Was die Lese-Leine will

 
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Die Textinstallation Lese-Leine bietet auf handgeschöpftem Büttenpapier grafisch aufbereitete Texte – meistens Gedichte -, deren Besonderheit es ist, dass sie außerhalb ihres Leseflusses umgebrochen sind.
Dadurch wird ihr Rhythmus gebrochen und meistens ihr Sinn verfremdet, nur weil man sie nicht so liest, wie sie eigentlich als Fließtext geschrieben sind. Einzelne Zeilen ergeben oft ganz neue Lesarten.
Oder man muss genauer hinsehen, um ihren Sinn zu erfahren. Dadurch werden Inhalte wesentlich eindringlicher wahrgenommen, als wenn man Texte in logischer und harmonischer Reihenfolge abliest.

Sie wurden deshalb auf einer Leine gesammelt, weil jeder der Texte in Zusammenhang zu einem anderen steht.
Die Wäschespinne als Grundobjekt wurde gewählt, um sie zusammenhängend auf relativ kleinem Raum präsentieren zu können.
Anders als in einem Buch ist ihre Präsenz offen, es kann auf einen Blick Bezugnahme hergestellt werden.
Da das Objekt die Möglichkeit bietet, an allen Seiten zu lesen, können sich mehrere Personen gleichzeitig mit den Inhalten auseinandersetzen und kann sofort öffentlicher Dialog stattfinden.

 

 

Die Lese-Leine

 
Nun habe ich endlich eine Präsentationsmöglichkeit für meine umbruch.freien Texte gefunden.
Ich wollte kein Buch damit machen. Ich hab eh schon so viele …
Und da ich in der letzten Zeit einiges an Installationen zu sehen bekam, bei denen sehr oft die trivialen Dinge des Alltags verwendet wurden, hat mich das dazu angeregt, selber einmal eine „Installation“ zu basteln.

Ihr hier wisst das ja schon. Das Besondere an diesen Texten ist, dass ich sie außerhalb ihres Lesesflusses umbreche. Und sie dadurch manchmal ihren Sinn verfremden, nur weil man sie nicht so liest, wie sie eigentlich als Fließtext geschrieben sind. Oder man manchmal genauer hinsehen muss, um ihren Sinn zu erfassen. Dann werden Inhalte natürlich auch eindringlicher wahrgenommen, als wenn man Texte einfach so runterliest, einen nach dem anderen.

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Am Samstag wurde die Lese-Leine im Rahmen „Offene Ateliertür im Burgenland“ im Atelier der tollen Malerin Lucja Radwan präsentiert.

lese-leine
Ich glaube, sagen zu können, dass sie sehr gut bei den Besuchern ankam.
Und auch sonst, wo ich sie herzeigte …

Dann gab es noch eine einäugige Lesung und als Überraschung sang eine Besucherin traumhaft schön das Ave Maria.
Es war ein extrem emotionaler Nachmittag. Soooo schön!
An solchen Tagen weiß man ganz genau, welche Qualität Kunst und Kreativität
in das Leben bringt.

praesentation leseleine

Diese Lese-Leine wird nun auf „Tournee“ gehen. Ich werde sie immer wieder bei verschiedenen Veranstaltungen – wo man es mir gestattet 😉 – aufstellen.
Die Texte werde ich immer wieder austauschen, wenn es neue gibt …
Und sie werden nicht verkäuflich sein. D.h. sie werden sicher einzig und allein um ihrer selbst willen präsentiert.

 

 

Dagegen ergibt auch dafür

 
Mein Motto ist es,
nicht GEGEN etwas, sondern FÜR etwas aufzutreten.

Wenn man gegen etwas auftritt, bringt man genau das wieder in die Welt, wogegen man eigentlich auftritt, vermehrt es also.

Das ist nicht bloß eine Naivphilosophie von mir.
Wir reagieren immer vollkommen intuitiv auf den ersten Eindruck, den wir von etwas bekommen. Er bildet ein emotionales Engramm. Und dieses bleibt so gut wie unbewusst.
Dann erst kommt unser Verstand und der erzählt uns dann eventuell das Gegenteil.
Das erzeugt wiederum in uns enorme Ambivalenz, Die meisten Menschen der westlichen Welt versuchen, diese über das Hirn in den Griff zu kriegen. Aber das Unbewusste ist immer stärker.

