atemlust

ich atme.
atme.
atme.

lust.

perlend
prickelnd
pochend

strömt sie
durch meine adern
ein lungensegel
treibt mich
über das meer
der sinnlichkeit

tief.
ganz tief.
die rote glut.

speit hitze
in mein herz

aus meinem mund
schlängeln sich
feuerzungen

ich atme.
atme.
atme.

 

© evelyne w.

 

lintschi

Ein Schulterbruch ist kein Beinbruch

Ich hab eine unglaublich gute Zeit!
Unglaublich deshalb, weil die meisten Leut das nicht glauben können.
Mein derzeitiges Motto: Ein Schulterbruch ist kein Beinbruch!
Es lässt sich glücklich damit leben!

 
weinberg
 

Ich weiß gar nicht, wo ich beginnen soll, zu beschreiben, wo auf einmal Glück hervorspringt.

Also beginne ich bei den Grundbedingungen. Die rechte Schulter ist gebrochen. Das erste Glücksbüschel: Ein wunderschöner glatter Bruch, der super aufeinanderliegt und keine Korrektur oder Operation erfordert.
Der rechte kleine Finger ist zum Glück – gegen die Erstprognose – doch nicht gebrochen und die Prellung der ganzen Hand und die blaue Geschwulst verliert sich bereits in schlankes grünlich-gelb.
Der rechte Oberarm ist mit einem festen Gurt für 4 Wochen an den Körper fixiert, der nicht abgenommen werden darf. Da geht nicht viel, bis gar nix. Und vor allem die Körperpflege stellt große Herausforderungen. Aber gerade diese Herausforderungen machen das Leben spannend!

Es ist unerwartet viel, das ich auf einmal ausschließlich mit der linken Hand bewältige, mit der ich früher nicht einmal Nase bohren konnte.
Weiters bin ich äußerst kreativ geworden, wie ich Situationen meistern kann. Und geduldig!

 

Mein inneres Kind springt und tanzt um mich herum. Es lernt und ist aufgeregt, und möchte dauernd noch was probieren.

Mein Alltag hat sich selbstverständlich verändert. Das meiste das vorher so wichtig schien, hat sich aufgelöst, ist es also offensichtlich gar nicht gewesen.

Ich habe das große Glück, einen wunderbaren Mann zu haben! Der mich am liebsten derzeit wo hinsetzen und in Watte packen würde, und alles machen tät.
Das geht aber mit der Lintschi nicht so leicht. Denn siehe oben: Da will was in mir lernen, springen und tanzen.
Aber natürlich ist es glückstreibend, dass er so ist, weil es halt wirklich ein paar Sachen gibt, die ich allein und nur mit der linken Hand nicht hinbringen würde, kochen z.B. Und da habe ich eben dieses große Glück, dass er dann „einfach“ da ist.

 

Doch ich habe gelernt, mich mit einer kleinen Ausnahme, nämlich linke Achsel und Rücken, selbst zu pflegen – hab dafür eigene Hilfsmittel entwickelt – mich anzuziehen, die Betten zu machen, das Bad normal zu putzen (ohne Böden, die wischt er – und für besonderes Putzing habe ich ja eh alle zwei Wochen eine Hilfe), kleine oder Küchenhilfsarbeiten zu erledigen, Wäsche schrankfertig zusammen zu legen. Waschmaschine und Geschirrspüler einräumen ist ja sowieso nicht das Problem. Es läuft alles recht gut – was sehr befriedigend ist. Und das macht glücklich!
Wann wart ihr das letzte Mal bei diesen Arbeiten glücklich?

 

Natürlich kann ich einiges, das vorher so unabdingbar wichtig für mich schien, derzeit nicht. Na und? Zeit für Neues oder Wiederentdeckungen.

 

Ich kann meine Maus mit links bedienen und wie man sieht, mit der Linken saubere Texte schreiben.
Außerdem habe ich begonnen, Klavier, bzw. Keyboard spielen zu lernen, was ich schon einige Zeit vor mir herschob (Keine Zeit …). Nun, ich bin wohl einer der wenigen Menschen, die mit der linken Hand beginnen.
Auf einmal ist auch wieder Zeit da, um klassische Musik zu hören – die ich mir leider auch schon viel zu lange nicht mehr genommen hatte.

 

Und da ich nicht schwimmen kann, gehe ich halt wieder in den Weinbergen herum. Als ich hierher gezogen bin, bin ich viele Jahre hier herumgelatscht und hab dabei hunderte Gedichte aus mir herausgeholt. Z.B die erotischen Burgenlandtexte. Und viel sonstige Poesie, auch weihnachtliche.
Dann kam die Luise – und auf einmal rannte nur mehr sie da herum. Ich hatte keine Zeit mehr dafür. Bin schon gespannt, ob jetzt auch wieder Gedichte kommen, die ja bei mir immer Gefühlsausdruck sind. Ich schreibe sie nicht, sondern lediglich nieder.

 

Und Gehen in der Natur löst enorme Glücksgefühle, ja Euphorie in mir aus, wie ich wieder draufgekommen bin.
Also bin ich sehr glücklich.

 

Und all das verdanke ich meinem kleinen Fehltritt.
Mein Motto lautet derzeit also nicht: Des Glück is a Luiserl, sondern ein Schulterbruch ist kein Beinbruch, nein, kann vielmehr sogar ein Glücksbringer sein.

