verliebt?

 
oben ist unten
und unten ist rechts
weil rechts aber links ist
ist dunkel ganz hell
und blau dunkelrot

hinten ist vorne
und vorne ist seitlich
weil seitlich verkehrt ist
ist weich aber hart
und trocken klatschnass

lachen ist weinen
und weinen ist zärtlich
weil zärtlich warm ist
ist kälte so heiß
und die sehnsucht groß

schräg ist gerade
gerade ist rund
weil ecken rund sind
ist alles verkehrt
und doch alles richtig

weil es dich gibt

© evelyne w.

 

schönen sonntag!

schneeweinberg
 
ich liebe die stille
die am sonntagmorgen
durch die räume flutet

erster kaffee

mein blick umfängt die
weinberge vor dem fenster
heute schneeweiß

die sonne versucht sich
und lässt erahnen wie
der tag noch werden könnte

ich weiß wie er wird
wenn du erwachst

zweiter kaffee

und glücklich

© evelyne w.

 

Über „Die Auslöschung“

 
Am Mittwoch lief bei uns im Fernsehen „Die Auslöschung“, mit Klaus Maria Brandauer.
Also einmal sogar für mich Fernseh-Pflichttermin.
Da ich mich seinerzeit über sein Statement ausgelassen habe, wollte ich nun natürlich auch den Film sehen. Und von der Thematik her fällt er sowieso in mein Interessensgebiet.

Nun ja, was soll ich sagen?
Nicht schlecht. Ist schon das höchste der Gefühle, das ich sagen kann.

Ernst Lemden, ein brillanter Kunsthistoriker und Denker verliebt sich in die wesentlich jüngere Judith.
Große Liebe, doch nach kurzer Zeit bekommt Ernst die Diagnose: Alzheimer.
Judiths Liebe wird ihn durch diese Krankheit begleiten.
Eine an sich schöne Liebesgeschichte. Und in einigen Szenen auch wirklich sehr berührend.

Jedoch –
Die Geschichte erschien mir viel zu geschönt. Nicht nur von Status, Umfeld und Ambiente her.
Die „Auslöschung“ des Prof. Lemden wurde im Zeitraffer dargestellt, was ja wohl auch nicht anders möglich ist. Aber dadurch entstand eine Verharmlosung des Alltags. Vieles wurde für den Zuschauer gar nicht erkennbar, vor allem nicht für einen, der mit diesen Situationen nicht selber konfrontiert ist. Beispielsweise die Zermürbung durch den täglichen Kampf. Der Verfall der körperlichen Funktionen wurde total ausgespart.
Ich denke, als Autor und guter Regisseur hätte man da Mittel und Wege finden können, dies einzubeziehen.

Auch weiß ich nicht genau, ob nicht unglücklich geschnitten wurde, weil Manches, wie das Ausbleiben der Besuche der Kinder, nicht aus der Geschichte erwuchs, sondern man es lediglich nachher vermuten konnte, dass die Tochter ab irgendeinem Zeitpunkt gar nicht mehr kam. Und der Sohn halt irgendwann einmal auftauchte. Und nicht klar wurde, ob der Vater ihn nun noch erkannte oder nicht. Dass er in mit Sie ansprach, erschien mir als Indiz zu wenig, weil der an sich großartig spielende Brandauer, gerade in dieser Szene eher verschmitzte Züge zeigte. Er könnte mit dem Sohn also auch ein Spiel gespielt haben (wie wir alle, die mit Dementen zu haben, wissen, dass dies sehr leicht möglich ist).
Gut, vielleicht wollte in dieser Szene genau das erreicht werden, also die Perspektive auf die Situation des Sohnes gelenkt werden, der das sicher auch nicht wusste.

Aber dennoch fehlte mir persönlich dieser Wegfall der Familie, ihre Statements, warum sie nicht kommen, die man in der Realität so oft hört. Ihre eigenen Kämpfe.
Eine Schauspielerin, wie Birgit Minichmayr lediglich darauf zu reduzieren, dass sie einmal einen Satz sagt, in der Art: Ich komme gar nicht mehr gern … Ihr keine Möglichkeiten zu geben, die Tiefen ihres inneren Konflikts zu zeigen …
Sie war mit Sicherheit unter Wert verkauft. Und auch hier glaube ich, dass der Schnitt dafür verantwortlich ist. Denn dass sich Birgit Minichmayr für so eine blasse Rolle hergegeben hätte, kann ich mir gar nicht vorstellen.

Die Rolle der Judith (Martina Gedeck) wiederum ist für mich viel zu „liebevoll“. Ich meine, die Frau zeigt ein Herz wie ein Bergwerk. Die Liebe ist ihre Antriebskraft und das ist gut. Aber als liebende Begleiterin eines solchen Partners ist man nicht nur immer milde lächelnd und über den Dingen schwebend unterwegs.
Da kämpft man mit Vielem!

Judith zeigt nur zweimal wirklich tiefe seelische Problematiken auf. Das erschien mir vollkommen unrealistisch. Und auch Martina Gedeck wurde deshalb für mich weit unter ihrem Wert eingesetzt. Denn dass diese es drauf hätte, diese Abgründe darzustellen, daran besteht für mich kein Zweifel.

Brandauer. No ja, wie eingangs erwähnt: Nicht schlecht. Er kann schon was, das ist klar.
Aber vielleicht hätte ich damals sein Statement nicht lesen sollen, denn nun verkörperte er für mich: Brandauer!

Nun möchte ich noch auf das Ende des Filmes eingehen. Wer den Film noch nicht gesehen hat und sich die Spannung bewahren möchte, der sollte also hier aufhören weiterzulesen.

Weiterlesen

es schneit

 
es schneit.
kleine weiße kristalle
klopfen an meine sinne
filigranes zuckergespinst
versüßt mir den blick

ein schneeball
rollt mit meinem lachen
über die weiße decke
meiner winterliebe
auf die der schein
der bunten kerzen meines lebens
wundervolle arabesken malt

du fängst ihn auf
mit deinen warmen händen
steckst in sein lachen
dein gesicht
und glitzerst küsse
an mein ohr

aus unseren augen
tanzt die lust
rein und unschuldig
wie frischgefallener schnee

© evelyne w.

 

glücksklee

 
mit regungslosen flügeln
stehe ich hoch in den lüften
beäuge suchend wiesen
nach dem das mich ernährt

sehe dich huschen
aus dem dunklen loch
unter dem klee
baust du ein nest

bewegung rührt mich an
und ich lasse mich
ins leben fallen

© evelyne w.

 gluecksklee - audio

 

äußere schönheit

 
des menschen schönheit fällt als asche
aus den brieftaschen der skalpellierer
ein hintern und ein busen
ergibt noch lange keine frau

ein frauenleib ist schön
wenn er dem mann entgegen
blüht und nicht sich ihm entgegen
reckt zum austausch von besitz

das wesen einer frau
das keine eigenen grenzen zeigt
nicht spitzen, kanten, narben
wird sich verlieren als modell
in das die männer onanieren

© evelyne w.

 

Heute hat mich die Skulptur von Michael Hermann, wie sie im nächsten Beitrag „innere werte“ zu sehen ist,
zu diesem ganz anderen Text angeregt, als gestern.
Ist es nicht faszinierend, wie dieses Kunstwerk aus verschiedenen Perspektiven unterschiedlich inspiriert?
Danke Michael!