Immer wieder werden grausige Fotos verbreitet und darunter steht dann, dass der Veröffentlicher die Leute damit aufrütteln will.
Aber gerade Fotos sind das besondere Verhängnis in unserem medialen Zeitalter. Die meisten Menschen lesen nicht mehr, was darunter steht, aber das Foto hat seinen Abdruck in ihnen hinterlassen.

Das wissen nicht nur Psychologen. Das weiß auch jeder ernstzunehmende Werbeprofi. Deshalb werden Fotos mit klaren Aussagen verwendet und wenig Text. Und dieser natürlich so prägnant wie möglich.

In den letzten Tagen wurde ein schlimmes Plakat verbreitet.
Darunter stand dann, dass es provokativ gemeint war. Die gemeine Botschaft, die auf dem Plakat stand, war in diesem Zusammenhang absolut unwahr und sollte dazu dienen, zu polarisieren. Und natürlich für den Veröffentlicher Vorteile bringen – denn auch hier waren mit Sicherheit Werbeprofis am Werk.

Also genau der Vorgang, den ich vorher so schön theoretisch beschrieben habe.
Es knallt einem eine Botschaft ins Auge und darunter ist der Zusatz – es war nicht so gemeint, Es sollte nur „aufrütteln“.

Was passiert da?
Genau!

Die meisten Menschen sehen den Zusatz nicht mehr.
Und die böse Botschaft ist in der Welt und verbreitet sich …
In diesem Fall wurde öffentlich gemobbt und die Mobbingdynamik kann nie wieder rückgängig gemacht werden. Mit noch so vielen gerichtlichen Beschlüssen und Widerrufen. Denn die liest auch keiner mehr.

Seit Jahren versuche ich, diesbezüglich aufzuklären. Aber es ist ein Tropfen auf den heißen Stein.
Die Menschen lieben es einfach, andere über das Böse in der Welt „aufzuklären“. Anstatt sie über das Gute aufzuklären und dieses dadurch auf genau dem gleichen Weg zu vermehren.

Auch hier wieder:
Diese Menschen suchen Verbündete gegen ihre Ängste. Aber sie bieten nichts zur Lösung der Probleme und zur Verdichtung der persönlichen Sicherheit. Sie schüren die Ängste immer weiter.
Und ihre eigenen bedämpfen sie noch zusätzlich damit, dass es ja „die Anderen“ sind, die für das Böse in der Welt sorgen.

Wer sich jemals ein bisschen für Psychotherapie interessierte, der kennt das Prinzip der Affirmation.

Die Botschaft an das Unbewusste muss klar und kurz definiert werden. Und muss einen SEINszustand ausdrücken, keinen HABEN-Wunsch.
Das Unbewusstsein kennt nur SEIN und es kennt kein „NICHT“.

D.h wenn ich mir eine Affirmation bastle „ich möchte NICHT ängstlich sein“, dann nimmt das Unbewusste die Seinsbotschaft „ängstlich“ auf und richtet sich danach. Denn – mit „ich möchte“ kann es auch nichts anfangen. Weil es in diesem Zusammenhang einen Habenvorgang bezeichnet.

Die hilfreiche Affirmation würde lauten: ich BIN mutig.

Wenn man also unter diesen Gesichtspunkten an all das Negative denkt, das unter dem Mäntelchen „nicht“in die Welt geblasen wird, erkennt man eindeutig, wie der Schuss eigentlich nach hinten losgeht.

 

 

Weshalb es MIR nicht wurst ist II.

Zu Teil I.

 

II.

Ich denke in diesen Tagen oft: Ich bin eine der ganz wenigen, die sich nicht von einem Bart von der Situation ablenken lässt, in die uns dieser gebracht hat.
Das liegt wahrscheinlich daran, dass der Song-Contest ja eindeutig zu meinen AUS-Knopf-Programmen gehört.

Deshalb wurde mein Interesse erst durch die Berichterstattung der Nebenschauplätze geweckt.
Und da entdeckte ich mir absolut vertraute Situationen.
Weil ähnliches Verhalten mir oft das Leben schwer macht.
Denn auch ich werde hin und wieder gemobbt.

Mir geht es im kleinen oft so, wie Conchita im großen.
Wenn ich mich mit meiner Meinung exponiere, weht immer wieder starker Gegenwind. Und oft wird er im persönlichen aufgemischt.

