Aus meiner Kindheit

kindheit

 

Vor ca. 70 Jahren lebte ich mit meiner Mutter in einer winzigen Einraumwohnung. Sie konnte nur wenig arbeiten, weil es keine Betreuung für mich gab, die finanzielle Unterstützung reichte oft nicht einmal bis zur Mitte des Monats. Mein Radius war extrem eingeschränkt. Ich musste die meiste Zeit in dieser winzigen Wohnung verbringen. Manchmal (auch schon im Vorschulalter) halbe Tage ganz allein und wenn meine Mutter da war, war es auch nicht so, dass sie viel Zeit dafür aufbringen konnte, um mir Ausgang und Bewegung zu verschaffen.

Sie führte im Austausch für ein paar Lebensmittel Näharbeiten für Nachbarn durch, und um ins Grüne zu gelangen, benötigte man nicht nur Zeit, sondern auch Geld für Fahrscheine und dies war nicht vorhanden. Denn wir wohnten in einem hohen Mietshaus in einer dicht besiedelten Gegend und auch Parks gab es keine. Das Haus hatte zwar einen Hofgarten, aber der war lediglich dem Hausbesitzer vorbehalten.

Ich saß also in der Wohnung, sollte brav sein und keine Bedürfnisse äußern, damit meine Mama in Ruhe arbeiten konnte und auch – sowas spürt man als Kind -, dass sie kein schlechtes Gewissen bekam.

So flüchtete ich in meine Fantasiewelt.
Obwohl wir nur wenig und ganz einseitig zu essen hatten, wurde ich ein dickes Kind.

An meiner Umwelt nahm ich keinen Anteil. Kommunikation war für mich mit Maßregelung und Verstärkung meiner Minderwertigkeit und daraus resultierender Unwichtigkeit verbunden, deshalb versuchte ich, ihr weitgehendst aus dem Wege zu gehen.

Die Zukunft wirkte bedrohlich, meine Mutter war nicht ganz gesund und zu einer Großmutter durfte ich aus familiären Gründen nicht und die andere war zu weit weg. Wobei mich die Bedrohlichkeit der Zukunft nicht beschäftigte, weil ich ja gar nicht wusste, was Zukunft überhaupt ist und nicht darüber nachdachte. Aber die Bedrohlichkeit, die war stark spürbar.

Als ich in die Schule kam war ich die klassische Außenseiterin. Unfähig zur Kommunikation oder zu spielen, bis heute kann ich Spielen aber auch schon gar nichts abgewinnen; mein Enkel kann ein Lied davon singen. Die meisten Kinder damals waren schüchtern und unsicher, also ging niemand auf mich zu. Und ich blieb stumm, auch trotzig, ich wollte mit niemandem Kontakt haben, weil der durch meine Unsicherheit immer schmerzlich für mich verlief. Sport war eine Tortur für mich. Ich war es nicht gewöhnt mich zu bewegen, und konnte keine Freude dafür aufbringen.

Ich brauchte 40 Jahre, eine schwere Krankheit und mehrere Therapien, um mich aus den Fängen des Musters zu befreien, das mir die damalige Isolation und das Unterdrücken meiner Bedürfnisse eingebracht hatte.

Heute bin ich ein gesunder und glücklicher Mensch, aber ich kenne viele meiner ZeitgenossInnen, die sich aus diesen Strukturen nicht befreien konnten. Denn es war ja kein Einzelschicksal, das ich durchlief, nach dem Krieg ging es den meisten Kindern so. Diese verbringen nun ihr Leben in Abhängigkeit, Krankheit, Depression und mangelnder Empathie und denken, das wäre richtig, weil eben das Leben.

Warum ich das schreibe? Ich glaube das erklärt sich von selbst. Aber für jene, die das nicht erkennen wollen, erkläre ich es gern:

Ich möchte unbedingt darauf aufmerksam machen, dass es keineswegs richtig sein kann, eine ganze Generation zu brechen, ihre psychische und auch teilweise physische Ausrichtung in eine Richtung zu leiten, die ihnen ein solches Muster für ihr weiteres Leben vorgibt: In einer Gesellschaft zu leben, die sich nicht um sie, ihr Wohlbefinden und gesundes Aufwachsen schert, und dass ihre Bedürfnisse das Unwichtigste auf der Welt sind.

