manche tage
filzen wie moos
neben der quelle
andere hüpfen
über die steine
fröhlich und frisch
und wieder welche
schlammen
den grund und boden
und sie versinken
in dunkler tiefe
eh aus den brunnen
man klares wasser
schöpft
© evelyne w.
manche tage
filzen wie moos
neben der quelle
andere hüpfen
über die steine
fröhlich und frisch
und wieder welche
schlammen
den grund und boden
und sie versinken
in dunkler tiefe
eh aus den brunnen
man klares wasser
schöpft
© evelyne w.
rot flimmert es am horizont. im himmelsdunst in blasser mondsichel schaukelt ein kleiner krieg. die welt hebt kurz den blick. so schön das abendrot! so schön der mond! der kleine krieg lässt sich zur erde fallen. zieht große spur in fackelnd rot. der mond erschrickt und ward nicht mehr gesehen. doch ihn trifft keine schuld.
© evelyne w.
blumen tragen sie
und kerzen
leuchtende boten der erinnerung
im hain des friedens
wo all erlitten ungemach
sich in gedenken wandelt
das hier gezeigt
die überlebenden erhellt
schwarz und gebückt
huschen gestalten
auf den pfaden
die von den tränen
des leides
und der lügen
tief gefurcht
die wahrheit ruht
in ewigkeit
amen
© evelyne w.
Du bist nicht
Was du tun willst
Du bist das
Was du tust
Du bist nicht
Was du sagst
Du bist das
Was du tust
Du bist nicht
Was du denkst
Du bist das
Was du tust
Du bist nicht
Einfach
Was du bist
Du bist das
Wofür du dich entscheidest
Es zu tun
© evelyne w.
aus:
Ich bin aus einem ganzen Stück
Best of Tagebuchgedichte
152 Seiten
Broschiert mit Klappen
vom leib will ich
mir halten euch
die ihr mit blicken
losgelöst
von aller wahrheit
kapitäne spielt
auf den papierschiffen
der eitelkeit
im schmeichelsog
die segel refft
um unter meiner haut
zu ankern
und werde doch
niemals zu leben wissen
leinenlos
© evelyne w.
liebe ist keine frage
der ästhetik
liebe ist eine antwort
der ethik
© evelyne w.
Mir alles geben
Und dann
Mich
Dir geben
Nicht
Dir alles geben
Und dann
Leer
Neben dir stehen
Lerne
Zu wissen
Was du willst
Statt
Dich vor dem
Zu schützen
Was du nicht willst
Er sagte:
Steh auf, nimm dein Bett und geh!
Ich sagte:
Ich kann nicht.
Herr, bitte hilf mir!
Er sagte:
Steh auf, nimm dein Bett und geh!
Ich sagte:
Ich kann nicht.
Herr, warum hilfst du mir nicht?
Er sagte:
Steh auf, nimm dein Bett und geh!
Ich sagte:
Herr, warum willst du mir nicht helfen?
Er sagte:
Steh auf, nimm dein Bett und geh!
Ich sagte:
Herr, warum hörst du mir nicht zu?
Ich kann nicht!
Er sagte:
Steh auf, nimm dein Bett und geh!
Ich sagte:
Herr, warum antwortest du mir nicht?
Er sagte:
Steh auf, nimm dein Bett und geh!
Ich weinte:
Herr, warum lässt du mich so leiden?
Er sagte:
Steh auf, nimm dein Bett und geh!
Ich schluchzte:
Herr, was habe ich getan
dass du mir nicht helfen willst?
Er sagte:
Steh auf, nimm dein Bett und geh!
Ich schrie:
Herr, hörst du nicht?
Ich kann nicht!
Warum hilfst du mir nicht?
Er sagte:
Steh auf, nimm dein Bett und geh!
Ich wurde zornig:
Herr, warum lässt du mich hier liegen und tust nichts?
Er sagte:
Steh auf, nimm dein Bett und geh!
Ich schrie noch lauter:
Ich will es nicht mehr hören!
Da drehte Er sich um und ging.
Ich rief:
Herr, bitte komm zurück.
Lass mich nicht allein.
Er blickte über die Schulter und sagte:
Steh auf, nimm dein Bett und geh!
Ich krümmte mich zusammen
und heulte vor Angst und Schmerz in mich hinein.
Doch Er ging langsam weiter
und drehte sich nicht mehr um.
Voller Zorn stand ich auf
warf mein Bett hinter ihm her und schrie:
Das kannst du doch nicht machen
Du darfst mich nicht allein lassen,
wo ich dich so brauche.
Herr, bitte erkläre es mir doch wenigstens.
Ich kann es nicht verstehen.
Warum hilfst du mir nicht?
Da drehte Er sich um, lachte und sagte:
Na, endlich!