12. Dezember

 

winternebel 0_button_anhoeren (im Video ansehen)

dort
wo der see sonst funkelt
duckt sich ein streifen licht
unter das schwere grau

ein gelb verblühter weißer rosen
verfließt in winterblassem rot

die welt um mich herum
nur stumme schemen
das land verschluckt
von düsterkeit

mein fuß legt eine spur
auf unbegangenem weg

ich bin mit gott allein

und seine stimme spricht
stille in mein herz

 

Aus meinem Buch

was ist weihnachten für mich

 

11. Dezember

 

heilige nacht 0_button_anhoeren

still ist die nacht
schon lang nicht mehr

trägt sie sterne
unterm hemd der zweisamkeit
so sind sie aufgemalt
auf schwarzen lack

und nicht auf samt gestickt
aus dem leisen einklang
der im inneren schwingt

ein trapez mit lauten lichtern
über unseren köpfen
ersetzt die trinität

und die jungfrau
gebiert den menschensohn
auf dem förderband der kassen

 

9. Dezember

09

 

Der Hauch der Weihnacht 0_button_anhoeren

In Zeiten wie diesen
fällt es mir schwer
ein Weihnachtsgedicht zu schreiben

Vom Geheimnis des Christkinds
und Weihnachtsmännern
mit ihrem geschäftigen Treiben

Vom Glitzer und Putz an geschmückten Bäumen
Von Keksen und Punsch
Von Liedern und Reimen
Von Kinderaugen im Kerzenglanz
Vom stillen Wald im Flockentanz

Weht über die Welt doch Eiseshauch
und unterkühlt den süßen Brauch

Und doch
gibt das Wunder der Hl. Nacht
den Sinn, der das Fest der Weihnacht ausmacht

Wir feiern für die Geburt ein Fest
Für die Ankunft der Liebe die uns Mensch sein lässt

Dieses Fest will uns sagen
nie zu verzagen
Nichts ist ewig verloren
das immer neu geboren
auch aus scheinbarer Not
für uns werden kann

Fangen wir bei uns selbst damit an!

Und dann
lasst uns feiern ein Liebesfest
das dem Hass in uns keine Chance lässt
und sei es dann auch
nach altem Brauch:
Mit Glitzer und Glanz
mit Liedern und Tanz
im Scheine der Kerzen

Doch mit Demut im Herzen
für die Gnade des Platzes
an den das Leben uns stellt

Nur so
hauchen wir
unsere Wärme
in die Welt

 

Aus meinem Buch

was ist weihnachten für mich

7. Dezember

07

 

lost christmas 0_button_anhoeren

der punsch ist zuckersüß.
last christmas, plärrt es
aus dem kassettenrecorder
und ich denke, voriges jahr
war der punsch auch süß.
aber süß wie die liebe.
und meine liebe brauchte keinen zucker.

die säfte deines körpers waren lustgesüßt,
deine haut duftete nach zimt und koriander
und dein atem hauchte mandarinenduft
in die welt.
und in mein herz.

der punsch, der durch meine adern lief,
benötigte keinen aromaverstärker.
er wärmte
und pulsierte küsse
in meine lippen, die du
in kleinen genießerischen schlucken
herunter schlürftest.

und ich sehe deinen blick.
kleine sterne blinkten in deinen augen
und bauten eine goldene brücke in meine,
auf der das christkind
geheimnisvolle geschenke versteckte.

ich habe sie zu schnell ausgepackt,
wie es scheint.
nichts ist mehr davon übrig.

nur ein punschstand mit der aufschrift:
für karitative zwecke,
eine schrill blinkende lichtergirlande
und ein laut plärrender kassettenrecorder.