Ich habe erst vor kurzem damit zu kämpfen gehabt, dass SchreibkollegInnen meinten, es wäre unangebracht, in meinem Alter meine Haare noch so rot zu färben.
Und ich bräuchte mich nicht zu wundern, wenn ich immer wieder anecken würde (es ging um meine Texte!), wenn ich mich doch dadurch dauernd so aggressiv in den Mittelpunkt rücken würde. Denn damit strahle ich angeblich eindeutig Aggressivität aus. Und zwar eine, die meinem Alter nicht mehr angemessen zu sein scheint.

Ich spinne also wieder aus.
Toleranz in üblichen Aussagen:
Natürlich habe ich nichts gegen Homosexuelle, mir doch egal, was die zu Hause machen. Aber in der Öffentlichkeit …Und wenn sie sich nicht „normal“ verhalten, dann brauchen sie sich nicht zu wundern.
Aha.

Lintschi denkt also darüber nach, was das für sie bedeutet:
Natürlich hat niemand etwas gegen alte Weiber, die sich die Haare rot färben, aber bitte nicht in der Öffentlichkeit. Wenn sie aus dem Haus gehen, dann bitte Grauhaarperücke aufsetzen. Sonst brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn man sie von der Gehsteigkante stößt, wenn sie doch so aggressiv auftreten.

Das scheint Euch an den Haaren herbeigezogen? Na dann denkt noch einmal in Ruhe darüber nach …

Ich selber werde nie nachvollziehen können, was Menschen dazu treibt, andere zu mobben oder zu verfolgen.
Ich denke, es geht immer um Angst.

Ich muss gestehen, ich steige in diesbezüglichen Diskussionen auch oft aus. Denke mir, man kann die Welt nicht umdrehen. Also drehe ich lieber mich um und gehe weg.
Aber dann kommt so ein zartes Dingelchen und stellt sich vor Millionen hin und zeigt so viel Mut und Konsequenz, dass mir die Spucke wegbleibt.
Und ich wünsche mir: Ich wäre gern so mutig!
Ich verschanze mich hinter meiner Tastatur und oft hinter meinem Tagebuch, in das ich all das dann nur für mich schreibe, damit ich mich nicht dauernd mit Anderen konfrontieren muss …

Und deshalb bin ich froh, dass es solche Typen gibt, mit denen man (auch ich!!!) dann zumindest mitlaufen kann. Und den Negativ-Mitläufern wenigstens auf diese Weise etwas entgegensetzen kann.

Und noch etwas. Ich verstehe schon das nicht:
Mir persönlich wäre der Wurst-Bart absolut wurst gewesen.
Ob ein/e Künstler/in einen bunten Federhut auf hat oder einen Bart im Gesicht … Andere sind seltsam gewandet oder geschminkt oder tragen Masken. Ich habe noch nie bei einem Künstler nach seiner sexuellen Orientierung gefragt. Übrigens auch nicht bei Menschen, die sonst meinen Weg kreuzen. Die geht mich doch absolut nix an, oder?

Im gesamten gesehen ist Conchita Wurst für mich eine ästhetische Erscheinung.
Wenn ich an die ganzen abgefuckten Drogenabhängigen denke, die da oft auf einer Bühne herumkollern. Oder eben diese polnischen Hausfrauenbusenwunder …

Ich denke, wenn er die wirklichen Geschlechtsmerkmale in den Vordergrund gerückt hätte …
Wie das ja oft bei Travestiekünstlern (und nicht nur bei diesen) der Fall ist. Riesige Busen, aufgepolsterte Pöpsche, oder er hätte sich ja statt dem Bart auch einen Dildo umhängen, oder ein Suspensorium das Abendkleid ausbuchten lassen können. DAS wäre schlimm gewesen …

Aber ein Bart?
Ich kämpfe jeden Morgen mit meinem!

lintschi bye

(Ende der Wurst-Wurst)

 

 

2w1758auch hier und heute noch einmal, liebe freunde …
schreiben und denken kann ich ja blind. lesen ist im augenblick noch das größere problem. nur, dass ihr euch über eventuell seltsam anmutende antwortrituale dann nicht wundert …
ps: aber es geht mir gut! und alles läuft „normal“ – ach nein, das wort ist bei mir im augenblick grad nicht so positiv besetzt sagen wir also lieber doch exakter: absolut komplikationslos …

 

 

weshalb es MIR nicht wurst ist

 
Nein, für mich ist es noch nicht vorbei.
Natürlich, wenn man sitzt und viel Zeit zum Nachdenken hat und eh schon von Haus aus dazu neigt …
Und da der Hype um die Person und um den ESC naturgemäß nicht das ist, was mich beschäftigt. Denn der ist bereits gelaufen. Da läuft jetzt nur mehr die Werbe- und Mäntelchen-in-den-Wind-häng-Maschinerie.

