Leben braucht Mut

Wir glauben oft, der Menge zu folgen ist das Leben.
Aber nein, das Leben finden wir auf unbegangenen Wegen.
Dort wo nicht viele gehen, ist auch nichts zertrampelt.
Wir atmen den Wind
und lassen uns nicht die Darmwinde der anderen
als warmen Lufthauch verkaufen.
Wir hören den Gesang der Vögel
nicht den Lobgesang der Menge an ihre Populisten.
Wir spüren den Boden unter unseren Schritten, lassen uns von ihm erden
anstatt im Stechschritts des Zeitgeistes über Tote zu marschieren.

Leben braucht Mut.
Dem eigenen Weg zu folgen und nicht den Wegweisern der Macht.

 

 

 

Auf der Suche nach der Freiheit
II. Machtlosigkeit
II.2 – Wer hat die Macht

Das Gefühl der Machtlosigkeit befällt uns wohl alle täglich mehr oder weniger oft. Wir schauen in die Welt und sehen Krieg, Unterdrückung, Hungersnot, Eingriffe in Umwelt und Klima, Manipulationen an Lebensmitteln, bei Krankheitsbildern, u.v.m.

Man steht und denkt, was soll ich kleines Würschtel dagegen nur unternehmen?
Und das stimmt. Jede unserer persönlichen Anstrengungen verdunstet als Tropfen bereits beim Hinunterfallen auf den heißen Stein.

Man muss sich das einmal vor Augen führen, wieviele Milliarden täglich gespendet werden, wieviele Hilfsgüter jeder Art durch die Welt transportiert werden, wieviel freiweillige Helfer unter oft lebensbedrohlichen Bedingungen Hilfe leisten – das tägliche Erscheinungsbild ändert sich dadurch in keinster Weise. Die Not wird nicht weniger auf der Welt. Verlagert sich nur manches Mal in andere Gebiete.
Denn die Machthaber stecken noch mehr Geld und Energie in die Gegenseite. Die Wirtschaft ist der moderne Götze und diesem wird alles Menschliche untergeordnet oder geopfert. Da kann einen schon das Gefühl der Machtlosigkeit überfallen.

Und nicht zu vergessen: Wir alle finanzieren all das mit. D.h. wir werden auf der einen Seite zur Kasse gebeten, um Großmächte zu unterstützen, Waffen zu kaufen, die unnötigsten und gefährlichsten Aktionen zu sponsern und dgl.
Und werden dann zur Kasse gebeten, um freiwillig genau dagegen zu wirken.

Sehen wir uns nur um. Wie sähe es allein in unserem Land aus, wenn es die Unmengen an ehrenamtlichen Helfern und freiwilligen Unterstützern nicht gäbe?

Das bedeutet, Eigeninitiativen werden dafür verwendet, um den Machthabern noch mehr Macht zu ermöglichen! Aber ändern tut sich nichts.

Dem Einwirken von Mächten auf uns geben wir selbst Raum.

 

Eines Tages stand ich vor diesen täglich auf mich einstürmenden Informationen und dem Gefühl , nichts aber auch schon gar nichts verändern zu können und dachte, da kann etwas nicht stimmen.
Der Mensch ist ein Entscheidungswesen und lebt seine Entscheidungspflicht am besten, wenn er sie in Aktionen ausdrückt.
Wie wir im ersten Teil nachlesen können, gibt es die Hilflosigkeit nicht. Nun aber stoßen wir an Außengrenzen und glauben, wir müssen uns einer Macht beugen, weil wir am Ganzen nichts bewirken können.

Doch dann erkannte ich, dass es nur die falsche Perspektive ist, die uns bereits das Machtwesen mit ihrem Machtstreben diktiert.

Der Fokus wird von der Allgemeinheit auf die Herde gelenkt! An der wir, wie vorher erklärt, nur äußerst schwer und zäh etwas verändern können.
Selbstverständlich können wir uns Verbündete suchen, die dem gängigen Modell entgegen wirken wollen und mit ihren Handlungen auch tun, und dennoch wird sich die Menschheit im ganzen dadurch nicht verändern. Zu sehr sind diese Prozesse in ihren Bahnen verankert.

Was also kann der Einzelne tun?

wer hat die macht

 

Er muss sich auf seine Individualität besinnen! Das ist die richtige Perspektive!
Sich darauf zu besinnen, WAS ein Mensch tatsächlich ist, WAS deshalb Menschsein bedeutet, und WAS uns die Menschlichkeit dafür vorgibt.

Und das ist nicht das Streben, Macht über andere ausüben zu wollen. Sich auf diese Weise mit ihnen verbinden zu wollen. Dieses Vorgehen dient immer nur dem Machthaber! Niemals der Gemeinschaft. Machthaber scharen ihre Anhänger und Truppen um sich, um einen Wall zwischen sich und ihre Angst zu bauen.
Doch wie wir vorher aufgezeigt haben, nützt ihnen das gar nichts. Auch Hitlers Bunker gab ihm keinen Schutz vor seiner Angst und seinem psychischen Desaster. Er konnte sich niemals sicher und schon gar nicht jemals frei fühlen!

Deshalb ist es wichtig, Machtstreben richtig zu erkennen und Macht nicht zu geben!Andere können nur die Macht über uns ausüben, die wir ihnen einräumen!

