heimatliebe

raps

 

wie ich es liebe
wenn deine weite
in der sonne liegt

das grün
sich aus dem boden streckt

zwischen den rieden
in sattem braun
die furche glänzt

wenn süße säfte
die reben schwellen
und ihre knospen
in zartem silber glänzen

und dann das feld
im leuchtend gelb
der raps

meine sinne ertrinken
in dem
was du den blicken bietest

 

rapsfeld

die neue normalität

normalität.
was ist schon normalität.

meine normalität
ist seit vielen jahren
getragen von ruhe
– auch stille
liebevoller verbundenheit
– auch im alleinsein

ich genieße mein zuhause
in dem mein mitbewohner frieden heißt
wo aus dieser zweisamkeit
gedanken und gefühle wachsen
die mich und andere wärmen

der blick aus dem fenster
zeigt mir natur
im kleid der jahreszeiten.

auch im jetzt
hat sich mein leben nicht verändert
und doch …

 

trete ich aus dem haus. ist die normalität eine andere. als früher. chaos. sorgen. existenzangst. wachsen aus dem boden der gesellschaft. hinter masken. verbreitet sich der argwohn. berührungslosigkeit. vollzieht trennungen. aggression. stürmt um die ecken. verbeißt sich in die kehlen der kritik. blutleer liegt der mut auf den straßen. die henker der wahrheit übernehmen das kommando. trampeln die rufer der menschlichkeit nieder.

 

ich fühle mich
als würde ich auf dem zauberberg leben
stehe fassungslos an seinem fuß
und schreie in die welt

WAS
bitte WAS
ist diese normalität?

 

 

tage der fülle

tage der fuelle

 

allein zu sein
bedeutet keineswegs
einsamkeit

allein auf meinem weg
sind mir die menschen näher
als unter vielen leuten

keine einflüsterungen
keine schreie
trüben die klarheit
meines gefühls

die weite der sicht
bringt nähe mir zur welt

die natur umarmt mich
gibt mir halt
und geleitet mich
an ihrer warmen hand

in tage der fülle

 

der osterhase lacht sich eins

osterhase

 

wie bunte ostereier im nest
liegen gedanken
in meinem kopf

jeden tag färbt irgendjemand
sie mit seinen reden ein

da schreit mein bauch
glaub mir!
meine farben sind die deinen

auch die sonne
spricht zu mir
mit anderen worten
als die menschen

der wind
treibt den kern der wahrheit
sichtbar vor mir her

mitten auf meinem weg
sitzt der osterhase
und lacht schallend

wer bin ich?
fragt er

und ich nicke
erkennend

 

75 Jahre

Am 9. April 1945 wurde Dietrich Bonhoeffer im KZ Flossenbürg ermordet. Hier ein Auszug aus meinem Spürbericht von meinem Rundgang durch die KZ-Gedenkstätte.
Wichtiger denn je erscheint es mir heute, an die Zeit zu erinnern, wo der Bevölkerung die freie Meinungsäußerung genommen wurde und das Leben einiger mehr wert war, als das anderer.

 

lesung flossenbuerg

 

Aus meiner Kindheit

kindheit

 

Vor ca. 70 Jahren lebte ich mit meiner Mutter in einer winzigen Einraumwohnung. Sie konnte nur wenig arbeiten, weil es keine Betreuung für mich gab, die finanzielle Unterstützung reichte oft nicht einmal bis zur Mitte des Monats. Mein Radius war extrem eingeschränkt. Ich musste die meiste Zeit in dieser winzigen Wohnung verbringen. Manchmal (auch schon im Vorschulalter) halbe Tage ganz allein und wenn meine Mutter da war, war es auch nicht so, dass sie viel Zeit dafür aufbringen konnte, um mir Ausgang und Bewegung zu verschaffen.

