frühlingsrausch

 

und ich tauche in die tage. aus denen sich der frühling windet. in krokusgelb und fliederweiß. und aus den rieden treibt der kleine rausch des anfangs. reibt sich an kirschenmündern rot und färbt mein blut. das schäumend durch die adern brandet. um sich zu stürzen in das spiegelblau des sees. der diese heimat mir zur wollust flutet.

© evelyne w.

 

mein herbstrotes haar

herbstrot


mein herbstrotes haar
wehe ich zu dir
blattgoldgesprenkel
in nachtgrünem blick

es war der frühling
der den morgen aufließ
wie eine taube
in die weite dunstiger ahnung
sonnengespinste
zeichnete auf den
scheitel der verheißung

und zarte knospen trieb
aus den ästen mit denen wir
die welt umarmten

als der morgen fiel

ließ er die früchte
der erinnerung zurück
im korb der sehnsucht

und kahle äste
recken sich
in den abend
auf dem scheitel
meines herbstroten haars

© evelyne w.

mein herbstrotes haar - audio

 

sternenblues

 
aus sternennacht
wälzt sich der blues
schleppt dunkle töne
in das lied der sehnsucht

hinter verbissenem mund
zieht atem flache kreise
aus leeren augen
rieselt schwarzes salz

in brünstig‘ blut
ein saxophon verzittert

aus weicher kehle
stürzt ein stummer schrei

© evelyne w.

sternenblues - audio

 

aschermittwoch

 
eine närrin war ich
und dachte doch
ich wäre colombine
mit rotfunkelndem kussesmund
und bommeln an den röcken
wippend im takt
meiner zu dir hüpfenden schritte

die tränen sind nicht mehr gemalt
am auge meines herzens
die röcke schwer wie blei
die füße kalt
erfroren fast
beim tanze auf dem eis
deines grausamen spiels

der fasching ist vorüber
die demaskierung

die närrin bleibt

© evelyne w.

aschermittwoch - audio

 

wundgelebt

 

wundgelebt

ja
ich sauge dich aus
sauge meine worte aus deinem blut
sauge mein blut aus deinen worten

ich giere
nach dem absinth deiner gedanken
lecke letzte tropfen
auf allen vieren kriechend
aus den ecken der erinnerung
taumle durch die gänge
der schweigsamkeit
auf der suche nach deinem samen
in der bitteren neige

und mein leben
lebt nur
in alten wunden

© evelyne w.

 

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DemPoem No. 6 – Waschtag ist!

Und auch heute eine kleine Hilfestellung: Waschrumpel
.

Waschtag ist!

In der Waschküche
dampft es warm
Im Kessel kocht
die Wäsche

Wir gießen sie
in den Waschtrog
Und krempeln uns
die Ärmel hoch

Und wir waschen
und reiben
die Wäsche im Waschtrog

Was nicht gekocht wird
muss gerumpelt werden
Dafür nehmen wir
die Waschrumpel

Und wir waschen
und rumpeln
die Wäsche im Waschtrog

Dann holen wir
die Kinder rein
und stellen sie
in den Waschtrog

Und wir waschen
und baden
die Kinder im Waschtrog

Und dann
auch noch uns

© evelyne w.

waschtag ist - audio