Wie kam die Krippe unter den Tannenbaum?

 
krippe

Weihnachten, das Christkind, der Weihnachtsbaum und die Geburt Jesus.

Seit Langem beschäftigt es mich, wie hier Zusammenhang herzustellen sei. Ich bekam das einfach niemals auf die Reihe. Was sollte die Geburt des Hl. Kindes im vorderen Orient mit Schneelandschaft, Tannenbäumen und Geschenken zu tun haben …
Tja und tatsächlich, damit hat es absolut nichts zu tun.

Die Geschichte der Weihnacht wie sie in unseren Breitengraden gepflegt wird, begann erst Ende des 17. Jahrhunderts.
Und zwar mit einem Nikolausfest mit kleinen Geschenken. Für Kinder …
Eingeführt eher aus erzieherischen Gründen. Der Nikolaus prüfte, ob die Kinder brav gewesen waren. Da in dieser Zeit die Menschen ja nicht so viel hatten, bestanden diese kleinen Gaben meistens aus Nüssen, Äpfeln oder kleinen Süßigkeiten, mit denen die Kinder „belohnt“ wurden.

Das Weihnachtsfest an sich bestand aus dem Besuch der Christmette und vorheriger Zusammenkunft der Familie, bei der gegessen und getrunken wurde. Wenn möglich kräftig.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde im eher katholischen Süden das „Nikolausspiel“ ausgeweitet, der Nikolaus erschien oft in Begleitung des Krampus, um den Gehorsams-Dialog mit den Kindern noch effizienter zu gestalten. Und – dieser Nikolo brachte auch manchmal ein Bäumchen mit, weil er ja aus dem Wald kam. Dieses wurde mit Schleifen und Blumen aus Papier geschmückt.
Im Norden jedoch wurde von den Protestanten ein „Kindlein-Spiel“ eingeführt. Das eher dazu dienen sollte, die Geschichte der Geburt des Herrn Jesu nachzustellen. Und man verstärkte die Position dieses „Christkindes“ als anonymen Gabenbringer, aus den gleichen Gründen wie beim Nikolo.

Beide Rituale weckten zu dieser Zeit den Zorn der Theologen.
Und es wurde dann auch ein paar Jahrzehnte später massiv dagegen aufgetreten. Es kam zu den sogenannten „Nikolaus-Pamphleten“.
Wie man weiß, konnte aber den diversen Spektakeln kein Einhalt geboten werden. Bereits Ende des 18. Jahrhunderts wurde Nikolaus- und Krampusspielen bereits von kleinen Geschäftsleuten kommerziell angeboten.
Denn für Weihnachten kam es zum Wandel vom religiösen Kirchenfest zum profanen Familienfest.

Anfang des 19. Jahrhunderts begann in den gehobeneren Kreisen die Wende vom geschmückten Bäumchen mit Süßigkeiten für Kinder zum Ritual der Weihnachtsparty. Das war etwas Neues, war modern und begann in den Salons der großen Gastgeberinnen. Die berühmtesten Weihnachtspartys veranstaltete Fanny von Arnstein, die es damit Weihnachten 1814 (weil mit Teilnehmern des Wiener Kongresses) in einen Metternich-Sptzel-Bericht schaffte. Und damit allgemein als „Erfinderin“ des Christbaums gilt, der nun auch hell beleuchtet wurde.

Man begann ohne „Nikolauskomödie“ und ohne Limits (!) zu schenken.
Die „kleinen Leute“ zogen auf ihre Weise mit. Sie schenkten immer noch nur den Kindern, aber ebenfalls in einem Weihnachtsparty-Ritual und die Geschenke umfassten nun auch Kleidung, Bücher, Spielsachen, oder sonstiges Nützliches und Gebrauchtes.
Die alten Brauchtumsgeschenke verloren ihren Sinn, wurden zum Dekor degradiert und sind dort bis heute leider geblieben (wenn überhaupt).
Mit zunehmendem Wohlstand wurden auch vom Mittelstand die Gepflogenheiten der Oberschicht übernommen und das Geschenkverhalten immer weiter ausgeweitet, auf Erwachsene, auf Luxus und auch auf absolut Unnötiges.

Nun ist auch klar, warum Weihnachten mit Schneelandschaft, Wald, Schlitten und Kälte in Verbindung gebracht wird. Weil diese Bräuche im ländlichen Raum Mitteleuropas ihren Ursprung nahmen. Dass die Hofdamen und Salongastgeberinnen die Bräuche dann für ihre Feste abwandelten, konnte ihnen diesen Nimbus nicht mehr nehmen. Aber der Weg in die Kommerzialisierung der Weihnacht nahm bei ihnen seinen Anfang.

© evelyne w.

 

 

4 Gedanken zu „Wie kam die Krippe unter den Tannenbaum?“

  1. danke für diesen geschichtlichen Einblick, Lintschi

    wobei das eher ernüchternd ist als weihnachtlich einstimmend 😉

    ich habe gestern auf meinem Blog einen Text geschrieben, bei dem es um das Weihnachtsgeschäft geht; das steht nämlich auch immer mehr im Vordergrund

    lieben Gruß
    Uta

    1. nun ja, ich sehe es gar nicht so ernüchternd. ernüchternd ist wohl nur der aufsatz-stil.
      ich finde es an sich hochinteressant und es gibt mir eine ganz andere möglichkeit, mich auf weihnachten einzustimmen. weil ich diese diffuse unsicherheit nicht mehr habe. das christkind nun wirklich vom geschenkritual lösen und dennoch weihnachtliches darin finden kann (im geschenkritual – im christkind ja sowieso 😉 )

      das weihnachtsgeschäft ist seit jahren ein reizfaktor in meinem weihnachtsdenken. und wie ich hier ja schrieb, jetzt wissen wir, wo es seinen anfang genommen hat.
      dass dabei nun alles auf der strecke bleibt, nicht nur der religiöse hintergrund, sondern auch das brauchtum, liegt halt im zeitgeist. der von der wirtschaft manipuliert wird … aber darüber schreibe ich eh das ganze jahr über …

      lieben gruß
      lintschi

  2. Vielen Dank Lintschi für den interessanten Bericht.
    Dass aus den Menschen eine Konsumgesellschaft gemacht wurde, scheint ein gelungenes Werk unserer Wirtschaft zu sein. Man kann tatsächlich nur jeder für sich entscheiden, ob er sich in diese Gesellschaft hinein pressen lässt. Ich gehe da ganz mit Dir konform.
    Ich erlebe auch jedes Jahr „meine persönliche Adventzeit“ und die ist fern jener Konsumgesellschaft und trotzdem liebe ich diese Zeit besonders.
    Allerdings verzichte ich ungerne auf den Lese/Hörkonsum auf Deinem Blog.
    Da spüre ich dieses Wohlbefinden, das zauberhafte an dieser Zeit. Also doch ein klein wenig Konsumdenken.:-)

    Vielen Dank dafür
    und liebe Grüße
    Fini

    1. ja, ich finde das einfach hochinteressant.
      mit dem kommerz in und um weihnachten … *seufz*
      es ist so schade, weil wirklich so viel verlorenging, was weihnachten wirklich ausmacht.
      einerseits der religiöse kern, aber andererseits auch dieses „fest für kinder“, das – wie ich hier geschrieben habe – ja eine starke brauchtumskomponente war.
      heute ist weihnachten nur mehr ein fest des handels.
      so schade!

      lieben gruß
      lintschi

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