Aber mir geht es um das, was da alles transparent wurde.
Deshalb spinne ich an Umlegungen auf andere Bereiche, um selber vielleicht auch zu mehr Transparenz beitragen zu können. Auf Auswirkungen, die sich von der Person losgelöst, einfach durch umgelegte Situationen ergäben.

Es gibt zwei Bereiche, die mich daran beschäftigen.
Zum Einen das Umlegen des Geschehenen auf andere Menschengruppen.
Und zum Anderen das Umlegen auf meine eigenen Situationen.

Heute als erstes: das Umlegen auf andere Menschengruppen.

Ich spinne also aus, dass ein österreichischer Durchschnitts-, also „Normalo“-Typ dort gestanden wäre. Einer mit schwabbeligem Bierbauch und Trainings-Anzug, Einer, wie sie zu Massen abends mit der Bierflasche vor den Fernsehern lümmeln.
Oder eine schicke Yuppie-Tussi. An der wahrscheinlich noch viel weniger echt wäre, als an dem guten Tom.

In einem sehr ernsthaften Beitrag wurde einer dieser Typen gezeigt, die Conchita ihre Meinung geigten. Der sich schämte, dass Österreich (also er) durch sie vertreten würde. Er hatte wohl an die 120 kg, trug ein vorsintflutliches Buschhemd, ließ nicht nur seinen Bauch, sondern auch viel von schlechtem Benehmen heraushängen und die faschistischen Aussagen waren Programm.

Man kann in der Zwischenzeit auch gut erkennen, wer eindeutig am meisten wettert. Das sind die „normalen“ Typen, die sich in Scharen auf Fußballplätze oder ähnliche „ganze Männer“-Sport- oder sonstige Veranstaltungen treiben lassen, tätowiert bis an die Zähne und deren Sprachschatz auf Parolen reduziert ist. Diese schwingen sie nun auch hier und man erkennt sie am zweiten Wort schon an der mangelnden Grammatik oder Rechtschreibung …

Ich sags wies ist: Gerne gestehe ich diesen Leuten das Recht zu, zu leben, wie sie es gerne möchten, und meinetwegen auch in der Öffentlichkeit. Auch wenn sie immer wieder mein Auge oder meinen Geist beleidigen.
Aber bitte, wenn es denn schon sein müsste, dass ich wählen müsste, dann wäre ich doch auch lieber auf die Art normal wie der kleine Tom und nicht SO normal wie einer dieser Typen, oder dieser aufgespritzen Tussen …

Noch mehr beschäftigt mich aber, in die Richtung zu spinnen, dass jemand eine Gruppe von Kopftücher tragenden Muslim-Damen geschickt hätte. Oder eine Gruppe Sinti oder Roma.
Nun, da wäre wohl eine noch größere Hasswelle über Europa geschwappt.
Aber wenn ich dann weiter spinne, dass auch hier der Hass eine Absage erhalten hätte …
Dann macht das doch Hoffnung!

Vor allem kann man dann doch wirklich klar erkennen, wie der richtige Weg aus Hass und Krieg aussehen müsste. Genau so!

Es muss also Menschen geben, die nicht zu Ausgrenzung, Vergeltung und Rache auffordern, sondern welche, die sich für Akzeptanz einsetzen. Für die Freiheit des Einzelnen, zu sich selbst zu stehen. Und toll, wenn sie das unter Einbeziehung ihres eigenen persönlichen Mutes tun. Nicht auf dem Rücken Anderer.

Denen kann man dann folgen. Da muss man selber nicht einmal den kleinen Finger heben. Was den meisten bekanntermaßen ja schon zu viel ist. Verständlicherweise größtenteils aus Angst!

Doch dann kann man das Verhalten der Masse angstfrei akzeptieren. Muss die Ängstlichen nicht anprangern und diese müssen sich nicht hinter irgendeinem krausen Verhalten verstecken. Einfach, weil sie dem Positiven folgen.
Es IST und bleibt der einzige zielführende Weg.

Aber Normalo-Typen werden wohl nicht leicht als Galionsfiguren wahrgenommen. Das wissen wir doch von uns, die wir uns immer wieder als Prediger in der Wüste fühlen …

Dass die Geschmäcker unterschiedlich sind – ja, sein sollen! – das ist doch klar. Und das ist doch genau das, wofür diese Conchita eintritt. Und es kann doch auch niemand glauben, dass egal, wer immer gewonnen hätte, dieser Beitrag einhellig vom Publikum aufgenommen wäre worden.

