hochzeitstag

an diesem tag
lege ich mein glück
vor mir auf den tisch
und betrachte es zärtlich

jede faser deines du
jede verknüpfung unseres wir
jede freude meines ich

jeden morgenkuss
fast blind noch
und doch so spürbar nah

den alltag
der seinen sinn erfährt
im miteinander

die wunderbaren umarmungen
die halt mir geben
und geborgenheit

wärmende spaziergänge
in der sonne unseres herbstes

und den ausblick auf einen winter
der mit dir
nicht kalt werden kann

dann
nehme ich mein glück in beide hände
und lege es in deine

der luxus meines alters

täglich öffne ich die kassette
mit den schätzen an erfahrungen

wühle mit beiden händen
in den kleinodien der gegenwart

lasse erinnerungen
wie funkelnde juwelen
durch meine finger rieseln

ich schwimme
im warmen infinity-pool
meiner liebe zum dasein

den blick gerichtet auf
die landschaften der zufriedenheit

mein gelebtes märchen
heißt aschenbrödel

kindheit in not
alter in luxus

erbsenzähler, schmeichler
und parolenschleuderer
werfe ich in ihre töpfchen

und!
ich habe den prinzen geheiratet!

* * *

und solange wir nicht gestorben sind … Wprinzenpaar"

Konkrete Poesie zum Thema Herbst im Burgenland

Ich bin durch eine Freundin auf einen sehr interessanten Lyriker gestoßen,
auf Eugen Gomringer. Diesen führt man als „Vater der Konkreten Poesie“.
Ich finde diese Wortspielereien, die aber keineswegs willkürlich gestaltet werden, sondern einer bestimmten Ordnung oder/und einem Versmaß folgen müssen, absolut spannend.

Und eine dieser Formen habe ich nun für zwei Gedichte für meinen Herbst im Burgenland angewendet. Wahrscheinlich einigermaßen unzulänglich, aber weil ich es einfach unglaublich inspirierend fand.

 

golden
gold
gold und rot

rot
rot und violett

violett
violett und rot

gold und rot und violett und
sturm im glas
*)

 

schilf
schilf
schilf und wellen

wellen
wellen und winde

winde
winde und schilf

schilf und wellen und winde und
abflug der störche

© evelyne w.

*) für meine deutschen leser/innen: federweißer nennt man in österreich sturm