Dort haben wir auch wieder die Verbindung zur Hilflosigkeit. Es ist unsere eigene Entscheidung! Und die fällen IMMER wir!

Die Machtstrebenden sind interessiert daran, uns in Abhängigkeit zu halten. Am besten gelingt das, indem sie unsere Energie auf etwas lenken, das diese nur vergeudet. Umso mehr wir unsere Energie dafür verwenden, unabhängig oder gar frei sein zu wollen, desto mehr verlieren sie an Macht.

Wie vorher aufgezeigt, ist es die größte Energieverschwendung, sich auf die Rettung der Welt zu konzentrieren. Dort rennen wir wie die Hamster im Rad und betreiben damit lediglich die Windmaschine der Propaganda und bringen sonst nichts, aber auch schon gar nichts zustande.

Die Energie auf die persönliche Freiheit zu lenken, und diese dafür zu verwenden, die eigene Menschlichkeit zu leben, würde bedeuten, dass wir nichts Trennendes zwischen uns und die Gemeinschaft stellen wollten. Das heißt, alles was wir für uns erarbeiten und leben, muss als Positivum in die Gemeinschaft eingebracht werden können.
Es kann also nicht sein, dass ich einem anderen etwas wegnehme, damit es mir gut geht! Dass ich einen anderen bekämpfe, dass es mir gut geht. Dass ich gar jemanden umbringe, dass es mir gut geht.

Egoismus kann sich also niemals gegen die Gemeinschaft richten!
Wer nur auf sein eigenes Wohl bedacht ist und dieses ohne Rücksicht auf Verluste durchsetzen will, handelt niemals egoistisch, sondern zentriert alles auf sein Ego, und sein Handeln ist deshalb egozentrisch. Und benötigt dafür Macht!

Dasselbe Prinzip gilt aber auch für eine Gemeinschaft! Wer das Wohl einer Gruppe über das Wohl des Einzelnen stellt, kann dies ohne Machtausübung nicht bewerkstelligen.

Selbst wenn ich Vereinigungen gründe, die anderen helfen sollen und sich die Humanität groß auf ihre Banner malen, so wird es niemals möglich sein, sicher sein zu können, dass ihre Mitglieder auch tatsächlich der Humanität folgen. Wie oft haben wir schon davon gelesen, dass humanitäre Projekte und auch Gesellschaften, missbräuchlich verwendet wurden?

Dass kein Missverständnis entsteht: Ich finde es unbedingt gut und wichtig, dass es Menschen gibt, die solche Gruppen gründen, betreuen und auch sich solchen anschließen.

Aber das fällt eindeutig unter persönlicher Lebenssinn und menschliche Gesinnung. Folgt also dem vorher aufgezeigten menschlichen Streben, bei persönlichen Einstellungen und Entscheidungen das Wohl der Gemeinschaft im Auge halten zu müssen, weil es mit trennenden Ansinnen keine individuelle Freiheit geben kann.

Und bewirkt natürlich auch im tatsächlichen Aktionsbereich Gutes und das ist enorm wichtig! Keine Frage. Aber immer nur im persönlichen Sinn, sei es für denjenigen, der tut, und natürlich auch für den, dem dadurch geholfen wird.
Aber im Gesamtgefüge ist es nicht von Bedeutung!
Wenn also jemand die Anliegen der Gemeinschaft über seine eigenen Bedürfnisse stellt, dann folgt er dem Machtstreben. Dem anderer, aber auch seinem eigenen!

Das größte Verhängnis dabei ist aber überhaupt, dass diese Richtung als die richtige propagiert wird – und ich verwende mit Absicht die Ableitung von Propaganda. Denn das ist nichts anderes!
Und Propaganda ist eines der beliebtesten Machtmittel, weil sie vom Großteil der Menschen nicht als solches erkannt wird!

Das heißt, die Machtstrebenden stellen an die oberste Stelle des kollektiven Unbewussten eine unlösbare Aufgabe für den Einzelnen und halten ihn in durch die Unwahrheit in Abhängigkeit, dass er durch sein persönliches Verhalten die WELT und die GEMEINSCHAFT ändern kann. Und dass dies die nobelste und deshalb oberste Aufgabe für den Menschen ist.

Dadurch wird sein Ich in die Bedeutungslosigkeit verschoben und damit selbstverständlich enorme Angst geschürt.

Denn ein Mensch allein IST ein Nichts, wenn man ihn aus der Perspektive der Gemeinschaft ansieht. Er kann jederzeit ersetzt werden, bzw. hinterlässt sein Wegfall wahrscheinlich nicht einmal eine kleine Lücke.

Doch der Mensch ist das Wesen, das selbst entscheidet, wer er ist und welche Bedeutung er in der Welt hat! Nämlich das, was er in die Gemeinschaft einbringt. Auf diese Weise Bausteine für Welt und Gesellschaft beiträgt und damit sehr wohl an der Gesamtheit zu Veränderungen beitragen kann und wird.
Aber in einem Ausmaß, das mit freiem Auge nicht erkennbar ist. Wird nun aber von dieser Seite Ausschau danach gehalten, dann wird die Bürde unermesslich groß und die Machtstrebenden haben leichtes Spiel, weil die Energie in die falsche Richtung läuft und für das Wesentliche ungenutzt verpufft.