Psychische Krankheiten sind die Folge und auch die körperliche Auswirkung wird noch in Jahrzehnten unser Gesundheitssystem belasten.

Darüberhinaus werden sie über Isolation dazu erzogen, sich mit Selbstverständlichkeit der Masse anzuschließen, weil ihre persönliche Unsicherheit ihr ganzes Leben nach Führung verlangen wird.
Und dies ist sehr gefährlich für eine demokratische Gesellschaft!

Also bitte, wo sind unsere Kinderschutzprogramme in dieser Krisensituation?
Derzeit kann ich leider nur den Fokus auf einen einzigen Aspekt erkennen.

 

Nabelschau

Immer wieder schreibe ich gerne darüber, wie sehr ich meine Spaziergänge liebe. Sie beflügeln meine Gedanken, meine Gefühle, und manchmal gelingt es mir, etwas davon in Worten auszudrücken.

Ich gehe bei der Tür hinaus und stehe mitten im Weinland. Ein kurzer, flacher Anstieg führt mich auf das Plateau der Parndorfer Platte, wo es scheinbar unbegrenzt Wege kreuz und quer durch das Weinbaugebiet gibt.

Viele Leute sehen eine Eintönigkeit in dieser Landschaft. Ich sehe sie nicht. Jeder Tag, jede Jahres- und Tageszeit, jedes Wetter bringt andere Stimmungen und Farben.

Es laufen Rehe, Hasen, Fasane, Rebhühner über meinen Weg. Raben und Krähen stolzieren krächzend umher, Vögel zwitschern und steigen in Schwärmen auf. Über brachliegenden Flächen kreisen Bussarde oder stehen manchmal nur ganz still. Zitronenfalter flattern, auch die Hummeln sind schon fleißig.

Winzige Blümchen breiten Teppiche zwischen die Rieden, die man nur sieht, wenn man ganz nah ist. Bäume werden zu grüßenden Kameraden.

Ich bin umgeben von Leben, von Wachstum.
Die Weite weitet mich. Keine Enge der Gedanken, keine Enge der Gefühle.

Ich spüre den Atem der Welt und atme und atme. Schreie meine Liebe in die Welt. Auch meine Wut. Erzähle dem Wind von meinen Sorgen. Bade meine Seligkeit in Licht und Sonne.

Die Einflüsterungen der Gesellschaft weichen den Einflüsterungen der Natur. In mir pulst Freude, keine Angst. In mir blüht Dankbarkeit, keine Verzagtheit. In mir wächst die Kraft des Lebens, nicht die Furcht vor dem Tod.

Meine Gefühle tragen mich zu den Menschen, umarmen sie, liebkosen Kinder und sprechen Mut und Hoffnung ins Universum.

Dann nehme ich den kurzen, flachen Abstieg zu meinem Zuhause und diese Fülle in meinen Alltag mit.
Ich nehme mir die Freiheit zu denken, auch kritisch und voller Zweifel. Ich brauche keine Abkehr von der Wahrheit, und auch nicht von der Menschheit. Kein gekühltes Mütchen.

Mein kleines Leben ist nicht der Nabel der Welt. Aber meiner.

 

der einsame weg

der einsame weg

 

einsam. ist mein weg. ich bin es nicht. meine gedanken. meine gefühle. dicht bevölkert. nicht nur von den liebsten. auch von jenen. deren dasein so beschwert. in dieser zeit. ich trage sie. durch meine welt. in der die gnade mir ermöglicht. frieden. freiheit. freude. zu erfahren. für mich gibt es. zu euch keine grenze. keine abwehr. meine gedanken. meine gefühle. sorge und liebe. schicke ich zu euch. auch materielles. wo es mir möglich. ich lasse euch nicht. einsam. auf meinem wege liegen.

