{"id":5775,"date":"2019-11-11T18:35:44","date_gmt":"2019-11-11T17:35:44","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=5775"},"modified":"2019-11-11T18:38:16","modified_gmt":"2019-11-11T17:38:16","slug":"so-geht-das-mit-dem-alle-lieben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=5775","title":{"rendered":"So geht das mit dem ALLE-Lieben"},"content":{"rendered":"\n<p>Und wieder geht es um die Frage: Wie kann ich denn jemanden lieben, der ein grindiges Arschloch ist, oder wom\u00f6glich mich sogar bedroht oder schl\u00e4gt?<br>\nDa funktioniert doch das ALLE-lieben absolut nicht.<br>\nEs kann doch nicht Liebe sein, wenn ich das alles dann verdr\u00e4nge, oder den Typen liebevoll behandle, obwohl er mich verletzt.<br><br>\n\nGenau das ist der Punkt. So stimmt es eben nicht.<br><br>\n\nDie Liebe ist unteilbar. Aber sie hat verschiedene Auftretungsmerkmale. Es gibt die Selbstliebe, die N\u00e4chstenliebe, die Mutterliebe, die Kinderliebe, die Frauenliebe, die M\u00e4nnerliebe und nat\u00fcrlich die allumfassende Liebe zum Leben.<br><br>\n\nDie Liebe ist immer in uns. Wie wir sie abrufen, ist eine Entscheidung unseres Willens (Entscheidungsfreiheit!).<br><br>\n\nVor allem, m\u00fcssen wir lernen, sie von Objekten &#8211; also auch Personen &#8211; zu trennen! Sie ist allumfassend! Sie umfasst die ganze Sch\u00f6pfung und auch ihren Sch\u00f6pfer.<br>\nDen Unterschied macht die liebevolle Kommunikation. Mit welcher Liebe ich einem anderen gegen\u00fcberstehe.<br><br>\n\nWenn ich meinen Geliebten auf mich zukommen seh, dann werde ich ein warmes Gef\u00fchl im Bauch bekommen und ich werde auf ihn zulaufen, ihn umarmen und k\u00fcssen.<br><br>\n\nWenn ich einen Aggressor auf mich zukommen seh, dann werde ich ein Grummeln im Bauch haben und muss meine Selbstliebe einschalten, um nach einer M\u00f6glichkeit zu suchen, um mich zu sch\u00fctzen.<br>\nWichtig ist, dass die Liebe Oberhand bekommt. Nicht die Angst und nicht der Hass.<br><br>\n\nWenn ich nun tats\u00e4chlich nicht ausweichen konnte und verletzt werde, dann ist es weiterhin vorrangig, dass ich die Selbstliebe pflege und nat\u00fcrlich die Liebe zu meinem Leben! Das hei\u00dft, <strong>Ja zu meinem Leben zu sagen<\/strong>, und versuchen, weiterzugehen &#8211; auch wenn es vielleicht nur ein Auf-allen-Vieren-kriechen ist &#8211; und nicht im Hass stecken zu bleiben.<br><br>\n\nDer prominenteste Vertreter dieses Prinzips ist Viktor E. Frankl, der mit seinem Buch &#8222;Trotzdem Ja zum Leben sagen&#8220;, wohl eines der wichtigsten B\u00fccher geschrieben hat.<br><br><\/p>\n<div style=\"text-align: center\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/wp-content\/uploads\/2019\/11\/56w_172123.jpg\" width=\"560px\" height=\"425px\" title=\"frankl - trotzdem ja zum leben sagen\" alt=\"frankl - trotzdem ja zum leben sagen\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Darin beschreibt er seinen Weg, der ihn aus der ersten H\u00e4lfte seines bis dahin wohlverlaufenden Lebens ins Konzentrationslager f\u00fchrte. Und der danach in der zweiten H\u00e4lfte seines Lebens &#8222;trotzem Ja zum Leben&#8220; sagte.