 

Ein Teil kommt noch …

Machtspiele

 
Sie sagte kein Wort. Doch jeder der sie kannte, hätte sofort an der Art, wie sie die Augen niederschlug erkannt, dass ihr die Hitze unters Herz gestiegen war. Bevor das Feuer sich in seinen Kammern breit machen konnte und Flammen aus ihrer Spucke sprühten, tötete sie die Wut mit kalten Gedanken ab.
Ihr Gegenüber schien es ihr nicht Wert, ihm Macht – und sei es auch nur in Form von Ärger – zu geben. Was heißt eigentlich „auch nur“? War das nicht eine der größten Mächte, die sie einräumen konnte?
Nur die Gewalt schien noch größere Macht über sie erreichen zu können. Aber mit dieser wollte sie nicht experimentieren. Sie schätzte ihre glückliche Lage sehr, die sie nicht in die Nähe von Gewalt brachte. Sie wollte sie keineswegs heranziehen, um ausloten zu können, wie sie damit umgehen würde. Ob es ihr möglich wäre, ihr die Macht über sie zu entziehen, und sei es in ihrem Inneren.
Sie wollte eigentlich auch nicht mit dem Ärger experimentieren. Aber es gelang natürlich des öfteren, dass jemand diese Macht für sich beanspruchen wollte. Dem Ärger war nicht so leicht auszuweichen. Nicht, dass sie der Gewalt bewusst auswich. Wie gesagt, sie schätzte die Gnade ihrer Geburt hoch, in ein Leben hineingeboren geworden zu sein, das sie ihre Zeit in einem Land verbringen ließ, das über Jahrzehnte nicht an Kriegshandlungen beteiligt war. Wo physische Gewalt nicht direkt auf sie einwirkte.
Psychische Gewalt, von der hatte sie sich weitgehend befreit. Vor Jahren schon. Es war sehr schwer gewesen, ihre Körperbühne von den Krankheiten zu säubern, welche die Grausamkeiten ihrer Kinderjahre in ihr abgelegt hatten.
Nein, sie würde dem Ärger keinen Raum geben. Sie wusste Bescheid.Über sich und über die Anderen. Über die Scharmützel, die jeder für eigene Überhebung oder Unterwerfung brauchte. Sie wollte sich nur sich selbst unterwerfen. Auch wenn das sehr schwer war. Weil die Wut einfach kam, wenn jemand auf sie einwirken wollte. Aber nur kurz. Denn auch die Macht ihrer Gedanken hatte sie in der Zwischenzeit gut erkannt.

© evelyne w.

 

Dagegen ergibt auch dafür

 
Mein Motto ist es,
nicht GEGEN etwas, sondern FÜR etwas aufzutreten.

Wenn man gegen etwas auftritt, bringt man genau das wieder in die Welt, wogegen man eigentlich auftritt, vermehrt es also.

Das ist nicht bloß eine Naivphilosophie von mir.
Wir reagieren immer vollkommen intuitiv auf den ersten Eindruck, den wir von etwas bekommen. Er bildet ein emotionales Engramm. Und dieses bleibt so gut wie unbewusst.
Dann erst kommt unser Verstand und der erzählt uns dann eventuell das Gegenteil.
Das erzeugt wiederum in uns enorme Ambivalenz, Die meisten Menschen der westlichen Welt versuchen, diese über das Hirn in den Griff zu kriegen. Aber das Unbewusste ist immer stärker.

Immer wieder werden grausige Fotos verbreitet und darunter steht dann, dass der Veröffentlicher die Leute damit aufrütteln will.
Aber gerade Fotos sind das besondere Verhängnis in unserem medialen Zeitalter. Die meisten Menschen lesen nicht mehr, was darunter steht, aber das Foto hat seinen Abdruck in ihnen hinterlassen.

Das wissen nicht nur Psychologen. Das weiß auch jeder ernstzunehmende Werbeprofi. Deshalb werden Fotos mit klaren Aussagen verwendet und wenig Text. Und dieser natürlich so prägnant wie möglich.

In den letzten Tagen wurde ein schlimmes Plakat verbreitet.
Darunter stand dann, dass es provokativ gemeint war. Die gemeine Botschaft, die auf dem Plakat stand, war in diesem Zusammenhang absolut unwahr und sollte dazu dienen, zu polarisieren. Und natürlich für den Veröffentlicher Vorteile bringen – denn auch hier waren mit Sicherheit Werbeprofis am Werk.

Also genau der Vorgang, den ich vorher so schön theoretisch beschrieben habe.
Es knallt einem eine Botschaft ins Auge und darunter ist der Zusatz – es war nicht so gemeint, Es sollte nur „aufrütteln“.

Was passiert da?
Genau!

Die meisten Menschen sehen den Zusatz nicht mehr.
Und die böse Botschaft ist in der Welt und verbreitet sich …
In diesem Fall wurde öffentlich gemobbt und die Mobbingdynamik kann nie wieder rückgängig gemacht werden. Mit noch so vielen gerichtlichen Beschlüssen und Widerrufen. Denn die liest auch keiner mehr.

Seit Jahren versuche ich, diesbezüglich aufzuklären. Aber es ist ein Tropfen auf den heißen Stein.
Die Menschen lieben es einfach, andere über das Böse in der Welt „aufzuklären“. Anstatt sie über das Gute aufzuklären und dieses dadurch auf genau dem gleichen Weg zu vermehren.

