lichtermeer

lichtermeer

 

gedankenfunken
reibe ich in die nacht
um zu entzünden
ein lichtermeer

das wärme aus
herzen strömen lässt
die welt umfängt mit hellem glanz
in dem der frieden sichtbar wird
auch blinden augen

verirrte seelen wege finden
die armut sich voll scham
aus dunklen höhlen schleicht
wo weihnachtsbäume sich erheben
die mit dem gold offener hände
reich geschmückt

nehmt an die kerze dieser nacht
entzündet eine lichterkette
die allen menschen leuchtet
und nicht im stillen kämmerlein
an einsamkeit erlischt

lasst uns
einander die hände reichen
feiern das fest
das uns zu menschen macht

 

 

Wie kam die Krippe unter den Tannenbaum?

krippe

 

Weihnachten, das Christkind, der Weihnachtsbaum und die Geburt Jesus.

Seit Langem beschäftigt es mich, wie hier Zusammenhang herzustellen sei. Ich bekam das einfach niemals auf die Reihe. Was sollte die Geburt des Hl. Kindes im vorderen Orient mit Schneelandschaft, Tannenbäumen und Geschenken zu tun haben …
Tja und tatsächlich, damit hat es absolut nichts zu tun.

Die Geschichte der Weihnacht wie sie in unseren Breitengraden gepflegt wird, begann erst Ende des 17. Jahrhunderts.
Und zwar mit einem Nikolausfest mit kleinen Geschenken. Für Kinder …
Eingeführt eher aus erzieherischen Gründen. Der Nikolaus prüfte, ob die Kinder brav gewesen waren. Da in dieser Zeit die Menschen ja nicht so viel hatten, bestanden diese kleinen Gaben meistens aus Nüssen, Äpfeln oder kleinen Süßigkeiten, mit denen die Kinder „belohnt“ wurden.

Das Weihnachtsfest an sich bestand aus dem Besuch der Christmette und vorheriger Zusammenkunft der Familie, bei der gegessen und getrunken wurde. Wenn möglich kräftig.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde im eher katholischen Süden das „Nikolausspiel“ ausgeweitet, der Nikolaus erschien oft in Begleitung des Krampus, um den Gehorsams-Dialog mit den Kindern noch effizienter zu gestalten. Und – dieser Nikolo brachte auch manchmal ein Bäumchen mit, weil er ja aus dem Wald kam. Dieses wurde mit Schleifen und Blumen aus Papier geschmückt.
Im Norden jedoch wurde von den Protestanten ein „Kindlein-Spiel“ eingeführt. Das eher dazu dienen sollte, die Geschichte der Geburt des Herrn Jesu nachzustellen. Und man verstärkte die Position dieses „Christkindes“ als anonymen Gabenbringer, aus den gleichen Gründen wie beim Nikolo.

Beide Rituale weckten zu dieser Zeit den Zorn der Theologen.
Und es wurde dann auch ein paar Jahrzehnte später massiv dagegen aufgetreten. Es kam zu den sogenannten „Nikolaus-Pamphleten“.
Wie man weiß, konnte aber den diversen Spektakeln kein Einhalt geboten werden. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts wurde Nikolaus- und Krampusspielen bereits von kleinen Geschäftsleuten kommerziell angeboten.
Denn für Weihnachten kam es zum Wandel vom religiösen Kirchenfest zum profanen Familienfest.

Anfang des 19. Jahrhunderts begann in den gehobeneren Kreisen die Wende vom geschmückten Bäumchen mit Süßigkeiten für Kinder zum Ritual der Weihnachtsparty. Das war etwas Neues, war modern und begann in den Salons der großen Gastgeberinnen. Die berühmtesten Weihnachtspartys veranstaltete Fanny von Arnstein, die es damit Weihnachten 1814 (weil mit Teilnehmern des Wiener Kongresses) in einen Metternich-Sptzel-Bericht schaffte. Und damit allgemein als „Erfinderin“ des Christbaums gilt, der nun auch hell beleuchtet wurde.

Man begann ohne „Nikolauskomödie“ und ohne Limits (!) zu schenken.
Die „kleinen Leute“ zogen auf ihre Weise mit. Sie schenkten immer noch nur den Kindern, aber ebenfalls in einem Weihnachtsparty-Ritual und die Geschenke umfassten nun auch Kleidung, Bücher, Spielsachen, oder sonstiges Nützliches und Gebrauchtes.
Die alten Brauchtumsgeschenke verloren ihren Sinn, wurden zum Dekor degradiert und sind dort bis heute leider geblieben (wenn überhaupt).
Mit zunehmendem Wohlstand wurden auch vom Mittelstand die Gepflogenheiten der Oberschicht übernommen und das Geschenkverhalten immer weiter ausgeweitet, auf Erwachsene, auf Luxus und auch auf absolut Unnötiges.

