{"id":2318,"date":"2013-02-15T15:14:02","date_gmt":"2013-02-15T14:14:02","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=2318"},"modified":"2013-02-15T15:14:02","modified_gmt":"2013-02-15T14:14:02","slug":"ausloschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=2318","title":{"rendered":"\u00dcber &#8222;Die Ausl\u00f6schung&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<br \/>\n<font size=\"3\">Am Mittwoch lief bei uns im Fernsehen <a href=\"http:\/\/www.filmfonds-wien.at\/filme\/die-ausloeschung\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Die Ausl\u00f6schung&#8220;<\/a>, mit Klaus Maria Brandauer.<br \/>\nAlso einmal sogar f\u00fcr mich Fernseh-Pflichttermin.<br \/>\nDa ich mich seinerzeit \u00fcber sein <a href=\"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/2012\/05\/29\/prominentenmund\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Statement <\/a>ausgelassen habe, wollte ich nun nat\u00fcrlich auch den Film sehen. Und von der Thematik her f\u00e4llt er sowieso in mein Interessensgebiet.<\/p>\n<p>Nun ja, was soll ich sagen?<br \/>\nNicht schlecht. Ist schon das h\u00f6chste der Gef\u00fchle, das ich sagen kann.<\/p>\n<p>Ernst Lemden, ein brillanter Kunsthistoriker und Denker verliebt sich in die wesentlich j\u00fcngere Judith.<br \/>\nGro\u00dfe Liebe, doch nach kurzer Zeit bekommt Ernst die Diagnose: Alzheimer.<br \/>\nJudiths Liebe wird ihn durch diese Krankheit begleiten.<br \/>\nEine an sich sch\u00f6ne Liebesgeschichte. Und in einigen Szenen auch wirklich sehr ber\u00fchrend.<\/p>\n<p>Jedoch &#8211;<br \/>\nDie Geschichte erschien mir viel zu gesch\u00f6nt. Nicht nur von Status, Umfeld und Ambiente her.<br \/>\nDie &#8222;Ausl\u00f6schung&#8220; des Prof. Lemden wurde im Zeitraffer dargestellt, was ja wohl auch nicht anders m\u00f6glich ist. Aber dadurch entstand eine Verharmlosung des Alltags. Vieles wurde f\u00fcr den Zuschauer gar nicht erkennbar, vor allem nicht f\u00fcr einen, der mit diesen Situationen nicht selber konfrontiert ist. Beispielsweise die Zerm\u00fcrbung durch den t\u00e4glichen Kampf. Der Verfall der k\u00f6rperlichen Funktionen wurde total ausgespart.<br \/>\nIch denke, als Autor und guter Regisseur h\u00e4tte man da Mittel und Wege finden k\u00f6nnen, dies einzubeziehen.<\/p>\n<p>Auch wei\u00df ich nicht genau, ob nicht ungl\u00fccklich geschnitten wurde, weil Manches, wie das Ausbleiben der Besuche der Kinder, nicht aus der Geschichte erwuchs, sondern man es lediglich nachher vermuten konnte, dass die Tochter ab irgendeinem Zeitpunkt gar nicht mehr kam. Und der Sohn halt irgendwann einmal auftauchte. Und nicht klar wurde, ob der Vater ihn nun noch erkannte oder nicht. Dass er in mit Sie ansprach, erschien mir als Indiz zu wenig, weil der an sich gro\u00dfartig spielende Brandauer, gerade in dieser Szene eher verschmitzte Z\u00fcge zeigte. Er k\u00f6nnte mit dem Sohn also auch ein Spiel gespielt haben (wie wir alle, die mit Dementen zu haben, wissen, dass dies sehr leicht m\u00f6glich ist).<br \/>\nGut, vielleicht wollte in dieser Szene genau das erreicht werden, also die Perspektive auf die Situation des Sohnes gelenkt werden, der das sicher auch nicht wusste.<\/p>\n<p>Aber dennoch fehlte mir pers\u00f6nlich dieser Wegfall der Familie, ihre Statements, warum sie nicht kommen, die man in der Realit\u00e4t so oft h\u00f6rt. Ihre eigenen K\u00e4mpfe.<br \/>\nEine Schauspielerin, wie Birgit Minichmayr lediglich darauf zu reduzieren, dass sie einmal einen Satz sagt, in der Art: Ich komme gar nicht mehr gern &#8230; Ihr keine M\u00f6glichkeiten zu geben, die Tiefen ihres inneren Konflikts zu zeigen &#8230;<br \/>\nSie war mit Sicherheit unter Wert verkauft. Und auch hier glaube ich, dass der Schnitt daf\u00fcr verantwortlich ist. Denn dass sich Birgit Minichmayr f\u00fcr so eine blasse Rolle hergegeben h\u00e4tte, kann ich mir gar nicht vorstellen.<\/p>\n<p>Die Rolle der Judith (Martina Gedeck) wiederum ist f\u00fcr mich viel zu &#8222;liebevoll&#8220;. Ich meine, die Frau zeigt ein Herz wie ein Bergwerk. Die Liebe ist ihre Antriebskraft und das ist gut. Aber als liebende Begleiterin eines solchen Partners ist man nicht nur immer milde l\u00e4chelnd und \u00fcber den Dingen schwebend unterwegs.