die nackten zahlen

der tag neigt sich. unter seiner last. er schleppt die bürde seines zorns. zynismus wirft geröll auf seinen weg. müdigkeit torkelt durch seine adern. er starrt auf seine leeren hände. brot schimmelt in verschlossenen truhen. wasser verfault in geschliffenen karaffen. dagobert duck badet in seinem münzensee. voyeure des todes schaufeln gräber. bedienen die geilheit schau-lustiger. kein platz für nackte überlebende.
erst wenn auch sie zu zahlentoten werden.

 

© evelyne w.

 

„Flossenbürg – Ein Spürbericht“ an der Austin Peay State University in USA


Anfang dieses Jahres wurde an der Austin Peay State University in Clarksville, USA, im Rahmen eines Deutschkurses das Thema Holocaust behandelt. Im Zuge dieses Kurses wurde mein Booklet in 2 Etappen gelesen und anschließend besprochen. Auch meine Video-Lesung war Bestandteil der Auseinandersetzung der Studenten.
Im Anschluss daran erhielt ich nun den angeschlossenen Brief.

Die Motivation zum Schreiben dieses Booklets – Zitat, S. 59:

    „Ich will darüber schreiben, sagte ich, vielleicht kann ich damit ein paar Menschen erreichen. Und wenn es nur einer ist … wenn jeder, der sich damit auseinandersetzt, auch nur einen einzigen ermuntern kann, einem damit weiterhelfen kann … würde die Welt bald anders aussehen.“

 
hat damit auf eine nicht erwartete, aber umso eindrucksvollere Art für mich Bestätigung erhalten.
Darüberhinaus habe ich die Genehmigung der Studenten erhalten, Ihr Schreiben zu veröffentlichen, weil auch sie jede nur mögliche Gelegenheit ergreifen wollen, andere Menschen auf diese Weise zu motivieren.

Mein ganz besonderer Dank geht zu diesen wunderbaren jungen Leuten nach Amerika!

apsu brief

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70 Seiten
€ 7,50
ISBN 978-3951-99072-9

 

Booklet „Flossenbürg 2011“

Aus meinen Blogeinträgen wurde nun ein Booklet gemacht
Erschienen im hs-Literaturverlag. Geplante Veröffentlichung 1.Oktober 2011

flossenbuerg

hsl
70 Seiten
€ 7,50
ISBN 978-3951-99072-9

Klappentext:

Gedenken ist so wichtig.
Aber Gedenken ist nicht das Anprangern von Gräueltaten, das Zeigen von Bildern tiefster Not.
Nur wenn Gedenken zu Liebe führt, uns nicht in Angst und Entsetzen abwenden lässt, ist es gesund. Für den Einzelnen, wie auch für die Gesellschaft.

Wir wollen weder Täter noch Opfer sein.
Doch wer wollen wir sein?
Wenn wir diese Frage beantworten können, stärken wir auch unser Wollen. Dafür müssen wir uns der Vergangenheit liebend zuwenden, denn sie ist unsere Wurzel. Sie spricht zu uns, damit wir aus ihr lernen.
Doch so lange sie keine Liebe in uns auslöst, befinden wir uns nach wie vor in den Krallen des Grauens. Und Grauen kann niemanden davor beschützen, selber Täter oder Opfer zu werden.

Ein Gang durch die Gedenkstätte KZ Flossenbürg im Mai 2011 hat mir einen Ort gezeigt, an dem Gedenken in Liebe möglich ist.

 

Hierzu der Video-Trailer:

flossenbuerg trailer

 

 

Der Aufstand des Gewissens

Jean Ziegler, seines Zeichens Soziologe, Globalisierungskritiker und Politiker, sollte im Juli 2011 die Salzburger Festspiele eröffnen. Nachdem seine Rede den Sponsoren nicht in den Kram passte, wurde er einfach ausgeladen.
Aber in Zeiten von Youtube gibt es erfreulicherweise auch andere Möglichkeiten, seiner Rede zu folgen. Und wahrscheinlich nun mehr Menschen, als einem elitären Festspielpublikum …

Teil 1:

Teil 2:

 

 

verkauft

 

ich suche. denn ich hörte. ich hörte von einer hungersnot. und ich suche. online. in den nachrichtenmagazinen. ich lese. großaufgemacht. über einen psychopathen. tod sells. ein klagendes fürstenpaar. glamour sells. den übergriff eines alten mannes. sex sells. ich will spenden. doch ich finde keine nummer. es ist leichter, ein virtuelles blümchen vor amys haus niederzulegen. hunger verkauft nicht.

