{"id":485,"date":"2011-04-30T11:55:09","date_gmt":"2011-04-30T09:55:09","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.wordpress.com\/?p=485"},"modified":"2011-04-30T11:55:09","modified_gmt":"2011-04-30T09:55:09","slug":"der-parasit-burgtheater-wien-29-4-2011","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=485","title":{"rendered":"der parasit &#8211; burgtheater wien, 29.4.2011"},"content":{"rendered":"<p><font size=\"3\"><br \/>\n<strong>der parasit &#8211; oder die kunst sein gl\u00fcck zu machen<\/strong><\/p>\n<p>ich gestehe, ich hatte bisher von diesem werk schillers nichts geh\u00f6rt &#8230;<\/p>\n<p>es handelt sich dabei allerdings um die umarbeitung eines st\u00fcckes von louis benoit picard &#8211; und wird oftmals als ledigliche &#8222;\u00fcbersetzung&#8220; gef\u00fchrt, was aber so angeblich nicht den tatsachen entspricht, weil schiller wesentliche \u00e4nderungen in seiner variante vornahm.<br \/>\nvor ort fand ich es absolut untpyisch, wenn ich das so nennen darf.<br \/>\nes mutete (nun also schon logischerweise) eher als eine franz\u00f6sische kom\u00f6die an, und das lag keineswegs nur an den namen der akteure. hatte eine gewisse leichtigkeit, die jedoch dem tiefen hintergrund des st\u00fcckes keinerlei abbruch tat. das verbinde ich nicht so selbstverst\u00e4ndlich mit schiller.<\/p>\n<p>gut, aber da war ich nun und lie\u00df mich, wie immer, wenn ich ins theater gehe, \u00fcberraschen und wenn m\u00f6glich mitnehmen, besser noch mitrei\u00dfen. und ich m\u00f6chte es gleich vorwegnehmen, das gelang gestern absolut!<\/p>\n<p><strong>zum inhalt:<\/strong><\/p>\n<p>selicour ist ein schleimiger empork\u00f6mmling, der sein m\u00e4ntelchen perfekt in den wind h\u00e4ngen kann. er schafft es, sein umfeld zu manipulieren, ohne den anschein zu erwecken, sich selbst zu sehr in den vordergrund spielen zu wollen. aber gerade diese vorgezeigte bescheidenheit, die sich an ihrem anderen ende als skrupellosigkeit untergebenen oder widersachern gegen\u00fcber entlarvt, l\u00e4sst ihn immer h\u00f6her steigen.<\/p>\n<p>der neue minister narbonne h\u00e4lt gro\u00dfe st\u00fccke auf ihn, sieht ihn f\u00fcr einen posten als gesandten vor und auch als gatten f\u00fcr seine tochter charlotte.<\/p>\n<p>selicour veranlasst die k\u00fcndigung des langj\u00e4hrigen mitarbeiters la roche, der sich daf\u00fcr r\u00e4chen m\u00f6chte, aber zuerst versucht, dem minister die wahrheit aufzuzeigen.<\/p>\n<p>erst als dies nicht gelingt, greift er auf die selben methoden zur\u00fcck wie selicour &#8230;<\/p>\n<p>gerade diese essenz wird in der inszenierung von matthias hartmann ganz toll hgerausgearbeitet. damit es nur ja nicht passiert, dass sie in ihrem subtilen auftreten so manchem verborgen bleibt. er w\u00e4hlt eine dreifach-schlussszene, in der &#8211; mit dem gleichen text &#8211; alle m\u00f6glichkeiten des endes einer solchen geschichte aufgezeigt werden.<\/p>\n<p>der wichtige schlusssatz kann von narbonne, selicour und la roche interpretiert werden. und zeigt dadurch die flexibilit\u00e4t der sogenannten wahrheit und ihrer folgen auf:<\/p>\n<p><em>&#8222;Diesmal hat der Verdienst den Sieg behalten. \u2013 Nicht immer ist es so. Das Gespinst der L\u00fcge umstrickt den Besten; der Redliche kann nicht durchdringen; die kriechende Mittelm\u00e4\u00dfigkeit kommt weiter, als das gefl\u00fcgelte Talent; der Schein regiert die Welt, und die Gerechtigkeit ist nur auf der B\u00fchne.