Auch hier wieder:
Diese Menschen suchen Verbündete gegen ihre Ängste. Aber sie bieten nichts zur Lösung der Probleme und zur Verdichtung der persönlichen Sicherheit. Sie schüren die Ängste immer weiter.
Und ihre eigenen bedämpfen sie noch zusätzlich damit, dass es ja „die Anderen“ sind, die für das Böse in der Welt sorgen.

Wer sich jemals ein bisschen für Psychotherapie interessierte, der kennt das Prinzip der Affirmation.

Die Botschaft an das Unbewusste muss klar und kurz definiert werden. Und muss einen SEINszustand ausdrücken, keinen HABEN-Wunsch.
Das Unbewusstsein kennt nur SEIN und es kennt kein „NICHT“.

D.h wenn ich mir eine Affirmation bastle „ich möchte NICHT ängstlich sein“, dann nimmt das Unbewusste die Seinsbotschaft „ängstlich“ auf und richtet sich danach. Denn – mit „ich möchte“ kann es auch nichts anfangen. Weil es in diesem Zusammenhang einen Habenvorgang bezeichnet.

Die hilfreiche Affirmation würde lauten: ich BIN mutig.

Wenn man also unter diesen Gesichtspunkten an all das Negative denkt, das unter dem Mäntelchen „nicht“in die Welt geblasen wird, erkennt man eindeutig, wie der Schuss eigentlich nach hinten losgeht.

 

 

ausverkauf


als wir die schönheit
kaufen wollten
fiel sie zu staub
ihr wert verlor sich
in den brieftaschen
der modellierer

als wir die liebe
kaufen wollten
wuchs sie zum moloch
einer industrie
den wir uns nicht mehr
leisten konnten

als wir den frieden
kaufen wollten
zahlten wir raten
an die inflation
zum ausverkauf
der welt

© evelyne w.

 

Gedanken über die Angst – V. Angst schützt nicht

 
V.

Oft bekomme ich als Argument gesagt, Angst sei lebensnotwendig, Angst beschützt.
Aber meine Meinung ist anders. Angst schützt nicht!
Umsicht schützt, Vorsicht schützt, auch Rücksicht, aber Angst nicht.

Angst vor dem Tod hat noch niemanden lebendig gehalten. Angst vor Krankheiten hat niemanden davor bewahrt, Angst vor Kriegen, vor Überfällen, vor Hundebissen, vor Lebensmittelvergiftungen, usw. kann nicht vor diesen Ereignissen oder deren Folgen schützen!

Im Gegenteil, Angst fördert in persönlichen Bereichen den Eintritt von Ereignissen, vor denen wir uns ängstigen! Oft wird erst sie zur wirklichen Gefahr, weil sie Menschen in Panik stürzt und dadurch jede Vorsicht und intuitive Abwehr untergräbt.

Menschen, die Angst vor Hunden haben, werden viel öfter von ihnen gebissen als jene, die keine Angst vor ihnen haben. Menschen, die Angst vor Krankheiten haben, werden ungleich öfter krank, als jene, die keine Angst davor haben.
Das ist nicht von mir! Das sind Entwicklungen, die jederzeit belegbar sind.
Nur, will sich diesen Ergebnissen viel zu selten jemand zuwenden.
Weil sie die Selbstverantwortlichkeit in den Vordergrund rücken würden.
Und daran sind leider viel zu wenige Menschen interessiert.

Warum das Interesse daran so gering ist, das liegt an den dynamischen Abläufen zwischen Ur-Angst und Triebverhalten.
Wie ich schon schrieb – der Mensch ist ein Herdenwesen, dem aber verhängnisvollerweise sein nicht selbstverständliches Einssein mit der Herde bewusst ist. Seine (Ur)Angst ist deshalb unermesslich. Und sein Triebverhalten drängt in die Herde. Seine Individualität wird dadurch an zweite Stelle gerückt. Und gehört dort aber nicht hin. Weil der Mensch für sich selbst von allergrößter Wichtigkeit ist. Weil es ohne ihn für ihn selbst nichts gibt.
Es beginnt ein Kreislauf, der in einen Kreis der Angst mündet.
Leider wird diese Ambivalenz zusätzlich von Anderen ausgenützt …

Wenn wir unsere Persönlichkeit schützen wollen, dann müssen wir uns auch wirklich unserer Persönlichkeit zuwenden! Menschen sind meines Wissens die einzigen Herdenwesen, die Mitgliedern ihrer Herde wissentlich Schaden zufügen. Wobei für mich das Unterbewusste auch immer zum Bewusstsein gehört, weil diese nur miteinander menschliches Bewusstsein ergeben.
Zum Unterschied von intuitiven (ebenfalls unbewussten) Handlungen anderer Herdenwesen, die ihren Sinn aber in der Herde finden und nicht in der Persönlichkeit!

Nur der Mensch trägt diese Ambivalenz in sich. Sinn für sich nur in seiner Individualität zu finden, aber auch zu wissen, Sinn für die Herde nur in der Gemeinschaft zu ergeben.

Nun steht der Mensch also vor der fatalen Aufgabe, sich in so manchen Bereichen vor seiner Herde schützen zu müssen, in der er eigentlich Schutz finden sollte. Selbstverständlich steigert dies seine Ur-Angst im Unbewussten noch immer weiter.

Die Bewusstmachung dieser Vorgänge und die Hinwendung zum Einsatz seiner persönlichen Fähigkeiten für sich und in weiterer Folge dann erst für die Herde, ist der einzige Schutz, den sich der Mensch geben kann.

