Welche auch immer

Drei alte Männer in einem Zimmer.
Liegen mit Kathetern in ihren Betten.
Aufstehen gibt’s nicht.
Neben ihnen liegt ein „Pflegeverlaufszettel“.
Sie werden zu Untersuchungen gebracht.
Dazwischen kein Blick kein Ton.
Stundenlang.

Sie bekommen ihr Essen.
Nach einiger Zeit wird es abgeräumt.
Sie können nicht allein essen.
Manchmal ziehen sie sich aus und liegen nackt herum.
Wahrscheinlich stundenlang.

Besuche gibt’s keine.
Zumindest habe ich noch keine gesehen.
Und ich bin täglich da.
Stundenlang.

Einer telefoniert manchmal.
Mit seiner Frau.
Er will sie nicht sehen.

Und ich frage mich:
Wo ist die Liebe?
Welche auch immer.

 

 

worthülsen

und dann liegen da
die hülsen dieser worte
die sie sprechen
jeden tag
zu jeder stunde


gesetze kriechen
aus dem dürren staub
ihrer herzwüsten
denen sie schon längst
das wasser abgegraben


egal
ob aus dummheit
ignoranz
oder selbstgefälligkeit


knöcherne fäustchen
ballen sie in kameras
und wissen nicht
dass schöne hände jene sind
die geben
und nicht nur nehmen

 

 

echtheit vs. realität

in den kulissen der gegenwart tummeln sich die puppenspieler an den fäden der sogenannten realität. an einem bändel hängt ein neuer hintern. an einem anderen ein song, der nichts von seinem interpreten weiß. auf der bühne drängen sich worte die ihren zweck im wort verpuffen. pressen sich an ein ohr das sprache nur vom hörensagen kennt. ein inhalt sucht verzweifelt einen mund. offene hände blieben bei der maniküre. der boden unter den füßen wird ausgerollt als roter teppich für das hochverehrte publikum.

 

 

© evelyne w.

aufwachbunt 2.0

und dann ist da einer jener tage
wo das glück in dir aufsteigt
ohne dass du weißt woher es kommt

tanzend und singend läufst du
durch die straßen deines lebens
lachst dir ins herz
und allen die sie nicht niederschlagen
in die augen

an den serpentinen
auf dem weg zum gipfel
blüht es aufwachbunt