 

Ich bin nicht hilflos

Des öfteren bereits wurde ich in den letzten Tagen auf meine Abhandlungen über Hilf- und Machtlosigkeit angesprochen.
„Na, was machst jetzt mit deiner Theorie? Jetzt fühlst dich aber schon auch hilflos, oder?“
Meine Antwort:
Nein! Ich fühle mich auch jetzt nicht hilflos und da ich keine Macht ausüben will, ist die Machtlosigkeit eigentlich gewollt.

Wenn ich Macht ausüben wollte, dann wäre es selbstverständlich, um Frieden in der Welt und Gesundheit für die Menschen zu etablieren. Aber ehrlich, diese Macht ist utopisch, und mit dem Streben danach werde ich mit Sicherheit nicht meine Energie vergeuden.
Auch nicht, wenn es als Aussage dann so schön klingt, wie man oft in diesen wunderbaren Spruchbildern lesen kann, die dann von einem sensiblen, mitfühlenden Gemüt zeugen sollen.

Nein, nicht ich, bitte!

Eigentlich ist es eher so, dass meine damalige ja-nur-Theorie nun auch in der Praxis Bestätigung erfährt.

Was war mein Ausgangpunkt, als es um die Abstraktheit der Hilflosigkeit ging?
Das grundsätzliche Ja zum Leben, zu meinem und zum Lebendingen an sich.
Ereignisse sind davon nicht betroffen. Die Ereignisse bestimmen nicht meine Einstellung, meinen Zugang zum Leben.
Sie bilden den Rahmen. Der Rahmen wiederum stellt Herausforderungen an mich. Die ich dann einzig mit meinen eigenen Entscheidungen bewältige.

Wie schon auch seinerzeit geschrieben, sind meine Entscheidungen nicht so zu fällen, dass sie nur mein eigenes Wohl im Blickpunkt haben, sondern sie müssen mein Wohl und das Wohl der Gemeinschaft auf einer Achse bedienen.

Nun gibt es derzeit Vorgaben für die Allgemeinheit, deren Richtigkeit ich in keinem Fall verifizieren kann. Deshalb ist es für mich logisch, mich den gemeinschaftlichen Forderungen anzuschließen, weil ich eben nicht entscheiden kann, ob sie richtig oder falsch sind.
Experten gibt es für eh alles (wie Günther Paal so schön sagt) und deshalb für alle Richtungen. Denen ist also nicht zu vertrauen.

Zu vertrauen ist mir und meinem eigenen Wollen. Dieses wird nach meinem Ansatz, und deshalb auch nach meiner Einstellung, davon bestimmt, nicht nur mir sondern auch der Gemeinschaft nicht zu schaden. Also bleibt doch eindeutig nur eine einzige Entscheidungsmöglichkeit übrig.
Ich trage die Entscheidung für die Allgemeinheit mit.

Meine Gedanken sind frei und sie bringen einiges an Zweifel und Kritik mit sich. Für mich ist das, was passiert, nicht wirklich denkfähig. Ich kann an dem Virus, mit dem sich Millionen anstecken, die dann leichte Beschwerden haben, das aber für eine bestimmte Gruppe, nämlich für die „Alten und Kranken“ tödliche Auswirkungen haben kann, nichts Ungewöhnliches erkennen. Das ist sogar bei Erkältungen so.

Dass sich irgendein Staatschef nun auf einmal für die Alten und Kranken einsetzt, und dafür sogar die Wirtschaft, das goldene Kalb, schlachtet, ist allerdings absolut absurd für mich. Das haben die alle miteinander bisher nicht einmal nur ansatzweise getan. Also muss was anderes dahinterstehen. Was auch immer. Ich werde mich nicht in Verschwörungstheorien ergehen.

Denn wie ich schrieb:
Zum Unterschied von ich glaube, es besser zu wissen, folge ich meinem Wissen, dass ich es eben NICHT weiß.

 

nicht hilflos

 

Da es mir logisch erscheint, dass in der Distanzhaltung der größte Schutz für mich liegt – ich bin auch nicht an anderen Infektionen interessiert -, ist es ein Leichtes für mich, den entsprechenden Anordnungen zu folgen und die dadurch entstehenden Beschwerlichkeiten mitzutragen.

