpazivagabundus. Die Frau ist 85, spielt mit k\u00fcnstlicher Glatze und schwarzem, hochgeschlitzten Kleid mit tiefem R\u00fcckendekollete diese Rolle als erotischer Vamp. Sie wirft die Beine, wiegt die H\u00fcften und ist so unglaublich, dass mir die Worte fehlen, zu beschreiben, was sie auf die B\u00fchne bringt.<br \/>\nUm ihr zusehen zu k\u00f6nnen, lohnte es sich, all das andere in Kauf zu nehmen!<\/p>\n<p>Jubelnde Kritiken, aber auch Szenenfotos unter <a href=\"http:\/\/www.josefstadt.org\/Theater\/Stuecke\/Josefstadt\/Lumpazivagabundus.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Josefstadt &#8211; Lumpazivagabundus<\/a><br \/>\n(Leider sind die Szenenfotos des Theaters in der Josefstadt offensichtlich bei einer der Proben gemacht und Erni Mangold hat ihre Glatzenhaube noch nicht auf. Denn sie ist damit absolut toll anzusehen. Und besonders erw\u00e4hnen m\u00f6chte ich hier noch ihre erstaunliche R\u00fcckenansicht, um die sie viele Frauen, die um einige Jahrzehnte j\u00fcnger sind, beneiden k\u00f6nnten.)<\/p>\n<p>Ich denke mit Wehmut an die Zeiten, als ich einfach noch gerne ins Theater ging. Dass es mir Freude machte. Heute sitze ich dort und muss mir mit M\u00fche einen Brocken heraussuchen, der diese Abende nicht zu Zeitverlust deklassiert.<br \/>\nAber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich eine Ewiggestrige bin und mit vielem in dieser vordergr\u00fcndigen Zeitgeistzeit nichts anfangen kann.<br \/>\nIch denke n\u00e4mlich auch, dass alle, die St\u00fccke auf diese Art inszenieren wollen, sich heute welche schreiben lassen sollten. Ob diese dann in 100 oder 200 Jahren allerdings noch immer G\u00fcltigkeit h\u00e4tten, wage ich zu bezweifeln.<br \/>\n<\/font><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lumpazivagabundus von Johann Nestroy Gibt es jemanden, der die Geschichte nicht kennt? F\u00fcr diesen sei sie kurz erz\u00e4hlt. Im Feenreich will Hilaris, der Sohn des Zauberers Mystifax Brillantine, die Tochter der Gl\u00fccksfee Fortuna heiraten. Doch diese befindet sich im Streit mit der Liebesfee Amorosa und schlie\u00dft deshalb eine Wette mit ihr ab. 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