tragfähig

getragen werde ich
von meinem leben

weil ich ihm füße gebe
die fest auf der erde stehen

und doch so leichtfüßig
in die tage laufen

weil ich ihm arme gebe
die täglich stärker werden

mich hochheben können
um über zäune zu springen

und mich sicher auffangen
wenn ich auf dem boden der tatsachen lande

 

frei wie ein vogel

eure hilflosigkeit
ist nicht die meine

ich wachse an den ereignissen
werde mutiger
und selbstbestimmter

die kleingeistigkeit
der tage
lässt meinen geist wachsen

er verlässt die grenzen
die man ihm von außen
setzen will

steigt empor
in unerreichte höhen

die vogelperspektive
zeigt die unglaubliche schönheit
des lebens

meines lebens

und derer
die nicht mitmarschieren
sondern eigene wege gehen

 

abgesang

ich sehe
ich höre
ich spüre

und dennoch frage ich mich
wo sind meine worte

sie bilden keine gedanken
nur gefühle
und diese
rumoren in meinem bauch
stoßen mir sauer auf
doch viel zu oft schlucke ich sie
ohne sie in den mund genommen zu haben

ich mag das draußen nicht mehr
in meine welt lassen

aber das dunkelwerden
der abgesang
und bittere geschmack im mund
lassen sich nicht länger verdrängen

 

frühlingssonne

die märzsonne
spiegelt sich in den fenstern
potemkinscher dörfer

hinter blumengeschmückten fassaden
warten in finsteren zimmern
einsame seelen
auf das öffnen
abgesperrter türen

reißt die fenster auf
grüßt von den balkonen
die frühlingssonne flutet dann
auch die verschlossenen räume

denn sie wärmt alle herzen
die sich ihr zuwenden