7. Dezember

07

 

lost christmas 0_button_anhoeren

der punsch ist zuckersüß.
last christmas, plärrt es
aus dem kassettenrecorder
und ich denke, voriges jahr
war der punsch auch süß.
aber süß wie die liebe.
und meine liebe brauchte keinen zucker.

die säfte deines körpers waren lustgesüßt,
deine haut duftete nach zimt und koriander
und dein atem hauchte mandarinenduft
in die welt.
und in mein herz.

der punsch, der durch meine adern lief,
benötigte keinen aromaverstärker.
er wärmte
und pulsierte küsse
in meine lippen, die du
in kleinen genießerischen schlucken
herunter schlürftest.

und ich sehe deinen blick.
kleine sterne blinkten in deinen augen
und bauten eine goldene brücke in meine,
auf der das christkind
geheimnisvolle geschenke versteckte.

ich habe sie zu schnell ausgepackt,
wie es scheint.
nichts ist mehr davon übrig.

nur ein punschstand mit der aufschrift:
für karitative zwecke,
eine schrill blinkende lichtergirlande
und ein laut plärrender kassettenrecorder.

 

Aus meinem Buch

was ist weihnachten für mich

6. Dezember

kinderweihnacht

 

Kinderweihnacht 0_button_anhoeren

 

Denkt nur
Ich habe den Weihnachtsmann gesehen
Vor dem Einkaufszentrum sah ich ihn stehen
Die Mütze umkränzt mit buntem Laub
Die Stiefel bedeckt mit Spätsommerstaub

In der Rechten ein Handy
Und mit der Linken
sah ich ihn dem Osterhasen nachwinken
Der rasch um die Ecke versuchte zu fliehen
Bevor Halloween-Gespenster ihn mit sich ziehen

Am helllichten Tag
da noch Sommer-Zeit
Von Weihnachtsstimmung entfernt sehr weit

Und dann sah ich die Kinder
Und in ihren Augen die Desillusion
und ihren Glauben
Dass Weihnacht nur aus Kauf von Geschenken besteht
Und beim Weihnachtsmann es um Verkleidung bloß geht

Nicht um seine Geschichten
Nicht um seine Legenden
Nicht um seine Bestimmung
Sich zu verwenden als Knecht des Christkinds
Der die Gaben der Liebe bringt
Nicht dafür
dass überall die Ladenkasse klingt

Und tiefstest Bedauern macht sich in mir breit
Für die Kinder
Deren Vorweihnachtszeit
kein Advent
keine Erwartung mehr trägt
Keine Tradition
liebevoll gepflegt
Nur das Gold des Christkinds von Bedeutung ist
Und der Weihnachtsmann ein skurriler Pensionist

Jetzt
Erwachsene denkt
Was wir den Kindern rauben
Denkt
an unseren Kinderglauben
An Mysterium
Geflüster
Heimlichkeiten
Die Verschwörerblicke der Eingeweihten
Wenn die Rede von Christkind
und Weihnachtsmann war
Die steigende Spannung
Jahr für Jahr

Dann der Abend
an dem endlich das Glöckchen erklang
Doch das Christkind sich wieder
aus dem Fenster schwang
Bevor es uns gelungen
einen Blick zu erhaschen Dabei wollten wir es
diesmal unbedingt überraschen

Dann mit großen Augen und klopfendem Herzen
Nur die Lichter zu sehen die brennenden Kerzen
Stumm vor Ehrfurcht
vor dem Baum der Bäume zu stehen
Und da erst
die Geschenke zu sehen
Kein Kind wußte je wie sie dort hingekommen

Das alles haben wir
unseren Kindern genommen
Drum lasst uns besinnen
Bevor es zu spät
Und der Weihnachtsmann
das ganze Jahr herumgeht
Lasst die Weihnacht
zur Weihnachtszeit uns erleben
Dann können wir sie
auch den Kindern
wieder geben

 

Aus meinem Buch

was ist weihnachten für mich

5. Dezember

05

 

Die Heimat der Weihnacht 0_button_anhoeren

Wo ist die Weihnacht zu Hause?
Dort wo es das Christkind gibt?
In den Ländern wo Christus lehrt
wie man die Menschen liebt?

Doch die Menschen aus seiner Geburt
ein Fest der Konsumwut gestalten?
Oder sich selbstgerecht
für das Zünglein der Weltwaage halten?

Oder in den Gräben der Angst
des Leids und der bitteren Not
ohne Lamettaglanz
von des Weihnachtsmanns Kindern bedroht?

Nein, nicht hier und nicht dort.
Die Heimat der Weihnacht ist an dem Ort
wo auch immer die Geburt der Liebe geschieht.
So dem Hass und der Angst
jede Macht entzieht.

Deshalb ist die Weihnacht zu Hause in mir
und ich bitte dich:
Gib ihr auch Heimat in dir!
Lass in Demut uns unseren Frieden leben

Den wir an die Welt
nur so
weitergeben

 

 

Aus meinem Buch

was ist weihnachten für mich

3. Dezember

3.12.

 

lichtermeer   0_button_anhoeren

 

gedankenfunken
reibe ich in die nacht
um zu entzünden
ein lichtermeer

das wärme aus
herzen strömen lässt
die welt umfängt mit hellem glanz
in dem der frieden sichtbar wird
auch blinden augen

verirrte seelen wege finden
die armut sich voll scham
aus dunklen höhlen schleicht
wo weihnachtsbäume sich erheben
die mit dem gold offener hände
reich geschmückt

nehmt an die kerze dieser nacht
entzündet eine lichterkette
die allen menschen leuchtet
und nicht im stillen kämmerlein
an einsamkeit erlischt

lasst uns
einander die hände reichen
feiern das fest
das uns zu menschen macht

 

spätwein

tage
fließen aus dem krug
der mein leben ist

tiefrot und süß
der wein
aus später ernte

der zum genießen
einlädt im kreise
von vertrauten

und nicht mehr
glas um glas
voll fusel
mich leeren lässt

auf den partys
einsamer eitelkeit

 

© evelyne w.

 

die nackten zahlen

der tag neigt sich. unter seiner last. er schleppt die bürde seines zorns. zynismus wirft geröll auf seinen weg. müdigkeit torkelt durch seine adern. er starrt auf seine leeren hände. brot schimmelt in verschlossenen truhen. wasser verfault in geschliffenen karaffen. dagobert duck badet in seinem münzensee. voyeure des todes schaufeln gräber. bedienen die geilheit schau-lustiger. kein platz für nackte überlebende.
erst wenn auch sie zu zahlentoten werden.

 

© evelyne w.