 

Aus meinem Buch

was ist weihnachten für mich

6. Dezember

kinderweihnacht

 

Kinderweihnacht 0_button_anhoeren

 

Denkt nur
Ich habe den Weihnachtsmann gesehen
Vor dem Einkaufszentrum sah ich ihn stehen
Die Mütze umkränzt mit buntem Laub
Die Stiefel bedeckt mit Spätsommerstaub

In der Rechten ein Handy
Und mit der Linken
sah ich ihn dem Osterhasen nachwinken
Der rasch um die Ecke versuchte zu fliehen
Bevor Halloween-Gespenster ihn mit sich ziehen

Am helllichten Tag
da noch Sommer-Zeit
Von Weihnachtsstimmung entfernt sehr weit

Und dann sah ich die Kinder
Und in ihren Augen die Desillusion
und ihren Glauben
Dass Weihnacht nur aus Kauf von Geschenken besteht
Und beim Weihnachtsmann es um Verkleidung bloß geht

Nicht um seine Geschichten
Nicht um seine Legenden
Nicht um seine Bestimmung
Sich zu verwenden als Knecht des Christkinds
Der die Gaben der Liebe bringt
Nicht dafür
dass überall die Ladenkasse klingt

Und tiefstest Bedauern macht sich in mir breit
Für die Kinder
Deren Vorweihnachtszeit
kein Advent
keine Erwartung mehr trägt
Keine Tradition
liebevoll gepflegt
Nur das Gold des Christkinds von Bedeutung ist
Und der Weihnachtsmann ein skurriler Pensionist

Jetzt
Erwachsene denkt
Was wir den Kindern rauben
Denkt
an unseren Kinderglauben
An Mysterium
Geflüster
Heimlichkeiten
Die Verschwörerblicke der Eingeweihten
Wenn die Rede von Christkind
und Weihnachtsmann war
Die steigende Spannung
Jahr für Jahr

Dann der Abend
an dem endlich das Glöckchen erklang
Doch das Christkind sich wieder
aus dem Fenster schwang
Bevor es uns gelungen
einen Blick zu erhaschen Dabei wollten wir es
diesmal unbedingt überraschen

Dann mit großen Augen und klopfendem Herzen
Nur die Lichter zu sehen die brennenden Kerzen
Stumm vor Ehrfurcht
vor dem Baum der Bäume zu stehen
Und da erst
die Geschenke zu sehen
Kein Kind wußte je wie sie dort hingekommen

Das alles haben wir
unseren Kindern genommen
Drum lasst uns besinnen
Bevor es zu spät
Und der Weihnachtsmann
das ganze Jahr herumgeht
Lasst die Weihnacht
zur Weihnachtszeit uns erleben
Dann können wir sie
auch den Kindern
wieder geben

 

Aus meinem Buch

was ist weihnachten für mich

5. Dezember

05

 

Die Heimat der Weihnacht 0_button_anhoeren

Wo ist die Weihnacht zu Hause?
Dort wo es das Christkind gibt?
In den Ländern wo Christus lehrt
wie man die Menschen liebt?

Doch die Menschen aus seiner Geburt
ein Fest der Konsumwut gestalten?
Oder sich selbstgerecht
für das Zünglein der Weltwaage halten?

Oder in den Gräben der Angst
des Leids und der bitteren Not
ohne Lamettaglanz
von des Weihnachtsmanns Kindern bedroht?

Nein, nicht hier und nicht dort.
Die Heimat der Weihnacht ist an dem Ort
wo auch immer die Geburt der Liebe geschieht.
So dem Hass und der Angst
jede Macht entzieht.

Deshalb ist die Weihnacht zu Hause in mir
und ich bitte dich:
Gib ihr auch Heimat in dir!
Lass in Demut uns unseren Frieden leben

Den wir an die Welt
nur so
weitergeben

 

 

Aus meinem Buch

was ist weihnachten für mich

4. Dezember

04

 

Im Weihnachtswald 0_button_anhoeren

 

„Glaubst du, der Weihnachtsmann kommt heute?“ Zapfl neigt sich zu seinem Bruder Zipfl und beide schauen sehnsüchtig in den Nachthimmel. Kein Lichtpünktchen ist dort zu sehen.
„Ssssnee, Ssssnee“, lispelt ihre kleine Schwester Zapfelinchen. „Ich will in einem weissssen Kleid zu den Kindern kommen.“
Sie hebt mit den mageren Ärmchen ihr Röckchen hoch und buschelt es ein wenig auf.
„Ja, Schnee ist wichtig“, sagt Mutter Zapf. „Wie sonst soll denn der Weihnachtsmann auf seinem Schlitten zu uns kommen können.“
„Meinst du, dass wir endlich groß genug sind?“ Zipfl wendet sich besorgt an Vater Zapf.
Dieser sieht seine Söhne liebevoll an, wenn auch etwas von oben herab.
„Jo“, sagt der dann mit tiefer Stimme. „Das könnte sich ausgehen. Ihr seid ja aber auch wirklich ordentlich gewachsen im letzten Jahr.“

