{"id":1355,"date":"2012-06-06T13:16:21","date_gmt":"2012-06-06T11:16:21","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=1355"},"modified":"2012-06-06T13:16:21","modified_gmt":"2012-06-06T11:16:21","slug":"chance","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=1355","title":{"rendered":"Von der Chance der Ver\u00f6ffentlicher oder &#8211;       &#8230; aber es ern\u00e4hrt sich"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<br \/>\n<font size=\"3\">Ich sehe also, ob ich will oder nicht, einen Angriff auf das Printbuch.<br \/>\nAber ich sehe darin noch etwas anderes, n\u00e4mlich die Chance f\u00fcr Autoren.<br \/>\nAber nicht f\u00fcr die E-Book-Schreiber und -Ver\u00f6ffentlicher. Sondern f\u00fcr uns, die wir Nischenautoren waren und Nischenautoren bleiben.<\/p>\n<p>Schmerzhaft k\u00f6nnte es f\u00fcr die gro\u00dfen Verlage werden, und noch schmerzhafter f\u00fcr die Druckkostenzuschussverlage.<br \/>\nAber Kleinverlage und auch Selbstverleger bekommen durch diese Entwicklung eine gr\u00f6\u00dfere Chance.<br \/>\nDenn ich glaube sehr wohl, dass es immer Buchleser geben wird, wie es auch Menschen geben wird, die sich nicht von Fastfood ern\u00e4hren.<br \/>\nPrintbuchautoren k\u00f6nnen zu Biobauern f\u00fcr die Lesergemeinden werden.<\/p>\n<p>B\u00fccher kann heute jeder drucken lassen. Aber schreiben k\u00f6nnen sie auch heute nicht mehr Leute als vor Erfindung des Digitaldrucks.<br \/>\nJeder, der im Kleinverlag oder gar selbst verlegt hat, wei\u00df, was dann zu tun ist. Man muss Aussendungen machen, Telefonate f\u00fchren, sein reales Umfeld abklappern, Networking betreiben, Lesungen organisieren usw. Und verkauft B\u00fccher. An die Leute, die lesen. Und auch welche an jene, die etwas kaufen, weil sie es in ein Regal stellen wollen und das Buch sch\u00f6n aussieht. Oder beides. M\u00fchsam ern\u00e4hrt sich das Eichh\u00f6rnchen, aber es ern\u00e4hrt sich.<\/p>\n<p>F\u00fcr unsereins wird sich nichts \u00e4ndern. Im Gegenteil, werden die B\u00fccher weniger, steigt die Nachfrage nach denen, die es gibt.<br \/>\nDa B\u00fccher heute nicht mehr nur in Buchhandlungen verkauft werden, kommt es wieder darauf an, wie wir unsere Kreativit\u00e4t und Arbeitsleistung f\u00fcr unsere Werke einsetzen. Aber wir haben die Leser auf unserer Seite. Und zwar jene, die bereit sind, sich Qualit\u00e4t zu leisten, die unsere B\u00fccher bewusst w\u00e4hlen und denen ihre Freude daran etwas wert ist.<\/p>\n<p>Die Sparer und Schnorrer stehen auf der anderen Seite. Das Netz ist \u00fcbers\u00e4t von Leuten, die alles kostenlos haben wollen. Und es gibt gen\u00fcgend Futter f\u00fcr diese gefr\u00e4\u00dfigen M\u00e4uler.<br \/>\nMir pers\u00f6nlich erscheint es absolut nicht erstrebenswert, dort dazuzugeh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Das Argument vieler Autoren f\u00fcr ihre E-Book-Ver\u00f6ffentlichung &#8211; so werde ich wenigstens gelesen &#8211; hinkt an alle Beinen. Sie werden downgeloaded, aber gelesen? In einem Zeitalter, wo eindeutig viel weniger gelesen wird als jemals zuvor, sollen all die vielen E-Books gelesen werden?<\/p>\n<p>Ich bin Autorin, auch ich m\u00f6chte gelesen werden, keine Frage. Aber ich m\u00f6chte meine Leser erreichen. Und jeder einzelne, den ich erreiche ist mir viel wichtiger als 1.000 anonyme Downloads, die halt gerade get\u00e4tigt wurden, weil es so g\u00fcnstig ist und es deshalb nicht darauf ankommt, ob sie in der Masse auf  irgendwelchen Speichermedien verschimmeln.