Das Wesentliche daran ist, dass der Mensch auch für die Herde arbeiten muss, weil er ja ein untrennbarer Bestandteil ist und deshalb auf diese Art an dem beteiligt ist, was aus der Herde auf ihn zurückkommt.

Und am besten kann er dies, indem er seine Indivualität stärkt und sie für positive Prozesse, sich selbst, aber auch unbedingt die Herde betreffend, einsetzt. Sich auf diese Weise in die Gemeinschaft einbringt. Logischerweise ist es dafür jedoch notwendig, diese Strukturen zu erkennen.
Stellt er sich in einem der beiden Bereiche dagegen, schadet er sich in jedem Fall selbst. Und dann muss er sogar Angst vor sich selber haben.

Und die Angst vor sich selbst ist leider eine der am weitesten verbreiteten Ängste.
Aber dazu in einem späteren Kapitel …

© evelyne w.

Fortsetzung folgt

 

Gedanken über die Angst – IV. Zwischenantworten

 
Heute beschäftige ich mich mit Antworten auf Fragen, die an mich zu dem bisher Geschriebenen herangetragen wurden. Bzw. mit Bitten, meine persönlichen Gedanken-Grundlagen etwas besser zu erklären.

Zu Angst ist menschlich

Wie ich schon schrieb, Angst benötigt, meiner Meinung nach, Bewusstsein.
Wenn ich Angst habe, dann habe ich VOR etwas Angst. Also nicht erst im Auftreten von Gefahr, denn da reagiert man dann schon.
Ich will etwas vorwegnehmen, damit etwas Bestimmtes nicht eintritt.
Das können Tiere nicht.

Psychische Ängste sind für mich deshalb auch keine unbewussten Ängste, sondern eher unbenannte, bzw. unbekannte. Aber sie laufen auch über das Bewusstsein ab.,
Existenzangst, z.B. ist ja auch ein Vorwegnehmen-wollen bestimmter Situationen. Verlustangst ebenfalls, Verletzungsangst, usw.

DAS ist für mich für ANGST bezeichnend:
Dass sie das Bewusstsein braucht, um sich zu äußern.

Ein oft angeführtes Beispiel: Die Angst vor dem Feuer, die angeblich dem Menschen wie den Tieren zu eigen ist. Und der auch eine Schutzfunktion zugesprochen wird.

Ich persönlich habe vor Feuer prinzipiell keine Angst. Wenn, dann vor unkontrolliertem Feuer! Und hier wird sofort selbsterklärend, dass ich dafür denken muss, um zu unterscheiden.
Wenn also unkontrolliertes Feuer auftritt, dann werde ich davor zurückschrecken, wenn es mir zu nahe kommt. Aber das reihe ich dann unter Instinkt und Intuition, die Schutzfunktionen des ÜberlebensTRIEBes sind. Und Triebe haben eindeutig auch Tiere. Willkürliches Bewusstsein hat für mich aber nur der Mensch.

Wenn ich Erfahrungen mit Verbrennung habe, dann geht’s schon wieder los. Dann kann ich Angst vor dem Feuer bekommen (also anerzogen durch Erfahrung). Diese ist aber eine vorgeschobene Realangst, weil sie eigentlich die Angst vor der Verbrennung ist, vor der Verletzung. Verletzungsangst ist aber wiederum eine psychische Angst …

Nur die menschliche UR-Angst läuft, meiner These nach, rein über das Unbewusste ab. Weil diese die Angst vor dem Verlust der Menschheit ist, die der Mensch aber für seine Existenz als Mensch unbedingt braucht.
Alles andere betrifft nur einen Menschen persönlich, auch wenn dann viele Menschen gleichartige Angsterscheinungen haben.

 

Zu Macht braucht Angst

Zitat:
Wichtig für den Menschen wäre es, seine Individualität und sein Herdenwesen jeweils dort anzunehmen, wo sie für ihn wesensgerecht sind.
Leider funktioniert dies in unserer Gesellschaft eher umgekehrt.

Da wir unser Bewusstsein auf den falschen Ausgangspunkt lenken, geben wir im individuellen Verantwortungsbereich die Verantwortung an die Gemeinschaft ab und im gemeinschaftlichen Bereich wollen wir individuelle Bedürfnisse abdecken.

Das ist eine Frage der Verantwortungsbereiche.

Die Gemeinschaft ist selbstverständlich dazu da, um dem Menschen Schutz zu geben.
Logischerweise, denn die Angst im Einzelnen würde sonst übermächtig.
Weil der Mensch ein Bewusstsein hat, das ihn sofort erkennen lassen würde, WIE schutzlos er in der Landschaft stünde.
Ein Mensch allein kann so gut wie nix, was unser Menschsein ausmacht.
Er könnte sich, wie ein Tier, eine Höhle graben oder ein Nest bauen, und wenn er das Feuer erfinden könnte, dann könnte er damit auch das Eine oder Andere bewerkstelligen. Natürlich könnte er gewisse Schutzvorrichtungen bauen, seine Kreativität für sein Überleben einsetzen, usw.
Aber sein Überleben hätte keine menschliche Qualität. Für ihn nicht und auch für die „Schöpfung“ nicht.

Die Gemeinschaft ist außerdem dafür da, um über den einzelnen Menschen hinausgehende „Projekte“ zu ermöglichen, die eben nur mit Anderen möglich gemacht werden können. Und auch größeren Schutz bieten sollen.

