{"id":6197,"date":"2020-02-23T12:36:07","date_gmt":"2020-02-23T11:36:07","guid":{"rendered":"http:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=6197"},"modified":"2020-02-23T12:55:31","modified_gmt":"2020-02-23T11:55:31","slug":"auf-der-suche-nach-der-freiheit-ii-machtlosigkeit-ii-3-freiheit-ist-machtlos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/?p=6197","title":{"rendered":"Auf der Suche nach der Freiheit <br>II. Machtlosigkeit <br>II.3 \u2013Freiheit ist machtlos"},"content":{"rendered":"\n<p>Was ich bisher \u00fcber die Machtaus\u00fcbung geschrieben habe, ist wohl den meisten ziemlich logisch erschienen. So gut wie niemand m\u00f6chte sich erkl\u00e4rterma\u00dfen irgendeiner Macht beugen. Allerdings haben viele die Ansicht, dass es nicht anders geht. Aber das stimmt so nicht, wie aufgezeigt.<br><br>\n\nDoch der wesentliche Teil meiner Machtlosigkeits-Trilogie ist nun dieser letzte. <br>\nDenn f\u00fcr mich geht es ja um die Suche nach der Freiheit und auch darum, wie man sich bei St\u00f6rf\u00e4llen in der Befindlichkeit durch Einsichten selbst aus misslichen Stimmungslagen und Situationen befreien kann. <br><br>\n\nEs war aber wichtig, diese &#8222;Einleitungen&#8220; zu schreiben, weil das Machtwesen an sich aufgedeckt werden musste. Sonst w\u00fcrde das Verbindungsglied fehlen. <br><br>\n\nBisher haben wir uns also mit der Machtaus\u00fcbung anderer besch\u00e4ftigt. Wie diese wirkt und vor allem auf uns einwirkt. Wir konnten aufdecken, wie wir besser aus Machtgef\u00fcgen heraustreten k\u00f6nnen, die uns Beschwerden machen oder denen wir vermeintlich nicht freiwillig folgen. <br>\nWeiters, wo unsere wahre Positionierung im Leben sein sollte, und dass diese wesentlich mehr Sinn macht, als die von der Gesellschaft praktizierte. <br><br>\n\nUm frei werden zu k\u00f6nnen, bedarf es jedoch einer ganz besonderen Befreiung vom Machtstreben. N\u00e4mlich vom eigenen! <br><br><\/p>\n\n<div style=\"text-align: center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/filosofium.evelyne-weissenbach.at\/wp-content\/uploads\/2020\/02\/200223_machtlos1.jpg\" width=\"580\" height=\"528\" title=\"freiheit ist machtlos\" alt=\"freiheit ist machtlos\"><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir alle wollen Macht aus\u00fcben! Ja, ja, auch wir! <br><br>\n\nWir bilden uns eine Meinung, ein Lebenskonzept, setzen uns Ziele f\u00fcr die Verbesserung unserer Lebensqualit\u00e4t &#8211; und offiziell auch f\u00fcr die der anderen. Und schwupps, schon wollen wir Verb\u00fcndete daf\u00fcr rekrutieren. <br><br>\n\nWir sind nicht frei genug, uns zu vertrauen. Nicht unseren Wahrnehmungen, nicht unseren Entscheidungen, nicht unserem Geschmack, nicht unseren Ideen und Ansinnen, einfach nicht uns selbst. <br>\nWir orientieren uns an den anderen, anstatt an uns selbst und m\u00f6chten deshalb nat\u00fcrlich, dass die anderen, das was wir machen guthei\u00dfen und mittragen. <br><br>\n\nW\u00fcrden wir uns an uns orientieren, k\u00f6nnten wir frei agieren. Schielen wir nach den anderen, ist die Freiheit futsch. Wir geben die Macht an sie ab, indem wir Macht \u00fcber sie aus\u00fcben wollen, bzw. die Macht an uns rei\u00dfen wollen. <br><br><br><\/p>\n\n<p>Unser eigenes Machtstreben tritt mit gut ausgebildeter Familie auf.