{"id":1322,"date":"2012-06-02T15:11:48","date_gmt":"2012-06-02T13:11:48","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=1322"},"modified":"2012-06-02T15:11:48","modified_gmt":"2012-06-02T13:11:48","slug":"von-der-sinnlichkeit-des-lesens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=1322","title":{"rendered":"Von der Sinnlichkeit des Lesens &#8211; oder  Die Einhandleser"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<br \/>\n<font size=\"3\"><br \/>\nWahrscheinlich bin ich altmodisch. In meinem Alter d\u00fcrfte ich mir das doch auch schon zugestehen. Oder?<br \/>\nAber dann denke ich, nein, wahrscheinlich mache ich nur wieder einmal n\u00e4here Bekanntschaft mit der \u00fcberheblichen Kuh in mir.<\/p>\n<p>Mit Freuden habe ich mich seinerzeit dem Computer zugewandt. Auch das Internet macht mir viel Freude. Beide sind Tummelpl\u00e4tze der Kreativit\u00e4t f\u00fcr mich.<br \/>\nWenn ich mir als Kind etwas w\u00fcnschen h\u00e4tte d\u00fcrfen und auch nur ein Schimmer von Ahnung damals erkennbar gewesen w\u00e4re, welche Entwicklung es geben w\u00fcrde, h\u00e4tte ich es mir schon gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Doch jetzt glaube ich, ich habe den Besen des Zauberlehrlings in der Hand. Und in der Ecke, wo er mich hinkehren will, wohnt der Horror.<\/p>\n<p>Ich bin Autorin. Und selbstverst\u00e4ndlich m\u00f6chte ich gelesen werden. Deshalb habe ich meine Texte niemals f\u00fcr die Schublade oder meine Festplatte geschrieben. Ich habe viele davon ver\u00f6ffentlicht, in B\u00fccher gepackt oder auf Blogs.<\/p>\n<p>Doch nun entdecke ich, dass ich f\u00fcr die neuen Entwicklungen zu altmodisch bin. Oder zu \u00fcberheblich. Das muss ich erst noch mit mir abkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Gestern habe ich einen Artikel gelesen, in welchem das Ende des Printbuchs vorhergesagt wird. Der Buchhandel und das Verlagswesen dementieren noch tapfer und stampfen trotzig mit den Qualit\u00e4tsverarbeitungsf\u00fc\u00dfchen auf. Aber wenn man sich die Entwicklung der Lesegewohnheiten der neuen Generationen ansieht, dann wird einem schon angst und bang.<br \/>\nGeht man auf die Stra\u00dfe, sind es nur mehr die echt &#8222;\u00e4lteren&#8220; Personen, die nicht mit einem Handy oder IPod in der Hand herumlaufen. Alle diese Leutchen werden es wohl daheim auch nicht aus der Hand legen und haben deshalb keine Hand mehr frei, um ein Buch zu halten und mit der anderen die Seiten umzubl\u00e4ttern.<\/p>\n<p>Vergleiche mit der Musikbranche dr\u00e4ngen sich auf. Und doch hinken diese gewaltig. Von welchem Tontr\u00e4ger ich mir Musik anh\u00f6re, erscheint mir nicht so wesentlich. Das Musikst\u00fcck muss mir H\u00f6rgenuss vermitteln. Ich sitze in meinem Fauteuil, setze den Kopfh\u00f6rer auf und horche. Lass mich wegtragen in die Wogen der T\u00f6ne. Und es ist mir egal, wo sie herkommen.<\/p>\n<p>Aber lesen? Da sitze ich in meinem Fauteuil, habe ein Buch in der Hand!  Ich muss es angreifen und es vermittelt mir nicht nur \u00fcber die Buchstaben sinnliche Eindr\u00fccke. Es greift sich gut an &#8211; und ja, es gibt auch welche, die greifen sich gar nicht gut an, da kann dann drinnen stehen, was immer nur will &#8211; ich werde es nicht lesen. Ich will mein Buch knuddeln, ihm Lese\u00f6hrchen zuf\u00fcgen, es anmalen, richtig sch\u00f6n abnutzen, weichlesen sozusagen. Es bekommt Patina, wird vom Leben gezeichnet, wie ich.<\/p>\n<p>Und nun soll ich mich wirklich mit einem technischen Dingens dahinsetzen und mit dem Finger auf einer Bildfl\u00e4che herumwischen? Im Bett mit Herrn Kindle? <\/p>\n<p>Ich werde das nie wollen, ich glaube, ich w\u00fcrde es gar nicht k\u00f6nnen. Auch heute ist es schon so, dass ich Prosatexte und sogar lange Gedichte nicht auf dem Bildschirm lesen kann. Sachtexte dringen \u00fcber den Bildschirm nur wesentlich schwerer in mein Gehirn vor als aus meinen buntmarkierten B\u00fcchern.<br \/>\nTja, ich habe da scheint&#8217;s irgendein Gen nicht mitbekommen.<\/p>\n<p>Deshalb zeichnet sich f\u00fcr mich mit dieser Entwicklung wohl nicht das Ende aber doch eine wesentliche Ver\u00e4nderung meiner Ver\u00f6ffentlichungen ab. Ich mag keine E-Books schreiben. Ich mag keine ver\u00f6ffentlichen. Ich kann mich mit dieser Leserklientel so gut wie nicht identifizieren, denn ich bin ein Sinnenmensch.<br \/>\nDas ist nicht lustig f\u00fcr mich. Ich bin nicht gern altmodisch und auch nicht gern \u00fcberheblich. Aber ich denke, ich muss es zur Kenntnis nehmen.<\/p>\n<p>Sollte es wirklich so weit kommen, dass es keine B\u00fccher aus Papier mehr gibt, werde ich meine Texte nur mehr auf ein dann wahrscheinlich schon als altmodisch angesehenes Blog packen.<br \/>\nUnd vielleicht zu Geschenkzwecken selbstgedruckte Werke fabrizieren.<\/p>\n<p>Ich glaube, es w\u00fcrde meine Ideen ver\u00e4ndern. Romane schreibe ich dann sicher keine mehr.<br \/>\nAllerdings werde ich wahrscheinlich nicht mehr altmodisch sein. Ich werde Kurztexte schreiben, vielleicht im Comic-Stil, damit man sie nur ja auch mit einer Hand lesen kann. Beim Spazierengehen, beim Treffen mit Freunden, auf dem Laufband im Fitness-Center oder beim Hurtigsex &#8230;<br \/>\nAber daf\u00fcr brauchts ja auch kein E-Book. Also frage ich mich, wof\u00fcr gibt es die Dinger? F\u00fcr mich sicher f\u00fcr gar nix. Weder zum Lesen noch zum Schreiben.<\/font><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n<p>Weiter gehts mit <a href=\"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/2012\/06\/04\/von-der-gefahrlichkeit-des-lesens-oder-die-kurzelleser\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Die Gef\u00e4hrlichkeit des Lesens &#8211; Die K\u00fcrzelleser <strong>&gt; &gt; &gt;<\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wahrscheinlich bin ich altmodisch. In meinem Alter d\u00fcrfte ich mir das doch auch schon zugestehen. Oder? Aber dann denke ich, nein, wahrscheinlich mache ich nur wieder einmal n\u00e4here Bekanntschaft mit der \u00fcberheblichen Kuh in mir. Mit Freuden habe ich mich seinerzeit dem Computer zugewandt. Auch das Internet macht mir viel Freude. 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