{"id":6107,"date":"2020-01-29T18:46:24","date_gmt":"2020-01-29T17:46:24","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=6107"},"modified":"2020-02-07T12:21:47","modified_gmt":"2020-02-07T11:21:47","slug":"auf-der-suche-nach-der-freiheit-i-hilflosigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=6107","title":{"rendered":"Auf der Suche nach der Freiheit<br>I. Hilflosigkeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich glaube, die meisten Menschen tr\u00e4umen davon, ihr Leben selbstbestimmt und frei zu leben. Die wenigsten k\u00f6nnen es. Unter diesen befand auch ich mich. <\/p><br>\n\n<p>Die &#8222;Kunst des Liebens&#8220; und die Anerkennung der Selbstverantwortung hatten mich schon sehr weit gebracht. Auf jeden Fall so weit, dass ich meinem Leben eine andere emotionale Qualit\u00e4t geben konnte, als ich sie bei den meisten meiner Mitmenschen erkannte. <\/p><br>\n\n<p>Und doch &#8211; etwas fehlte. Frei und selbstbestimmt f\u00fchlte ich mich dennoch nicht. <\/p><br>\n\n<p>Und auf einmal machte es mir sogar Beschwerden. Die Situationen, die ich au\u00dferhalb meines schon recht wohlsortierten Ichs vorfand, begannen mich zu \u00e4ngstigen. Die politische Entwicklung in meinem Heimatland, das Erkennen der mangelnden Empathie und Menschlichkeit bei vielen meiner Mitb\u00fcrger, die unmenschlichen Ausw\u00fcchse der Konsumgesellschaft und des damit einhergehenden Erkennens der zunehmenden Sinnentleerung  des Lebens, die Weltlage an sich, die von Kriegen, Hungersn\u00f6ten und Umweltkatastrophen gepr\u00e4gt wurde.<\/p>\n<br>\n<div style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/wp-content\/uploads\/2020\/01\/200129_hilflos.jpg\" height=\"397\" width=\"580\" alt=\"hilflosigkeit\" title=\"hilflosigkeit\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit meiner Selbstverantwortung, die ich ja schon gut gelernt hatte, kam ich da nicht wirklich weiter. Die \u00c4ngste wuchsen. Ich f\u00fchlte mich wie eine Trauminsel, die von au\u00dfen bedroht wurde. <\/p><br>\n\n<p>Und wieder war es Erich Fromm, der mich auf die richtige Spur brachte. Diesmal mit &#8222;Furcht vor der Freiheit&#8220;. Ich erkannte die fatale Manipulation, durch die allgemeine Auslegung von Hilflosigkeit und Machtlosigkeit, die keinerlei Freiheit zul\u00e4sst. <\/p><br>\n\n<p>Denn &#8211; Wir k\u00f6nnen nicht frei sein, wenn wir uns hilflos f\u00fchlen. <br>\nWir k\u00f6nnen nicht frei sein, wenn wir uns der Macht beugen. <br>\nHilflosigkeit und Machtlosigkeit ins Leben einzubinden, bringt Unfreiheit. <\/p><br>\n\n<p>Und wir selbst sind es, die diese beiden Kr\u00e4fte in unser Leben einbringen! Diese sind n\u00e4mlich keineswegs unbedingt zur menschlichen Ausstattung geh\u00f6rig und deshalb ganz und gar nicht &#8222;gottgegeben&#8220;. Sich in diesem Zustand zu f\u00fchlen, ist uns schlicht und einfach anerzogen. <\/p><br>\n\n<p>Die Erkenntnis dieser Wesensgrundlagen erm\u00f6glichte es mir, sie weitgehendst aus meinem Leben zu entfernen. Und sofort winkte mir die Selbstbestimmung zu, die uns die gr\u00f6\u00dfte Grundlage zur Freiheit bietet. <\/p><br>\n<p>&nbsp;<\/p>\n\n<p><strong>I. Hilflosigkeit<\/strong><\/p>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der wache erwachsene Mensch ist niemals hilflos. Er kann gar nicht hilflos sein, weil er immer die Entscheidung f\u00fcr sich und sein Leben trifft. Die kann ihm niemand abnehmen und deshalb gibt es auch keine Hilflosigkeit, weil wer entscheidet, ist nicht hilflos. <br>\nDabei ist zu ber\u00fccksichtigen, dass auch die Bitte um Hilfe oder Hilfe anzunehmen, keinerlei Hilflosigkeit beinhaltet. Weil auch dies wieder die eigene Entscheidung ist. <\/p> \n\n<p>Und da erkennt man doch sofort: Auf diese Art zu