Ein ganz besonderes Adventerlebnis

 


Heute hatte ich eine weitere Weihnachtslesung im Kurhaus im Nachbarort, wo ich ja regelmäßig lese. Das sind immer ganz kuschelige Lesungen im kleinen Rahmen (10-30 Personen), die aber immer sehr stimmungsvolle Zusammenkünfte sind. So auch heute. Und heute waren es 15 (inkl. eines Jungen mit schwerem Down-Syndrom).

Aber jetzt zum absoluten Highlight:

Vor der Lesung kamen zwei Damen mit dem Jungen zu mir. Ich kann das schwer schätzen, aber ich würde sagen, er war zwischen 12 und 14 Jhre alt.
Ein ganz armer Bursche. Sie haben mir nachher auch noch erzählt, was er erst die letzten Wochen durchmachen musste und dass er deshalb gerade besonders verstört ist. Sie versuchen gerade, ihn wieder halbwegs „ins Leben zurückzuholen“. Er wurde schwer misshandelt und so …

Ich traf sie im angeschlossenen Cafe und sie sagten, sie würden gerne zur Lesung kommen, aber es sei ihm heute schon alles zu viel. Er sei extrem unruhig.
Ich sagte dann: Aber versuchen sie es doch einfach. Wenn es nicht geht, dann können sie doch jederzeit hinausgehen. Mir macht das nichts.

Sie kamen dann in den Lesungsraum, um mir zu sagen, dass sie nun doch nicht kämen, weil er bereits herumzuschreien begonnen hatte.

Ich wieder: Das ist schade, aber wie immer sie sich entscheiden. Wenn sie es versuchen wollen, ich bin sofort dafür!

Sie gingen mit ihm ein bisschen spazieren und kamen dann. Es ließ sich schwierig an, er wollte schon gar nicht bei der Tür herein und er war während der erste Texte wirklich extrem unruhig. Er schrie zwar nicht, aber er gab dauernd irgendwelche Geräusche von sich und war auch sitzunruhig.

Ich las konzentriert und unbeeindruckt – einfach wie immer. Und konnte die Leute auch gut mitnehmen, so dass er auch für sie nicht allzu „störend“ war.

Dazwischen lächelte ich ihn auch immer an und hatte Augenkontakt mit ihm – er saß in der zweiten Reihe, mir genau gegenüber. Und plötzlich, so nach dem 3./4. Text – als dann auch die ersten gereimten Texte kamen – wurde er immer ruhiger! Die zweite Hälfte hörte man von ihm nicht einen Mucks!

Mutter und Großmutter, die ihn begleiteten, sagten nachher, meine Lesung und meine Stimme, und mit Sicherheit auch die Emotion, mit der ich las, haben ihn einfach angesprochen und beruhigt.

Ich glaube nicht, dass ich schon jemals bei einer Lesung etwas Schöneres erlebt habe!

Ich habe dann nachher auch mit ihm „gesprochen“. Er kann sich zwar nicht mit Worten artikulieren, aber er mochte mich merkbar und wir haben miteinander gelacht. Sie kauften ihm dann ein Buch und ich habe es extra für ihn mit seinem Namen signiert. Das ließ er dann nicht mehr aus den Händen …

Ich schwebe noch immer …
Es war ein überwältigendes Erlebnis, dass ich mit meiner Stimme, meiner Art zu lesen, offensichtlich Menschen erreichen kann, die Worte als Begriffe nicht verstehen.

Ach ja, und noch etwas: Alle Anwesenden waren ebenso fasziniert und fanden, dass dies ein ganz besonderes Erlebnis auch für sie war!

 

1. Advent – Wieder-Eröffnung meines Weihnachts-PodCasts

 

LyricVoice Weihnachtslesungen

lyricvoice weihnachtslesungen

Ein Advent ohne weihnachtliche Texte ist für mich wie ein Adventkranz ohne Kerzen.
Solche Lesungen bringen mir immer ganz besondere Stimmung und Freude.

Deshalb habe ich vor einigen Jahren meinen Weihnachtslesungs-Podcast eingerichtet. Um aus dem virtuellen Raum Besinnung, Ruhe und wohliges Knistern in reale Wohnzimmer lesen zu können.

Ich lese eigene und auch Texte von anderen Autoren, klassische oder mit Genehmigung. Gern erfülle ich auch Wünsche. Wenn jemand einen besonderen Text gelesen haben möchte, dann bitte ich um eine kurze Nachricht.

Ich wünsche eine liebevolle Weihnachtszeit!

 

Writer’s Life in miniatures II.

 

Bauchladenautor

Ich bin ein Bauchladenautor. Nein. Nein. Kein Buchladenautor.
Bauchladenautor. Ein Genre. Geboren in den Jahren des Digitaldrucks.
Grenzen wurden dichtgemacht. Andere geöffnet. Von der Marktwirtschaft. Im Verlagswesen.
Ich nütze. Möglichkeiten, die es Jahrhunderte vor mir nicht gab.

