{"id":1337,"date":"2012-06-04T20:14:06","date_gmt":"2012-06-04T18:14:06","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=1337"},"modified":"2012-06-04T20:14:06","modified_gmt":"2012-06-04T18:14:06","slug":"von-der-gefahrlichkeit-des-lesens-oder-die-kurzelleser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=1337","title":{"rendered":"Von der Gef\u00e4hrlichkeit des Lesens &#8211; oder  Die K\u00fcrzelleser"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<br \/>\n<font size=\"3\">Wie ich zuletzt schon schrieb, sehe ich es so, dass im Augenblick die E-Book-Leser noch eine eigene Klientel bilden. Im Augenblick noch, denn wie ich ebenfalls schrieb, die Entwicklung des Lesens nimmt Kurven, die wir bisher so nicht kannten.<\/p>\n<p>Lesen wurde fr\u00fcher in den Schulen gelehrt und anschlie\u00dfend gef\u00f6rdert.<br \/>\nDas Image des Lesers hatte etwas Elit\u00e4res. Weil in den armen Familien weder Zeit, noch Geld und Platz f\u00fcr B\u00fccher vorhanden war. Es hob den Bildungsstand und bot dadurch eine Verbesserungsm\u00f6glichkeit des eigenen Status. Man konnte sich mit Lernen (und Lesen) emporarbeiten.<\/p>\n<p>Heute ist das anders. Heute gibt es einen breiten Wohlstands-Mittelstand, der sich nicht durch Bildung einen h\u00f6heren Status verschaffen kann. Heute kann nahezu jeder so lange studieren, wie er nur mag &#8211; und muss dort aber gar nix lernen. Die neue Armut ist eine andere als fr\u00fcher. Sie betrifft nicht mehr die breite Masse, sondern bestimmte stigmatisierte Gruppen, in die die Menschen eher hineingeraten als dass sie ihnen von Geburt bestimmt sind.<\/p>\n<p>Dieser Mittelstand sucht andere Wege, um elit\u00e4r zu erscheinen. Er sucht die Ann\u00e4herung an das werbem\u00e4\u00dfig vorgefertigte Ideal.<br \/>\nLesen k\u00f6nnte da ein empfindlicher St\u00f6rfaktor sein. Denn wer liest, der denkt, setzt Fantasie ein, nimmt sich Zeit f\u00fcr sich selbst. Auch wenn es Groschenromane sind, was er liest. Leser suchen sich ihre eigenen Ideale, die in der Welt angesiedelt sind, die sie lesen.<\/p>\n<p>Wurde also fr\u00fcher in den Haushalten das Lesen oft nicht gef\u00f6rdert, weil die Menschen keine Zeit hatten, k\u00f6rperlich hart arbeiteten und sich B\u00fccher nicht leisten konnten, so griff doch die Schule den Kindern und Jugendlichen unter die Lese-Arme.<\/p>\n<p>Heute wird nicht einmal mehr richtig lesen gelehrt! Geschweige denn, ein Lesestoff inhaltlich oder sprachlich bearbeitet. Auch in die Schulen hat die Schnelllebigkeit und Schnellsprachigkeit des technisierten Konsumzeitalters Einzug gehalten.<\/p>\n<p>Von Eltern und Kindern wird vorausgesetzt, dass sie einen Computer haben, ein Handy. Dort k\u00f6nnen sie von den Lehrern angeregte Lehrstoffe herunterladen. Die Kinder in meinem Umfeld schreiben Deutscharbeiten, wo sie von den Lehrern auf Google verwiesen werden, um zu recherchieren und ihre Arbeiten einfach in Zitaten schreiben d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Damit mich niemand falsch versteht, das ist kein Anwurf an die Lehrer. Diese k\u00f6nnen die Vorgaben ihres Ministeriums auch nicht wesentlich ver\u00e4ndern. M\u00fcssen schauen, dass sie die von <i>ihnen<\/i> geforderte Leistung erbringen. Unsere Schulen sind der Spiegel unserer Gesellschaft!<\/p>\n<p>Und hier sehe ich den Unsicherheitsfaktor f\u00fcr die Zukunft des Buches. Im Nachwuchs!<br \/>\nDer Instant-Infos aufnehmen will, in K\u00fcrzeln kommuniziert und f\u00fcr eine sch\u00f6ne und richtige (!) Sprache und ausgekl\u00fcgelte Geschichten nur mehr ein m\u00fcdes L\u00e4cheln \u00fcbrig hat.<br \/>\nDazu kommt, dass die Wirtschaft unsere Lebensgewohnheiten bestimmt. Wenn sich die Wirtschaftsbosse also entscheiden, das Printbuch abzudrehen, weil es zu wenig lukriert, dann kommt es weg. Da k\u00f6nnen die Leser mit den Augen strampfen wie sie wollen.<\/p>\n<p>Die Gefahr einer solchen Entwicklung sehe ich absolut. Die Vorbereitung ist angelaufen. Es werden Strukturen geschaffen, die dem Vermarkter gro\u00dfe Gewinne bringen. Und NUR dem Vermarkter. Pflegeleicht und selbstlaufend, wenn die Ebenen einmal richtig angelegt sind.<br \/>\nUnd die Printleser werden in eine Nische gedr\u00e4ngt. Im Augenblick gibt es noch welche, aber wie lange noch? Sie k\u00f6nnten sehr wohl eine vom Aussterben bedrohte Spezies sein.<\/p>\n<p>Wir sehen ja in vielen Bereichen, dass der Qualit\u00e4t und Sinnlichkeit nicht mehr der h\u00f6chste Stellenwert einger\u00e4umt wird.<br \/>\nDie Leute essen Fastfood, statt geschmackvoller, inhaltsreicher Kost (die sie sich heute eigentlich leisten k\u00f6nnten &#8211; was ja nicht immer so war), Plastiktomaten anstatt satter roter Paradeiser,  und sollte es Herrn Google gelingen, einen Ern\u00e4hrungsweg per Computer zu finden, h\u00e4tte sich sogar das erledigt.<\/p>\n<p>Denn eines ist gewiss, es geht um Technologiekonsum. Wir alle m\u00fcssen an die Maschinen angeschlossen werden, von denen wir glauben, dass sie uns am Leben erhalten. Am Puls der Zeit, am Nabel der Welt, am Superhirn.<\/p>\n<p>Und f\u00fcr diese Menschen muss es E-Books geben. In Milliarden St\u00fcckzahlen. Damit sie ihren Allerweltsarsch nur niemals von ihren Elektrodensteuerungen wegbeheben m\u00fcssen.<br \/>\nPrintbuchleser bedeuten daf\u00fcr Gefahr.<br \/>\n <\/font><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/2012\/06\/02\/von-der-sinnlichkeit-des-lesens\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>&lt; &lt; &lt;<\/strong><\/a> zum ersten Teil &#8211; <a href=\"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/2012\/06\/02\/von-der-sinnlichkeit-des-lesens\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> &#8222;Von der Sinnlichkeit des Lesens&#8220; <\/a> <br \/>\n<a href=\"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/2012\/06\/06\/chance\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Von der Chance der Ver\u00f6ffentlicher&#8220;<\/a> &#8211; zum dritten Teil <a href=\"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/2012\/06\/06\/chance\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> &nbsp;<strong> &gt; &gt; &gt; <\/strong><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wie ich zuletzt schon schrieb, sehe ich es so, dass im Augenblick die E-Book-Leser noch eine eigene Klientel bilden. 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