denken, wurden wir nicht erzogen! <\/p><br>\n\n<p>Wir kommen aus der Hilfsbed\u00fcrftigkeit des Kindes in eine Erziehung, die nicht darauf ausgerichtet ist, Entwicklung zu f\u00f6rdern. Kinder werden erzogen und zwar mit den endlos \u00fcberlieferten Gedanken und Ritualen ihrer Altvorderen. <br>\nJe weiter ein Kind ins Bewusstsein schreitet, desto weniger wird es jedoch hilfsbed\u00fcrftig. Die Hilflosigkeit wird ihm also erst danach anerzogen. <\/p>\n<p>Es wird ihm anerzogen, dass es dieses und jenes nicht kann und deshalb auf Hilfe angewiesen ist. Anstatt die Kreativit\u00e4t zu f\u00f6rdern, diese scheinbar hilfebed\u00fcrftigen Situationen meistern zu k\u00f6nnen. Mit Hilfestellung, das ist etwas anderes als einem Kind Hilflosigkeit anzuerziehen. <br>\nWir sollten Kindern Hilfestellung geben, damit sie sich selbst erfahren k\u00f6nnen, um ihre M\u00f6glichkeiten und F\u00e4higkeiten entwickeln und ausbauen zu k\u00f6nnen. Da ist kein Funken Hilflosigkeit drinnen und ein Kind, das dieserart unterst\u00fctzt w\u00fcrde, m\u00fcsste die vermeintliche Hilflosigkeit auch nicht in sein weiteres Leben mitnehmen. <\/p><br>\n \n<p>Die Hilflosigkeit ist ein Status, dem die meisten Menschen ihr ganzes Leben lang ausgesetzt sind. Weil es so konditioniert ist, aber nicht weil es so der Wahrheit des Menschen entspricht. <\/p><br>\n\n<p>Die Wahrheitsgrundlage des Menschen ist sein Leben. <br>\nUnd wie anfangs beschrieben, ist der Mensch derjenige, der immer seine eigenen Entscheidungen trifft.<br>\nEs erscheint sofort \u00fcberhaupt nicht logisch, warum ein Mensch nicht Entscheidungen aufgrund seiner Daseinsgrundlage f\u00e4llt, sondern aufgrund dessen, was ihm irgendjemand vorgibt. <\/p><br>\n\n<p>Eigentlich ist es ja so, dass bereits Babys und Kleinkinder ihre eigenen Entscheidungen treffen. Nur funktioniert es dort nicht auf bewusster und selbstbestimmter Ebene, sondern geschieht auf intuitiver und emotionaler Ebene. Aber auch ein Baby entscheidet bereits, wie es mit den \u00e4u\u00dferen Bedingungen umgeht. <br><br>\nFreud baute sein Lust-Unlust-Prinzip genau darauf auf. <\/p><br>\n\n<p>Leider benutzen die Menschen ihre Entscheidungspflicht nur selten dazu, sich zur Aktion zu entscheiden. Die meisten entscheiden sich zur Passivit\u00e4t, bzw. gar Unterordnung. Und die meisten merken nicht einmal, dass sie es tun <\/p><br>\n\n<p>Dort kommen wir dann zum Machtstreben. Aber jetzt sind wir noch bei der Hilflosigkeit. \nWer sich hilflos f\u00fchlt und eine Aktion setzt, wird sofort merken, dass die Hilflosigkeit verschwindet. Auch wenn man dies jetzt als These liest, ist das doch sofort vollkommen logisch. Das hei\u00dft nichts anderes, als dass die Hilflosigkeit eine Folge der passiven Haltung ist. Viele glauben jedoch, es l\u00e4uft umgekehrt. Sie verhalten sich passiv, weil sie sich hilflos f\u00fchlen. Aber das stimmt so nicht, weil &#8211; ja, nun schon bekannt &#8211; die Entscheidung immer bei uns liegt. <\/p><br>\n\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich kann jeder Mensch in Situationen geraten, wo er einer gr\u00f6\u00dferen Hilfsbed\u00fcrftigkeit ausgesetzt ist. <\/p>\n<br>\n<p>Doch k\u00f6nnen wir in der Zwischenzeit wohl schon unterscheiden, dass Hilflosigkeit und Hilfsbed\u00fcrftigkeit zwei verschiedene Paar Schuhe sind. <br>\nDas ist deshalb wichtig, weil sich viele Menschen in allt\u00e4glichen Situationen hilflos f\u00fchlen, wo weit und breit keinerlei Hilfsbed\u00fcrftigkeit in Sicht ist. <br>\nUnd diese Hilflosigkeit verstellt ihnen das Leben, verk\u00fcrzt ihnen die Freiheit, macht ihnen Beschwerden, bringt ihnen Probleme und Krankheiten. <\/p>\n<br>\n<p>Da ich wei\u00df, dass diese meine Sicht viele Einw\u00e4nde hervorbringen wird, m\u00f6chte