farbenspiel

ich bin ein farbenspiel
satte röte strömt in mir
mit beiden händen male ich
gelbe sonnenkreise
in die tage

meine füße
laufen sich grün
auf blühenden wiesen
über die mein blick
azurne bläue spannt

orange und lila
rosa und indigo
ziehe ich aus meinen augen
und ohren

doch nicht ein pünktchen
türkis

 

 

innen vs. außen

ich bin zuhause
in meinem leben
in meiner liebe
in meinem körper
in meiner welt

in mir.

das außen zieht an den fenstern vorbei wie schemen aus einer anderen galaxie. schwarz-weiße arabesken bilden schachbretter der zeit. fremde wesen drohen zu mir herein, pressen ihre fratzen an die scheiben. aus ihren augen quillt der hass, aus ihren mündern tropft die gier. klauenfinger weben dichte netze zum einfangen der lemminge.

manchmal öffne ich die tür, werfe licht in die gasse, die ich durch ihre masse dränge, und gehe unbeirrt den weg meines lebens.

auch im außen.

 

die neue normalität

normalität.
was ist schon normalität.

meine normalität
ist seit vielen jahren
getragen von ruhe
– auch stille
liebevoller verbundenheit
– auch im alleinsein

ich genieße mein zuhause
in dem mein mitbewohner frieden heißt
wo aus dieser zweisamkeit
gedanken und gefühle wachsen
die mich und andere wärmen

der blick aus dem fenster
zeigt mir natur
im kleid der jahreszeiten.

auch im jetzt
hat sich mein leben nicht verändert
und doch …

 

trete ich aus dem haus. ist die normalität eine andere. als früher. chaos. sorgen. existenzangst. wachsen aus dem boden der gesellschaft. hinter masken. verbreitet sich der argwohn. berührungslosigkeit. vollzieht trennungen. aggression. stürmt um die ecken. verbeißt sich in die kehlen der kritik. blutleer liegt der mut auf den straßen. die henker der wahrheit übernehmen das kommando. trampeln die rufer der menschlichkeit nieder.

 

ich fühle mich
als würde ich auf dem zauberberg leben
stehe fassungslos an seinem fuß
und schreie in die welt

WAS
bitte WAS
ist diese normalität?

 

 

die nackten zahlen

der tag neigt sich. unter seiner last. er schleppt die bürde seines zorns. zynismus wirft geröll auf seinen weg. müdigkeit torkelt durch seine adern. er starrt auf seine leeren hände. brot schimmelt in verschlossenen truhen. wasser verfault in geschliffenen karaffen. dagobert duck badet in seinem münzensee. voyeure des todes schaufeln gräber. bedienen die geilheit schau-lustiger. kein platz für nackte überlebende.
erst wenn auch sie zu zahlentoten werden.

 

© evelyne w.