Aber das Besondere daran ist ja nicht das Lied, ist nicht die Person, sondern ist das, was dadurch ausgelöst wurde. Ein solidarisches Bekenntnis von Millionen Menschen aus ganz Europa und darüber hinaus, zur persönlichen Freiheit. Trotz enorm starkem Gegenwind.

Den Shitstormern wurde die Scheiße ins eigene Gesicht zurückgeblasen. Sie haben sich selber angeschissen.
Denn alle anderen haben keine Scheiße gesprüht.

Ich verstehe gar nicht, wieso es Leute gibt, die glauben, nun müssten sich alle an der Kunstfigur Conchita orientieren. Nun würden Werte auf den Kopf gestellt. Nun müssten alle plötzlich schwul werden, um „normal“ zu sein. Das können doch nur Menschen glauben, die sich keine persönlichen Freiheiten erlauben und sich jeder vorgefertigten Richtung anschließen.

Genau das Gegenteil ist der Fall! Conchita tritt dafür auf, dass jeder die Freiheit besitzen sollte, so zu leben, wie es seinen Neigungen entspricht. Und da geht es nicht nur um sexuelle! Also dürfen selbstverständlich auch die Konservativen konservativ bleiben.
Aber verfolgen sollten weder die Freigeister, noch die Konservativen, irgendjemanden auf der Welt.
Wenn wir an die Missionare denken, wissen wir heute ganz genau, dass auch diese guten Leutchen, die derart angeblich hohe moralische Werte vertraten, nichts anderes wollten, als über Zwang Macht auszuüben und die Welt keineswegs verbesserten.

Freiheit heißt das Zauberwort! Nicht Zusammenrottung Gleichgesinnter.
Aber Freiheit macht Angst! Das ist ein bekanntes psychologisches Problem.

 

Fortsetzung – Teil II.

 

 

was MIR nicht wurst ist

 
Natürlich wird jetzt viel gejubelt. Beinahe jeder fühlt sich berufen, nun seine Solidarität zu bekunden. Und ja, auch ich mache das.
Sehr gerne!

Und doch denke ich immer wieder, eigentlich gehen alle Kommentare am Wesentlichen vorbei.
Für mich geht es hier nicht um einen Sieg für so schwammige Begriffe wie Toleranz, und auch nicht darum, diese Homosexuellen gegenüber schulterklopfend zu zelebrieren.

Für mich geht es schlichtweg um einen Sieg über den Hass!

Was hier im Vorfeld abgelaufen ist, diese Hetze, diese Häme, bis zu Mord- und (natürlich auch) Vergasungsaufrufen und was weiß ich … ist unbeschreiblich. Es wurde ja nur das Böse in die Welt geschwappt. Denn wie oft üblich, die Masse blieb schweigend. Und abwartend! Das darf man jetzt nicht vergessen.

Ich möchte gar nicht an die Möglichkeit denken, dass Conchita Wurst total abgesackt wäre.
Dann wäre sie nämlich Freiwild geworden. Und diese Masse an Kellerasseln, die aus ihren Löchern gekrochen wären, um sie zu jagen und weiter zu beschimpfen und zu bedrohen, da kriege ich im nachhinein noch Atemnot vor Angst.

Doch … 350 Millionen Menschen waren dabei, als dem Hass eine klare Absage erteilt wurde! Und sei es auch aus Protest- oder Mitläufergründen …

Dieser zierliche Mann, denn für mich ist und bleibt Conchita ein Mann, und zwar aus dem einzig wahren folgenden Grund – zeigte mehr Eier als die blitzblauäugigen Machos unserer Gesellschaft und waffenschwingenden Kraftprotze dieser Welt alle miteinander.
Denn Tom ist kein Dummer, das hat er in den wenigen Stunden nach seinem Sieg am allerdeutlichsten gezeigt. Er weiß genau, was er tut, er weiß, warum er es tut und er hat den Mut dafür, sich und das, was er vertritt unter Bedingungen zu vertreten, die fast keine Grauzonen bieten, die meistens entweder Liebe oder Hass hervorrufen.

Und die Mitläufer sind überall. Und in diesem Fall laufen sie nun mit dem „Guten“.
Aber sie wären wohl auch mit dem „Bösen“ gelaufen.
Wir kennen das aus der Geschichte nur allzu gut.

