{"id":1499,"date":"2012-08-21T11:35:26","date_gmt":"2012-08-21T09:35:26","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=1499"},"modified":"2012-08-21T11:35:26","modified_gmt":"2012-08-21T09:35:26","slug":"die-gefalligkeitsrezension","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=1499","title":{"rendered":"Die Gef\u00e4lligkeitsrezension"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<br \/>\n<font size=\"3\">Ich rezensiere gern. Allerdings mache ich das sozusagen als schreiberische Finger\u00fcbung. Ich schreibe \u00fcber etwas, wor\u00fcber ich mir Gedanken mache. Schreiben ist nun mal mein t\u00e4glich Brot. Ohne Schreiben w\u00fcrde ich verhungern. Also denke ich, das ist eine gute \u00dcbung, wieder einmal in eine andere Art von Texten einzusteigen. Sozusagen eine textliche Herausforderung.<\/p>\n<p>Bei Theaterst\u00fccken ist alles so weit klar. Da habe ich etwas vorgegeben. Eine Auff\u00fchrung, die ich besucht habe. Das kommt nur ein paar Mal im Jahr vor. Da liegt meine pers\u00f6nliche Herausforderung darin, das auszudr\u00fccken, was ich dort empfunden habe. Auch wenn die Auff\u00fchrung nicht meinem Geschmack entsprach. Ich bin dort neutraler Besucher.<br \/>\nAber bei B\u00fcchern? Da gibt es so viele mehr in meinem Leben. Auch begleiten mich doch einige Autoren. Da muss ich ausw\u00e4hlen, was ich rezensiere. Und ich arbeite mit B\u00fcchern. Wei\u00df ein bisschen was von der Arbeit daran.<\/p>\n<p>Da ich ein Mensch bin, der sich nicht gern zu lange mit Negativem aufh\u00e4lt, bzw. das Negative nicht in den Vordergrund r\u00fccken will, ergibt es sich von allein, dass ich nur B\u00fccher rezensiere, die mir gefallen.<br \/>\nObwohl die Anzahl derer, die mir NICHT gefallen, wesentlich gr\u00f6\u00dfer ist &#8230;<\/p>\n<p>Immer wieder mache ich die Erfahrung, dass ich damit in einen Sog gerate, in dem ich eigentlich gar nicht sein m\u00f6chte.<br \/>\nHeute wird rezensiert, dass sich die Balken biegen.<br \/>\nAber nicht mehr um des Austauschs willen, sondern aus Marketinggr\u00fcnden.<\/p>\n<p>Bei etablierten Autoren und Verlagen ist es selbstverst\u00e4ndlich, dass gute Rezensionen den Verkauf eines Buches f\u00f6rdern k\u00f6nnen und klarerweise auch sollen. Andererseits hat es sich aber schon oft erwiesen, dass ein Verriss einen noch gr\u00f6\u00dferer Kaufanreiz darstellen kann. Da geht es also in erster Linie um Medienpr\u00e4senz. Darum, in aller Munde zu sein. Egal wie.<\/p>\n<p>Doch wie wir alle wissen, gibt es ja eine ganz neue Szene. Die sogenannten Indie-Autoren. Und dort geht es nicht um &#8222;aller Munde&#8220;, nicht um neutrale Leser, die angereizt werden sollen, sondern um die Dunstkreise der Autoren.<br \/>\nUnd unter diesen wurde eine eigene Rezensionsform geschaffen: Die Gef\u00e4lligkeitsrezension.<br \/>\nWie du mir, so ich dir. <\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ngnis bei diesen Rezensionen ist genau das gleiche, wie bei den B\u00fcchern selbst. Werden von einem Autor die Fehler seines Manuskriptes nicht erkannt und selbstbewusst ein Buch damit und daraus ver\u00f6ffentlicht, so habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Rezensent dieses einfach auf diesem Niveau \u00fcbernimmt. Kritik ist nicht gefragt.<br \/>\nUnd oft auch gar nicht m\u00f6glich. Einerseits weil der sprachliche Ausdrucksrahmen fehlt, den Eindruck eines Buches konstruktiv zu kritisieren, andererseits nat\u00fcrlich, weil dies nicht dem Sinn des Anliegens entspr\u00e4che. Und die Retourkutsche das eigene Werk in den Schlamm fahren k\u00f6nnte.<br \/>\nAber ein h\u00f6chst faszinierender Aspekt war f\u00fcr mich dennoch, als ich erkennen musste, dass Rezensenten diese B\u00fccher oft gar nicht gelesen haben! Oder nur Teile davon.<br \/>\nAber auch das ist ja nicht n\u00f6tig, Hauptsache, sie haben ihren Netzwerkdienst geleistet.<\/p>\n<p>Als Kritiker eines solchen Buches wird man sofort als Nestbeschmutzer angesehen. Die Lobby des Autors und seines Dunstkreises kehrt augenblicklich alles ins Gegenteil und stampft die Rezension, wie nat\u00fcrlich auch ein m\u00f6gliches Buch des Rezensenten in Grund und Boden.<\/p>\n<p>Mich fasziniert es immer wieder, wie unsere Gesellschaft heute tickt. Und selbstverst\u00e4ndlich deshalb auch die Schreiblandschaft. Niemand ist mehr interessiert daran, sich weiterzuentwickeln. Wof\u00fcr konstruktive Kritik unbedingt erforderlich ist. Nein, es wird sofort dem Anderen der Schwarze Peter zugespielt und wir tanzen weiter auf dem Vulkan der Eitelkeit und der daraus resultierenden Unantastbarkeit.<\/p>\n<p>An seinem Rand wahrscheinlich auch ich &#8230; <img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hs-verlage.at\/0smilies\/eigene\/0206.gif\" border=\"0\"><\/p>\n<p>Aber mit Gef\u00e4lligkeitsrezensionen habe ich nichts am Hut! Da t\u00e4te mir leid um die Zeit, die ich daf\u00fcr aufwenden m\u00fcsste. Und \u00fcber ein Buch, das ich weglegen musste, weil es so langweilig war, dass ich nicht weiterlesen wollte oder gar, weil die Fehler meine Augen beleidigten, werde ich nie und nimmer \u00f6ffentlich etwas schreiben, auch wenn es aus meinem Bekanntenkreis kommt.<br \/>\nIn diesem Fall w\u00fcrde ich still und leise versuchen, im direkten Kontakt auf die M\u00e4ngel hinzuweisen. Wenn m\u00f6glich. Wenn der Autor das zul\u00e4sst. Mein Freundschaftsdienst best\u00fcnde in diesem Fall in KEINER Rezension.<\/p>\n<p>Wenn ich eine Rezension schreibe, dann tue ich meine pers\u00f6nliche Meinung kund, dazu will und muss ich stehen k\u00f6nnen. Ich tausche mich gerne dar\u00fcber aus, aber es ist niemals eine Kaufaufforderung! Das m\u00f6chte ich aus aktuellen Gr\u00fcnden hier unbedingt vermerken!<\/p>\n<p>Ach ja, und selbstverst\u00e4ndlich: Auch umgekehrt ist das so. Ich lege ebenfalls f\u00fcr meine B\u00fccher keinen Wert auf Gef\u00e4lligkeitsrezensionen! Und freue mich dar\u00fcber, wenn mir jemand Kritik pers\u00f6nlich zukommen l\u00e4sst. Ich vertrage sie und hinterfrage meine Texte IMMER danach! <\/font><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Ich rezensiere gern. Allerdings mache ich das sozusagen als schreiberische Finger\u00fcbung. Ich schreibe \u00fcber etwas, wor\u00fcber ich mir Gedanken mache. 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