<br><br>\nFast unerkannt ist die dicht verschleierte Tochter  <b>Erwartungshaltung! <\/b><br><br>\nSie ist diejenige, die Kommunikation erschwert, Frust aufbaut, Streit und Hader erzeugt, auch Gewalt hervorrufen kann und die Menschen oft sehr ungl\u00fccklich macht. <br><br>\n\nWie man sofort erkennen kann, ist die Erwartungshaltung wieder etwas, wozu wir uns selbst entscheiden! <br><br><\/p>\n\n<p>Ein paar Beispiele:<\/p>\n\n<p>Wir wollen das Beste f\u00fcr unsere Kinder, eh klar, aber wir erwarten, dass sie das erkennen, annehmen und sich danach verhalten. Die Nachkommenden wollen aber oft ganz etwas anderes. Da wir nicht gelernt haben, auf die Bed\u00fcrfnisse unserer Kinder einzugehen, sondern sie mit <i>unseren<\/i> Ideen zu erziehen versuchen, bringt uns diese Erwartungshaltung dann tiefe Konflikte. <br><br>\n\nWir geben das Beste in unserem Job, und erwarten, dass der Chef das zumindest erkennt, uns vielleicht sogar lobt, bef\u00f6rdert usw. Doch wir haben ein grindiges Arschloch als Chef und der meckert nur an uns herum. Da wir nicht gelernt haben, das was wir tun einfach einzubringen, den Typen zu durchschauen und loszulassen, werden wir mit Krampf in die Arbeit gehen und wom\u00f6glich ein Magengeschw\u00fcr aufbauen. <br><br>\n\nBeispiel aus einem Autorinnenleben gef\u00e4llig? <br>\nMan schreibt ein tolles Manuskript und h\u00e4ngt viele Erwartungshaltungen daran. Verlagsver\u00f6ffentlichung, Publikumserfolg, Pressejubel uvm. <br>\nDann liegts zu Hause herum und keiner will es haben. Verlage antworten nicht einmal, Lesungsangebote werden ebenfalls einfach ignoriert. Die Medien? Die interessiert ganz was anderes. Das Publikum muss man sich m\u00fchsam zusammennetzwerken, usw. <br>\nWenn man da nicht geschrieben hat, um sich selbst zu erkennen, zu unterhalten, seine grauen Zellen zu besch\u00e4ftigen, na, dann k\u00f6nnen die Frustbeulen leicht bis in den Himmel wachsen. <br><br>\n\nDas alles sind Beispiele, wo wir Macht \u00fcber andere aus\u00fcben wollen! Wir wollen sie auf unsere Seite ziehen, um von ihnen Best\u00e4tigung f\u00fcr unser Tun zu erhalten, oder dass sie sich daf\u00fcr stark machen, unsere Projekte zu verwirklichen. <br><br>\n\nWie wir schon gelesen haben, ist der Einfluss auf andere meistens sehr gering und diesen anzustreben \u00e4u\u00dferst energieraubend. <br><br>\n\nAlso gibt es nur einen Weg in die Freiheit: Die Aufgabe der Erwartungshaltung. <br><br>\n\nWir k\u00f6nnen in jeder Situation unseres Lebens die Perspektive \u00e4ndern! Das ist unsere Entscheidung! Umso \u00f6fter wir das Machtstreben aus unseren Entscheidungen entfernen (egal ob das anderer oder das eigene), desto freier werden wir logischerweise werden. <br><br><br><\/p>\n\n\n<p>Es gibt aber noch einen ganz besonderen Faktor: Die Machtaus\u00fcbung \u00fcber uns selbst!<\/p>\n\n<p>So hat das Machststreben z.B. noch eine wesentlich sympathischer erscheinende Tochter: Die <b>Disziplin<\/b>!