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>die inszenierung hat mich sehr beeindruckt! das b\u00fchnenbild ist minimalistisch, eine wei\u00dfe wand, mit verschieden gro\u00dfen t\u00fcren, aus denen die akteure ihrem machtanspruch entsprechend auftreten. die kost\u00fcme bestehen aus stra\u00dfenkleidung. keiner muss ein besonderes m\u00fctzchen aufsetzen, um der insenzierung glanz zu verleihen &#8230;<\/p>\n<p>und das <strong>ensemble<\/strong>: zum schw\u00e4rmen!<\/p>\n<p>ich nenne allen voran <strong>udo samel<\/strong> (minister narbonne) &#8211; einfach weil ich an und f\u00fcr sich ein gro\u00dfer fan von ihm bin. dieser kleine mann braucht einfach nur stumm \u00fcber die b\u00fchne zu trippeln und ist so was von pr\u00e4sent, dass sich jeder baumlange schauspieler schon m\u00e4chtig aufrichten muss, um an seine gr\u00f6\u00dfe heranzukommen.<\/p>\n<p><strong>michael maertens<\/strong> (selicour) gelingt dies allerdings perfekt. seine k\u00f6rpersprache allein k\u00f6nnte ohne text schon den charakter transportieren. die nuancen seiner stimme und seine mimik machen seine auftritte zum reinen genuss.<\/p>\n<p><strong>oliver stokowski<\/strong> (la roche) ist ein toller r\u00e4cher. seine hilflosigkeit sch\u00fcttelt ihn zu mehr oder weniger unterdr\u00fcckter wut, die nerv\u00f6s und verzweifelt macht. sein abgang in seiner variante der schlussszene steht der schleimigkeit selicours jedoch dann in nichts nach.<\/p>\n<p><strong>kirsten dene<\/strong> (mutter des ministers). ja, was soll man zu kirsten dene schon sagen? eine gro\u00dfe schauspielerin, die in dieser rolle wohl ein wenig \u00fcberbesetzt ist, aber mit sicherheit das m\u00f6glichste herausholt. ihre h\u00f6rigkeit gegen\u00fcber selicour tr\u00e4gt auch ein gutes ma\u00df an erotik. die pikanterie, da es sich ja um den m\u00f6glichen zuk\u00fcnftigen mann ihrer enkelin handelt, kann sie selbstverst\u00e4ndlich perfekt her\u00fcberbringen.<\/p>\n<p>auch <strong>johann adam oest<\/strong> (firmin) ist in seiner rolle als unauff\u00e4llig bleiben wollender handlanger perfekt besetzt.<\/p>\n<p>der rest des ensembles bietet eine solide, gut abrundende leistung.<\/p>\n<p><strong>fazit:<\/strong><br \/>\nein wirklich toller theaterabend!<br \/>\nmit einem st\u00fcck, das wohl mehr als aktuell ist &#8230;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.burgtheater.at\/Content.Node2\/home\/spielplan\/event_detailansicht.at.php?eventid=1184312\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&gt;&gt;&gt; &#8222;der parasit&#8220; am burgtheater wien &#8211; mit galerie<\/a><\/p>\n<p><\/font><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>der parasit &#8211; oder die kunst sein gl\u00fcck zu machen ich gestehe, ich hatte bisher von diesem werk schillers nichts geh\u00f6rt &#8230; es handelt sich dabei allerdings um die umarbeitung eines st\u00fcckes von louis benoit picard &#8211; und wird oftmals als ledigliche &#8222;\u00fcbersetzung&#8220; gef\u00fchrt, was aber so angeblich nicht den tatsachen entspricht, weil schiller wesentliche [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[25,23],"tags":[173,176,196,198],"class_list":["post-485","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-theater","category-rezensionen","tag-rezensionen-2","tag-schauspiel","tag-theater-2","tag-theaterstuck"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p3ZwSb-7P","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_likes_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/485","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=485"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/485\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=485"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=485"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=485"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}