<br>\nAuch als Arzt war er kein Privilegierter im Lager. Er sah sich lediglich als Privilegierten, weil er sein Leben behalten durfte. Das war Gl\u00fccksache, wie er schrieb. <br><br>\nEr hatte bis dahin bereits seine Thesen entwickeln k\u00f6nnen und er konnte sie dann aktiv anwenden! Nat\u00fcrlich nicht indem er sich hinsetze und meditierte oder gro\u00dfe Vortr\u00e4ge hielt. Er musste genauso barfu\u00df in der K\u00e4lte herumlaufen und war t\u00e4glich mit der Brutalit\u00e4t im Lager konfrontiert. Er litt dort genauso wie alle anderen, doch er  konnte sich am Sinn seines Lebens festhalten. Er lebte, also musste er versuchen, das Beste daraus zu machen. Weil er sich sonst seinem pers\u00f6nlichen Tod aussetzte.<br><br>\nViktor Frankl lebte danach noch mehr als 50 Jahre &#8211; er wurde 92 Jahre alt -, entwickelte seine Thesen weiter und wurde ein hoch angesehener Wissenschafter.<br>\nDas w\u00e4re nicht m\u00f6glich gewesen, h\u00e4tte er sich dem Hass und der Angst vor seinen Peinigern verschrieben.<br>\nEr hielt nach dem Weg Ausschau, den er WEITER gehen konnte.<br><br><br><br>\n\nDie Aggressoren und Machthaber dieser Welt muss ich dann in die Gemeinschaftsliebe abschieben.<br>\nIch liebe mein Leben, sie sind ein Bestandteil dieses Lebens und ich muss dann Ja zu ihnen sagen. Nicht zu dem, was sie tun! <br><br>\n\nDa ist auch ein gro\u00dfer Irrglaube drinnen, dass man als Liebender alles gut hei\u00dfen muss, was ein Anderer tut. Das f\u00fchrt uns doch auch direkt in die von uns gelebten Beziehungen, wo das oft ein Krisenfaktor ist. Wenn du mich liebst, dann muss alles gut an mir sein.<br><br>\n\nDas stimmt, aber auf eine andere Art als eingefordert.<br>\n<strong>Man muss auch ein Arschloch lieben k\u00f6nnen, aber man muss sich nicht von ihm anschei\u00dfen lassen.<\/strong><br><br>\n\nErstens geht das gegen die Selbstliebe, ist also keine. Und zweitens ist auch die produktive Arbeit, die ein Bestandteil der Liebe ist, davon geknebelt. Produktive Arbeit im Umgang mit Anderen bedeutet aufzuzeigen und andere Perspektiven anzubieten. Ist der Partner daf\u00fcr taub, dann ist liebend loszulassen. Aus Gr\u00fcnden der Selbstliebe, gar nicht so sehr aus Liebe zum Partner. Diese bleibt durch die intakte Selbstliebe dann ebenfalls intakt. Aber selbstverst\u00e4ndlich kann man diesen Vorgang mit &#8222;liebend loslassen&#8220; auch umdrehen.<br><br>\n\nIn der Praxis hei\u00dft das, meinen Mann zu lieben, wie er ist, mit all seinen Fehlerchen und eventuellen M\u00e4ngeln, aber dort, wo sie sich gegen mich richten, meine Selbstliebe einzuschalten, und zu sagen: So nicht! Man merkt sofort, da geht die Liebe nicht fl\u00f6ten.<br><br>\n<strong>Konflikte austragen zu k\u00f6nnen, ist also produktive Arbeit und geh\u00f6rt deshalb zur Liebe.<\/strong><br><br>\n\nBei Leuten, mit denen ich nicht im direkten Kontakt stehe, wie das bei den meisten Politikern und Machthabern dieser Welt der Fall ist, habe ich nur die M\u00f6glichkeit, sie liebend loszulassen und sie in meiner Lebensliebe an irgendwelchen Au\u00dfenfl\u00fcgeln unterzubringen. Aber diese M\u00f6glichkeit ist eine ganz, ganz wichtige und wird von uns leider viel zu oft als unm\u00f6glich angesehen. Dies f\u00fchrt dann in Angst und Hass und nicht in die Liebe.\n<br><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und wieder geht es um die Frage: Wie kann ich denn jemanden lieben, der ein grindiges Arschloch ist, oder wom\u00f6glich mich sogar bedroht oder schl\u00e4gt? Da funktioniert doch das ALLE-lieben absolut nicht. Es kann doch nicht Liebe sein, wenn ich das alles dann verdr\u00e4nge, oder den Typen liebevoll behandle, obwohl er mich verletzt. 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