Im großen Zirkuszelt. Üben sich Clowns im Flic Flac. Unter der Peitsche der Dompteure.
In den Clubs. Tanzen Autoren nackt. An der Stange ihrer Texte. Nur in der Arschfalte findet sich Platz. Für die Geldscheine der Investoren.
Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten. Drängt sich das teuer blutende Druckwerkvolk. Hinter den Ständen aus durchsichtigem Plexiglas. Wächst ein Müllberg. Aus verrottenden Haufen an Geschwätzpapier.

Ich drehe meine Orgel selbst. An der Ecke. Die ich mir ausgesucht. Im Tingel-Tangel ist das Leben bunt. Und echt.
Abgeschminkt steht man vor dem Publikum. Direkt. Verantwortlich.
Man liest. Man diskutiert. Man verkauft. Wird nicht verkauft. Auch nicht gekauft.

Ich stelle es geschickt an. Finde Münzen in dem Hut. Den ich am Abend leere.

Immer und überall. Trage ich meinen Bauchladen bei mir. Klappern gehört zum Handwerk.
Aktiv muss man sein. Als Bauchladenautor. Kreativ. Schreiben allein genügt nicht. Muss zu allem stehen. Können. Was man tut. Immer und überall.

Und ist kein Hampelmann. Kein Spiegelküsser. Sondern ein Profi.
Eine Ich-AG. Nennt man das heute. In der Marktwirtschaft.
Ich. Nenne mich. Verlagswesen.

 

bauchladen

 

bauchladenautor - audio

 

 

In der Umarmung des Alters VII.

 

Geistzeit

Ich bin ein Wirtschaftsfaktor. Sonst nix. Mehr.
Für die Gesellschaft. Im Allgemeinen.
Für meine Familie und Freunde natürlich nicht. Dafür habe ich gesorgt.
Vorsorgen ist wichtig. Wenn auch anders als in der Werbung propagiert.

Als Wirtschaftsfaktor hat man ein gutes Leben. Es werden viele Produkte und Aktionen angeboten. Man kann sie nützen. Oder nicht. Aber es gibt sie. Immerhin.
Wieder einmal: die Gnade der Geburt!

Dass man dem Alter in der Öffentlichkeit sonst keinen Raum gibt, schafft der Persönlichkeit große Räume. Ein Schritt neben dem Mainstream lebt es sich angenehm. In jedem Alter.
Doch in der Jugend wird das bemerkt. Und ist ein Makel. Den Makel des Alters gibt es nur pauschal. Als Zeitgeist.
Doch was interessiert mich der Zeitgeist?

Ich habe vorgesorgt. Mein Geist ist zeitlos. Und meine Zeit nicht geistlos.

 

In der Umarmung des Alters VI.

 

Erfahrungen

Sie stampft mit dem Fuß auf.
„Mama sagte – das verstehst du nicht. Da bist du noch zu jung dafür. Wieso glauben die Alten immer, dass sie gescheiter sind?“
Ich lächle. Ich verstehe sie gut.
„Liebes“, sage ich, „wir sind nicht gescheiter, sondern erfahrener.“
„Aber deshalb kann ich doch auch etwas verstehen.“
„Selbstverständlich. Und deine Sicht auf die Dinge sollte für die Alten immer interessant bleiben.“
Sie schmiegt sich flüchtig an mich.
„Entschuldige bitte!“
„Wofür?“
„Für die Alten.“
„Komm, lass uns nicht an Begriffen hängen bleiben. Du nicht am Zu-jung-sein. Ich nicht am Alt-sein. Doch deine Sicht auf die Dinge haben die Alten wahrscheinlich schon hinter sich. Du aber musst noch viele Erfahrungen machen, um eine reifere Sicht auf die Dinge zu bekommen.“
„Wenn ich das schon höre. Erfahrungen machen. Ich will einfach leben.“
Ich lächle wieder.
„Leben ist, aus Erfahrungen zu lernen.“
Sie kräuselt die Nase.
„Wie das schon klingt …“
Wieder verstehe ich. Doch wie kann ich ihr helfen, zu verstehen?
Meine Erfahrung wird mir einen Weg zeigen.

 

Lebe vor dem Tod!

 

Weil ich in den letzten Tage in den verschiedensten Situationen damit konfrontiert wurde, eines meiner Lieblingszitate, von einem meiner hohen geistigen Mentoren.
Leider ist er viel zu früh verstorben und es blieb mir verwehrt, ihn persönlich kennen lernen zu dürfen.

Prof. Erwin Ringel:
Ob es ein Leben nach dem Tod gibt, wir wissen es nicht.
Aber eines ist sicher: Es gibt ein Leben vor dem Tod.

Lebe es!
Denn für dich ist es nicht egal, wie dieses Leben vor dem Tod aussieht,
so lange du am Leben bist.
Unser Sinn liegt in uns selbst, nicht in dem, was uns umgibt.