farbenspiel

ich bin ein farbenspiel
satte röte strömt in mir
mit beiden händen male ich
gelbe sonnenkreise
in die tage

meine füße
laufen sich grün
auf blühenden wiesen
über die mein blick
azurne bläue spannt

orange und lila
rosa und indigo
ziehe ich aus meinen augen
und ohren

doch nicht ein pünktchen
türkis

 

 

innen vs. außen

ich bin zuhause
in meinem leben
in meiner liebe
in meinem körper
in meiner welt

in mir.

das außen zieht an den fenstern vorbei wie schemen aus einer anderen galaxie. schwarz-weiße arabesken bilden schachbretter der zeit. fremde wesen drohen zu mir herein, pressen ihre fratzen an die scheiben. aus ihren augen quillt der hass, aus ihren mündern tropft die gier. klauenfinger weben dichte netze zum einfangen der lemminge.

manchmal öffne ich die tür, werfe licht in die gasse, die ich durch ihre masse dränge, und gehe unbeirrt den weg meines lebens.

auch im außen.

 

tageswalzer

lebenssäfte strömen. in mir.
das leben drängt. aus mir.

an meinen zweigen
treiben blüten
und in meiner krone
bauen bunte vögel
ihre nester

ihr jubilieren
übertönt den lärm der zeit
verdichtet sich
zur sinfonie der liebe

meine füße können
nicht länger stillhalten
sie schlüpfen
aus den erdigen wurzelschuhen

barfuß
tanze ich den walzer
dieses tages

 

tragfähig

getragen werde ich
von meinem leben

weil ich ihm füße gebe
die fest auf der erde stehen

und doch so leichtfüßig
in die tage laufen

weil ich ihm arme gebe
die täglich stärker werden

mich hochheben können
um über zäune zu springen

und mich sicher auffangen
wenn ich auf dem boden der tatsachen lande

 

frei wie ein vogel

eure hilflosigkeit
ist nicht die meine

ich wachse an den ereignissen
werde mutiger
und selbstbestimmter

die kleingeistigkeit
der tage
lässt meinen geist wachsen

er verlässt die grenzen
die man ihm von außen
setzen will

steigt empor
in unerreichte höhen

die vogelperspektive
zeigt die unglaubliche schönheit
des lebens

meines lebens

und derer
die nicht mitmarschieren
sondern eigene wege gehen

 

abgesang

ich sehe
ich höre
ich spüre

und dennoch frage ich mich
wo sind meine worte

sie bilden keine gedanken
nur gefühle
und diese
rumoren in meinem bauch
stoßen mir sauer auf
doch viel zu oft schlucke ich sie
ohne sie in den mund genommen zu haben

ich mag das draußen nicht mehr
in meine welt lassen

aber das dunkelwerden
der abgesang
und bittere geschmack im mund
lassen sich nicht länger verdrängen