tageswalzer

lebenssäfte strömen. in mir.
das leben drängt. aus mir.

an meinen zweigen
treiben blüten
und in meiner krone
bauen bunte vögel
ihre nester

ihr jubilieren
übertönt den lärm der zeit
verdichtet sich
zur sinfonie der liebe

meine füße können
nicht länger stillhalten
sie schlüpfen
aus den erdigen wurzelschuhen

barfuß
tanze ich den walzer
dieses tages

 

paso doble


zuerst war ich ein wenig bestürzt. als du mich in die mitte der tanzfläche zogst, einen schritt von mir zurücktratest und mich den augen aller so ganz allein preisgabst. dein blick fixiert am horizont hinter der rose in meinem haar. und deine starken arme fest an die hosennaht gesenkt. doch dann brandete applaus auf. unter dem ansteigenden stakkato deiner tritte bebte der boden. ein heißes schnauben drängte mir sand in die augen. mit einem einzigen ruck schwangst meine röcke du, warfst meine beine dieser ungezähmten kraft entgegen. locktest die wut der gier auf meine spur, mich zu ergeben dem strom des blutes.

© evelyne w.