{"id":1747,"date":"2012-11-06T11:53:03","date_gmt":"2012-11-06T10:53:03","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=1747"},"modified":"2012-11-06T11:53:03","modified_gmt":"2012-11-06T10:53:03","slug":"das-madl-aus-der-vorstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=1747","title":{"rendered":"Das M\u00e4dl aus der Vorstadt &#8211; Burgspiele Hainburg &#8211; 4.11.2012"},"content":{"rendered":"<p><font size=\"3\"><br \/>\n<strong>Das M\u00e4dl aus der Vorstadt<\/strong> von <strong>Johann Nestroy<\/strong><\/p>\n<p>Einige Nestroy-Inszenierungen habe ich in den letzten Jahren gesehen.<br \/>\nIn ber\u00fchmten Theatern, mit Schauspielern mit klingenden Namen.<br \/>\nWer meine Rezensionen verfolgt, wei\u00df, dass sie mich alle beinahe frustriert zur\u00fccklie\u00dfen. Auf jeden Fall so frustriert, dass ich mein Theater-Abo in diesem Jahr gek\u00fcndigt habe, weil ich, unzeitgem\u00e4\u00df wie ich bin, das Regietheater nicht goutiere. Es mir Theaterabende nicht zum Genuss bereitet.<\/p>\n<p>Diesmal habe ich mich nach Hainburg begeben. Zu den <a href=\"http:\/\/www.burgspiele-hainburg.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Burgspielen Hainburg<\/a> in deren Studiotheater im Kulturbahnhof, mit einer Winzigb\u00fchne und 35 Sitzpl\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Was ich dort erlebt habe? Nestroy vom Feinsten!<br \/>\nWer aufmerksam liest, dem ist sicher gleich aufgefallen, dass ich nicht schrieb, was ich hier <em>gesehen<\/em> habe.<br \/>\nZu fulminant war das Ereignis, das eine Handvoll Nebenerwerbsschauspieler, auf die Bretter brachte, die ihre Welt bedeuten.<\/p>\n<p>Unter der Regie von <strong>Erna Frank<\/strong>, der jahrzehntelangen Intendantin der Burgspiele, wurde hier mitrei\u00dfendes Theater geboten, an dem Nestroy mit Sicherheit selber sehr viel Freude gehabt h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Allen voran brillierte ein blendend aufgelegter <a href=\"http:\/\/www.meinbezirk.at\/hainburg-an-der-donau\/leute\/wilhelm-frank-spielt-schnoferl-einen-winkelagenten-m3189446,380009.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Wilhelm Frank<\/strong><\/a> als <strong>Schnoferl<\/strong>, der verliebte Winkeladvokat.<br \/>\nIn der Rolle, die sich wohl Nestroy auf den Leib geschrieben hatte, blieb nicht ein Millimeter Kluft zu der Vorstellung, wie ihn dieser gespielt h\u00e4tte. Niemals in den letzten Jahren hat mich einer der ber\u00fchmten Schauspieler, die ich in seinen Leibrollen sah, derart \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Ihm zur Seite in der Rolle der <strong>Frau von Erbsenstein<\/strong> eine k\u00f6stlich malizi\u00f6se <a href=\"http:\/\/www.meinbezirk.at\/hainburg-an-der-donau\/leute\/gabriela-polasek-und-erna-frank-in-das-maedl-aus-der-vorstadt-m3189443,380009.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Gabriela Polasek<\/strong><\/a>, die aber unter ihrer Geziertheit die einerseits unsichere, andererseits nach Emanzipation strebende und zu guter Letzt warmherzige Frauensperson erkennen lassen konnte.<\/p>\n<p>Ein nahezu Naturereignis &#8211; <strong>Thomas H\u00e4ringer<\/strong> als jugendlicher Liebhaber <strong>Herr von Gigl<\/strong>. Seine kom\u00f6diantischen Ausdrucksm\u00f6glichkeiten sind enorm, seine Stimme lie\u00df den kleinen Raum erbeben, wenn er seinen Emotionen freien Lauf lie\u00df.