<br><br>\nSo gut wie jeder glaubt, Disziplin ist das Allheilmittel f\u00fcr den Ablauf des Lebens. Vergessen wird dabei jedoch, dass jeder Zwang, auch der den wir auf uns selbst aus\u00fcben, eben Zwang bleibt und sich mit Freiheit deshalb nicht vertr\u00e4gt. <br><br>\n\nWir glauben, wenn wir uns der Freiheit ergeben, bricht das Chaos in unserem Leben aus. Wir wachsen wie die R\u00fcben auf und es gibt keine Ordnung, und deshalb keinen Halt. <br>\nDas ist aber nur bei Menschen so, die in sich keinen Halt finden. <br><br>\n\nJeder kennt den Spruch <i>&#8222;Wenn du etwas wirklich willst, dann kannst du es auch erreichen&#8220;<\/i>. Und die Idole, die wir bewundern, zeigen das h\u00f6chst eindrucksvoll. <br>\nDoch niemand sieht, was in deren Leben alles auf der Strecke bleibt, weil sie sich nur einem Ziel verschrieben haben. <br><br>\n\nIm Au\u00dfenbereich kann man den Prozess leicht erkennen. Wenn ein Politiker etwas erreichen will und sich diesem Ziel verschreibt, dann wird das wichtigste sein, andere zu beherrschen. <br>\nWenn ein Sportler oder ein K\u00fcnstler tolle Erfolge erzielen will, dann wird er viele Menschen brauchen, die ihn unterst\u00fctzen. Nun w\u00fcrde sicher niemand sagen wollen, dass er diese beherrschen will. Und dennoch ist das Prinzip dasselbe. Er braucht diese Leute, also muss er sie auf seine Seite ziehen. <br><br>\n\nIch will das jetzt nicht abwerten! Nein, wir sind eben keine Einzelwesen und wie wir bereits wissen, k\u00f6nnen sich alle zu ihrer Beteiligung frei entscheiden. <br><br>\n\nDoch das Machtgef\u00fcge wird transparent. <br><br><\/p>\n\n<p>Mir geht es aber hier um eine noch einmal andere Ebene. N\u00e4mlich um die pers\u00f6nliche.\nDort l\u00e4uft das n\u00e4mlich ganz genauso. <br><br>\n\nWir wollen etwas erreichen, das nur uns betrifft. Abnehmen, fit sein, gesund sein oder werden usw. <br><br>\n\nWir wollen aber Schokolade essen, oder auf dem Sofa l\u00fcmmeln, oder sonstwas, das nach g\u00e4ngiger Meinung nicht zu dem gew\u00fcnschten Ergebnis f\u00fchren kann. <br>\nWir lassen jetzt einmal die Unfreiheit durch die Manipulation der Werbung oder Gesellschaft beiseite. Die ist eh so weit klar. Die Motivation zu unseren Ansinnen zu beleuchten, w\u00e4re ein eigenes Thema und w\u00fcrde dieses nur verbreitern. <br><br>\n\nWir steigen direkt in die vorgegebene Situation ein. <br><br>\n\nWas werden die meisten Leute machen, um an ihr vorgefasstes Ziel zu kommen? <br>\nSie werden sich eine Di\u00e4t, ein Fitnessprogramm, Therapien oder \u00e4hnliches suchen. <br> \nUnd f\u00fcr diese dann die hochangesehene Machttochter Disziplin anwenden wollen. <br><br>\n\nWie wir alle wissen, sind diese Aktionen \u00e4u\u00dferst selten von bleibenden Erfolgen gekr\u00f6nt. <br><br>\n\nEs ist nun nicht so, dass es etwas Negatives ist, sich ein Ziel zu setzen. Nur der Weg dahin kann leicht nach hinten f\u00fchren, wenn wir nicht erkennen, dass Ziele nicht nur auf einem vorgefassten &#8211; und wom\u00f6glich noch von anderen vorgefertigten &#8211; Weg erreichbar sind und vor allem, dass sie sich w\u00e4hrend des Weges \u00e4ndern k\u00f6nnen! <br><br><\/p>\n\n<p>Auch hier ein Beispiel, und zwar ein ziemlich g\u00e4ngiges:<\/p>\n<p>Ein Mensch ist Single und plant eine gro\u00dfe Karriere. Er arbeitet konzentriert und diszipliniert fast ausschlie\u00dflich darauf hin, weil er zu wissen glaubt, dass dies zum Erreichen seines Zieles notwendig ist. <br>\nDann trifft er jemanden und verliebt sich. Oj oj oj oj, nun wird\u2019s ein bissl stressig. Konzentration und Disziplin werden wahrscheinlich etwas l\u00f6chrig werden. <br>\nWom\u00f6glich kommt auch noch ein Kind. Ach, noch einmal passt da was so absolut gar nicht zu seinem ersten Ziel. <br><br>\n\nWas w\u00e4re denn nun wohl der dem Menschsein entsprechendere Weg?