innen vs. außen

ich bin zuhause
in meinem leben
in meiner liebe
in meinem körper
in meiner welt

in mir.

das außen zieht an den fenstern vorbei wie schemen aus einer anderen galaxie. schwarz-weiße arabesken bilden schachbretter der zeit. fremde wesen drohen zu mir herein, pressen ihre fratzen an die scheiben. aus ihren augen quillt der hass, aus ihren mündern tropft die gier. klauenfinger weben dichte netze zum einfangen der lemminge.

manchmal öffne ich die tür, werfe licht in die gasse, die ich durch ihre masse dränge, und gehe unbeirrt den weg meines lebens.

auch im außen.

 

Die Nashörner

Immer wieder wenn ich durch den Supermarkt gehe, erlebe ich Déjà-vus. Die Leut mit den FFP-2-Masken erinnern mich immer an Nashörner. Die Höckerchen, die diese Masken vor den Gesichtern in die Höhe recken, locken Reminiszenzen an einen Theaterbesuch in mir hoch.

Da es doch schon einige Jahre her ist, dass ich „Die Nashörner“ von Eugene Ionesco im Theater sah, habe ich mich nun auch wieder dem Inhalt zugewandt. Weil ich wissen wollte, ob es nur das Erscheinungsbild ist, das mich daran erinnert. Aber, wie befürchtet, ist dies keineswegs so!

Denn – die Bewohner einer Stadt verwandeln sich sukzessive in eine Horde schnaubender, angriffslustiger Nashörner. Und nur einer tut es nicht …

Zitat Wikipedia:
„… dass sämtliche Personen im Buch mit Ausnahme Behringers, eine bestimmte Bevölkerungsschicht zu repräsentieren scheinen und sich zu keiner Zeit von deren Denkweise lösen können und somit auch keine Selbstreflexion durchführen können. In ihrem System gefangen, glauben die einzelnen Figuren, die Welt zu durchschauen. Die Absurdität ihres Denkens bleibt ihnen – allen voran dem Logiker – daher immer verschlossen.“

Zitat Lovelybooks:
„Ionescos Stück über die Verwandlung der Menschen in dickhäutige Herdentiere ist eine der eindringlichsten Parabeln der modernen Literatur: Sie beschreibt die Ausbreitung von Fanatismus und Barbarei als alltäglichen Prozess, bei dem am Ende alles Menschliche als ›abnorm‹ gilt.“

 

die nashoerner

tageswalzer

lebenssäfte strömen. in mir.
das leben drängt. aus mir.

an meinen zweigen
treiben blüten
und in meiner krone
bauen bunte vögel
ihre nester

ihr jubilieren
übertönt den lärm der zeit
verdichtet sich
zur sinfonie der liebe

meine füße können
nicht länger stillhalten
sie schlüpfen
aus den erdigen wurzelschuhen

barfuß
tanze ich den walzer
dieses tages

 

tragfähig

getragen werde ich
von meinem leben

weil ich ihm füße gebe
die fest auf der erde stehen

und doch so leichtfüßig
in die tage laufen

weil ich ihm arme gebe
die täglich stärker werden

mich hochheben können
um über zäune zu springen

und mich sicher auffangen
wenn ich auf dem boden der tatsachen lande

 

Regnose

Ein Begriff, den ich nicht kannte. Und wahrscheinlich nicht nur ich.
Und doch hat das Prinzip mein Leben verändert.

REgnose steht für das Gegenteil von PROgnose.

Eine Prognose erstellt man in der Gegenwart, also heute, und beleuchtet die Möglichkeiten, wie sich eine Situation verändern wird oder kann.
Sie ist in den meisten Fällen von negativen Einflüssen beschwert und zeigt deshalb keinen klaren Weg. Man weiß nicht, wie soll man sich verhalten. So oder so? Womit könnte man die negative Sicht verändern, wie geht man damit um? Aber wahrscheinlich wird sich die Sicht nicht verändern lassen, weil ja die Prognosen schlecht sind. Wo soll also eine positive Perspektive herkommen?
Ich sags gleich: Mit zwanghaftem positiven Denken wird es nicht gehen …

Wenn man auf unsere Gegenwart schaut, also die Zeit der Pandemie, dann ist man hin und hergeschüttelt. Die Prognosen, wo immer man hinschaut sind nicht gut. Und was soll man jetzt tun? Wo selber weitergehen?

Die Regnose dreht den ganzen Prozess um.
Man stellt sich die Frage: Wo will ich mich in der Zukunft, nehmen wir als Zeitrahmen 2 Jahre, sehen?