<\/p>\n<p>Der Rest des <strong>Ensembles<\/strong> bot ebenfalls keinen Schwachpunkt. Jeder trug in seiner Rolle gekonnt, aber auch sp\u00fcrbar freudig zum Gelingen dieses wunderbaren Theaterabends bei. <\/p>\n<p>Fehlt noch die Prinzipalin.<br \/>\nAus der Not, zu wenige m\u00e4nnliche Darsteller in ihrem Ensemble zu haben, um dem Wunsch folgen zu k\u00f6nnen, dieses St\u00fcck aufzuf\u00fchren, wurde sie, wie sie in einem kleinen literarischen Vorspiel darstellt, von Nestroys Geist pers\u00f6nlich dazu angehalten, die Rolle des <strong>Herrn von Kauz<\/strong> zu  \u00fcbernehmen.<br \/>\nEine wunderbare Idee, Herr Nestroy!<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.meinbezirk.at\/hainburg-an-der-donau\/leute\/erna-frank-als-kauz-m3189445,380009.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Erna Frank<\/strong><\/a> konnte mit ihrer Spielfreude diesem alternden und schleimigen Grapscher k\u00f6stliche Pr\u00e4senz geben.<\/p>\n<p>Die Vorstellung dauerte mit kurzer Pause 3 Stunden! Und nicht eine Minute davon kam Langeweile auf.<br \/>\nDa k\u00f6nnten sich einige Regiegr\u00f6\u00dfen ein Scheibchen abschneiden.<\/p>\n<p>Denn die Handlung dieses Nestroy-St\u00fcckes ist absolut zeitgem\u00e4\u00df, auch wenn sie in eine authentische Auff\u00fchrung verpackt ist. Ein m\u00fcndiger und literaturbegeisterterter Theaterbesucher ben\u00f6tigt daf\u00fcr keine nackten W\u00e4scherm\u00e4dln und erkennt einen M\u00f6chtegernverf\u00fchrer auch ohne offenen Hosenschlitz.<\/p>\n<p>Die Spekulation mit fremdem Geld, das Zum-S\u00fcndenbock-machen des schw\u00e4chsten Glieds, die \u00fcberhebliche Verantwortungslosigkeit den Opfern gegen\u00fcber, die Scheinheiligkeit, die Gier nach dem gro\u00dfen, aber auch dem kleinen Gl\u00fcck, der Kampf der Frauen um gleichgestellte Positionen. All das braucht kein neues Gewand, es ist in dem alten, das Nestroy mit Wortgewalt und Humor anfertigte, viel eindrucksvoller anzusehen.<\/p>\n<p>Die Kritik an der Gesellschaft braucht keine Comic-Darstellung, sondern Komik in der Darstellung, um auf unterhaltsame Weise die K\u00f6pfe der Menschen zum Denken anzuregen.<br \/>\nNestroy hat ja aus gutem Grund keine dunklen metaphorischen Trag\u00f6dien geschrieben, er war ein kluger Mann.<\/p>\n<p>Ich kann sagen, ich habe diesen Theaterabend voll genossen.<br \/>\nEs war dies die letzte Vorstellung, ich kann also nicht empfehlen, ebenfalls hinzugehen. Aber da ich schon andere Inszenierungen der <a href=\"http:\/\/www.burgspiele-hainburg.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Burgspiele Hainburg<\/a> erlebte, die allesamt sehenswert waren, empfehle ich gern, sich \u00fcber die neuen Produktionen zu informieren und rechtzeitig Karten zu reservieren. Denn sie sind &#8211; absolut verdienterma\u00dfen &#8211; immer sehr rasch ausverkauft &#8230;<\/font><\/p>\n<p>\u00a9 evelyne w.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das M\u00e4dl aus der Vorstadt von Johann Nestroy Einige Nestroy-Inszenierungen habe ich in den letzten Jahren gesehen. In ber\u00fchmten Theatern, mit Schauspielern mit klingenden Namen. Wer meine Rezensionen verfolgt, wei\u00df, dass sie mich alle beinahe frustriert zur\u00fccklie\u00dfen. 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