Kategorie: ° Prosalyrik
konzertant
die hand an der geige. fiedelt der bogen ein loch in die kehle. die saite schwingt nicht. sie reißt. dich nieder. wie das lamm unter den lefzen der wölfin. blutest du töne in meine haut. male die nie vernarben.
© evelyne w.
versponnen
in der schale wird sie es vor sich hertragen. ihr herz. oder was von ihm noch übrig. von ihm. ja, auch von ihm, der ihre finger an seine küsse band. der seine finger aber löste aus den unversponnenen fäden. die sie aus ihren augen drehte. sie wird es tragen. alles wird sie tragen. was ihr herz splitterte. und was sie daraus spann.
© evelyne w.
abendlandrot
rot flimmert es am horizont. im himmelsdunst in blasser mondsichel schaukelt ein kleiner krieg. die welt hebt kurz den blick. so schön das abendrot! so schön der mond! der kleine krieg lässt sich zur erde fallen. zieht große spur in fackelnd rot. der mond erschrickt und ward nicht mehr gesehen. doch ihn trifft keine schuld.
© evelyne w.
das leben ist schön
wir weben wolle in das dünne kleid. und frieren dennoch. die augen sind es. die augen. die nach kaschmir glänzen. schultern unter pelzen zucken. hochhackig laufen wir auf dem eis. wen interessiert schon kälte. leben muss schön sein.
© evelyne w.
der name der tränen
sage es mir. sage es mir. immer wieder. nein, schreie es gegen den wind. damit er es an meine lippen stürmt. lass einen namen aus der sonne fallen. einen namen. den du mir gibst. wenn dein schrei sich aus der tiefe bricht. gegen den wind. der salz in meine wunden treibt. die dieser augenblick verschließt. wo tränen zwischen glück und leid nicht unterscheiden.
© evelyne w.
entladen
die wolken
hängen tief
regenschwere trieft
aus meinen säumen
die füße haltlos
im schlamm
der bis zum horizont
sich drängt
bevor jedoch
die nacht anbricht
entlädt sich das gewitter
der sturm trocknet
mein kleid
den boden
und
die sonne steigt
unbelastet
aus dem dunst
des morgens
© evelyne w.
die wölfin
am rand der nacht reibe ich mein fell. blank
lege ich meinen blick in den schoß des mondes. stille
umsäumt deinen ruf. mein schrei
ist kein klagen. an deinen fängen
glänzt neues leben
Variation:
am rand der nacht
reibe ich mein fell
blank
lege ich meinen blick
in den schoß des mondes
stille umsäumt deinen ruf
mein schrei
ist kein klagen
an deinen fängen
glänzt neues leben
© evelyne w.
nach dem regen
ein wildes treiben zwischen den zeilen glanztriefenden weines. der salbei drängt sich mit violettem strahl an der kamille zarten leib. die malve schmiedet ihre ränke über das taumeln des weißen klees. es wogt der busen aufgeschossener jugend unter dem schwülen fordern ungestümer luft. benässt und trunken bettet die dunkle flur sich unter das feuchte spiel.
© evelyne w.