Und von diesem Ausgangspunkt geht man den WEG ZURÜCK und schaut darauf, ob man sich denn auf dem Weg befindet, um überhaupt dorthin gelangen zu können.
Und sofort weiß man, was man zu tun hat. Denn, wenn man sich jetzt nicht auf diesen Weg macht, dann kann man dort nicht hingelangen, wo man hin will.

Ich habe einige persönliche Ziele in die Zukunft gestellt und plötzlich wusste ich, dieses oder jenes ist gar kein Ziel. Weil es mir nicht wert ist, mich in der Sekunde auf den Weg zu machen.

Da die Prognose ausgeschaltet wird, ist es auch nicht relevant, was irgendjemand anderer tut. Es geht um MEINEN Weg, auf den ich mich konzentrieren muss und nicht darauf, eine Prognose umzusetzen, oder gar deren Umsetzung von jemandem anderen zu verlangen.

Wenn ich mich also in dieser Zeit, wo die wirtschaftlichen Prognosen sehr schlecht aussehen, in zwei Jahren in einer stabilen wirtschaftlichen Situation sehen will, dann muss ich mir jetzt die Ärmel aufkrempeln und mich nicht von irgendjemandem durch irgendwelche Prognosen aufhalten lassen, diesen Weg dorthin zu gehen.

Man beginnt also, von dort weg zurück zu gehen. Und wird wahrscheinlich plötzlich erkennen, dass man diesen Weg ja gar nicht eingeschlagen hat. Auf das falsche Pferd gesetzt oder sich andere Wege offen gelassen hat. Den Weg von Ereignissen oder Personen abhängig macht.

Wenn man das ernsthaft betreibt und nicht halbherzig damit kokettiert, wird das wahrscheinlich Ideen hervorbringen. Und es wird die Angst verringern.

In Zeiten wie diesen wird man sich NICHT auf die Pandemie und die Maßnahmen dieser unsäglichen Regierung konzentrieren, sondern darauf, wie man sich schützt, wie man kreativ wird, wie man seinem Leben Qualität gibt, usw.

Wenn sich jemand allerdings in zwei Jahren krank und siech und ausgebeutet unter der Brücke sieht, weil er den Prognosen folgt und sich seine Angst dorthin verdichtet, dann wird er beim Zurückgehen erkennen, dass er in der Gegenwart diesen Weg beschritten hat. Und dass er die Möglichkeit gehabt hätte, sich anders zu entscheiden.

Ich persönlich kann nur aus eigener Erfahrung sagen: Es wirkt! Und wie! Total befreiend.
Ich fühle mich nicht mehr von außen hergebeutelt. Das Außen ist ja nur ein Konstrukt, das ich für mich erstelle! Und zwar aus dem erstelle, das mir das Außen aufdrängen will.

Ich habe so vieles loslassen können, von dem ich auf diese Weise erfahren habe, dass es für mich nicht von Belang ist, aber ein Klotz an meinem Bein war. Oder ich mich um die Prognosen im ewigen Kreis drehte. Die noch dazu meistens von anderen vorgegeben wurden. Meine persönlichen sahen oft ganz anders aus. Was aber natürlich nichts zu bedeuten hat, Prognose bleibt Prognose. Aber der Unsicherheitsfaktor ist sofort erkennbar.

Ich habe vorgefasste Ziele aufgeben können, weil ich erkannt habe, dass sie gar nicht MEINE Ziele waren. Weil ich eben nicht bereit war, mein Leben dafür zu verändern, dafür zu brennen.

Aber es geht hier nicht um mich, um meine Geschichte. Die muss auch niemanden interessieren. Aber vielleicht findet es der eine oder andere interessant, mit diesem Prinzip bekannt gemacht zu werden. Denn ich glaube, dass es viel zu wenig bekannt ist. Und dabei so effizient.

Und auf jeden Fall wünsche ich viel Erfolg damit!

 

Matthias Horx – Das Prinzip der Regnose

 

 

Heute fühle ich mich so nostalgisch

Nicht ganz den Jahrestag erwischt, aber fast 😉
Von hier wurde am 23.3.1919 Kaiser Karl mit seiner Familie ins Exil gebracht. Den Bahnhof gibt es noch, und er wurde auch sorgfältig instand gehalten. Ins Exil wird man aber niemanden mehr von dort bringen können, weil es nur mehr 20 m Gleis davor gibt. Die aber offensichtlich für den historischen Wert erhalten wurden 🤩

Wen’s interessiert, mehr Info gibt es hier:
Als Kaiser Karl mit dem Zug ins Exil fuhr