{"id":2160,"date":"2013-01-22T13:11:34","date_gmt":"2013-01-22T12:11:34","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=2160"},"modified":"2013-01-22T13:11:34","modified_gmt":"2013-01-22T12:11:34","slug":"gedanken-uber-das-sterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=2160","title":{"rendered":"Gedanken \u00fcber das Sterben"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<br \/>\n<font size=\"3\">Der Tod ist ein Freund. Ein Freund der Liebe.<br \/>\nEinem Toten kann man reine Liebe schenken.<\/p>\n<p>Im Leben wird die Liebe abgelenkt von K\u00f6rperlichkeiten, von Stimmungen, die Kommunikation verlangt den Ausdruck der Liebe.<\/p>\n<p>Nach dem Tod des geliebten Menschen bleibt nur die N\u00e4he. Das reine Geben dessen, was man in sich findet. Das reine Nehmen dessen, was der Andere geben konnte und es dadurch noch immer kann.<\/p>\n<p>Die Trauer bezieht sich auf den Verlust des realen Bezugs.<br \/>\nMenschen kann man nicht besitzen, also kann man sie auch nicht verlieren.<br \/>\nAuch die Liebe kann man nicht besitzen, also kann man auch sie nicht verlieren.<\/p>\n<p>Traurigkeit ist ein warmes Gef\u00fchl, das Verbindung herstellt, zu dem, weshalb man traurig ist. Tr\u00e4nen sp\u00fclen die Seele.<br \/>\nDie Traurigkeit bezieht sich meistens auf die Erinnerung an sch\u00f6ne Zeiten, gl\u00fcckliche Erlebnisse. Und das ist gut und das ist richtig. Und so soll es bleiben. Wenn man diese Traurigkeit annimmt, dann wandelt sie sich langsam und von allein in un\u00fcberschattete Liebe, die von \u00c4u\u00dferlichkeiten nicht abh\u00e4ngig ist. Die Erinnerungen werden wieder gl\u00fcckhaft empfunden und stellen wieder N\u00e4he her.<\/p>\n<p>Manchmal bezieht sich der Verlustschmerz auf die Unwiederbringlichkeit der M\u00f6glichkeit, Verst\u00e4ndigung herzustellen. Aber auch hier ist dieser Verlust im vorangegangen Leben angesiedelt und nicht der Tod ist daf\u00fcr verantwortlich zu machen. Wer seine Belange rechtzeitig kl\u00e4rt, dem wird auch hier kein Verlust erwachsen.<\/p>\n<p>Der Umgang mit einem Demenzkranken ist eine gute Vorbereitung auf den Weggang.<br \/>\nLangsam kommt man auf die Spur, wo es nur Hinwendung zu dem Anderen gibt.<br \/>\nWeil er nur mehr sich selbst zur\u00fcckgeben kann.<br \/>\nDer Verlust findet gem\u00e4chlich statt, hinterl\u00e4sst deshalb keine schmerzende L\u00fccke.<\/p>\n<p>Wer ohne den Anderen nicht leben zu k\u00f6nnen glaubt, der w\u00fcnscht sich das sicher nicht mehr, wenn er erkennen muss, wie das Leben des Geliebten immer beschwerlicher wird und keine Hoffnung auf Besserung besteht.<br \/>\nMan kann zwar lange Zeit dennoch viel Qualit\u00e4t in der Gemeinsamkeit finden, aber wenn nur mehr  das Leiden das Leben des Anderen bestimmt, kann man als Liebender diese Egozentrik nicht aufrecht erhalten.<br \/>\nDie Linderung und Akzeptanz stehen dann wohl im Vordergrund, doch die W\u00fcnsche k\u00f6nnen einfach nicht in die Richtung Verl\u00e4ngerung der Anwesenheit auf der Erde liegen, die dem eigenen Besitzanspruch entsprechen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Interessant sind f\u00fcr mich auch die Erkenntnisse, wie Menschen mit dem Sterben umgehen.<br \/>\nDie meisten besetzen das Sterben des Anderen mit der eigenen Angst.<br \/>\nDie Hinwendung zum Anderen w\u00fcrde diese Angst aufheben. Aber bei Vielen ist die Angst zu gro\u00df.<br \/>\nWas kein Vorwurf ist! Sondern eine Erkenntnis.<\/p>\n<p>Ausspr\u00fcche wie &#8222;Ich gehe nicht hin, weil ich will ihn\/sie so in Erinnerung behalten, wie &#8230;&#8220; oder &#8222;Es hat ja keinen Sinn, er\/sie kriegt ja nix mehr mit&#8220;, tun mir pers\u00f6nlich in der Seele weh.