 

 

Ein gutes Neues Jahr

wünsche ich und lasse Euch diesen kleinen Glücksbringer da.
Gleichzeitig informiere ich euch, dass ich ein paar Wochen Pause einlegen muss.
Ich habe mir die rechte Schulter gebrochen, wurde fixiert und bin jetzt für einige Zeit von meiner linken Hand – und meinem Mann 😉 – abhängig.

Also bitte kommt gut ins Neue Jahr!
Und aus Erfahrung der gute Rat:
Schauts genau, wo ihr hinsteigt!

Bis in ein paar Wochen!

Weihnachtliches Resümee

Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut, heißt der Slogan, nach dem unsere Gesellschaft gelenkt werden soll.
Und natürlich wird die Wirtschaft deshalb als Spiegel des Wohlbefindens dieser Gesellschaft angesehen.

Nun hören wir seit geraumer Zeit, vor allem in den so zahlreichen Wahlkämpfen, die heuer gefochten wurden, dass eine Änderung unser Lebensbedingungen unbedingt erforderlich ist. „Wir“ können uns einerseits angeblich das Notwendigste nicht mehr leisten. Unser Kuchen ist nicht groß genug, um ihn mit Notleidenden teilen zu können. Und weiters wird von den Politikern die Klimakrise sorgen- bzw. eher salbungsvoll in den Vordergrund gestellt.
Also die Greta soll sich nicht so aufführen, wir arbeiten doch eh daran …

Nun ja, das Nichtnotwendige geht seltsamerweise nach wie vor in unglaublichen Maßen und wen interessiert schon das Klima, wenn wir um das goldene Kalb in der Krippe tanzen.

Der Handel hat erneut ein Plus im Weihnachtsgeschäft erzielt.
Und das trotzdem fast jeder genervt vom Weihnachtsstress ist und gerne von sich gibt, dass er sich dem Geschenkewahn entzieht.
Hä?
Und nun eine nochmalige Steigerung? An der ein Großteil der Bevölkerung beteiligt sein muss, weil ja keineswegs nur einzelne Reiche die Geschäfte leergekauft haben.

Milliarden Euro. Für circa 10 Minuten, die der Durchschnittsbürger die Kerzen an seinem Weihnachtsbaum brennen hat und sich irgendeinem Weihnachtsritualgedanken widmet.

Und wieder stell ich mir die Frage, wie schon vor Weihnachten: Woher kommt dieses Geld, das in so großer Menge für Geschenke ausgegeben wird, die eh zum großen Teil im Müll landen?
Apropos Müll. An einem Tag wie heute zu versuchen, den ganz normalen Hausmüll zu entsorgen, kann nur scheitern. Über und neben den Containern türmen sich Berge von Verpackungen. Selbstverständlich nicht einmal sorgfältig getrennt.
 


 
Noch ein Wirtschaftsfaktor, bei dem es mir stachelgrün aufsteigt: Was und wie oft heute alles verpackt ist, damit könnte man wohl eine Legion von Obdachlosen unter der Brücke zudecken, die ja so gerne als Beweislegung dafür herangezogen werden, dass wir anderen nicht auch noch helfen können.
Nicht zu vergessen, die Millionen, die dieses unsägliche Lichtergeschrille kostet und natürlich die, die wir dann jetzt auch noch zu Silvester einfach in die Luft pulvern können. Auch da gibt es sicher heuer wieder ein Umsatzplus. Es ist mir ein großes Anliegen, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, wieviele Kinder man damit vor dem Hungertod retten könnte.

Und da kommen natürlich auch noch „unsere Werte“ ins Spiel, die es mit Klauen und Zähnen zu verteidigen gilt. Ehrlich gesagt, ich möchte DIESE Werte nicht teilen!

Für mich hat sich damit nur noch einmal bestätigt:
Die Wirtschaft, dieses Instrument zur Gradmessung unseres Wohlbefindens hat unbeeindruckt von jedem Gejammere, und vollkommen unpopulistisch aufgezeigt, WIE GUT – und nicht WIE SCHLECHT – es uns geht.

Wenn ich mitansehen muss, wie Weihnachten zum Fest der Müllberge umgewandelt wurde, dann frage ich mich, schlafen denn alle in der Pendeluhr? Und ich kann die jungen Leute noch besser verstehen, die auf die Straße gehen und schreien, dass wir ihre Zukunft kaputt machen.

Für mich ist jetzt wieder eine zehnmonatige Schonfrist angebrochen, aber für die Welt?

Weihnachtstextedorf

Ich habe mir einen besonderen Weihnachtskalender gebaut.
Er besteht aus einem kleinen Schachtel-Dorf.

 

 

In jedem Häuschen ist eine Textrolle versteckt.

 

 

Ich werde jeden Tag in eines der Häuschen gehen und den Text herausholen. Manchmal werde ich ihn auch vorlesen.

Ich lade euch herzlichst ein, mit mir in meinem Dorf eine besinnliche Adventzeit zu erleben!

 

24. Dezember

weihnachtsatem   0_button_anhoeren

der duft von frieden
breitet sich
über das land

minutenkurz nur

und doch
riecht es nach hoffnung

ein augenblick
der besinnung
streift über die welt

als atemzug
der hl. nacht

* * * * *

Mit diesen hoffnungsvollen Worten bedanke ich mich für eure Begleitung durch die Adventzeit. ich hoffe, ihr habt in meinem Weihnachtstextedorf ein bisschen Stimmung tanken können.
Und nun – Frohe Weihnachten!