Kategorie: Gedichte
unter deinem bogen
spannst deinen bogen
der verführung
lockst mich an gatter
um die sich rosen ranken
ihr dornenschutz reizt
meine knospen
mit früchten köderst du
aus nachbars garten
mit weinen aus den kelchen
deines leibs
streust würzigen samen
über das brot
mit dem du
meinen hunger stillst
© evelyne w.
gewissheit
in der gewissheit
dämmerstunde
blase ich silben
aus meinem mund
auf deinen
sie platzen
in deinem atem
feuchten deinen schlund
zur gier
nach dem
was hinter meinen worten
schwelt
wie der gewissheit
nacht
© evelyne w.
wie hände sind wir
wie hände sind wir
du und ich
die einander finden
vor dem herzen
um das des anderen
zu tragen weit
in diese zeit
die vor dem uns
nicht war
© evelyne w.
im heute
im heute liegt
das blau über mir
nach dem grau des gestern
füllen sich meine augen
mit wegen
die aus dem nass führen
aus dem nass des regens
aus dem nass
das mir die blicke trübte
auf das morgen
wo die vergangenheit
die macht nicht
spüren lassen kann
dein zarter handhauch
löst die dunklen illusionen
von den nebelwänden
nur im gestern liegt
vergänglichkeit
© evelyne w.
am tag danach
und wieder kam die nacht
die scherben brachte
scherben der unmenschlichkeit
des hohns
und grausamen zynismus
der tag danach führt
an jeder hand ein kind
kahlgeschoren und in lumpen
taumeln sie durch jene mengen
die tanzend ihre zukunft
als aschenhaufen hinterlassen
wirst du sie töten?
nein, schreist du
und doch wehrst du
dem halali nicht
das geblasen wird
an jedem morgen
wo du die augen senkst
um dich immun zu machen
im virtuellen schulterschluss
mit blinden und gehörlosen
© evelyne w.
in der gnade der geburt
75 jahre reichskristallnacht …
an solchen tagen
werde ich ganz klein
aus scham und angst
fünfundsiebzig jahre
legen sich auf meine haut
auf meinen rücken
der sich krümmt
unter der last
gemeinsamer verantwortung
für das was sich
nicht wiederholen
DARF
was tun
mit diesem erbe
von dem ich weiß
dass es den menschen
innewohnt
damals sowie heute
lasst uns
die namen nennen
für das kleid
in dem das totschweigen
sich präsentiert
sei es aus eitelkeit
oder aus abgestumpfter
sattheit
und dann nehmt meine hand
die euch den weg
zur liebe weist …
an solchen tagen
werde ich ganz klein
aus demut
über mein leben in der
gnade der geburt
© evelyne w.