<\/p>\n<p>Der, den so viele gehen, und wo versucht wird, die anderen auf die Karriere einzuschw\u00f6ren, die Familienaktivit\u00e4ten minimalst zu halten und die Verantwortung an den Partner oder sonstjemanden &#8211; Kindergarten, Schule usw. &#8211; zu \u00fcbergeben? <br>\nOder sein Ziel unterwegs zu \u00e4ndern? Die Karriere an die Familie anzupassen, sie vielleicht nicht in ganz so lichten H\u00f6hen anzusetzen? <br><br>\n\nWie wir schon geh\u00f6rt haben, sollen unsere pers\u00f6nlichen, wie auch unsere gemeinschaftlichen Ziele immer im Einklang mit uns, aber auch mit unserem Umfeld getroffen werden. <br><br>\n\nDas hei\u00dft, dass die Wege dorthin jeden Augenblick neu erarbeitet werden m\u00fcssen, weil sich die Situation ja dauernd \u00e4ndert. Sich also mit Disziplin auf nur einen Weg zu machen, l\u00e4sst sofort die Starre in dem Ansinnen erkennen. Das Leben am Wegrand bleibt unbeachtet und wir k\u00f6nnen nicht rechtzeitig darauf reagieren, wenn etwas aus dem Ruder l\u00e4uft! Und mit Starre wird man niemals frei, auch klar. <br><br><br><\/p>\n\n<p>Und noch ein fast unerkanntes T\u00f6chterlein gibt es: <b>Die Selbsterm\u00e4chtigung<\/b>!<\/p>\n\nWenn Leute sagen: <i>&#8222;Ich will die Macht \u00fcber mich behalten&#8220;<\/i>, oder <i>&#8222;nur ich habe die Macht \u00fcber mich&#8220;<\/i>, dann haben sie die Macht bereits abgegeben. Denn sie orientieren sich an dem Machtstreben anderer und setzen das eigene Machtstreben nur dagegen! <br><br>\n\nDoch <b>In der Machtlosigkeit liegt die wahre Freiheit! <\/b><br><br><\/p>\n\n\n<p><i>Das wars. <br>F\u00fcr jetzt ist hier wieder einmal Schluss mit Hilf- und Machtlosigkeit <\/i>\ud83d\ude09<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch noch ein paar Worte zum Abschluss:<br><br>\nMir haben all diese Erkenntnisse viel gebracht. Und ich habe mir das deshalb alles aufgeschrieben und in Zusammenh\u00e4nge zueinander gebracht, damit ich mich immer wieder daran orientieren kann, wenn es grad wo bei mir hakt und ich mich unfrei oder nicht ganz in meinem Leben zu Hause f\u00fchle. <br><br>\n\n<p>Es w\u00e4re sch\u00f6n f\u00fcr mich, wenn ich auch anderen damit Denkanst\u00f6\u00dfe f\u00fcr ein freieres pers\u00f6nliches Leben geben k\u00f6nnte. Aber Macht will ich keine aus\u00fcben. Wer mir nicht folgen will oder kann, ist dennoch immer gern auf meinem Blog oder auch sonstwo gesehen!<br><br><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ich bisher \u00fcber die Machtaus\u00fcbung geschrieben habe, ist wohl den meisten ziemlich logisch erschienen. So gut wie niemand m\u00f6chte sich erkl\u00e4rterma\u00dfen irgendeiner Macht beugen. Allerdings haben viele die Ansicht, dass es nicht anders geht. Aber das stimmt so nicht, wie aufgezeigt. Doch der wesentliche Teil meiner Machtlosigkeits-Trilogie ist nun dieser letzte. 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