{"id":3037,"date":"2013-09-08T12:56:02","date_gmt":"2013-09-08T10:56:02","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=3037"},"modified":"2013-09-08T12:56:02","modified_gmt":"2013-09-08T10:56:02","slug":"gedanken-uber-die-unerkannte-gewalt-i-sprache","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=3037","title":{"rendered":"Gedanken \u00fcber . . . die unerkannte Gewalt &#8211; I. Sprache"},"content":{"rendered":"<p><font size=\"3\"><br \/>\n<strong>Die unerkannte Gewalt<\/strong> in der Sprache<\/p>\n<p>Frieden. Ein Thema, das derzeit sehr poplu\u00e4r ist. In Gespr\u00e4chen. Sonst leider nicht.<br \/>\nUnd ich lausche den Diskussionen und kann bereits in den Gespr\u00e4chen den Frieden nicht entdecken.<\/p>\n<p>Der Frieden wird  mit Anschuldigungen, Ausgrenzungen, Sanktionen und Lobbybildung gefordert. In Kontroversen ausgedr\u00fcckt.<br \/>\nUnd ich denke: Auch Frieden ist offensichtlich nur ein Wort.<\/p>\n<p>Was scheinbar allen Menschen fehlt, ist eine bestimmte Fertigkeit: n\u00e4mlich die Friedfertigkeit. Diese hei\u00dft nicht ohne Grund so. Denn sie erfordert eine gewisse Fertigkeit, also ein gewisses K\u00f6nnen. Dieses muss von der Menschheit aber erst erlernt werden. Denn wie die Geschichte zeigt, ist mit den bisher angewandten Methoden kein Frieden erreicht worden.<br \/>\nFrieden erfordert vom Menschen FriedlichSEIN. Dieses Friedlichsein kann man jedoch selbstverst\u00e4ndlich weder erzwingen, noch vereinbaren. Friedlichsein kann \u2013 ja muss \u2013 jeder f\u00fcr sich selbst erlernen. Das bringt dann den Frieden in die Welt.<\/p>\n<p>Wir aber fordern Frieden, ohne uns darum zu k\u00fcmmern, selbst diese Fertigkeit zu erlangen.<\/p>\n<p>Verh\u00e4ngnisvoll steht dem entgegen, dass von Vielen die Gewalt nicht mehr als solche erkannt wird. Die hohe Flut an Information, die unser Zeitalter mit sich bringt, hat dem Menschen die F\u00e4higkeit genommen, Gewalt abzulehnen. Es ist dies ein Akt der Massenverdr\u00e4ngung. Nur so kann der Mensch wohl \u00fcberhaupt mit ihr leben. W\u00fcrde er das Ausma\u00df selbst erfassen m\u00fcssen, ginge er daran zugrunde.<br \/>\nDeshalb ist sie f\u00fcr uns zu einem notwendig erscheinenden  Zubeh\u00f6r des Friedens geworden. Ein solcher Bestandteil unseres Alltags, dass wir sie erst wahrnehmen, wenn unser eigener Schmerz uns darauf hinweist. Der Schmerz des Anderen bleibt hinter der Netzhaut stecken. Manchmal auch schon davor.<\/p>\n<p>Als schreibender Mensch nehme ich mit gro\u00dfer Best\u00fcrzung eine Ver\u00e4nderung der Sprache zur Verrohung wahr, die einerseits eine logische Folge ist, andererseits nat\u00fcrlich enorm dazu beitr\u00e4gt, die unerkannte Gewalt hinzunehmen.<br \/>\nDies ist aber leider nicht nur in der Umgangssprache so, sondern wird von den kulturellen Tr\u00e4gern bereitwilligst \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Wenn wir uns n\u00e4her anschauen, in welchen Worten heute ver\u00f6ffentlicht wird, dann werden wir rasch erkennen, dass in Texten, Theaterst\u00fccken und Drehb\u00fcchern nur wenig an Friedfertigkeit vorhanden ist. Nicht nur vom Inhalt her, sondern auch die Sprache an sich hat an Aggressivit\u00e4t enorm zugelegt. Ich bin keine gro\u00dfe Fernseherin, aber wenn ich gerade am Fernseher mal vorbeigehe, dann f\u00e4llt mir auf, dass da beinahe immer nur herausgebellt wird.<\/p>\n<p>Ich kann mich erinnern, dass in fr\u00fcheren Jahren, vor allem von den \u00f6ffentlich rechtlichen Anstalten, gro\u00dfer Wert auf eine sorgf\u00e4ltige und richtige Sprache gelegt wurde. Handelte es sich doch wohl auch um einen Kulturauftrag. Es galt schon als Skandal, wenn ein Nachrichtensprecher einen grammatikalisch falschen Satz sprach.<br \/>\nAbgesehen davon, dass heute Redewendungen verwendet werden, die von Sprachkultur weit entfernt sind, wird den Produktionen, die nat\u00fcrlich der Quote geschuldet sind, eine Normalit\u00e4t zugrundegelegt, in der sich die Protagonisten ausschlie\u00dflich r\u00fcden Umgangstones beflei\u00dfigen. F\u00e4kalsprache, Schimpfworte, Hetze eingeschlossen. Selbst in Liebesszenen gibt es keine leisen T\u00f6ne mehr, sondern muss geschrieen und verst\u00fcmmelt gesprochen werden.<br \/>\nUnd interessanterweise bringen solche Produktionen tats\u00e4chlich die besten Quoten und auch die gr\u00f6\u00dfte Resonanz. <\/p>\n<p>Die Literatur konnte sich diesem Wandel selbstverst\u00e4ndlich nicht entziehen. Waren es fr\u00fcher wohl Ausnahmen, wenn umgangssprachlich ver\u00f6ffentlicht wurde, so ist das nicht Thema meines heutigen Beitrags. Die Verwendung der Umgangssprache an sich ist nicht das Verh\u00e4ngnis, sondern WIE sich die Umgangssprache ver\u00e4ndert hat. Und wie sich durch deren Ver\u00f6ffentlichung die unerkannte Gewalt in unser t\u00e4gliches Leben schleicht.<\/p>\n<p>Ich habe vor einiger Zeit eine Serie \u00fcber die <a href=\"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/2013\/02\/19\/die-schreibtischtater-i\/\" target=\"_blank\" title=\"schreibtischtaeter\" rel=\"noopener\">Schreibtischt\u00e4ter<\/a> geschrieben. Die Reaktionen haben mir gezeigt, wie wenig die Sensibilit\u00e4t f\u00fcr dieses Problem in der Allgemeinheit verankert ist. Wie sehr das Nichtk\u00f6nnen der Friedfertigkeit als normal \u2013 ja dar\u00fcber hinausgehend sogar als wertvoll, weil angeblich k\u00fcnstlerisch \u2013 angesehen wird.<\/p>\n<p>Heute wende ich mich deshalb nicht an die Ausf\u00fchrenden, sondern an die Leser, Konsumenten, Nutzer und Anwender.<\/p>\n<p>Frieden beginnt mit Friedfertigkeit und die Sprache ist ein wichtiges Instrument daf\u00fcr. Erkennen wir die unerkannte Gewalt in unserem Sprachgebrauch und tragen wir selber dazu bei, Friedfertigkeit auf diese Weise in die Welt zu tragen. Ein erster \u2013 aber sehr wichtiger Schritt! <\/font><\/p>\n<p>\u00a9 evelyne w.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die unerkannte Gewalt in der Sprache Frieden. Ein Thema, das derzeit sehr poplu\u00e4r ist. In Gespr\u00e4chen. Sonst leider nicht. 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