Sie führte im Austausch für ein paar Lebensmittel Näharbeiten für Nachbarn durch, und um ins Grüne zu gelangen, benötigte man nicht nur Zeit, sondern auch Geld für Fahrscheine und dies war nicht vorhanden. Denn wir wohnten in einem hohen Mietshaus in einer dicht besiedelten Gegend und auch Parks gab es keine. Das Haus hatte zwar einen Hofgarten, aber der war lediglich dem Hausbesitzer vorbehalten.

Ich saß also in der Wohnung, sollte brav sein und keine Bedürfnisse äußern, damit meine Mama in Ruhe arbeiten konnte und auch – sowas spürt man als Kind -, dass sie kein schlechtes Gewissen bekam.

So flüchtete ich in meine Fantasiewelt.
Obwohl wir nur wenig und ganz einseitig zu essen hatten, wurde ich ein dickes Kind.

An meiner Umwelt nahm ich keinen Anteil. Kommunikation war für mich mit Maßregelung und Verstärkung meiner Minderwertigkeit und daraus resultierender Unwichtigkeit verbunden, deshalb versuchte ich, ihr weitgehendst aus dem Wege zu gehen.

Die Zukunft wirkte bedrohlich, meine Mutter war nicht ganz gesund und zu einer Großmutter durfte ich aus familiären Gründen nicht und die andere war zu weit weg. Wobei mich die Bedrohlichkeit der Zukunft nicht beschäftigte, weil ich ja gar nicht wusste, was Zukunft überhaupt ist und nicht darüber nachdachte. Aber die Bedrohlichkeit, die war stark spürbar.

Als ich in die Schule kam war ich die klassische Außenseiterin. Unfähig zur Kommunikation oder zu spielen, bis heute kann ich Spielen aber auch schon gar nichts abgewinnen; mein Enkel kann ein Lied davon singen. Die meisten Kinder damals waren schüchtern und unsicher, also ging niemand auf mich zu. Und ich blieb stumm, auch trotzig, ich wollte mit niemandem Kontakt haben, weil der durch meine Unsicherheit immer schmerzlich für mich verlief. Sport war eine Tortur für mich. Ich war es nicht gewöhnt mich zu bewegen, und konnte keine Freude dafür aufbringen.

Ich brauchte 40 Jahre, eine schwere Krankheit und mehrere Therapien, um mich aus den Fängen des Musters zu befreien, das mir die damalige Isolation und das Unterdrücken meiner Bedürfnisse eingebracht hatte.

Heute bin ich ein gesunder und glücklicher Mensch, aber ich kenne viele meiner ZeitgenossInnen, die sich aus diesen Strukturen nicht befreien konnten. Denn es war ja kein Einzelschicksal, das ich durchlief, nach dem Krieg ging es den meisten Kindern so. Diese verbringen nun ihr Leben in Abhängigkeit, Krankheit, Depression und mangelnder Empathie und denken, das wäre richtig, weil eben das Leben.

Warum ich das schreibe? Ich glaube das erklärt sich von selbst. Aber für jene, die das nicht erkennen wollen, erkläre ich es gern:

Ich möchte unbedingt darauf aufmerksam machen, dass es keineswegs richtig sein kann, eine ganze Generation zu brechen, ihre psychische und auch teilweise physische Ausrichtung in eine Richtung zu leiten, die ihnen ein solches Muster für ihr weiteres Leben vorgibt: In einer Gesellschaft zu leben, die sich nicht um sie, ihr Wohlbefinden und gesundes Aufwachsen schert, und dass ihre Bedürfnisse das Unwichtigste auf der Welt sind.

Psychische Krankheiten sind die Folge und auch die körperliche Auswirkung wird noch in Jahrzehnten unser Gesundheitssystem belasten.

Darüberhinaus werden sie über Isolation dazu erzogen, sich mit Selbstverständlichkeit der Masse anzuschließen, weil ihre persönliche Unsicherheit ihr ganzes Leben nach Führung verlangen wird.
Und dies ist sehr gefährlich für eine demokratische Gesellschaft!

Also bitte, wo sind unsere Kinderschutzprogramme in dieser Krisensituation?
Derzeit kann ich leider nur den Fokus auf einen einzigen Aspekt erkennen.