Nun ist auch klar, warum Weihnachten mit Schneelandschaft, Wald, Schlitten und Kälte in Verbindung gebracht wird. Weil diese Bräuche im ländlichen Raum Mitteleuropas ihren Ursprung nahmen. Dass die Hofdamen und Salongastgeberinnen die Bräuche dann für ihre Feste abwandelten, konnte ihnen diesen Nimbus nicht mehr nehmen. Aber der Weg in die Kommerzialisierung der Weihnacht nahm bei ihnen seinen Anfang.

© evelyne w.

Weihnachtstextedorf

Ich habe mir einen besonderen Weihnachtskalender gebaut.
Er besteht aus einem kleinen Schachtel-Dorf.

 

 

In jedem Häuschen ist eine Textrolle versteckt.

 

 

Ich werde jeden Tag in eines der Häuschen gehen und den Text herausholen. Manchmal werde ich ihn auch vorlesen.

Ich lade euch herzlichst ein, mit mir in meinem Dorf eine besinnliche Adventzeit zu erleben!

 

24. Dezember

weihnachtsatem   0_button_anhoeren

der duft von frieden
breitet sich
über das land

minutenkurz nur

und doch
riecht es nach hoffnung

ein augenblick
der besinnung
streift über die welt

als atemzug
der hl. nacht

* * * * *

Mit diesen hoffnungsvollen Worten bedanke ich mich für eure Begleitung durch die Adventzeit. ich hoffe, ihr habt in meinem Weihnachtstextedorf ein bisschen Stimmung tanken können.
Und nun – Frohe Weihnachten!

23. Dezember

 

geschenke der weihnacht  0_button_anhoeren

kannst du
das kindlein sehen?

wie seine händchen
dir wege weisen
und wie sein blick
dein herz erleuchtet

kannst du innehalten
um nachzuspüren
was es dir sagen will

wie man den frieden findet
ihn weitergibt
und so vermehrt

nur dann
kannst du sie öffnen
die geschenke
die es dir gebracht

 

21. Dezember

 

nachtweihe   0_button_anhoeren

lasst uns die nacht weihen
die nacht
wo liebe wächst
wo sich in uns
der frieden formt
und unseren herzschlag
als glockenklang
über die erde schickt

lasst uns die blicke weihen
mit denen wir
die menschen sehen
damit wir ihren hader
und die hoffnungslosigkeit
umwandeln können
zu mut und zuversicht

lasst uns die hände weihen
damit aus ihnen
stärke strömt
wenn wir sie anderen reichen
um zu geben
vertrauen und den glauben
an der menschheit zukunft

lasst uns die freude weihen
die uns mit offenen augen schauen
mit warmen händen geben lässt

lasst uns gemeinsam feiern
das fest
der geweihten nacht

 

20. Dezember

 

du stille du

 

du stille du
die aus meinem herzen strömt
teile dich auf
verzweige dich
erfließe dir
verlärmte herzen

öffne sie
den frieden zu erhören
zu lauschen
dem leisen ton
in dem die liebe zu uns spricht

du stille du
umarme das geschrei
beuge sein knie
vor dem erhabenen glück
das auf dem wege
uns erblüht
der weihnacht heißt

 

19. Dezember

 

das heilige kind

da lieg ich nun
ich heiliges kind
und weiß nicht
was das werden soll

an meine haut
klopft kalte not
der hauch der mutter nur
umwärmt die karge liegestatt
das eselchen leckt mir die finger
der ochs muht neugier in mein ohr
der vater kniet unter der last
und betet

was ist das nur
das sich da oben drängt
unter des stalles decke?

die engel sinds?
was wollen sie?
von mir …?

die tür geht auf
der mohr tritt ein
in seine händen glänzt es
kein wärmend tuch
trägt er mit sich
nur gold ist es
was er zu meinen füßen legt

die nächsten herren
bringen duft und öl
doch schnürt der hunger
meinen leib

doch da!
ein schäfchen um die ecke lugt
der hirte folgt
mit einer schüssel milch
und einer warmen decke

vielleicht wird doch
noch alles gut

werden die werte
noch erkannt
für die ich
auf die welt gekommen bin

 

 

Aus meinem Buch

was ist weihnachten für mich