Dort sollte er sein Herdenwesen annehmen.
D.h. sich an der Gemeinschaft beteiligen, um der Herde zu größerem Schutz zu verhelfen. Dann kann er ihn natürlich auch selber genießen, weil er ja ein Bestandteil der Herde ist.

Das führt automatisch zu seiner Einzelverantwortung, zu seiner Individualität.
Er kann NUR diese einbringen!
Jetzt greife ich wieder auf das Prinzip in meinem Buch „Lerne.Selbst.Lieben.“ zurück:
Jede Gesellschaft ist nur so gut, wie ihre einzelnen Bestandteile. Was ihre einzelnen Bestandteile in die Gesellschaft einbringen.
Die Verantwortung dafür liegt beim Einzelnen.

Es ist doch klar: Jeder Einzelne von uns kann die Gesellschaft im Allgemeinen nicht verändern.
Deshalb bin ich auch so strikt dagegen, dass immer von „Wir“ gesprochen wird., wenn z.B. gesagt wird – die Welt, die „wir“ unseren Kindern überlassen.
Wir haben keinen Einfluss auf „die Welt“.
Wenn wir diesem Gedanken jedoch immer weiter folgen, können wir uns deshalb nur hilflos fühlen. Hilflos ausgeliefert fühlen.

Wir müssen die Verantwortung für unser Leben übernehmen. Egal, wie es von außen beeinflusst wird.
Ein Mensch, der derzeit in Syrien „auf der Welt“ ist, kann auch die Verantwortung für sein Leben nicht abgeben! Es „nützt“ ihm nichts, zu sagen, die Anderen sind schuld. Und uns bringt es nichts, zu sagen „wir“ sind schuld!

Wir müssen die Verantwortung für unsere Gemeinschaft mittragen, ob wir wollen oder nicht. Wir können uns nicht von der „Herde“ trennen.
Aber es gibt keine kollektive Schuld!
Deshalb brauchen wir zur Bewältigung von Angst und zur Minderung von Bösem auf der Welt unsere Individualität. Und dürfen in diesem Bereich die Verantwortung nicht an die Gemeinschaft abgeben.

In unseren Gesellschaftsformen wird das eher anders angesetzt.
Eben allein schon dieses kleine Wörtchen „Wir“ zeigt dies.
Durch dieses Wörtchen wird Schuldgefühl erzeugt. Und über diese Schiene laden wir Verantwortung für Handlungen auf uns, die wir weder ausführen, noch wünschen. Was natürlich Energie frisst und und uns sehr oft lähmt.
Wir jedoch müssen „nur“ in dem Sinn Verantwortung übernehmen, dass wir uns nicht von der Herde trennen können, nicht von unserem Bewusstsein trennen können und deshalb damit leben müssen, DASS dies alles mit unserem Wissen geschieht. Und ja auch darunter leiden müssen!
Aber wir tragen keine Schuld daran. Wir müssen die Verantwortung nicht für die Handlungen übernehmen, die Andere setzen. Aber leider müssen wir die Verantwortung dafür übernehmen, was daraus erwächst.

Mein Individualitätsprinzip ist hier wahrscheinlich auch schon bekannt: Von innen nach außen.
Wir können nur in unserem Umfeld Veränderungen herbeiführen. Nicht global!
Deshalb müssen wir Verantwortung zuerst einmal für uns übernehmen, und in weiterer Folge für Familie, Freunde, Nachbarn usw.
Aber auch wieder – für unsere eigenen Handlungen!
Wenn unsere Handlung darin besteht, bei allem wegzuschauen und nirgends Hilfeleistungen anzubieten, dann müssen wir dafür Verantwortung übernehmen.
Wenn ein Anderer aber unsere angebotene Hilfestellung nicht annimmt, muss ER dafür die Verantwortung übernehmen. Was aus dieser missglückten Interaktion entsteht, dafür müssen wir beide die Verantwortung übernehmen.

Ein Beispiel: Wenn ich höre, dass mein Nachbar seine Frau prügelt, dann müsste ICH eine Handlung setzen. Für mich! Wenn ich es nicht tue, dann muss ich dafür die Verantwortung übernehmen. Wenn er sie totprügelt, werde ich – für mich – niemals aus der Verantwortung herauskommen. Auch meine Angst wird mich davor nicht beschützen. Oder meine „Ausrede“, dass ich es aus Angst nicht tun konnte. Die Gemeinschaft wird MIR keine Verantwortung zuweisen können. Die wird es wahrscheinlich nicht einmal erfahren.

Ich persönlich also muss zumindest die Polizei rufen. Ich muss aber nicht persönlich eingreifen, wenn ich „Angst vor der eigenen Verletzung“ habe. Das hat nicht unbedingt etwas mit Feigheit zu tun, das kann auch ein Akt der Selbstliebe sein, den man nicht um jeden Preis aushebeln sollte!
Dann kann ich vielleicht am nächsten Tag meine Nachbarin ansprechen und versuchen, ihr ein Hilfsangebot zu unterbreiten. Das liegt in meiner Verantwortung!
Wenn sie es nicht annimmt, liegt es in ihrer Verantwortung.
Wenn sie weiter bei diesem Mann bleibt, dann ebenfalls.
Ich werde dennoch nicht umhin können, wenn es wieder Kampf gibt, erneut wenigstens die Polizei zu rufen. Denn wenn er sie totprügelt, werde ICH die Verantwortung nicht an jemanden anderen abgeben können, dass ICH nicht zu ihrem Schutz gehandelt habe.