ich auf einige gleich vorweg eingehen. <\/p>\n\n<p>F\u00fcr mich ist es immer wichtig, ein Prinzip zu erkennen, das selbstverst\u00e4ndlich Gegenargumente zur Reflexion zul\u00e4sst, um das Prinzip als Wahrheit zu erkennen. Erst wenn man es von allen Seiten hinterfragen kann, und es sich nicht ver\u00e4ndert, ist dies der Fall. Also muss es auch f\u00fcr Extremsituationen G\u00fcltigkeit haben. <\/p><br>\n\n<p>Andererseits bedeutet dies aber selbstverst\u00e4ndlich nicht, dass man denjenigen, die nicht danach handeln (k\u00f6nnen) nun abwertend gegen\u00fcberstehen darf. Und schon gar nicht entspricht es dem Wesen des Menschsein, Hilfsbed\u00fcrftige nicht zu unterst\u00fctzen!<\/p><br>\n<p>Hier geht es darum, denjenigen, die sich gern selbst helfen wollen, eventuell eine Perspektive aufzuzeigen, woran es im Leben manchmal hapert. <br>\nDa es mir immer wieder gelingt, durch Erkenntnisse mein Leben wesentlich leichter zu bew\u00e4ltigen und eine h\u00f6here emotionale Qualit\u00e4t einbringen zu k\u00f6nnen, besch\u00e4ftige ich mich gern damit und w\u00fcrde es nat\u00fcrlich auch gern an andere weitergeben. <\/p><br>\n\n<p>Nun aber zu den Einw\u00e4nden, die selbstverst\u00e4ndlich sehr leicht auftauchen k\u00f6nnen. Es gibt ja viele Menschen auf der Welt, die nicht in derart privilegierten Verh\u00e4ltnissen leben, wie wir. Die Gewalt, Unterdr\u00fcckungen, Hungersn\u00f6ten und noch viel mehr ausgesetzt sind. <br>\nSelbstverst\u00e4ndlich kann man sich da hilflos f\u00fchlen. <br>\nWeil man sich die Situation, in der man sich befindet, nicht selber ausgesucht hat &#8211; was halt bei den meisten Menschen in der westlichen Welt doch weitgehendst nicht so ist. Wenn einem die Bomben um die Ohren fliegen, kann man leicht glauben, dass man nicht mehr selbst entscheidet. Und doch &#8211; das stimmt letztendlich vom im Menschen angelegten Prinzip her nicht! Immer noch liegt die Entscheidung, wie jemand mit einer solchen Situation umgeht, bei ihm selbst. <br>\nDie Situation konnte er nicht bestimmen, aber seinen Umgang damit sehr wohl. Und wahrscheinlich werden in solchen F\u00e4llen auch meistens Intuition und \u00dcberlebenstrieb die Entscheidung \u00fcbernehmen. Aber von au\u00dfen wird sie nicht gef\u00e4llt. <\/p><br>\n\n<p>Viktor Frankl schreibt in seinem Buch &#8222;\u2026 trotzdem ja zum Leben sagen&#8220;:<\/p>\n<p><i>Wer von denen, die das Konzentrationslager erlebt haben, w\u00fc\u00dfte nicht von jenen Menschengestalten zu erz\u00e4hlen, die da \u00fcber die Appellpl\u00e4tze oder durch die Baracken des Lagers gewandelt sind, hier ein gutes Wort, dort den letzten Bissen Brot spendend? Und m\u00f6gen es auch nur wenige gewesen sein &#8211; sie haben Beweiskraft daf\u00fcr, da\u00df man dem Menschen alles nehmen kann, nur nicht, die letzte menschliche Freiheit, sich zu den gegebenen Verh\u00e4ltnissen so oder so einzustellen. Und es gab ein &#8222;So oder so&#8220;!<\/i><\/p><br>\n\n<p>Doch mir geht es sowieso um Hilfestellung f\u00fcr Menschen in unseren Lebensbereichen. Die sich oft hilflos f\u00fchlen und es tats\u00e4chlich aber \u00fcberhaupt nicht sind. Und durch genau diese Erkenntnis ihr Leben ungemein erleichtern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\nDie &#8222;Machtlosigkeit&#8220; folgt &#8230; demn\u00e4chst &#8230; (wahrscheinlich \ud83d\ude09 )\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich glaube, die meisten Menschen tr\u00e4umen davon, ihr Leben selbstbestimmt und frei zu leben. Die wenigsten k\u00f6nnen es. Unter diesen befand auch ich mich. Die &#8222;Kunst des Liebens&#8220; und die Anerkennung der Selbstverantwortung hatten mich schon sehr weit gebracht. 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