 

persönlicher tipp:
bei ärzte ohne grenzen kann man bequem online spenden!
und von missbräuchlicher verwendung des geldes wurde von dort noch nie etwas gehört …

 

Flossenbürg 2011 – VII. Die Ausstellung

In der ehemaligen Wäscherei, einem der weißen Gebäude, die den Appellplatz begrenzen, wurde eine Dauerausstellung eingerichtet: „Das Konzentrationslager Flossenbürg 1938 – 1945“.

flossenbuerg

flossenbuerg

Die Ausstellung ist strukturiert und widmet sich einesteils der geschichtlichen Entwicklung des Lagers, von der Gründung bis zur Befreiung. Der zweite Teil ist den Häftlingen gewidmet.

Es fällt schwer, in diesem thematischen Zusammenhang von einer „gelungenen“ Ausstellung zu sprechen. Und doch möchte ich es tun.

Die Darstellung des historischen Hintergrunds lässt einen eher fassungslos vor der Entwicklung stehen. Und doch – sofort musste ich daran denken, wie sorglos so viele Menschen auch der gegenwärtigen Entwicklung gegenüberstehen. Dass auch heute Fremdenhass und Ausbeutung vornehmlich fremder Menschengruppen einen Schulterschluss erzeugen, vor dem vielleicht in 50-60 Jahren unsere Nachfahren ebenso fassungslos stehen werden.

Doch den Teil der Ausstellung, der den Häftlingen gewidmet ist, möchte ich, trotz der großen emotionalen Belastung, die er in mir auslöste, in seiner anrührenden, sensiblen Zusammenstellung besonders anerkennend erwähnen.
Ich möchte hier nicht noch einmal einen Bericht beginnen, aber sehr gerne auf die von Häftlingen in Flossenbürg gemalten Bilder verlinken. Mein Mann ist Maler und in unserem Umfeld wird deshalb immer wieder über Kunst diskutiert, die ja bekanntlich ein weites Feld ist und meistens im Auge des Betrachters liegt. Aber die selbstüberschätzende Anmaßung so mancher Kritzler oder Schmierer, die ihre Werke für teures Geld anbieten, bekommt hier eine echte Dimension vorgesetzt:

Ausstellung »ERINNERUNG« – Virtueller Ausstellungskatalog der Arbeitsgemeinschaft ehemaliges KZ Flossenbürg e.V.

Diese virtuelle Ausstellung ist ein Internet-Projekt und kein Bestandteil der Ausstellung in der Gedenkstätte. Hier sind auch viele Bilder enthalten, die erst nach der Gefangenschaft gemalt wurden.
Doch es gibt auch Bilder, die vor Ort unter lebensgefährlichen Bedingungen entstanden sind. Auf Papierfetzchen, mit einem verbotenen Bleistift, z.B. oder in Holz geritzt …
Diese Bilder haben mich wohl am meisten berührt von allem, was ich dort gesehen habe.
Ich bin jemand, der für die Übertragung von Gefühl zu Gefühl (ohne Umweg über das Hirn) nur 3 Möglichkeiten sieht: Musik, Lyrik und gemalte oder gezeichnete Bilder. In diese Werke wird Gefühl direkt eingebracht und steigt deshalb als solches über die Sinne auf.

Auch ich konnte meinen Gesamteindruck nur in einem Prosalyriktext ausdrücken.

flossenbuerg

Darüber nachdenken und zu einem Text verarbeiten konnte ich das alles erst jetzt, einige Wochen später …

Ich danke jedem einzelnen meiner Leser, der mir gefolgt ist und wünsche uns allen, dass wir aus dieser Vergangenheit so viel lernen können, dass wir in eine liebevolle, menschenwürdige Zukunft gehen können.

<<< Teil I – Ankunft
<<< Teil II – Der Appellplatz
<<< Teil III – Gedenkstätten
<<< Teil IV – Die Kapelle
<<< Teil V – Das Tal des Todes
<<< Teil VI – Ende des Rundgangs

Besonderer Dank geht an die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg für die Bereitstellung der Fotos von der Ausstellung.