Die Bewunderer wären weiter schweigende Minderheit geblieben. Und ich muss gestehen, auch mir wäre ein Song-Contest und dessen Gewinner nicht einen Buchstaben Wert gewesen. Abgesehen davon, dass mich der ganze Song-Contest absolut nicht interessiert, und auch seine Teilnehmer nicht. Ich mich aber an sich nie zu Fernsehprogrammen äußern würde, weil es einfach einen AUS-Knopf am Gerät gibt.
Aber dort, wo sich Anhänger deklariert hätten, wären sie sofort ebenfalls zu Verfolgten geworden. Wie es die Anders“artigen“ eben nun einmal sind.
Denn es geht hier nicht nur um Homosexuelle!

Es geht um Menschen, „die an Frieden und Freiheit glauben“, um Menschen, die Anderen zugestehen, zu leben, wie sie es für sich richtig halten, und niemanden anderen dabei verletzen!

“ Wir sind unaufhaltbar“ sagte Conchita. Und das stimmt, wir WÄREN unaufhaltbar, wenn wir nur alle so starke Männer wären, wie die Frauen unserer Welt …

Nicht von ungefähr hat er sich wohl für seine Botschaft als Frau verkleidet.
Denn Tom Neuwirth will keine Frau sein. Er ist ein Mann, der gerne Kleider und High-Heels trägt, sich gerne schminkt und für Mode interessiert. Und der mit seiner Kunst leben will. Wie alle anderen Künstler.
Er selber sieht sich nicht als Ikone, als Berufener, die Welt zu retten. Er sieht sich als Mensch, der sich die Freiheit nimmt, so zu leben, wie er sich spürt. Und ich hoffe, er wird weiterhin genug Kraft haben, sich dem Druck derer, die ihn nun für ihre Zwecke einspannen wollen, widersetzen zu können.

Aber was ich bisher von ihm gehört habe, bin ich da sehr zuversichtlich.

Gehört … da dachte ich gerade … ja, das ist wohl der springende Punkt. Denn ich schaue ja aus bekannten Gründen derzeit eher mit geschlossenen Augen. Also HÖRE ich … und offensichtlich sieht man dann auch klarer … weil man sich nicht von einem Bart in einem hübschen Frauengesicht ablenken lässt.

Und noch einen Aspekt finde ich absolut erwähnenswert:
WIR wird diesmal nicht im Sinne von national(istisch)er Zusammengehörigkeit verwendet, sondern für völkerübergreifende Einstellung zu Frieden und Freiheit. Das gefällt mir besonders gut daran.

Conchita, du bist eine wunderbare Frau und Tom, du bist ein ganzer Kerl. Ich gratuliere dir dazu, dass du beides in dir vereinen kannst!

© evelyne w.

 

2w1758
bitte liebe freunde, nehmt es mir nicht übel, wenn ich im gegebenen fall nur minimal und höchstens einmal täglich kommentare beantworte. aber ich bin immer noch im minimal-computerprogramm.
wie sich in der zwischenzeit herumgesprochen hat, hatte ich eine augen-op.
ich hab erfahren müssen, dass wenn man eine halb“öffentliche“ person ist, man so etwas leider nicht mehr privat halten kann.
„freunde“ tragen so etwas dann gerne in welt …
kein beinbruch, aber ich bitte um verständnis, dass ich mir derzeit nur kurze computer-lese- und schreibzeit erlaube.
aber dieser beitrag war mir, der frau liebesforscherin, und hinterfragerin von „masse und macht“ wichtig …

 

MOhnblumen

 
mohnblumen

ich will ein bäumchen pflanzen
in meinem seelengarten
dort in dem hain
in dem die liebe austreibt
blüten der erinnerung

in seinem schatten
will ich dich finden
in deinem kleid
aus duftig mohn

das wir gemeinsam nähten
in den tagen
als wir barfuß liefen
durch die rotwogenden felder
zu den brunnen unserer kindheit

 

liebe mo,

ich danke dir
für die zeit die ich mit dir verbringen durfte
für die wunderbaren worte die du gabst
und für dein immer für mich dasein
in jedem mohnblumenfeld …

deine lintschi

 

wortreise

 
ohne dich
sind worte heimatlos

kochen in wortsuppen
denen die würze fehlt

wiederkäuen sätze
zu einem brei
aus einerlei

und doch
schicke ich täglich
meine immer gleichen
zu dir

weil ich nur so
bei dir sein kann

 

© evelyne w.