<br \/>\nDa k\u00e4mpft man mit Vielem!<\/p>\n<p>Judith zeigt nur zweimal wirklich tiefe seelische Problematiken auf. Das erschien mir vollkommen unrealistisch. Und auch Martina Gedeck wurde deshalb f\u00fcr mich weit unter ihrem Wert eingesetzt. Denn dass diese es drauf h\u00e4tte, diese Abgr\u00fcnde darzustellen, daran besteht f\u00fcr mich kein Zweifel.<\/p>\n<p>Brandauer. No ja, wie eingangs erw\u00e4hnt: Nicht schlecht. Er kann schon was, das ist klar.<br \/>\nAber vielleicht h\u00e4tte ich damals sein <a href=\"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/2012\/05\/29\/prominentenmund\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Statement <\/a> nicht lesen sollen, denn nun verk\u00f6rperte er f\u00fcr mich: Brandauer!<\/p>\n<p>Nun m\u00f6chte ich noch auf das Ende des Filmes eingehen. Wer den Film noch nicht gesehen hat und sich die Spannung bewahren m\u00f6chte, der sollte also hier aufh\u00f6ren weiterzulesen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die T\u00f6tung auf Verlangen.<br \/>\nDass ich als Liebesforscherin nicht daf\u00fcr bin, ist klar.<br \/>\nUnd gerade in diesem Film kam das f\u00fcr mich so stark heraus, was ich selber im Umgang mit der Demenz immer wieder erlebe.<br \/>\nDie Projektion der eigenen \u00c4ngste auf diesen Zustand.<br \/>\nHier wurde ein Mensch (auf seinen eigenen Wunsch) get\u00f6tet, der so lange er noch &#8222;denken&#8220; konnte, keinen Sinn in seinem Leben sah, wenn er einmal nicht mehr denken konnte.<br \/>\nUnd diese T\u00f6tung von einem Anderen forderte!<\/p>\n<p>Aber man sah, dass Ernst bis zuletzt Gef\u00fchle hatte. Sich an Einigem erfreuen konnte. An den Besuchen bei den Tieren, dass er Freude empfand im Umgang mit Judith (auch wenn er sie schon lange Anna nannte). Der alte Spr\u00fcche aufsagte und selbstverst\u00e4ndlich auch manchmal ungl\u00fccklich war.<br \/>\nAber war Brandauer, \u00e4h-hm Ernst Lemden, denn fr\u00fcher auch immer nur gl\u00fccklich in seinem Leben? Und hat er sich deshalb jedes Mal umgebracht oder von jemandem gar gefordert, ihn umzubringen, wenn er grad nicht gl\u00fccklich war?<\/p>\n<p>Judith war an sich nicht dazu bereit. Sie liebte Ernst und h\u00e4tte wohl auch ein anderes Ende mit ihm getragen. Der Zwiespalt, als sie doch umkehrte, war auch so eine Szene, die f\u00fcr mich viel zu platt daher kam. Zu kurz und der Kampf war nicht wirklich erkennbar.<br \/>\nJudith hat ihren Ernst nicht deshalb get\u00f6tet, weil <em>sie<\/em> seinen Anblick, den Umgang mit ihm nicht mehr ertragen hat (das war nicht <em>ihre<\/em> Projektion!), sondern weil sie glaubte, ihm damit einen Liebesdienst zu erweisen.<br \/>\nDoch dieser Glauben ist mit Sicherheit ein Aberglauben!<br \/>\nEin liebevoller Mensch wie Judith kann in seinem Leben wohl \u00fcber die Begleitung des Leidens und den Tod eines geliebten Menschen hinwegkommen, aber niemals \u00fcber eine T\u00f6tung!<br \/>\nUnd deshalb finde ich es immer h\u00f6chst anma\u00dfend von einem Menschen, von einem Anderen diesen &#8222;Liebes&#8220;dienst zu fordern!<\/p>\n<p>Und auch dies wurde Frau Gedeck nicht gestattet, hier zu zeigen.<\/p>\n<p>Wie man sieht, von der propagierten Gro\u00dfartigkeit war dieser Film f\u00fcr mich weit entfernt. Und von Realit\u00e4t auch.<br \/>\nSchade um die vertane Chance, denn mit solchen Schauspielern w\u00e4re sicher Besseres m\u00f6glich gewesen. <\/font><\/p>\n<p>\u00a9 evelyne w.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Am Mittwoch lief bei uns im Fernsehen &#8222;Die Ausl\u00f6schung&#8220;, mit Klaus Maria Brandauer. Also einmal sogar f\u00fcr mich Fernseh-Pflichttermin. Da ich mich seinerzeit \u00fcber sein Statement ausgelassen habe, wollte ich nun nat\u00fcrlich auch den Film sehen. Und von der Thematik her f\u00e4llt er sowieso in mein Interessensgebiet. Nun ja, was soll ich sagen? 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