Jetzt stellt sich logischerweise die Frage: Was kann ich tun, wenn ich in den Medien lese, dass Milliarden von Menschen unterdrückt, gefoltert, getötet werden?
Wo liegt hier meine Verantwortung?
Wo kann ich da etwas dagegen tun?

In der Masse geht gar nichts. Da ist der Einzelne absolut machtlos. Und hilflos. Und wieder wird das propagierte „Wir“ zum absoluten Verhängnis.
Was Einer tun kann ist, eine Gruppe herauszunehmen und für diese „stellvertretend“ Hilfeleistung anzukurbeln. Das liegt in seiner Verantwortung. Aber wenn er sein eigenes Leben dadurch in den Hintergrund rückt, die Hilferufe seines eigenen Ichs oder seiner Nachbarn dadurch überhört, dann können wir doch klar erkennen, dass da etwas auf diese Art nicht funktionieren kann.

Also wieder: Von innen nach außen.
Für eigene Bedürfnisse dort sorgen, wo man dafür zuständig ist, Hilfestellungen dort anbieten, wo man etwas bewirken kann – und das beinhaltet mit Sicherheit auch für mich – Hilfestellung gemeinschaftlicher Organsiationen zu unterstützen! Aber die Richtung muss stimmen …

Und da läuft in unserer Gesellschaft etwas total verkehrt.
In dieser wird propagiert, dass die Gemeinschaft über den Einzelnen gestellt werden muss. Dass man nicht egoistisch sein darf, weil der Einzelne nicht wichtig ist …
Und das stimmt ja auch, der Einzelne ist aber nur für die Gemeinschaft nicht wichtig, weil er ein viel zu kleines Einzelteilchen ist, als dass sich die Gemeinschaft dadurch gekratzt fühlt, wenn er durch den Rost fällt.
Aber nun überlegen wir einmal, wie wichtig der Einzelne für sich selbst ist. Oder für seine Familie, für seine Freunde …

Und die Richtung ist schon wieder vorgegeben.

© evelyne w.

Fortsetzung folgt

 

Gedanken über die Angst – III. Angst ist menschlich

 
III.

Angst ist deshalb für mich menschlich, weil sie meiner Meinung nach, Bewusstsein benötigt. Nur der Mensch kann sie als solche erkennen, und vor allem aber – auch willkürlich verändern.

Aufteilen müssen wir die Darstellung der Angst in zwei Gruppen:
die Realangst und die psychische Angst.

Beide „Arten“ erwachsen dem Menschen aus seinem Bewusstsein und sind deshalb auf die ihm weitestgehend unbewusste Urangst (vor dem Abgetrenntsein von der Herde) aufgepfropft. Angst vor Schmerz, Verlust und auch vor dem Tod sind nur über das Bewusstsein erfahrbar.

Die meisten Menschen nehmen nur ihre Realängste wahr und wollen diese „bearbeiten“. Da Realängste aber nur Ausdruck für psychische Ängste sind, ist dies ein ziemlich hoffnungsloses Unterfangen. Es gelingt diesen Menschen dann vielleicht, diese oder jene Angst zu verdrängen, sie auf diese Weise zum Verschwinden zu bringen, aber sie drückt sich dann mit Sicherheit in einem anderen Bereich wieder aus.
Und leider ist es auch so, dass Angst einer der größten Auslöser von Krankheiten ist. Auf diesem gerade beschriebenen Weg.
Sie sucht sich IMMER einen Kanal, die Symptome dafür sind höchst unterschiedlich und oft sehr schwer der Angst zuordenbar.

Deshalb erscheint es mir so wichtig, ein bisschen über die Angst zu erzählen, weil es die einzige Möglichkeit ist, ihr ein wenig zu Leibe zu rücken, wenn man sie richtig erkennt und ihre Schlupfwinkel aufspürt.

Am besten können wir die Auftretungszonen der Angst dadurch transparent machen: Kinder bekommen erst mit zunehmender Bewusstwerdung Angst. Babies „kennen“ nur eine Angst, die ist in ihnen verankert: die Angst vor dem Verlassenwerden. Das ist die Urangst. Wobei es hier um die Herde geht. Es muss nicht die Mutter sein! Sondern jemand aus der Herde.
Zum Unterschied: Deshalb ist es oft so schwierig, junge Säugetiere, die man einsammelt, zum Überleben zu bringen, wenn sie keine Herdentiere sind. Beispiel: Bei Wildhasen kann nur die Mutter ihre Kinder ernähren. Die nehmen von niemandem anders etwas an. Aber bei Rehen z.B. kann das gut klappen.

Das oft unmotiviert erscheinende Schreien bei Säuglingen, das den Müttern so viele Sorgen und Rätsel bringt, ist im Grunde genommen genau dafür Ausdruck. Obwohl es einem Baby offensichtlich gut geht, es keinen Hunger hat, keine nasse Windel, keine Krankheiten oder erkennbare Schmerzen, schreit es. Es muss seine Angst entlasten. Und ist deshalb auch oft erst durch körperliche Zuwendung zu beruhigen. Nicht durch einen Schnuller …
Und manchmal klappt nicht einmal das. Dann spürt das Kind mit Sicherheit, dass die Mutter vielleicht emotional gerade nicht bei ihm ist …
Auch geistig reduzierte Menschen haben viel weniger Angst als geistorientierte. Nicht zu verwechseln mit ungebildeten Menschen! Bildung ist eine ambivalente Angelegenheit, sie kann Angst vermindern, aber auch erst schüren.