Über sonstige Gründe zum Auseinanderdividieren der Gesellschaft möchte ich aber lieber nicht nachdenken. Weil sie eben aufgrund meines „Nichtbesserwissens“ in Verschwörungstheorien münden würden. Doch die Auswirkungen zeigen sich ja bereits.

Meine Gefühle sind frei und ich fühle mit den Menschen an die ich denke und trage sie in mir. Egal ob Alte oder Kranke, aber auch nach wie vor Flüchtlinge und alle, die leiden, mit und ohne Zutun anderer. Sie gehören zu mir, zu meinem Menschsein, sie machen mich zu „meinem Ganzen“.

Deshalb sehe ich auch darin eine Verpflichtung mein Leben anzunehmen, und angstfrei und mit Freude zu gestalten.
Weil ich die Möglichkeit dazu habe!

Ich sprach in diesen Tagen schon mehrmals von Gnade und Demut. Denn es gibt viele Menschen, die nicht die Möglichkeit vorfinden, in dieser Situation so dazustehen wie ich.
Und dennoch sind auch all diese Menschen, die es nun so viel schwerer haben als ich, keineswegs hilflos. Ihre Entscheidungen, wie sie mit den Bedingungen umgehen und ihr Leben weiter gestalten, bleiben trotzdem ihre eigenen.

Sie alle haben in meinen Gedanken und meinem Gefühl eine Heimat, aber ich kann ihnen nicht helfen. Das liegt in der Natur der Sache, nicht am Prinzip der Hilflosigkeit. Wir können nicht ALLEN helfen. Dem Menschen sind nun einmal Grenzen gesetzt. Er ist nicht Gott und nicht allmächtig und er tut gut daran, dies anzuerkennen.

Indem ich mein Leben annehme und so gut wie möglich gestalte, schaffe ich Raum und Kraft in mir, um die Anderen nicht aus mir hinausdrängen zu müssen, ihr Leid, ihre Sorgen usw.

Und es gibt mir auch freie Sicht und dadurch Möglichkeiten zu erkennen, die ich vielleicht umsetzen kann. Weil mein Blick nicht von Angst, Hilflosigkeit oder Ohnmacht, Verdrängung oder Abstumpfung getrübt wird.

Viele Menschen die ich kenne, fühlen sich zwar als Opfer der Maßnahmen, lassen sich aber gerne von den öffentlichen Vorgaben einlullen. Sie glauben, wenn sie diese brav umsetzen, wird die Welt oder die Situation sich als Lohn darstellen und alles wieder gut werden.
Sie folgen dem Gehorsam!
Und kaum tritt jemand aus diesem Muster heraus, wird Sanktion gefordert.

Der Ruf nach Strafen, Blockwartmentaliät und Naderei sind die Begleiter dieser ach so wohlmeinenden Mitbürger.

Wie man sofort sieht, wollen sie nur Verantwortung abgeben und folgen ihrer Angst – und in ihrer Angst einem Führer – und nicht der eigenen freien Entscheidung zum Wohle der Gemeinschaft. Was dann auch zu ihrem eigenen Wohle wäre.

Aber das kennen wir ja auch aus anderen Situationen sehr gut. Da hat sich nur das Erscheinungsbild geändert. Die Einstellung der Leute ist ja immer dieselbe. Diese Ansinnen richten sich nun halt gegen „unsere eigenen Leut“.

Was sich nicht geändert hat ist, dass wir nach wie vor eigene Entscheidungen treffen und deshalb keinerlei Hilflosigkeit auftritt.

Wer sich hilflos oder als Opfer fühlt, täte meiner Meinung nach gut daran, dies nicht auf die Gesellschaft abwälzen zu wollen. Es wäre weitaus gesünder, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, um erkennen zu können, warum man Verantwortung abgeben will. Das würde nämlich auch das Immunsystem stärken.

Kommt gut durch diese herausfordernde Zeit!