Da öffnet sich die Wolkendecke und die Dunkelheit wird von einem schmalen Mond ein wenig erleuchtet. Alle schauen hoffnungsvoll nach oben und sehen, wie sich von der Sichelspitze kleine Figürchen lösen.
„Die Wichtel“, ruft Zapfl aufgeregt. „Die Wichtel haben sich auf den Weg gemacht. Sie werden den Schlitten des Weihnachtsmanns holen.“
Und wirklich beginnt es da ganz sanft zu schneien.
„Sssssnee, Sssssnee“, jauchzt Zapfelinchen und schürzt ihr Röckchen, um die ersten Schneeflocken aufzufangen.
Glücklich schaut Familie Zapf zu, wie die Lichtung vor der Wildfütterunghütte dick weiß zugedeckt wird.
Ein Brausen erfüllt die Luft und in einem großen Bogen biegt der Schlitten des Weihnachtsmannes auf den freien Platz. Die Wichtel springen geschäftig herab, beruhigen die Rentiere und nehmen die Plane vom Schlitten, während der Weihnachtsmann mit großen Schritten auf die Familie zuschreitet.

„Weihnachzsmann, Weihnachzsmann“, ruft Zapfelinchen und zappelt aufgeregt auf ihrem Platz hin und her. Der Mann in dem roten Mantel lächelt freundlich auf die Kleine hinab, dann wendet er sich zu Vater Zapf und seinen Söhnen.
„Na, ihr seid aber tüchtig gewachsen“, sagt er anerkennend und nickt den beiden Jungen freundlich zu.
Er setzt die Brille auf die Nase und blättert in seinem dicken Notizbuch.
„Ja, da habe ich sehr schöne Plätze für euch“.
Zapfl und Zipfl wird ganz warm ums Herz. Der Schnee, der sie schon eingekleidet hat, schmilzt dabei ziemlich rasch weg.
„Und den Vater brauche ich für das Krankenhaus. Da brauchts einen besonders großen, starken“, sagt der Weihnachtsmann.
„Weihnachzsmann, Weihnachzsmann“, ruft Zapfelinchen wieder. „Und ich? Hast du liebe Kinder für mich. Ich habe mein hübsssestes Kleid an!“
„Zapfelinchen, du bist noch zu klein. Weißt du, heute wollen alle Menschen große Weihnachtsbäume. So kleine machen ihnen keine Freude mehr. Du bleibst noch hier und nächstes Jahr bist du sicher eine hübsche, schlanke Tannendame, für die ich viele Wunschzettel haben werde, aus denen wir den schönsten Platz für dich heraussuchen.“
„Aber, wenn nun alle fortgehen …“ Eine Träne glitzert über ihr mageres Gesichtchen.
„Ich lasse doch deine Mama bei dir. Damit sie gut auf dich acht gibt und darauf schaut, dass du dich gesund ernährst und keine Dummheiten machst. Und als kleinen Trost habe ich dir auch etwas Hübsches mitgebracht.“ Mit einer raschen Handbewegung streut er ein paar funkelnde Eiskristalle über ihr Kleid.

Papa Zapf und die Brüder verabschieden sich mit glücklichen Gesichtern und springen auf den Schlitten. Die Wichtel decken sie sorgfältig zu, der Weihnachtsmann macht einen kleinen Diener zu Mama Zapf und streichelt Zapfelinchen über die Wange, dann braust der Schlitten schon wieder durch die Lüfte.
Der Wind weht den Klang eines übermütigen Liedes zu den Zurückgebliebenen.

Mein Weihnachtstraum
Weihnachtstraum
Wird endlich wahr

Als Weihnachtbaum
Weihnachtsbaum
steh glänzend da

Steigt Weihnachtsduft
Weihnachtsduft
aus meinem Haar

Bring Weihnachtsglück
Weihnachtsglück
der Kinderschar

„Lalala lalala …“, summt Mama Zapf die Melodie mit und streicht ihrer kleinen Tochter liebevoll über die glitzernden weißen Löckchen. Dann kuscheln sie sich beide selig seufzend in ihr schneeflockenweiches Bett.