meine lieben freunde/innen, leser/innen und besucher/innen
mein karfreitag
und wirst du wieder kommen
auch wenn der tag sich heut
aus deinem blut erhebt
werd ich dich finden
an den orten die du gibst
wo ich die freiheit in mir trage
die du mir heute blutest
zu deinem kreuze will ich kriechen
wo mit dem schweiße deines daseins
du den staub so tränkst
dass aus ihm blumen treiben
die tief aus mir
mich aufrichten
und sich die tage dann
aus deiner liebe falten
© evelyne w.
auf dem kreuzweg
es trägt die zeit
das kreuz
beugt sich unter
seiner last
stürzt in den schlamm
aus sand und blut
der wunden
die jene
der erde schlugen
die sie geißeln
mit der unverfrorenheit
obszöner schreie
nach der macht
ein opferfest
bricht an mit
tanz auf kahlen hügeln
johlender menge
im gelichterkleid
wird sich das grab
auch diesmal leeren
die menschheit
wie oft noch
zu erretten?
© evelyne w.
geschöpf
ich möchte
in die tage greifen
mit beiden händen
leben holen
aus der schöpfung
die mit so viel kraft und liebe
dem bösen widersteht
ich möchte
aus den nächten schöpfen
mit beiden händen
frieden geben
den ich im schutze
deiner achseln
schlummernd mir erträume
© evelyne w.
stumme liebe
worte dösen
in meinem kopf
in meinem herz
schlagen sie purzelbäume
kollern aus meinem mund
als küsse
stumme liebe
hat ihren eigenen reiz
© evelyne w.
verknüpft
es ist dein leben
das meine tage küsst
und meine nächte knüpft
in das blaue band
geborgenheit
mir deine wärme
in den rücken gießt
die mir
in herz und augen steigt
um mir den alltag
zu erlieben
© evelyne w.
er kömmt!
er kömmt! er kömmt!
ich kann ihn riechen
rieche den duft aufbrechender erde
höre die säfte rauschen in den ästen
spüre der wurzeln fruchtbarkeitstanz
und sehe knospen zur entfaltung drängen
das lied der verheißung singt
beschwörende bilder flutender üppigkeit
die sich zum bad der seligkeit ergießen
er kömmt! er kömmt!
er ist schon da!
er klopft schon an die seelentüren
der frühling.
© evelyne w.
frivolities – am morgen danach
erwachen ohne dich.
kälte kriecht unter meine bettdecke und vor dem fenster stehen nebel.
aus dem spiegel höhnt mir ein graues gesicht entgegen. mit roten augen
und stumpfem wirrem haar.
und was ist das dort an der schläfe? oh!
der kaffee sieht aus als ob er sich verkleidet hat.
und in der vase hängen lustlos ein paar rosen.
endlich finde ich das zettelchen: bis abends! und drei kleine x-se.
die rosen straffen augenblicklich ihre schultern und röte schießt in ihre wangen.
das graue haar vergoldet sich im glanze meiner augen
und in meinem wäscheschrank gibts einen schweren schlagabtausch.
dort kämpft der rote fummel mit den schwarzen lederdessous.
nein, nein! viel zu abgedroschen und ideenlos um dich darin zu erwarten.
weiß? weiße spitze. warum nicht? schlagobersgarnitur an nunmehr wieder pfirsichhaut.
nein, nein! zu zuckersüß für die schärfe meines verlangens.
die apfelgrünen bänder würgen den kleinen leoparden
und rote herzchen erhängen sich an glitzernden perlenschnüren.
in diesem trubel werfen sich die dunkelblauen satinstrapse ihre strümpfe mit den cremefarbenen spitzen um den hals, machen sich auf den weg zu ihrem höschen
und den glänzenden körbchen und tuscheln:
kommt! macht euch bereit. sie wird uns nehmen.
sie könnten recht behalten …
© evelyne w.
mondlichttänze
wenn das mondlicht
auf deinen lippen tanzt
trinke ich
aus silberbechern
geküssten wein
wenn deine augen dann
im silbern mondlicht tanzen
schwebe ich
kussbetrunken
sternenwärts
© evelyne w.