<\/p>\n<p>Die sp\u00fcrbaren Ver\u00e4nderungen werden in den gro\u00dfen Verlagen eintreten und &#8211; bei den Druckkostenzuschussverlagen. Und um die wird ja wohl niemand weinen, oder?<br \/>\nBOD k\u00f6nnte auch davon betroffen sein, denn viele Autoren, die einfach irgendwie ver\u00f6ffentlichen wollten, werden nun eben lieber das wesentlich g\u00fcnstigere E-Book w\u00e4hlen.<br \/>\nNur die ernsthaft Interessierten werden bleiben. Auch hier kann es also zu einer Qualit\u00e4tsverschiebung kommen. Und insgesamt wird sich das Image der Buchautoren dadurch wieder enorm verbessern, das in der letzten Zeit ja einige L\u00f6cher bekommen hat.<\/p>\n<p>Doch in unserem arbeitsreichen Nischendasein wird sich nichts \u00e4ndern. Denn wir haben ja noch unsere Leser. Diese wandern so rasch nicht ab. Und wenn sich auch das allgemeine Leseverhalten \u00e4ndert, so wird es doch immer welche geben. Es wird nicht mehr die Masse sein, aber auf <em>unserem<\/em> Markt wird auch nicht mehr so ein Gedr\u00e4nge sein.<\/p>\n<p>Vom Beruf des Schriftstellers zu leben, war immer schon schwierig, auch f\u00fcr die ganz gro\u00dfen Literaten, wie wir wissen. Der wird sicher nicht leichter. Aber wir Autoren, die wir schreiben, weil wir wirklich gelesen werden wollen, und nicht einfach nur verkaufen, wir werden auch weiter gelesen werden. Weil wir weiterhin <em>B\u00fccher<\/em> verkaufen werden.<\/p>\n<p>Auch wird in den gro\u00dfen Verlagen ein Umdenken stattfinden m\u00fcssen. Denn nun wird die Zeit kommen, wo nicht mehr auf einzelne Autoren und Produkte riesige Summen aufgewendet werden k\u00f6nnen. Wenn die Buchlesergemeinde kleiner wird, muss sie mit einer gr\u00f6\u00dferen Vielfalt versorgt werden, um ausreichende Gesch\u00e4fte machen zu k\u00f6nnen.<br \/>\nWenn man von einem Bestseller nicht mehr 1 Million B\u00fccher verkaufen kann, sondern nur mehr hunderttausend, wird man 10 Bestseller ver\u00f6ffentlichen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Das Verlags-E-Book ist sowieso nur ein Alibiprodukt, meines Erachtens nach.<br \/>\nDie gro\u00dfen Verlage haben mehr Angst vor ihren eigenen E-Books als vor der Internet-E-Book-Klientel. M\u00fcssen mehr Angst davor haben.<br \/>\nDenn sollten sie einmal von einem Bestsellerautor mehr E-Books verkaufen als Printb\u00fccher, dann k\u00f6nnte dieser doch glatt auf die Idee kommen, sich mit einem Lektor und Marketingfuzzi selbst\u00e4ndig zu machen. Denn dann braucht der auch keinen Verlag mehr. Ein E-Book-Verlag ist ein Laptop!<\/p>\n<p>Deshalb forcieren die Verlage auch so gerne diese Marktzahlen, dass das E-Book nur einen minimalen Prozentsatz ihres Umsatzes ausmacht. Logisch, weil sie es ja auch in keinster Weise f\u00f6rdern.<br \/>\nAber ich glaube das sogar, denn wie gesagt, auch ich finde, dass die E-Book-Gesellschaft, Schreiber wie Leser, eine ganz eigene Spezies ist, die als solche dem Printbuch nicht schaden wird k\u00f6nnen.<br \/>\nDie allgemeine Lese- und Sprachentwicklung wird die Marktsituation des Printbuchs ver\u00e4ndern, aber wie gesagt, das k\u00f6nnte f\u00fcr ernsthafte Autoren auch Chance bedeuten. <\/font><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ich sehe also, ob ich will oder nicht, einen Angriff auf das Printbuch. Aber ich sehe darin noch etwas anderes, n\u00e4mlich die Chance f\u00fcr Autoren. Aber nicht f\u00fcr die E-Book-Schreiber und -Ver\u00f6ffentlicher. 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