Ja, also was machen wir nun mit all diesen Informationen und Konstruktionen? Was können wir daraus lernen?

Wir können daraus lernen, dass Ängste über das Bewusstsein erst im Menschen abgesenkt werden. Durch Erziehung, durch Erfahrung, durch Tradition und – darum gehts mir ja in erster Linie – durch Manipulation.

Was das Überleben des Menschen sichern soll, wird dem Überlebenstrieb durch Instinkte und Intuitionen vermittelt. Dafür sind keine Ängste notwendig.

© evelyne w.

 

Gedanken über die Angst – II. Macht braucht Angst

 
II.

Ein immer wieder eingebrachtes Argument ist, dass ein Mensch meint, er sei kein Herdenwesen, weil er die Herde meidet, sich lieber von ihr absondern will.
Aber so geht das leider nicht. Er ist und bleibt ein Herdenwesen, weil er als solches „angelegt“ ist (von wem auch immer 😉 )
Damit hier kein Missverständnis entsteht. Die Herde des Menschen ist die Menschheit. Bei ihm müssen nicht viele (Schafe oder Lemminge) an einem Ort zusammengeschart sein.

Aber noch einmal: Ein Mensch ist ohne andere Menschen ein Samenkorn in der Wüste. Er könnte nicht existieren. Er hätte keine Zukunft und keine Vergangenheit.

Das Verhängnis dabei ist, dass Menschen ihre Individualität damit an der falschen Seite aufzäumen wollen.

Sich von der Herde bewusst trennen zu wollen, ist eigentlich kein Zeichen für Individualität, sondern eher für Abgrenzung und Abgrenzung birgt die große Gefahr einer neurotischen Einfärbung. Also meistens ist schon hier Angst im Spiel.

Wichtig für den Menschen wäre es, seine Individualität und sein Herdenwesen jeweils dort anzunehmen, wo sie für ihn wesensgerecht sind.
Leider funktioniert dies in unserer Gesellschaft eher umgekehrt.

Da wir unser Bewusstsein auf den falschen Ausgangspunkt lenken, geben wir im individuellen Verantwortungsbereich die Verantwortung an die Gemeinschaft ab und im gemeinschaftlichen Bereich wollen wir individuelle Bedürfnisse abdecken.

Und wieder: Das ist uns anerzogen!
Meistens unbewusst. Unsere Eltern erziehen uns – zumindest üblicherweise – nicht mit Absicht in diese Richtung. Es ist eine Sache der Dynamik. Sie wurden selber, wie auch die Generationen vor ihnen, bereits auf diesen Weg gebracht.

Aber: Es gibt auch Menschen, die das erkennen und für sich ausnützen. Diese wissen wohl eher auch nicht, warum sie das machen! Sie haben nur selber eine andere Konditionierung ihrer Angst. Deshalb brauchen sie Macht. Und können auf der anderen Seite ihre Ängste perfekt ausblenden, bzw. verdrängen.

Jeder Machthaber handelt aus Angst! Jeder Mörder!
Kriminalität entsteht aus Angst!

Wie ich schon eingangs schrieb: Jeder Mensch hat Angst. Und so gut wie jeder glaubt, er könne sie mit Macht vermindern. Deshalb suchen Menschen immer wieder Gleichgesinnte, als Ersatz der ganzen Herde. Wo sich diese dann ihre Gemeinschaft suchen, also z.b. im Kreis von Kriminellen, Grufties, Spirituellen oder Wohltätern, bleibt ihnen und ihrer Konditionierung überlassen. Und natürlich auch wieder ihren eventuellen neurotischen Störungen.

Das kann man doch sehr oft erkennen. Die Oppositionellen, Unangepassten passen sich nur einer anderen Gruppe an.
Skinheads z.B. unterliegen ebenfalls einer bestimmten Strukturierung ihrer „Herde“ und treten nur vordergründig gegen Angepasstheit auf.

Selbst Menschen, die sich ganz weit zurückziehen, suchen Menschen, die ihre Lebensweise zumindest bestätigen.
Wenn jemand sich so weit zurückzieht, dass er keinerlei Reflektion mehr sucht, ist er üblicherweise sehr schwer psychisch krank.
Muss aber nicht sein! Der Mensch kann auch kompensieren.
Doch auch der einsamste Einsiedler benötigt Kommunikation. Er wird sich eine Ersatzherde suchen. Tiere, Pflanzen, mit denen er kommunzieren wird. Oder Gott.
Sehr gut beschreibt dies Marlen Haushofer in ihrem Buch „Die Wand“.
Was diese Frau hinter der Wand am Leben hält, ist die Verantwortung für ihre Tiere und die Kommunikation mit sich selbst (also mit einem Bestandteil der Menschheit) und ihrer Vergangenheit.

Aus diesen Extremsituationen kann man wunderbar ableiten, dass der Mensch die Herde braucht.
Aber er braucht sie für Anderes als er sie in unseren Breitengraden meistens annimmt.

© evelyne w.