<\/p>\n<p>Einen geliebten Menschen begleiten zu k\u00f6nnen, ist eine gro\u00dfe Gnade. Die vieles von allein relativiert. Man sieht die Ver\u00e4nderung gar nicht, weil die liebende Schau sich auf anderes konzentriert. Man verlangt von dem Sterbenden nicht, dass er aussieht, wie man ihn ertr\u00e4gt. Man tr\u00e4gt mit ihm.<br \/>\nUnd kann deshalb den Wunsch nach Erl\u00f6sung aus aufrichtigem Herzen w\u00fcnschen und nicht als Floskel in den Raum stellen, die einen selber noch \u00e4ngstlicher macht.<br \/>\nEntspricht sie doch nur dem Wunsch, selber von dem Leiden erl\u00f6st zu werden, den Anblick des Anderen ertragen zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Viele Menschen sagen, so oder so m\u00f6chte ich nicht sterben, das ist menschenunw\u00fcrdig. Diese Menschen k\u00f6nnen nicht erkennen, dass auch ein leidvolles Sterben zum pers\u00f6nlichen Weg geh\u00f6rt, der in die Akzeptanz einerseits des eigenen Lebens, wie auch andererseits des eines Anderen, fallen muss, und dass gerade der Mensch daf\u00fcr ausger\u00fcstet ist, damit liebevoll umzugehen.<br \/>\nDas ist absolut menschenw\u00fcrdig!<br \/>\nDieser Ausspruch wird einzig davon gen\u00e4hrt, dass die gro\u00dfe Einsamkeit die eigentliche Angst ist und sie streuen deshalb Floskeln, die sie selber beruhigen sollen. Es aber niemals k\u00f6nnen.<br \/>\nDenn in Wahrheit haben sie Angst vor dem, wie sie mit Sterben umgehen und f\u00fcrchten sich davor, dass es ihnen genauso ergehen wird, sie bestenfalls in die Obhut pflegerischer Betreuung abgeschoben werden. Doch diese gro\u00dfe Einsamkeit kommt daher, dass sie selber sie nicht \u00fcberwinden k\u00f6nnen. Aber bereits im Leben, nicht erst im Sterben. <\/p>\n<p>Manchmal trifft es mich auf dem falschen Fu\u00df, wenn ich meinen Weg der Begleitung durch Krankheit, Demenz oder Sterben gehe und mir dann von Jemandem, der an der T\u00fcr stehen bleibt und sich dort in Tr\u00e4nen aufl\u00f6st und wieder davonrennt, sagen lassen muss:<br \/>\n&#8222;Ich bewundere dich. Ich kann das nicht. Ich hab da zuviel Gef\u00fchl daf\u00fcr, bin nicht so hart wie du &#8230;&#8220;<\/p>\n<p>Aber nur manchmal, meistens bin ich gl\u00fccklich, dass ich es anders gelernt habe. Gelernt habe, das Selbstmitleid so gut als m\u00f6glich aus meinem Leben auszuschalten und es wirklich nur darauf zu reduzieren, wo es auch tats\u00e4chlich mich betrifft.<br \/>\nUnd Trauer annehmen zu k\u00f6nnen, wie sie auch Trost gibt.<\/font><\/p>\n<p>\u00a9 evelyne w.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Der Tod ist ein Freund. Ein Freund der Liebe. Einem Toten kann man reine Liebe schenken. Im Leben wird die Liebe abgelenkt von K\u00f6rperlichkeiten, von Stimmungen, die Kommunikation verlangt den Ausdruck der Liebe. Nach dem Tod des geliebten Menschen bleibt nur die N\u00e4he. Das reine Geben dessen, was man in sich findet. Das reine [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[7,19],"tags":[250,276,77,368,424,478,494,496],"class_list":["post-2160","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-wichtigkeit-des-seins","category-philosophische-gedanken","tag-abschied","tag-begleitung","tag-demenz","tag-krankheit","tag-nahe","tag-sterben","tag-tod","tag-trauer"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p3ZwSb-yQ","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2160","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2160"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2160\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2160"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2160"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2160"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}